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Breit und sehr gut aufgestellt

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Breit und sehr gut aufgestellt

Fernsehproduktion in der Elbmetropole lässt zuerst an die Studio Hamburg gruppe denken. Hamburg ist aber auch der Sitz von Spiegel TV und einer vielfältigen Zahl von Independent-Produzenten, die fiktionale Programme, Dokumentationen und Showformate produzieren.

Die Studio Hamburg-Produktionsgruppe hat mit einer Reihe von Partnerschaften in den vergangenen Jahren ihr Produktportfolio stetig ausbauen können. Das Tochterunternehmen des NDR bedient alle Sender und Formate. Langlauf-Serien wie „Notruf Hafenkante“, „Großstadtrevier“ oder „Sesamstraße“ gehören zu den Dauerbrennern der fiktionalen TV-Unterhaltung. Profil zeigt Studio Hamburg verstärkt mit TV-Filmen und zusammen mit dem Partner der Schweizer C-Films sogar im Kinofilmbereich.Anfang Mai fiel die letzte Klappe zu der Bestsellerverfilmung „Nachtzug nach Lissabon“, die der dänische Regisseur Bille August mit einem internationalen Staraufgebot an Originalschauplätzen gedreht hat. Als weiteren Kinofilm plant der Vorsitzende der Studio Hamburg Produktions Gruppe Michael Lehmann gemeinsam mit C-Films die Verfilmung des französischen Jugendbuchs „Simpel“ von Marie Aude Murail. Derzeit schreibt Markus Goller an einer Regiefassung nach der Drehbuchvorlage von Johannes W. Betz.

Allein zehn TV-Filme der Studio Hamburg-Produktionsgruppe wurden im letzten Quartal 2011 ausgestrahlt. Neben dem Kieler Tatort und einem Polizeiruf für den RBB waren dies vor allem TV-Filme wie der Psychothriller „Es ist nicht vorbei“ mit Anja Kling über die traumatischen Erlebnisse ehemaliger Gefangenen im DDR-Frauengefängnis Hoheneck oder das Vergewaltigungsdrama „Es war einer von uns“ mit Maria Simon. Beide Filme waren zudem für den Grimme Preis 2012 nominiert. In diesem Jahr ging es weiter mit Uwe Jansons Familienepos „Die Schuld der Erben“, mit dem Familiendrama „Vater Mutter Mörder“ von Niki Stein oder der Inselkomödie „Reif für die Insel“ von Anno Saul. Im März freute man sich gemeinsam mit dem NDR über den Grimme-Preis für das Comedy-Format „Der Tatortreiniger“ mit Bjarne Maedel, der als Putzmann dort aufräumt, wo andere nicht mal hinschauen können.

Lehmann will aber auch zeitgenössische und relevante Stoffe umsetzen. Für den SWR wird der Film „Piraten“ vorbereitet – über die Schiffskaperungen vor der somalischen Küste, der auch auf die Hintergründe blicken soll und gleich zwei Filme werden sich mit der Problematik des Schwangerschaftsabbruchs beschäftigen. Ein historischer Film lässt die Anfang der 70er Jahre leidenschaftlich und kontrovers geführte Debatte um den umstrittenen Paragraphen 218 wieder aufleben und zeichnet ein Stimmungsbild dieser Zeit. Das zweite Projekt fokussiert sich darauf, wie heute mit dem Thema Abtreibung umgangen wird.

DocLights und Riverside Entertainment

Die Bereiche Naturfilm und Factual Entertainment wurden vor zwei Jahren in der Tochterfirma DocLights gebündelt, an der ZDF Enterprises GmbH mit 49 Produzent beteiligt ist. Neben den Dokumentationen und Unterhaltungsprogrammen liegt ein Schwerpunkt auf den Naturfilmen. Jährlich entstehen rund 30 Produktionen für die Traditionsmarken „Expeditionen ins Tierreich“ und „Erlebnis Erde“ sowie Koproduktionen mit BBC und National Geographic. Im April 2012 folgte die Neugründung der Tochterfirma Riverside Entertainment GmbH mit dem Fokus auf Unterhaltungsshows, Talk- und Comedy-Formate. Die Leitung übernehmen ab Sommer Guido Thomsen und Rolf Hellgardt. „Die Studio Hamburg Produktion ist im fiktionalen und dokumentarischen Bereich breit und sehr gut aufgestellt. Riverside Entertainment wird nun die Lücke zwischen diesen beiden Geschäftszweigen schließen“, erklärte Michael Lehmann.

