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Digitaler Pay-TV-Sender „Lettra“

Unter einem Fernsehspartenkanal rund um Bücher und ums Lesen stellt man sich auf Anhieb einen Shopping- oder einen Talksender vor, bei dem permanent Bücher ins Bild gehalten werden. Doch Jan Henne de Dijn hat mit „Lettra“ etwas viel lebendigeres vor: einen bunten Fernsehsender, bei dem sich zwar alles um Bücher und Literatur dreht, die aber in den verschiedensten Formaten von Film über Show, Doku und Reportage über Interviews und Magazine bis hin zu News umgesetzt werden sollen. An Themen und an Zielgruppen gibt es keinen Mangel: Kinder, Reisen, Sachthemen, Belletristik, Krimis, Hörbücher, Kochen, Ratgeber beispielsweise. Das „Faszinosum“ sei, so sagt Henne de Dijn, dass das Buch ja genau genommen die Grundlage eines jeden Fernsehsenders bilde.

So hatte er zusammen mit seinem Partner und Lettra-Chefredakteur Carsten Meincke bereits vor Start unter dem Motto „Lettra – lieber lesen“, der für den 24. November diesen Jahres vorgesehen war, rund 40 unterschiedliche Formate ersonnen, die aber natürlich nicht alle auf einmal auf Sendung gehen sollen. Man wolle eher bedächtig und „mit Demut“ beginnen, und zwar mit einem viertelstündigen Kinderprogramm um 19 Uhr, wo als eine Art Nachthupferl Märchen vorgelesen werden.

Durchaus hat der Diplom Volkswirt Jan Henne De Dijn eine Menge Fernseherfahrung vorzuweisen. Nach seiner Geschäftsführungsassistenz bei der Deutschen Fernsehnachrichten Agentur war er bei mehreren Medienunternehmen in Führungspositionen beschäftigt. Durch seine Tätigkeit im Network Development bei QVC und H.O.T. verfügt er über enge Kontakte in die Medien- und Telekommunikationsbranche. Nach der Geschäftsführung von Home Shopping Europe in Brüssel wechselte er als Gründungsgeschäftsführer zur Hamburg Media School. Zusätzlich war er mit der Organisation und Gründung des Bürger- und Ausbildungskanals TIDE betraut. Begleitend wurde Henne De Dijn 2004 in den ZDF Fernsehrat und 2005 in die Jury für den Innovationspreis der Bundesregierung im Bereich Kultur und Medien gewählt. Im November 2006 verließ er die HMS, um eigene Medienunternehmungen umzusetzen.

Zielgruppe von lettra sind „alle Bücherfreunde mit ihren weit gefächerten Lesevorlieben“. Im Mittelpunkt des Rund-um-die-Uhr-Programms soll eine zweistündige Live-Show (Montag bis Freitag) mit Gästen und Einspielern stehen. Es sollen „alle zu Wort, die Bücher lesen oder selber Bücher schreiben und Verlegen“. Dabei will Lettra „Lotse auf dem Büchermarkt“ sein. Denn, so Henne De Dijn, „bei rund fünfundneunzigtausend Neuerscheinungen jährlich ist es schwer, den Überblick zu behalten“.
Die lettra GmbH wurde im Juni 2007 mit Sitz in Berlin gegründet. Gesellschafter sind Jan Henne De Dijn und Carsten Meincke zu je 50 Prozent. Zum Start haben sie nach eigenen Angaben aus eigener Schatulle und von weiteren Privatinvestoren Kapital in Höhe von 3 Millionen Euro aufgetrieben, einschließlich einer Kapitalunterstützung seitens der Berliner Mittelstandsförderung und der Investitionsbank Berlin. Minderheitsgesellschafter bei Lettra ist der ehemalige Kirch-Manager Jan Mojto mit seiner Firma Beta-Film, der mittlerweile auch sehr erfolgreich im internationalen Produktionsmarkt über seine Firma EOS agiert und unter vielen anderen beispielsweise das ARD-TV-Event „Die Flucht“ koproduzierte. Zwar geht Henne De Dijn natürlich nicht davon aus, dass Mojto Lettra von Anfang an Blockbuster zur Verfügung stellen, doch garantiert Mojto mit seinem Filmstock eine große Bandbreite von Literaturfilmen bis hin zu Operinszenierungen.

Der Start von Lettra als digitales Pay-TV-Angebot sollte am 24. November über die Satellitenposition Astra 19,2° Ost im Bouquet von Premiere Star erfolgen. Bis Jahresende will man zu 500.000 Abo-Kunden gewonnen haben. Das sei ziemlich sicher, rechnet Henne De Dijn vor: Über Premiere Star habe man bereits100.000 Abonnenten, über ArenaSat kämen weiter 170.000 hinzu und über die Kabelnetzplattformen von Unity noch einmal 250.000 Abonnenten. So könne Lettra auch von Anfang an Einnahmen verbuchen. Klar strebe man perspektivisch ebenso an, über die Pay-TV-Plattform der KDG auszustrahlen wie auch im Internet über beispielsweise die Angebote von Hansenet und Arcor.
Mit Bärbel Schäfer und Michel Friedman konnte Lettra schon vor dem Start prominente Moderatoren anheuern. Lettra-Chefredakteur Carsten Meincke sagt: "Wir präsentieren Bücher und Lesen ohne hochgezogene Augenbrauen, dabei informativ und kompetent. Wir werden unterhaltsam und humorvoll sein und in unserem Erscheinungsbild die Kreativität und Vielfalt der Bücherwelt widerspiegeln. Schließlich wollen wir Fernsehen für alle machen, die Bücher lieben.“ Schon im zweiten Geschäftsjahr will man profitabel arbeiten.
Für die Produktion hat man zum Start mit 20 Mitarbeitern erst einmal eine pragmatische Lösung gefunden und ist in den Berliner Studios von TV Berlin und Tier TV untergeschlüpft.

Erika Butzek (MB 12/07)



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