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Baku war die große Unbekannte

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Baku war die große Unbekannte

Am letzten Maiwochenende schaute die Welt nach Baku zum Eurovision Song Contest. Der komplette Dekorationsbau der Bühnen und der Moderationsplattform stammten wie im Vorjahr von den MCI-Werkstätten von Studio Hamburg. Deren künstlerisches Handwerk sowie technische Umsetzung ist ebenso am Nachrichtenstudio des ZDFs in Mainz oder im Erweiterungsbau des Auswanderungshauses in Bremerhaven zu sehen, wo Teile des New Yorker Grand Central Stations 1:1 täuschend echt nachgebaut wurden.

Mit einer Belegschaft von rund 70 festen Mitarbeitern sind die Werkstätten, die seit einigen Jahren zum System- und Handelshaus MCI gehören, breit aufgestellt und decken die Bereiche Bühnen- und Ausstattungsbau für Film- und Fernsehen, Shows, Theater und Musical wie auch Szenografie für Ausstellungen und Museen ab. Trotz der Erfahrungen mit dem vorjährigen Eurovision Song Contest in Düsseldorf, die Show im fernen Aserbaidschan in der aus dem Boden gestampften neuen Cristal Hall, die an ein großes Schneekristall erinnert, stellte noch mal eine neue Herausforderung dar. „Die Planung für dieses Projekt waren bereits seit Weihnachten 2011 im Gange. Doch die Zeit, die uns zur Verfügung stand, war knapper als im Vorjahr in Düsseldorf. Dies ist den besonderen Bedingungen dieses Projekts in einem fernen Land geschuldet“, erklärt Jörn Denneborg, Leiter der MCI-Werkstätten. „Baku war für uns die große Unbekannte wegen der Sprachschwierigkeiten, der anderen Mentalität und auch wegen des Materialtransports und der Einfuhrbedingungen. Trotz alle dem hat durch die lange Vorplanung und aufgrund der guten Zusammenarbeit aller beteiligten Firmen die Umsetzung vor Ort reibungslos funktioniert.“

Rund zwei Wochen im April hatte ein Team aus 60 Spezialisten, Tischlern, Dekorateuren, Elektrikern, Malern, technischen Zeichnern und Schlossern im Tages- und Nachteinsatz für den Aufbau der Bühnen und Dekorationen gesorgt. Das Material wurde in 25 Standard Container (40 Fuß) großteils per Bahn oder auch mit LKWs nach Baku transportiert. Im Auftrag von Brainpool TV verantworteten die Werkstätten die technische Umsetzung des Großevents. Im Mittelpunkt stand auch in diesem Jahr der Bau der Hauptbühne mit allen dekorativen und technischen Elementen. Für derart große Aufträge arbeitet MCI mit einem Netzwerk von Fachkräften und Firmen zusammen. Weitere Auftragnehmer von Brainpool TV bei diesem Projekt waren CT Video GmbH für die Videotechnik und Cape Cross, die für das Licht-Design gesorgt haben. Baku stellte gewiss eine besondere Herausforderunge dar, doch das Team sei es gewohnt, bei nahezu allen Projekten mit großem terminlichen Druck umzugehen, sagt Denneborg und fügt hinzu: „Hier liegt unsere große Stärke, da die Auftrags-Entscheidungen häufig sehr spät getroffen werden. Wird ein Auftrag erteilt, heißt das oft, dass die Umsetzung in kurzer Zeit vollendet sein muss. So etwas funktioniert nur mit viel Erfahrung und einem hoch motivierten Team. Termintreue genießt bei uns eine hohe Priorität.“

Highlight für die Kreativen in den Werkstätten

Das gilt sicher auch für den Ende April in Bremerhaven eröffneten Erweiterungsbaus des Auswanderhauses, für den die MCI-Werkstätten den New Yorker Grand Central Terminal in Teilen nachbauten. Die Gestaltung und Konzeption lag beim Hamburger Planungsbüro Andreas Heller Architects & Designers. Der Teilnachbau des New Yorker Hauptbahnhofs war ein Highlight für die Kreativen in den Werkstätten. Hatte die Dauerausstellung im Auswanderhaus bisher bei der Ankunft der deutschen Auswanderer geendet, soll nun dargestellt werden, wie diese ihre ersten Schritten in der neuen Welt erlebt haben. In der Ausstellung fokussiert sich dies auf den Grand Central Terminal, dessen Wartehalle und Ticketschalter von rund 30 MCI-Mitarbeitern binnen zwei Monaten im Modell nachgebaut wurde. Die Herausforderung bestand im originalgetreuen Nachbilden der verschiedenen Materialien wie Sandstein, Marmor und Messing, wie sie in der echten Wartehalle oder an den Fahrkartenschaltern zu finden sind. Vom echten Sandstein wurde ein Silikongipsabguss gefertigt, aus dem mit Hilfe einer neuen Polyuretan-Beschichtungsanlage die Sandsteine nachgebildet wurden. Auch Schmuckelemente und Messing-Verzierungen von Lampenfassungen konnten mit der Beschichtungsanlage und Kunststoff-Materialien täuschend echt nachempfunden werden. „Die Arbeit von Studio Hamburg war absolut brillant!“ schwärmt Architekt Andreas Heller, der die handwerkliche Qualität in der Ausführung und den kreativen und motivierten Teamgeist lobend hervorhebt.

„Serienfertigung gibt es bei uns nicht. Wir erschaffen jeden Tag etwas Neues. Der Reiz für unsere Arbeit liegt im künstlerisch-kreativen Bereich“, gibt Denneborg eine sehr positive Arbeitsplatzbeschreibung ab. Die Fluktuation in der Belegschaft sei entsprechend gering. Kreativität, durchdachtes Design und Präzision erfordert auch der Bereich der technischen Möblierung von Regieräumen, Sendestudios und Technikzentralen. Diese Einrichtungen erforderten Maßarbeit auf der ganzen Ebene vom Entwurf mit 3D-Visualisierung über Ausführungsplanung bis zur Endmontage – alles aus einer Hand, heißt es sinngemäß in einer Informationsbroschüre des Hauses. Die Werkstätten haben die ARD-Tagesschau technisch möbliert, aktuell die Schnittplätze für das ZDF zur Fußball-EM erstellt und auch die technischen Möbel für das im vergangenen Jahr neu eingerichtete ZDF-Nachrichtenstudio geschaffen – in dessen leicht futuristischem Look Klaus Kleber immer ein wenig wirkt wie Captain Kirk auf der Kommandobrücke im Raumschiff Enterprise. Nun stellen die Werkstätten auch noch einen Mustertisch für die Deutsche Flugsicherung her. Um im Bild zu bleiben, kann die Losung hierfür doch nur heißen: „Beam me up Scotty“.
Bernd Jetschin
(MB 07/08_12)

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