Mebucom / News / Business / Bildqualität auf neuem Level
Bildqualität auf neuem Level

News: Business

Bildqualität auf neuem Level

Auf der NAB Show 2017 stand bei zahlreichen Ausstellern das Thema High Dynamic Range (HDR) im Fokus. Diskutiert wurde, ob HDR in Kombination mit HDTV oder mit 4k/UHD die beste Lösung ist. MEDIEN BULLETIN sprach darüber mit Produktexperten einiger Hersteller.

Nicht mehr, sondern bessere Pixel sollen die TV-Bildqualität künftig auf ein höheres Level heben. Dabei ist High Dynamic Range (HDR) das Mittel der Wahl. Das Verfahren erlaubt die Nutzung einer breiteren Farbskala und eines höheren Dynamikbereichs, der durch höheren Detailreichtum, auch in besonders dunklen oder hellen Bildbereichen, ein realistischeres Zuschauererlebnis vermittelt. Die Entfernung, aus der dabei ein Bild betrachtet wird, spielt dabei, im Gegensatz zu 4k, eine untergeordnete Rolle. Hersteller von TV-Geräten nutzen das Kürzel HDR als probates Marketing-Mittel, um den Geräteverkauf weiter anzukurbeln. Dabei ist die HDR-Standardisierung noch nicht abgeschlossen. Für HDR gibt es mehrere Vorschläge aus der TV- und Videoindustrie. Einer basiert auf dem von Dolby Laboratories entwickelten PQ-Verfahren (Perceptual Quantizer), welches bereits bei UHD Blu-ray oder UHD-Streams via Internet zum Einsatz kommt. Auf PQ basiert auch das proprietäre Dolby Vision-Format, das auch zu heutigen SDR (Standard Dynamic Range) TV-Geräten kompatibel sein soll. Ein anderes HDR-Verfahren ist Hybrid Log-Gamma (HLG). Nach Angaben der deutschen TV-Plattform ist es wahrscheinlich, dass künftige HDR-fähige Flachbildschirme beide Verfahren, also PQ und HLG, unterstützen und je nach Signalisierung umschalten.

Auch auf der NAB 2017 wurde an vielen Ständen mit dem Slogan „HDR ready“ geworben. Dazu stellten die meisten Kamera-Anbieter HDR-taugliche Systeme vor. Diskutiert wurde viel über die richtige Strategie beim HDR-Einsatz. Ist es sinnvoller HDR in Kombination mit HDTV zu nutzen oder mit 4k? Kein Wunder, dass da auch einige HDR Konverter-Lösungen gezeigt wurden.

AJA stellte beispielsweise den in Zusammenarbeit mit Colorfront entstandenen und in einem 1HE-19-Zoll-Gehäuse untergebrachten FS HDR Konverter vor. Neben HDR- und WCG-Processing (Wide Color Gamut), ermöglicht der FS-HDR auch Echtzeit-Processing von 4k/UltraHD und 2k/HD. Neben der Echtzeit-HDR-Konvertierung ist auch die Downkonvertierung von 4k/UltraHD-HDR in HD-HDR mit dem Konverter möglich.

SAM präsentierte auf der NAB 2017 mit FormatFusion4 eine HDR filebasierte Konverter-Lösung, die HDR-Produktionen erleichtert, wenn Kameras und andere Signalquellen unterschiedliche HDR-Signale liefern. FormatFusion4 ist in den Kahuna-Bildmischern integriert und unterstützt 4k- und HDR-Wandlung in den Kudos Pro und UHD1000-Produktlinien. UHD1000 ist Stand-alone-Box SD/HD/3G/4k-Up-/Down-/Cross-Konverter, beherrscht jetzt auch SDR/HDR Wandlung. 

