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Ein steter Strom aus IP-Videos

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Ein steter Strom aus IP-Videos

In der AV-Produktion ist die Streaming-Technologie hinter den Kulissen ebenso auf dem Vormarsch wie bei der Verteilung der Videos via IP an die Zuschauer und Nutzer. Auf der IBC 2014 zeigten die Aussteller beispielsweise die Anbindung an Mobilfunknetze, Ergänzungen für Kameras oder umfassende All-in-One-Lösungen. Der Streaming-Spezialist TV1.EU präsentierte den einzigen legalen online TV-Rekorder in Deutschland. Klar ist: Auch bei den Zuschauern wird der stete Strom aus IP-Videos immer beliebter.

Die Vielfalt an technischen Szenarien beim Video-Streaming zu überblicken ist sogar für Profis nicht leicht. „Das ist eine Herausforderung“, beschreibt etwa Dave Stubenvoll seinen Eindruck auf der IBC 2014. Ob diverse globale Einsatzmöglichkeiten, Encoder, Player, Netzwerke oder Endgeräte – „es gibt so viele Wege, um Video- und Audio-Daten zu erzeugen, zu bearbeiten, zu paketieren und zu transportieren, dass einem der Kopf schwirren kann,“ fügt der CEO von Wowza Media Systems hinzu. Mit der Streaming Engine hat das US-Unternehmen aus Colorado daher eine preisgekrönte Serversoftware entwickelt, die auf dem einfachen Ansatz „build-it-yourself“ basiert.

Auf der diesjährigen Show in Amsterdam zeigte Wowza zum Beispiel gemeinsam mit dem Kamerahersteller JVC, wie hochwertige HD-Video-Inhalte einfach und flexibel von überall aus live gesendet oder online übertragen werden können. Ein viel gefragter Gesprächspartner am Messestand war auch der deutsche Product Manager Philipp Angele, den CEO Dave Stubenvoll als einen seiner wichtigsten Mitarbeiter vorstellte. Mit dem Aufbau eines Büros in Berlin hat Wowza bereits gezeigt, wie wichtig der deutschsprachige Markt für das Unternehmen ist.

Von einem großen Interesse an Lösungen für professionelles Streaming via Internet Protocol berichtet auch Raymond Thompson, Vice President Marketing and Project Management bei Zixi. Die Software-Plattform Zixi Edge Points, die aus drei Hauptmodulen (Feeder, Receiver und Broadcaster) besteht, ermöglicht den Transport von Daten in verschiedenen Bit-Raten und Protokollen (zum Beispiel RTMP oder HLS). „Dies ermöglicht ausgeklügelte Workflows für ENG-Nachrichtenproduktion oder die Distribution via OTT zu jeder erdenklichen Plattform“, erläutert Thompson, der in Amsterdam richtig Grund zur Freude hatte: Als wichtiger Bestandteil des Workflows von Sky News Arabia hatte das US-Unternehmen aus Waltham einen Anteil am Gewinn des diesjährigen IBC Innovation Award.

Zudem gab Zixi Partnerschaften mit dem führenden Infrastruktur-Anbieter Harmonic und VITEC bekannt. Und: „Turner Broadcasting System wird unsere Lösung bei der Übertragung der Primary Videos vom Ryder Cup in die Studios in Atlanta nutzen. Das ist unsere erste Beteiligung an einem Live-Event in dieser Größenordnung“, berichtet Thompson.

Neue Bahnen schlägt auch der deutsche Streaming-Spezialist TV1.EU ein: Mit SHIFT.TV stellte das Unternehmen den nach eigenen Angaben derzeit einzigen legalen online TV-Rekorder in Deutschland vor. SHIFT.TV ist ein webbasierter Service, der über das Content Delivery Network (CDN) von TV1.EU ausgeliefert wird und von jedem PC, Notebook, iPhone/iPad App, Hybrid- und bald auch Smart-TV abgerufen werden kann. Bis zu 50 Kanäle können parallel aufgenommen werden. Der Cloud-Rekorder ermöglicht dem Kunden, Programme des deutschen Fernsehangebots aufzunehmen und entweder als Stream direkt zu sehen oder per Download zu archivieren. „In der Ära von Cloud Computing – wer will da noch einen Festplatten-Rekorder mit Aufnahmekapazitäten für maximal 2 Programme?“ fragt Michael Westphal, CEO von TV1.EU, eher rhetorisch.

Neben dem neuen Cloud-Recording-Service standen auf der IBC das gesamte Portfolio an Streaming und Transcoding Services im Fokus. TV1.EU will vor allem Fernsehsender und Content-Provider in die Lage versetzen, ihr Material einer immer fragmentierteren Zielgruppe zur Verfügung zu stellen und die große Nachfrage nach VoD-Angeboten (Video-on-Demand) zu beantworten.

