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Crossmedialität beginnt in der Planung

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Crossmedialität beginnt in der Planung

Die Flying Eye GmbH, Berliner Managementberatung für Lösungen in der Medien- und IT-Branche, lud am 7. Februar, in das 3D Innovation Center zum Neujahrstreffen 2013 ein. In lockerer Atmosphäre wurden hier aktuelle Trends in der Broadcast-Branche diskutiert.

Auf dem Programm standen Themen wie filebasierte Produktionsinfrastrukturen, Crossmedialität aus Sicht von Journalisten und Technik, Second Screen, Social TV, Connected TV sowie methodenunterstützender Wandel für Projekte und Betriebe.

Kemal Görgülü fasste in seiner kurzen Präsentation die aktuellen Trends und die Herausforderungen der Branche zusammen. In ihr stand die Abwendung des TV-Konsumenten von vorgegebenen Wegen der TV-Sender im Vordergrund. Zu nennen sind hier vor allem die parallele Nutzung von Fernsehen und anderen Medien – zumeist auf Tablets oder Smartphones –, der Konsum von Sendungen zu einer anderen, als der Ausstrahlungszeit sowie der Einfluss von sozialen Medien auf das Konsumverhalten. Dies bedeute, so Görgülü, dass über Internet und SmartTV neue Inhalteanbieter zum Konsumenten ins Wohnzimmer gelangen, die Druck auf die traditionellen Anbieter ausüben. Gleichzeitig muss eine Infrastruktur für diese Übertragungswege geschaffen werden. Die vier am meisten genutzten Apps auf dem SmartTV sind laut Görgülü Infodienste, Video-Apps inklusive der Mediatheken, soziale Netzwerke und Apps, die Nischensport anbieten. Insbesondere Letzteres ist interessant, da immer wieder beklagt wird, dass Nischensport bei ARD und ZDF stiefmütterlich behandelt wird. Dem sogenannten Second Screen – also Tablets und Smart Phone – komme eine besondere Bedeutung zu, da mit ihnen „das Informationsbedürfnis gestillt wird“, so Görgülü. Sein Schluss für das Fernsehen der Zukunft sieht daher so aus: Innovationen müssen sich gut in den (intuitiven) Nutzungskontext einfügen; es muss eine intelligente Selektions- und Personalisierungsmöglichkeit des Programms geben, um das Zappen überflüssig zu machen und transmediale Programme benötigen den Zuschauer einbeziehende Konzepte während den neuen Vertriebswegen bei all diesem eine Schlüsselrolle zukommt, da sie schnell, effizient und störungsfrei sein müssen.

Zum Thema Crossmedialität im Nachrichtengeschäft sprach Flying Eye-Geschäftsführer und Gründungsgesellschafter Thomas Holzmann. „Dies ist das große Thema unserer Branche“, erklärte er. „Denn das Paradigma, dass das Distributionsmedium zugleich das Nutzungsmedium ist, gibt es nicht mehr. Dies bedeutet, dass man sich bei der Themenplanung journalistischer Beiträge Gedanken darüber machen muss, wie schnell welche Art von Medien zur Nutzung zur Verfügung gestellt werden sollen beziehungsweise müssen.“ Die Rede ist hierbei von Text, Ton und Bild. Im Vordergrund muss die Geschichte stehen, nicht der Vertriebsweg. Dies bedeutet, dass die Planung format- und medienübergreifend geschehen muss und unter Umständen in die Autonomie einzelner Journalisten eingreift. Denn es ist eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen, wenn aus dem gleichen Hause Mitarbeiter für die Formate Text, Bild und Radio anfragen, wenn ein „Informationsbeschaffer“ für alle drei Formate bei einem Termin das Material erstellen kann.

Doch um Doppelungen zu vermeiden, muss es eine koordinierte Planung geben – eine neue Art von Medienmanagement sozusagen. „Es muss ein System kreiert werden, in dem alles zu finden ist, aber dafür werden auch Metadaten benötigt, damit im Hintergrund die Datenströme automatisch dorthin gelangen, wo sie gebraucht werden“, erklärt Holzmann und betont: „Crossmedialität beginnt in der Planung!“

Jedoch geht die mit der Crossmedialität verbundene Technik auch mit einer großen Herausforderung einher. Die Architektur für die benötigten IT-Systeme erhöht die Abhängigkeit von den Lieferanten enorm, da es in ihrer Verantwortung liegt, alle benötigten Metadaten (korrekt) zu setzen. Andererseits, so Holzmann, „brauchen Journalisten adäquate Werkzeuge und die Crossmedialität wird auch zu neuen Berufsbildern führen.“

Thomas Steiger
(MB 04/13)

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