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DVB-T soll attraktiver werden

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DVB-T soll attraktiver werden

MEDIA BROADCAST hat am 20. Februar mit der multithek das erste Hybrid-TV-Portal für DVB-T in Deutschland gestartet. Es basiert auf dem HbbTV-Standard und verbindet den DVB-T-Empfang mit Internet-Funktionalitäten. Ziel ist die Steigerung der Attraktivität der digitalen terrestrischen Übertragung. Vor dem Hintergrund des angekündigten DVB-T-Ausstiegs der RTL Gruppe gewinnt das Angebot besondere Relevanz.

Seit Jahren arbeitet man bei MEDIA BROADCAST bereits an der Verknüpfung von DVB-T mit dem Internet. Auf der IBC 2010 wurde mit DVB-T plus erstmals der Prototyp eines HbbTV-basierten Portals vorgestellt. Red Button-Applikationen ermöglichten hierbei den interaktiven Abruf zusätzlicher Inhalte zum laufenden Programm. MEDIA BROADCAST kündigte schon damals die Bereitstellung umfangreicher Plattformservices im Rahmen der Einführung hybrider Medienangebote für die digitale Antenne an. So entwickelt der Service-Provider neben dem Aufbau des Portals DVB-T plus kundenorientierte Systemlösungen für die gesamte Hybrid-TV-Übertragungskette. Hierzu gehören Playout, Encryption, Adressierung und Einbindung des Rückkanals sowie umfangreiche Customer Management Services. Zudem optimierte MEDIA BROADCAST seine Sendernetze zur terrestrischen Verbreitung von Hybrid TV. Allerdings hieß es damals auch: „Die erfolgreiche Einführung interaktiver Zusatzdienste für die digitale Antenne basiert auf dem Technologiestandard DVB-T2.“ Dessen Einführung ist in Deutschland aber nach wie vor nicht in Sicht.

Zu den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2011 und 2012 präsentierte MEDIA BROADCAST schließlich weitere Showcases „zur nahtlosen Verknüpfung von TV und Internet“. Damit ermöglicht werden sollten die Einbindung internetbasierter On Demand-Dienste und Web-TV-Streams in die Sendeliste beziehungsweise den Electronic Program Guide (EPG) digitaler Hybridempfänger, um sie dort einfach per Fernbedienung abzurufen zu können. „Broadband-Services können damit parallel zu Broadcast-Inhalten ohne Medienbruch genutzt werden. Der Fernsehzuschauer kann komfortabel auf neue Dienste mit seiner Fernbedienung umschalten. Programm- und Inhalteanbieter profitieren von den vereinfachten Möglichkeiten der Zuschauer-Adressierung durch eine intensivere Nutzung ihrer Hybrid-Angebote und damit von einem größeren Kundenpotential“, versprach Daniel Kleinbauer, Produktmarketing-Chef Hybrid-TV von MEDIA BROADCAST, bei der Präsentation zu den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2012. Er kündigte bei dieser Gelegenheit für das erste Quartal 2013 den Start einer Hybrid-TV-Plattform von MEDIA BROADCAST an.

In den Monaten Dezember 2012 und Januar 2013 veranstaltete MEDIA BROADCAST auf dem DVB-T Kanal K39 in Berlin einen teilweise nicht öffentlichen Versuchsbetrieb mit zwei zusätzlichen HbbTV-Diensten. Involviert war dabei Berlins Offener Kanal Alex TV, der von MEDIA BROADCAST für HbbTV aufbereitet und mit dem Content Delivery Network (CDN) des Sendenetzbetreibers verbunden worden war.

Vor dem Hintergrund mangelnder Akzeptanz von DVB-T durch private TV-Anbieter wie RTL ist es höchste Zeit, die Attraktivität der digitalen Terrestrik für Zuschauer und Inhalteanbieter zu steigern.

Das bestätigte Kleinbauer auch bei den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2012: „Ziel unserer Aktivitäten ist die Steigerung der Attraktivität von DVB-T.“ Die terrestrische Verbreitung sei für MEDIA BROADCAST aus der Historie heraus von zentraler Bedeutung. Das Unternehmen sei schließlich nicht nur Betreiber sondern auch großteiliger Besitzer des DVB-T-Sendernetzes. DVB-T würde heute ganz zu Unrecht als „etwas überholt“ angesehen. Dabei seien die großen Vorteile, die DVB-T biete, in den letzten Jahren einfach schlecht kommuniziert worden. „Damit wollen wir aufräumen und den Konsumenten mit HbbTV- und Over-the-top-Portallösungen einen neuen Innovationscharakter für DVB-T präsentieren“, betonte er.

Am 20. Februar war nun endlich Start der Hybrid-TV-Plattform für DVB-T. „multithek“ heißt sie und bietet den Zugang zu den Angeboten von über 20 Programm- und Dienstanbietern wie zum Beispiel ARD, ZDF, QVC und QTom. Kunden in sieben deutschen Ballungsräumen – Berlin, Hamburg, Saarbrücken, Rhein/Main (unter anderem Frankfurt, Wiesbaden, Mainz), Hannover, Braunschweig, Stuttgart – können das neue Angebot nutzen. Weitere Regionen sollen in Kürze folgen, heißt es in einer Mitteilung.