Eine Lösung für das Streaming von Live-Inhalten bei Außenaufnahmen zählte zu den Produktinnovationen, die LiveU auf der Show in Amsterdam präsentierte. Die Software-Lösung LU-Lite Series eignet sich für den Mobilfunk-Datentransfer hinter den Kulissen ebenso wie für die Bearbeitung von Videos und die Übertragung von Interviews, die etwa mit einer Notebook-Kamera gemacht wurden. Die Anwendung, die für den mobilen Einsatz konzipiert wurde, steht in Windows und Mac zur Verfügung. „Eine Herausforderung ist heutzutage die große Anzahl von Feeds, die bei Produktionen erzeugt und in den Workflow integriert werden müssen“, berichtet Noa Wohl, Services Producer bei LiveU.

Die neue Übertragungseinheit LU 200, die separat getragen oder auf die Kamera aufgesetzt werden kann, dient daher entweder als eigenständiger Video Encoder mit Satellitenintegration oder als mobiler Hotspot für alle IP-Anwendungen mit Einbindung in die LiveU DataBridge. Auf der IBC wurde auch bekannt, dass BT Sport sich für das Equipment von LiveU entschieden hat, um die nach eigenen Angaben erste Flotte Ü-Wagen für Cellular Newsgathering (CNG) aufzubauen.

Ebenfalls auf Streaming-Lösungen in der Produktion spezialisiert ist Mobile Viewpoint. Das niederländische Unternehmen bietet mit W-Link eine Lösung an, die Produktionsfirmen via Wideband Mini Transponder (WMT) live mit Rundfunksendern weltweit verbindet. „Bisher war die mobile Bandbreite ein Problem“, erläutert Michel Bais, Director bei Mobile Viewpoint. „Aber Dank der Einführung von 4G und H.265 HEVC wird die Übertragung von HD-Material deutlich einfacher.“ Um das finanzielle Risiko der Kunden zu minimieren, kündigt Bais an, soll es mit WMT Blue-Link eine Mietlösung geben. Das Basismodell kann nur begrenzt Live-Aufnahmen verarbeiten und verfügt über sechs Modems. Mögliche Inputs sind HD-SDI, HDMI und CVBS. „Damit hat nun jeder bei Bedarf Zugriff auf einen WMT” trommelt Michel Bais für das Profi-Angebot.

Die große und weiter wachsende Bedeutung der Streaming-Technologie verdeutlicht eine aktuelle Analyse des deutschen Hightech-Verbands BITKOM. Demnach schauen sich die Nutzer Videos im Internet überwiegend per Stream an. 73 Prozent der Bundesbürger (gut 40 Millionen Personen ab 14 Jahren) bevorzugen diesen Verbreitungsweg. Vor allem Videoportale wie YouTube, Clipfish oder Vimeo sind bei Internetnutzern beliebt. Fast die Hälfte der Nutzer (46 Prozent) ruft bereits gesendete Beiträge und Sendungen in Online-Mediatheken von Fernsehsendern ab. Mehr als jeder Dritte sieht zumindest hin und wieder das aktuelle Fernsehprogramm als Livestream über eine Internetverbindung. „Streaming-Angebote verändern unsere Fernsehgewohnheiten dauerhaft“, kommentiert denn auch Dr. Christian P. Illek, Mitglied des BITKOM-Präsidiums. „Per Streaming bestimmen Verbraucher selbständig, wann und wo sie Filme, Serien oder Nachrichten sehen möchten.“

Dabei dominiert nach wie vor die Gratiskultur des Internets. Doch laut BITKOM-Umfrage zahlt bereits fast jeder sechste Nutzer (17 Prozent) für kostenpflichtige Angebote. Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg der Anbieter sind daher Profilösungen für den Kopierschutz. „In der Dach-Region ist es ausschlaggebend, den Anti-Filmpiraterie-Anforderungen der Inhalteindustrie zu entsprechen“, berichtet Richard Waldner, Director Sales Central & Eastern Europe bei Exterity. Das schottische Unternehmen stellte auf der IBC 2014 einen End-to-End-Komplettschutz inklusive Hi-Bandwidth Digital Content Protection v2 (HDCPv2) und Unterstützung von Conditional Access (CA) vor. Die neuen AvediaStream g44xx TVgateways von Exterity haben eine platzsparende Größe und können die Streams von bis zu acht Multiplexer verarbeiten und mit Ingest versehen. Die Bedeutung von solchen Systemen, so viel ist klar, wird weiter wachsen. Schließlich entsteht durch Raubkopie allein in der deutschen Filmindustrie, so Schätzungen, jährlich ein Schaden von 300 Millionen Euro und mehr.

Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass das Thema Online-Video-Streaming und die damit verbundenen Umbrüche im Film- und Fernsehmarkt auch zunehmend Relevanz auf Medien- und Broadcast-Kongressen gewinnen. Es war auch ein zentraler Programmpunkt bei den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2014 (22. – 24. Oktober).

Michael Stadik

MB 7/2014

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