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Ein richtiges  Powerhouse

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Ein richtiges Powerhouse

Thomas Riedel hat 1987, damals gerade 19 Jahre alt, die Firma Riedel Communications in Wuppertal gegründet. Mit über 500 Mitarbeitern und 19 Niederlassungen weltweit ist sie im internationalen Medienbusiness mit Kommunikations- und Netz- werktechnik sehr erfolgreich unterwegs. MEDIEN BULLETIN sprach mit Riedel darüber, was ihn antreibt und welche Pläne er für die Zukunft hat.

0 Jahre Riedel Communications – was heißt das für Sie?

Das Projekt fühlt sich für mich nicht anders an als am ersten Tag. Natürlich sind die Aufgaben gewachsen und auch internationaler geworden. Aber die Begeisterung dafür, selbst ein Geschäft zu betreiben und neue Dinge in Angriff zu nehmen, hat sich nicht abgenutzt. Ich bin mit dem gleichgroßen Engagement unterwegs wie zu Beginn. Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß und ich denke deshalb auch nicht ans Aufhören. 

Im Moment befinde ich mich eher in einer Phase, wo ich viel darüber nachdenke, wie ich die viele Arbeit besser verteilen und managen kann. Das ist aber ein Luxusproblem. Die Veränderungen in unserer Branche eröffnen so viele neue Geschäftsmöglichkeiten, dass ich manchmal gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. In Zeiten des Umbruchs muss man im richtigen Moment aktiv sein, bevor sich alles wieder gesetzt hat. Von meiner Mentalität her bin ich jemand, der nicht wartet, bis sich ganz offensichtlich etwas bewegt. Ich suche vorher selber schon nach Optionen im Wandel.

 

Was waren die wichtigsten Meilensteine dabei? 

Da gab es einige. Ein ganz besonderer aber war sicherlich im Jahr 2000 die Einführung des Artist Interkom-Systems. Sie hat uns erst zu einem internationalen Player und zu einem Hersteller gemacht, wie wir es heute sind. Entscheidend dabei war auch, wie disruptiv die mit Artist verbundenen Veränderungen waren. Bis zu der Zeit waren Interkom-Systeme komplett zentrale, monolithische Systeme, zum großen Teil noch analog. Wir kamen mit voll digitalen Systemen und dezentralen Strukturen daher. Viele haben das damals mit großer Skepsis betrachtet, aber jetzt machen es alle so. Mit Artist haben wir einen Standard definiert, der bis heute Bestand hat.

Und 2009 der Start von MediorNet als dezentrales Netzwerk?

Das war ähnlich. Wenn man heute die Relevanz von IP-basierten Infrastrukturen in der Brache sieht, dann waren wir mit MediorNet und der Netzwerk-Idee dahinter, auch wenn wir damit anfangs nicht IP-fähig waren, unserer Zeit weit voraus.  Und wir haben das, wonach heute alle mit IP-Netzwerken streben, mit MediorNet bereits im Markt etabliert: ein dezentrales Netzwerk für Audio, Video, Daten und Kommunikation, das Signaltransport, Kreuzschiene und Signalprocessing in einem System vereint. Mir ist kein Unternehmen bekannt, das damals in der Richtung etwas gemacht hat. Eigentlich folgen uns gerade alle. Der IP-Ansatz ist nur von der Methodik etwas angepasst worden. Und da machen wir auch mit. Das ist keine Frage. MediorNet, das haben wir auf der IBC 2017 mit MicroN IP App gezeigt, ist heute IP-fähig. Aber im Prinzip sind wir im Bereich dezentrale Medien-Netzwerke Pionier.

 

Riedel Communications hat heute über 500 Mitarbeiter, vor fünf Jahren waren es noch 360. Der Umsatz lag 2012 bei 60 Mio. Euro. Wie sieht das 2017 aus?

Innerhalb der Gruppe werden wir die 100 Mio. Euro Marke überschreiten. Die wachsende Zahl der Mitarbeiter, an vielen Standorten über den ganzen Erdball verteilt, bedeutet für mich – im positiven Sinne – täglich eine große Herausforderung in Sachen Kommunikation. Jeder in unserem Team sollte wissen, welche Ideen und Ideale mit der Marke Riedel verbunden sind – und es freut mich zu sehen, dass das der Fall ist.

 

2004 haben Sie in Wuppertal das 50.000 m² große Areal der Telekomfirma Quante AG übernommen. Wieviel davon nutzt Ihr Unternehmen mittlerweile selbst?

Auch das war für uns auch ein wichtiger Meilenstein. Ursprünglich waren über 80 Prozent des Geländes fremdvermietet. Heute werden fast 70 Prozent  selbst genutzt. Alle Bereiche von der Produktion über die Entwicklung bis hin zur Logistik sind größer geworden. Räumlich am stärksten gewachsen ist in den letzten zehn Jahren sicher der Rental-Bereich, weil hier sehr große Projekte vorbereitet werden: Festivals, Formel 1, Olympische Spiele. Für die Lagerung des Materials, für Probeaufbauten, Kommissionierung und Logistik brauchen wir Riesenflächen.

 

Mit dem Riedel-Technologiepark ist man also gut gerüstet?

