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Breiter und effizienter aufgestellt

Die Studio Hamburg Produktion hat seit dem Wechsel der Geschäftsführung im vergangenen Jahr die Zeit genutzt, um sich effizienter aufzustellen und in den Randbereichen zu verstärken. Mit gebündelten Entscheidungskompetenzen und einer erweiterten Produktionsstruktur will Studio Hamburg Produktion die künftigen Herausforderungen besser bewältigen. „Breit bei den Sendern, breit in den Sujets: darin liegt eine große Kraft“, umreißt Günther Russ, Geschäftsführer und Herstellungsleiter der Studio Hamburg Produktion, das Unternehmens-Credo. „Damit ist Studio Hamburg Produktion gut gefahren und immer in der Lage, auf die Schwankungen des Marktes zur reagieren“, betont er.
In der Entscheidungs- und Teamstruktur der Produktionsgruppe hat sich in den letzten zwölf Monaten einiges getan. Die neue Geschäftsführung, zu der neben Russ auch Michael Lehman (Vorsitzender) und Kerstin Ramcke zählen, tritt gemeinsam auf und trifft die strategischen und operativen Entscheidungen gemeinsam. Die bisherige Organisationsstruktur um die einzelnen Kompetenz-Center wurde vereinfacht und auf die beiden Standbeine Fiction und Non-Fiction gestellt. „Wir haben die Philosophie, die Probleme dort zu lösen, wo sie auftauchen. Unsere Partner sollen wissen, dass wir kompetente Mitarbeiter haben, die in der Projektarbeit jederzeit in der Lage sind, Entscheidungen zeitnah fällen zu können“, erklärt Lehmann.
Im Bereich Fiction kümmern sich die drei Produzenten Marcus Mende, Sabine Timmermann und Lisa Blumenberg gemeinsam mit der Geschäftsführung um die Akquisition und betreuen und verantworten selbständig die Produktionen. Ramcke spricht von flacheren Strukturen und dass die Wege direkter und kürzer sind. Für die Auftraggeber müsse immer eindeutig sein, wer die Ansprechpartner sind.

Erstes Kinoprojekt „Nachtzug nach Lissabon“
Obschon die Studio Hamburg Gruppe eine große Bandbreite abdeckt, sind in den letzen Wochen einige Kooperationen mit Spezialisten auf den Weg gebracht worden, durch die sich Studio Hamburg Produktion in bestimmten Bereichen weiter verstärkt. Das gilt vor allem für den Kinofilm, um den es in den vergangenen Monaten etwas ruhiger geworden war. Ab sofort kooperiert die Studio Hamburg Produktion GmbH mit der Schweizer C-Films AG, die dem Unternehmen damit für Kino-Produktionen als strategischer Partner zur Seite steht. Gemeinsame Projekte werden in Zukunft als gleichberechtigte Ko-Produktionen entwickelt, hergestellt und ausgewertet. Die erste gemeinschaftliche Kooperation ist die Verfilmung von Pascal Merciers „Nachtzug nach Lissabon“, einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Romanvorlagen der letzten drei Jahre.
Die Zusammenarbeit mit den Schweizern in Zürich, die mit C-Film Deutschland in Hamburg auch eine Produktionsgesellschaft unterhalten, baut auf Kooperationsbasis, betont Günther Russ. „Wir werden in dieser Kooperation die Kinoaktivitäten bündeln und durchführen. C-Films ist von der Struktur her in der Schweiz ähnlich aufgestellt wie wir hier in Hamburg. Und wir haben eine übereinstimmende Philosophie in allen Bereichen Fernsehen, Entertainment oder Kino.“ Von einer „hohen Schnittmenge“ spricht daher auch Michael Lehmann, der sich zudem aus dieser Konstellation eine „echte Win-Win-Situation“ verspricht. „Dort ist ein hohes dramaturgisches Know-how für Kinoproduktionen angesiedelt. Wir bringen dazu die Manpower und ein hohes Produktions-Know-how ein. Dadurch können wir Projekte gemeinsam angehen, ohne zusätzlich neue Overhead-Kosten auslösen zu müssen.“ Für Kerstin Ramcke liegt ein Vorteil der Vereinbarung darin, „dass wir uns auf gemeinsame Projekte einigen. Aber es besteht kein Muss. So kann jeder der Partner für bestimmte Projekte auch andere Partner suchen.“
Drei Projekte befinden sich derzeit in der Entwicklungs-Pipeline. „Unsere Zielvorstellung sind zwei Kinofilme pro Jahr auf die Beine zu stellen. Als Filmproduzenten finden wir Kinoproduktionen durchaus reizvoll. Und jeder Film, der gut ist, trägt zu einer Erhöhung der Identifikation mit unserem Haus bei“, begründet Michael Lehmann das Kino-Engagement. Es soll aber konservativ und nicht mit Risikokapital an die Kinofilmfinanzierung heran gegangen werden, wie Günther Russ betont, und für die Mitgeschäftsführerin Ramcke ist klar: „Wir wollen keine Querfinanzierung - dass das Fernsehgeschäft die schönen Kinoperlen finanziert. Der Kinobereich muss so aufgestellt sein, finanziell und strukturell, dass er für sich bestehen kann.“