Grass Valley stellte zur NAB 2017 ebenfalls nahtlose HDR-Aufnahme und -Wandlung in Live-Produktionslösungen vor. Der neue UHD-3901-UC kann zum Hochkonvertieren auf 4k und HDR eingesetzt werden. Die neuen LDX 82 Series Kameras und alle anderen LDX-Series-Kameras, die neue Densité UHD-3901-UC Karten, K2 Summit Mediaserver und weitere Grass Valley-Lösungen sind nun in der Lage, sowohl mit nativem HDR als auch mit SDR-Signalen umzugehen. „Wir haben feststellt, dass die 4k-Auflösung alleine nicht reicht, um das neue Broadcast-Format zum Erfolg zu führen. Mehr und mehr Kunden wollen auch alternative Lösungen zu 4k. HDR kann die Bildqualität so gravierend verändern, dass es eigentlich für alle Kunden einen eindeutigen Mehrwert bedeutet und das, ohne zwingend eine höhere Auflösung verlangen zu müssen. Idealerweise wird HDR natürlich in Verbindung mit 4k realisiert, alternativ kann HDR aber auch im Verbund mit 1080i oder als 3G HD (1080p) aufgezeichnet werden“, erklärte Senior Produktmarketing Manager Klaus Weber. Dazu gebe es bei Grass Valley verschiedene Lösungen. Die neue Kameraserie LDX 82 biete zum Beispiel alle üblichen UHD-Features wie den erweiterten Farbraum BT.2020 und können auch HDR in Dolby PQ, SMPTE 2084 oder Hybrid Log Gamma (HLG) darstellen, außer eben 4k. „Der Vorteil liegt in der Verwendung der nativen HD-Chips, die sich durch ihre hohe Lichtempfindlichkeit, einem Dynamikumfang von über 15 Blendenstufen und einem sehr guten Störabstand auszeichnen. Wir sehen in diesem Produkt die ideale Kombination aus Bildqualität gepaart mit geringer Bandbreitenanforderung“, betonte Weber. Das bedeute aber nicht, dass Grass Valley keine nativen oder hochgerechneten 4k-Lösungen anbieten könne. In dem Segment sei man schon länger mit der LDX86- und LDX86n-Series unterwegs. „Auch diese Kameras beherrschen natürlich den erweiterten Farbraum und die verschiedenen HDR-Kurven“, sagte Weber. HDR würde in allen Grass Valley-Kameras nativ produziert. Weber: „Unsere Kunden müssen also keinen Extra-Schritt über ein Zwischenformat gehen. Das native Format wird sowohl in HLG und PQ einfach aus der Kamera abgegeben.“ Für den Workflow gebe es Alternativen. „Entweder man zeichnet mit beiden Signalen simultan auf, oder man zeichnet durchgängig ein HDR-Signal auf und wandelt dann am Ausgang auf SDR. Das kann die Produktion erleichtern und spart dabei auch noch Ressourcen“, erklärte Weber. 

Auch bei Ikegami am Stand war das Thema HDR allgegenwärtig. „Wir stellen auf der NAB einige neue 4k-, 8k- aber auch 2k-Kameras vor. Hier ist aber auch das Thema HDR in aller Munde. Dem haben wir hier Rechnung getragen. Alle unsere Kameras sind mit dem HDR-Schriftzug versehen – das heißt, wir können unsere Kameraköpfe auch mit allen Gammakurven programmieren. Die Kurven HLG, PQ und viele andere können ohne weiteres implementiert werden“, berichtete Michael Lätzsch.

Die 4k-Kameraserie von Ikegami beispielsweise sei simultanfähig. So könne man aus ihr heraus 2k, 4k, SDR und HDR in zwei unterschiedlichen Datenströmen abgeben. „Ikegami hat den gesamten Prozess in die Basisstation verlagert. Das erlaubt uns ein 40GB Signal in Raw von den CMOS-Sensoren der Kamera zur CCU zu übertragen und erst dort unterschiedliche Bilder in 2k- und/oder 4k zu erstellen“, erklärte Lätzsch. Darüber hinaus biete Ikegami auch günstige HDR-fähige Kameras an. Lätzsch: „Erstmalig können wir zur NAB Kamerazüge anbieten, die inklusive HDR unter 20.000 Euro kosten.“

Sony setze auf der NAB 2017 einen Schwerpunkt seiner Präsentationen auf flexible Workflows für die HDR-Produktion. Das Unternehmen hat bereits den „SR Live für HDR“-Workflow etabliert, ein unkompliziertes System für einen effizienten Workflow für die gleichzeitige Produktion von 4k HDR und HD SDR. Sony erweitert seine HDR-Fähigkeiten außerdem um zwei Verbesserungen, HD HDR-Live-Übertragungen und Instant HDR-Workflow. Gezeigt wurden dazu End-to-End-Lösungen. Durch die beschleunigte Entwicklung hin zu HDR-Inhalten werden die 4k/HD-Live-Kameraserien von Sony, darunter die HDC-4800, die HDC-4300 und die HDC-P43 mit HDR-Funktion, bei Sendeanstalten überall auf der Welt häufig eingesetzt. Um das Angebot für die Live-HDR-Produktion noch weiter auszubauen, bietet Sony einen neuen XAVC-Aufnahmemodus an, um die Codierung für HDR im 4k/HD-Live-Server PWS-4500 zu optimieren. Er steht Benutzern über ein Software-Upgrade zur Verfügung. Dieser neue Aufnahmemodus verbessert die HDR-Bildqualität in XAVC mit detaillierter Komplexität, hellem Hautton, Farbwiedergabe und mehr. Dadurch kann der PWS-4500 herausragende HDR-Bilder gleichzeitig aufzeichnen und wiedergeben und behält dabei den reibungslosen Workflow für XAVC-Dateien bei. 