Ja, absolut. Auf der anderen Seite wachsen wir nicht nur hier am Standort. In Wuppertal arbeiten von den 500 Mitarbeitern rund 350. Kern von Riedel ist Technologie mit Forschung, Entwicklung und Produktmanagement sowie Marketing und Sales. Wir sind auf ungewöhnliche Weise nicht nur Marketing oder Engineering getrieben, sondern genau beides. Das ist Teil des Erfolgsrezepts. Und als dritte Kraft kommen der Rental-Bereich und unsere logistische Stärke ins Spiel. Wir sind in der Lage, riesengroße Mengen an Technik zeitlich präzise zum Einsatz zu bringen – weltweit und vielfach auch zur gleichen Zeit. Technologisch gesehen ist neben Wuppertal ganz eindeutig Wien mit unserem zweitgrößten Entwicklerteam der wichtigste Standort. Hier ist das ganze MediorNet-Geschäft angesiedelt. Es gibt auch noch ein großes Entwicklerteam in Eisenberg bei der früheren DELEC mit mehr als zehn Leuten. Wir haben heute über 85 Entwicklungsingenieure und sind dadurch in Sachen Technik und Entwicklung ein richtiges Powerhouse. 

 

Riedel Communications ist in letzter Zeit durch Unternehmensbeteiligungen und -übernahmen in Erscheinung getreten. Was steckt dahinter?

Durch Beteiligungen an Firmen möchte ich vor allem den Know- how-Austausch fördern, ebenso wie durch Mentoring und Förderung von Start-ups. So unterstütze ich beispielsweise auch das Projekt leAD Sports Accelerator (Legacy of Adi Dassler). Auch hier geht es um Weitergeben von Know-how und Spirit. Man kann nicht früh genug damit anfangen, entsprechende Strukturen für den Unternehmernachwuchs aufzubauen. Dabei erhält man selbst viele frische und neue Impulse, die für die eigene Firma ganz wertvoll sind. Wir brauchen Innovationen, weil Teile von dem, was Riedel Communications heute ausmacht, in 30 Jahren so nicht mehr existieren werden. Das kann ich sagen, weil wir uns mit unseren Firmeninhalten in den letzten 30 Jahren ebenfalls ganz massiv verändert haben. Wir merken auch, dass wir auf Grund unserer Größe heute mehr denn je auf unsere Flexibilität achten müssen. Denn diese ist wichtig für die Innovationskraft eines Unternehmens.

 

Übernommen wurden Code One, DELEC, ASL und Wige Solutions. Wie funktioniert da die Integration ins Unternehmen?

Wige Solutions wird gar nicht integriert. Der Kauf, gemeinsam mit einem Partner, hat sich durch die Veränderung bei der Wige Media AG ergeben – ich sehe es als Investition. Zuvor haben wir mit der Wige Solutions schon viel zusammen gearbeitet, insbesondere im Motorsport. Dort wollen wir auch künftig gemeinsam interagieren. Eine Integration würde nicht passen und wäre mit Interessenskonflikten verbunden.

DELEC und ASL wurden bei uns durchaus schon integriert. ASL firmiert als ASL A Riedel Company, DELEC existiert als Marke nicht mehr, aber wir haben hier ebenfalls ein erfahrenes F&E- Team dazu gewonnen. Beide Übernahmen passten gut zu unserem Kerngeschäft Interkom. Und Code One haben wir 2013 übernommen, weil ich vor allem am Know-how des Ingenieur-Teams interessiert war. Ohne das Code One-Team wäre unsere Skype-Lösung nicht entstanden.

Die Übernahmen von ASL und DELEC boten im Prinzip ebenfalls die Möglichkeit, an gute Leute heran zu kommen. Auch in Zukunft planen wir Investitionen in Startups und möglicherweise auch in etablierte Unternehmen, ganz unabhängig von einer Integration in Riedel-Strukturen. Dabei geht es um Know-how-Erwerb und darum, Innovationskraft zu erhalten. Das ist eigentlich der Schlüssel dabei. 

 

In welche technologische Richtung bewegen Sie sich hier? 

Im Prinzip geht es da in zwei Richtungen. Die eine hat mit Event-Security zu tun. Sicherheit bei großen Events ist ganz klar ein Wachstumsmarkt. Hier sind wir schon stark vertreten. Der zweite Aspekt ist Digitalisierung und da geht es natürlich um das Thema IP und um alles, was dazu gehört.

 

Welche Rolle spielt künftig der Dienstleistungsbereich bei Riedel? Wird der weiter wachsen?

Das kann ich klar mit ja beantworten. Für den Bereich prognostiziere ich ein erhebliches Wachstum. Das sehen auch alle großen Hersteller so. Sie wollen vom Produkt- zum Serviceprovider-Geschäft wechseln. Riedel ist in dem Rental-Geschäft schon seit Anfang an aktiv. Wir können heute die Betreuung und die Konfiguration der Systeme für unsere Kunden remote übernehmen, egal wo sie sich befinden. Das müssen wir anbieten, sonst macht es jemand anderes. Das wird in unterschiedlichen Märkten unterschiedlich schnell passieren. Aber die Technologie dafür ist vorhanden. Das Spannende an der Digitalisierung ist, dass man nun in der Lage ist, einen Remote-Service zu bieten, komplette TV-Infrastrukturen fernsteuern kann.

 

Was ist sonst wichtig mit Blick in die Zukunft?

Man sollte mit großer Offenheit agieren: Alles kann sein, nichts muss sein. Unser Ziel dabei ist es, sich auf die wichtigsten Dinge zu fokussieren und nicht alles zu machen. Alle, die uns in den 30 Jahren unserer Firmengeschichte begleitet haben, wissen, dass wir wichtige Trends oft deutlich früher als andere erkannt haben. Wir helfen unseren Kunden auf dem Weg in die Zukunft dabei, ihre Risiken möglichst klein zu halten. Gerade in der heutigen Zeit, wo viel im Wandel ist, wollen wir ihnen möglichst viel Sicherheit bieten.

Eckhard Eckstein

MB 4/2017

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