„Mit der multithek haben wir für unsere Endkunden und Contentpartner eine clevere und einheitliche Portal-Lösung geschaffen, die alle Vorteile eines interaktiven TV-Portals mit den Empfangsmöglichkeiten zahlreicher Zusatzdienste kombiniert“, erklärte Kleinbauer. „Mit unserem neuen Hybrid-TV-Portal wollen wir den HbbTV-Markt erweitern und die Akzeptanz, Bekanntheit und das Zukunftspotenzial von DVB-T steigern.“

Neu dabei ist, dass MEDIA BROADCAST das Thema Hybrid-TV nicht alleine angeht, sondern sich die Unterstützung von NetRange, dem Experten für markenunabhängige Smart TV-Portal-Lösungen (siehe Interview in dieser Ausgabe) gesichert hat.

Die multithek ist nun im EPG eines jeden HbbTV-fähigen DVB-T-Endgerätes verfügbar. Dort kann sie ganz einfach – wie ein normales TV-Programm – ausgewählt werden. Durch die direkte Einbindung in die elektronische Programmauswahl muss sich der Nutzer nicht durch Menüs oder Applikationen klicken, um an interaktive Zusatzdienste zu gelangen. Der Zugriff auf das umfangreiche Angebot erfolgt einfach über die TV-Fernbedienung. Die Onlineinhalte wie Mediatheken, Nachrichten, Shopping, Sport, Musik und Wetter sind auf dem großen TV-Bildschirm abrufbar. Ab Start der multithek stehen auch die Inhalte aus den ARD und ZDF Mediatheken sowie weitere Angebote der über 20 Partner wie QVC und QTom den Nutzern zum Abruf zur Verfügung. Das Angebot soll laut MEDIA Broadcast kontinuierlich ausgebaut werden. Vor allem lokale und regionale Inhalte stehen dabei im Vordergrund, heißt es.

Ein zentraler Vorteil der multithek ist laut MEDIA BROADCAST ihre Universalität. Die Oberfläche des Portals sieht auf jedem HbbTV-Endgerät – unabhängig vom jeweiligen Gerätehersteller – gleich aus. „Neben den Konsumenten profitieren auch die verschiedenen Content-Provider, die ihre Dienste und Anwendungen nicht mehr an die Bedürfnisse und Technik des jeweiligen Geräteherstellers anpassen müssen“, meinte Kleinbauer.

Die technischen Voraussetzungen für die Benutzung der multithek sind ein HbbTV-fähiges DVB-T-Endgerät sowie ein mindestens zwei MBit/s schneller Internetzugang. Das Portal kann nicht nur auf dem Fernseher genutzt werden sondern auch auf dem Laptop oder PC mit DVB-T-Empfänger. Kleinbauer empfiehlt hier den Einsatz eines Firefox-Browsers weil hierzu ein HbbTV-Player-Plugin verfügbar sei, das man sich zunächst einmal herunter laden müsse. Das TV-Portal soll zunächst nur über DVB-T empfangbar, soll aber in Zukunft voraussichtlich über weitere Übertragungswege bereitgestellt werden. Der Start der multithek in Deutschland soll von einer umfassenden Marketing-Kampagne ab März 2013 begleitet werden.

Bei MEDIA BROADCAST plant man indes weiter. Die multithek soll auch als Second Screen-Applikation zum Beispiel für Tablets verfügbar gemacht werden. „Das Thema steht für 2013 auf unserer Roadmap“, erklärte Kleinbauer. Dabei könne man gut auf das entsprechende Know how der Kollegen aus dem MEDIA BROADCAST Mutterhaus TDF in Frankreich zurückgreifen. TDF hatte auf der IBC 2012 Second-Screen-Lösungen gezeigt.

„Die Frage hierbei wird nur sein, wie wir das angehen, bezogen auf sinnvolle Features und Mehrwert für die Nutzer“, meinte er. Schließlich würde in der Over-the-Top-Welt ziemlich viel nachgebaut ohne auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Kunden einzugehen. „Unser Fokus bei allen allen Hybrid-TV-Aktivitäten wird sehr User-zentriert sein“, versprach Kleinbauer.

Mit Blick auf die Vermarktungsmöglichkeiten der Plattform und die damit verbundenen Geschäftsmodelle zeigt man sich bei MEDIA BROADCAST offen. „Vom Ansatz her könnten wir auch all den Inhalteanbietern, die noch keine HbbTV-Verlängerung haben, eine customized White Label-Lösung anbieten“, meinte Kleinbauer.

Der MEDIA BROADCAST-Ansatz sei, die Plattform zunächst einmal als „logische Innovation und Erweiterung unseres DVB-T-Produkts“ auf den Markt zu bringen, und dann alle anderen Szenarien vollkommen diskriminierungsfrei zu prüfen. „Spannend sind Regionalangebote besonders auch für die öffentlich-rechtlichen TV-Sender, da in verschiedenen DVB-T-Regionen gar keine Frequenzen mehr vorhanden sind“, meinte er.

Kleinbauer macht auch klar, dass MEDIA BROADCAST mit der neuen Plattform nicht zum Inhalteanbieter anvancieren will. „Wir sehen unsere Rolle als Plattform-Betreiber, der den Inhalteanbietern das Tor ins Wohnzimmer bietet, und bleiben technischer Dienstleister".
Eckhard Eckstein
(MB 03/13)

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