Höherer Output an TV-Filmen
Zugelegt hat Studio Hamburg Produktion in diesem Jahr bei dem Output an TV-Filmen: „Wir haben unsere Autorenbasis in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut und sind so in der Lage unser Programmfeld jetzt noch weiter abzustecken. Über unsere Producer konnten wir parallel die Kontakte zu den Sendern intensivieren“, erklärt Lehmann. Zu den neuen Produktionen von Studio Hamburg gehören die in Boston und in Kanada abgedrehte Sonntagsfilmreihe fürs ZDF nach den Romanen der britischen Bestsellerautorin Joanna Trollope („Die Zwillingsschwester“ und „Zweiter Frühling“). Für die Degeto werden zwei nordische Liebesfilme produziert: Unter dem Reihentitel „Liebe am Fjord“ wurden zwischen Bergen und Alesund bereits „Der Gesang des Windes“ sowie „Sommerstürme“ abgedreht. Und für Sat 1 wurde eine Weihnachtskomödie fertig gestellt mit Yvonne Catterfeld („Engel sucht Liebe“), die auf dem Filmfest Hamburg im Rahmen der TV-Produktionsreihe Premiere feierte. Lehmann zur neuen Programmfarbe seines Produktionshauses: „Wir waren immer ein Haus, dessen Schwerpunkt auf der Produktion von Dramen und Krimis lag. Heute zeichnen wir uns durch eine noch höhere Programmvielfalt aus und bedienen ebenso hervorragend auch Komödien und Melodramen

Serien sind stabil
Ziemlich stabil stehen auch die Serienproduktionen des Hauses dar. Sowohl bei „Großstadtrevier“ als auch „Notruf Hafenkante“ ist die Folgenzahl erhöht worden. Auch „Die Pfefferkörner“ und „Der Dicke“ laufen seit langem erfolgreich. Als neues Serial wird nun „Wartezimmer“ mit Comedy-Queen Marlene Jaschke alias Jutta Wübbe für den NDR ins Rennen geschickt (drei mal 25 Minuten): „Ein Comedy-Format, das „hoffentlich Wachstumscharakter hat“, so Ramcke: „Es ist kein leichter Markt, neue Serien an den Start zu bekommen.“ Lehmann spricht von einer „Konsolidierung auf hohem Niveau“ und gibt eine neue Beteiligung bekannt. Die Studio Hamburg Produktion ist jetzt zu 25 Prozent Gesellschafter der Serienwerft GmbH, die gemeinsam mit Cinecentrum und Polyphon betrieben wird: Die Serienwerft GmbH ist aus der ehemaligen Multimedia Film- und Fernsehproduktion hervorgegangen. Derzeit erfolgreich auf deutschen Bildschirmen im Einsatz sind die Soaps „Die roten Rosen“ und „Dahoam is dahoam“ – letztere wurde im Joint Venture mit der Constantin produziert (Polyscreen).

Neue Kooperationen und Partnerschaften
Verstärken will sich Studio Hamburg Produktion auch bei den non-fiktionalen Formaten, wo das Produktionshaus mit den Bereichen Naturfilm, geleitet von Jörn Röver, sowie der Sparte Entertainment unter der Regie von Michaela Hummel aufgestellt ist. Um das vorhandene Know-how in diesem Bereich zu erweitern, ist man zu 45 Prozent bei Blondheim TV eingestiegen - weitere 45 Prozent Anteile besitzt Cinecentrum - die Formate wie „Quatsch Comedy Club“ für Pro Sieben oder „History Quiz“ mit Markus Lanz fürs ZDF produzieren. Ebenfalls eine 45 Prozent-Beteiligung wurde bei der Agenda Media eingegangen, die Firma des ehemaligen Spiegel-Chefredakteurs Stefan Aust und Thorsten Pollfuß, die sich in erster Linie auf journalistische Formate fokussiert. Neben Studio Hamburg Produktion ist der Journalist Thomas Ammann als weiterer Gesellschafter beteiligt worden. Michael Lehmann, wird neben Stefan Aust und Thorsten Pollfuß in die Geschäftsführung von Agenda Media eintreten. Lehmann verspricht sich eine Stärkung für die dokumentarische Programmausrichtung. Durch die Verbindung von Studio Hamburg Produktion und Agenda Media entstehe eine Redaktion mit einem breit gefächerten Themenspektrum und vielfältigen Kompetenzen: die Synergien im Produktionsbereich sollen für Kosteneffizienz und Sicherheit für die Auftraggeber sorgen. Und es wird erwartet „dass bei öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Dokumentationen steigt“, so Stefan Aust. (MB 11/09)

Bernd Jetschin

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