Katsunori Yamanouchi, bislang Präsident Sony Professional Europe und jetzt neuer Präsident von Sony Professional Solutions in Amerika, machte auf der Pressekonferenz deutlich, wohin der Zug fährt. Neben dem Bemühen um Bildverbesserung und damit um die Steigerung der Inhalte-Werte, sei man verstärkt auch um Workflow-Effizienz bemüht. „In dem Sinne wollen wir nicht nur als Hersteller, sondern auch als vertrauenswürdiger Business-Partner agieren.“ Neben 4k würde HDR und Wide Color Gummut immer wichtiger für Sony-Kunden. Das betreffe insbesondere diejenigen, die HD-Workflows mit HDR verbessern wollten. Um die Konversion hin zu HDR auf den verschiedenen Märkten zu ermöglichen hat Sony das Konzept SR Live (Scene Referred Live Workflow) entwickelt, welches das Kamera-Line-up des Unternehmens einschließt Signalwandlungs- und Monitoring-Equipment unterstützt. SR Live unterstützt nun gleichzeitig Produktionen mit HD HDR und HD SDR wie auch 4k HDR. 

Axon Digital Design hatte in Las Vegas zwei Lösungen zur 4k/HDR/

SDR/Up/Down-Wandlung dabei. Axon-CTO Peter Schut meinte: „HDR wird heiß diskutiert auch wenn damit derzeit noch kein Geld zu verdienen ist. 4k als Basis für HDR ist nicht marktgerecht. Besser wäre, wenn wir von 1080i auf 1080p gehen würden – mit HDR. Das wäre für 99,9 Prozent der Weltbevölkerung ausreichend.“ Wide Color Gammut und HDR würden ein viel schöneres TV-Erlebnis als 4k bieten. 4k würde nur von Unterhaltungselektronik-Industrie gepuscht.

Bei Evertz sieht man das ganz ähnlich. Produktmarketing-Direktor Mo Goyal erklärte: „Die meisten unserer Kunden wollen lieber HDR zu existierenden HD 1080p-Signalen hinzufügen, statt komplett in eine UHD-Infrastruktur zu investieren.“ Evertz habe dafür die 3G/HD Up/Down/Cross Konverter-Module der 7814 UDX Serie entwickelt, die auch Frame Synchronization und externe Genlock Inputs unterstützen.

Am Rohde & Schwarz-Stand auf der NAB 2017 war die Mastering-Komplettlösung R&S CLIPSTER in der Version 6.2 zu sehen. Sie bietet mit UHD HDR Mastering und 32bit Floating Point Processing jetzt noch mehr Leistung, ist vielseitig in der Postproduktion einsetzbar und unterstützt unterschiedlichste Workflows. Mit zwei Erweiterungen eröffnet die aktuelle Lösung für Mastering und Deliverables noch mehr Möglichkeiten. Mit der Floating Point Processing- und die HDR Workflow-Option lassen sich verschiedene HDR-Containerformate mit höchster Genauigkeit umwandeln. R&S CLIPSTER 6.2 ermöglicht es, direkt von einer unkomprimierten Linear Light Digital Source ein Master in 4k/UHD High-Dynamic-Range (HDR) samt Mapping des erweiterten Luminanzbereichs in ST2086 (PQ) zu erzeugen. Version 6.2 unterstützt auch die Umwandlung von PQ in HLG für HDR-Sequenzen in Echtzeit. Die beschleunigte Hardware verarbeitet Bilder in Echtzeit bis 4k120p. Dank der optimierten Architektur der aktuellen Version lassen sich zudem neue Codecs und Formate wie Dolby Vision Cinema, OpenEXR 4k60p, QuickTime HDR und Avid DNxHR verwenden. Dabei werden die HDR10-Metadaten mitgelesen und -geschrieben. „Content-Produzenten und Distributoren können ihrem Publikum die gestalterische Absicht in bester Darstellung im Kino oder zuhause bieten. Unsere Kunden aus der Film- und Fernsehproduktion legen Wert auf höchste Bildqualität. Unsere DCI- und IMF-Masteringlösung R&S CLIPSTER liefert diese Qualität mit vollen Farben und in höchster Auflösung für die weltweite Distribution“, betonte Stefan Weidner, Sales Director Media bei Rohde & Schwarz.

Eckhard Eckstein

MB 2/2017

Zurück