Ein weiterer starker Produzent in Hamburg ist Spiegel TV, das zahlreiche Dokumentar- und Reportageformate für die privaten Sender wie auch für das eigene Video-Portal Spiegel Online produziert und zwei eigene Sender betreibt, die als Pay-TV-Angebote auf der Sky Plattform angeboten werden. In Kooperation mit Alexander Kluges dctp wird nach wie vor das Spiegel TV-Magazin für die privaten Sender produziert. Spiegel TV ist zudem über die Tochterfirma Aspekt Telefilm mit den TV-Produzenten Markus Trebitsch, Doris Zander und Claudia Schröder im fiktionalen Bereich aufgestellt.

TV-Moderator Markus Lanz ist gemeinsam mit seinem Produzenten Markus Heidemanns, mit dem er zusammen in Hamburg Ottensen die Produktionsfirma mhoch2 mit Studio betreibt, der TV-Aufsteiger des Jahres, spätestens seit dem bekannt ist, dass er Thomas Gottschalk als Moderator von „Wetten dass...?“ beerben wird. Partner Markus Heidemann wird Executive Producer der Show. Das ZDF, das einen weiteren Executiv Producer stellt, übernimmt die Gesamtleitung. Gegenüber dem Hamburger Abendblatt erklärte Heidemanns vor einigen Wochen:

„Wir haben 90 Angestellte, die 650 Sendungen pro Jahr produzieren“. Wir freuen uns, dass wir an der Neugestaltung von ‚Wetten dass...?’ mitarbeiten können.“

Vidicom Media GmbH

Landschaftsdokumentationen mit spektakulären Luftaufnahmen in HD-Qualität sind zu einem Markenzeichen der Hamburger Vidicom Media GmbH von Klaus Bardehle geworden. Nach der 10teiligen Doku-Reihe „Deutschlands Küsten“ auf Arte wurde die Reise im Helikopter rund um die Ostsee fortgesetzt. Die ebenfalls auf Arte ausgestrahlte Tour führte von Kopenhagen über Stockholm, Helsinki und Tallin bis Klaipeda und Szczecin. An der Nase des Helikopters befestigt war das Cineflex Kamerasystem. Die ursprünglich für militärische Aufklärungszwecke entwickelte Kamera liefert gestochen scharfe und wackelfreie Aufnahmen vom Hubschrauber selbst bei hoher Geschwindigkeit. Durch den starken Zoom gekoppelt mit einem 360-Grad-Objektiv lassen sich Ziele sehr nah heranzoomen. Das leistungsstarke Objektiv misst fast 30 Zentimeter im Durchmesser. Dadurch lassen sich aus 600 Metern Höhe Details wie einzelne Menschen oder Tiere heranholen. 

„Die großen Bilder aus der Luft unterstützen wir am Boden mit starken Protagonisten, die eine besondere Küstengeschichte zu erzählen haben“, beschrieb Produzent Peter Bardehle das Konzept. Wieder mit der Cineflex-Kamera hat Bardehle inzwischen auch die Alpenregion bereist, wo er die wichtigsten Gipfel der Alpen aus der Vogelperspektive vorstellt und vom Leben der Bergbewohner berichtet. Die zehnteilige HD-Serie über die Alpenregion wird wieder ab diesen Herbst auf Arte zu sehen sein. Die Gipfel-Ansichten kommen außerdem ins Kino: Der Münchener Filmverleih Alamode Film plant einen Kinostart im Mai 2013.
Bernd Jetschin
(MB 07/08_12)

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