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Frauen sind weiterhin bei Regie-Vergabe benachteiligt

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Frauen sind weiterhin bei Regie-Vergabe benachteiligt

Frauen und Ältere werden bei der Regie-Vergabe in Film und TV benachteiligt. Das konstatiert der jetzt veröffentlichte sechste Diversitätsbericht des Bundesverband Regie e.V., der seit 2013 im Auftrag seiner Mitglieder erstellt wird. Erstmals liegen jetzt Zahlen über die Beschäftigung und die Regievergabe-Praxis über einen Zeitraum von neun Jahren vor.

Prof. Dr. Elizabeth Prommer, Direktorin des Instituts für Medienforschung an der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock, führte die Auswertung wie auch in den letzten Jahren maßgeblich durch. Über die Entwicklung der Zahlen kann sie nicht viel Positives berichten: "Unsere Analysen für den Kinobereich zeigen keine Veränderung bzw. sogar einen Rückgang bei der Filmförderung. Das zeigt, dass nur darüber reden und Zahlen erheben wohl nicht reicht, sondern konkrete Maßnahmen nötig sind. Auch die Daten für Fernsehen zeigen eine viel zu langsame Veränderung. Wenn wir 50/50 erst im Jahr 2030 erreichen, dann haben noch weitere 10 Jahrgänge Regie-Absolventinnen keinen gleichberechtigen Zugang zur Branche, ganz abgesehen von den gestandenen Regisseurinnen, die immer noch benachteiligt werden.“ Zwar hat sich der Anteil der fiktionalen Sendeminuten (ARD, ZDF, RTL, SAT1 und VOX sowie im deutschen Kinofilm) von ca. 11% in 2010 auf 20,5% (ARD) und 19,8% (ZDF) erhöht, aber über die Jahre hinweg gesehen ist das lediglich ein Anstieg von 2-3% jährlich.  

Ein weiteres Problemfeld, das der Diversitätsbericht beleuchtet, ist die Vergabe von Regie-Aufträgen nach Alter. Hier kann man deutlich von einer Altersdiskriminierung sprechen, die beide Geschlechter betrifft, Frauen jedoch weitaus früher und in einem deutlicheren Ausmaß: In der Altersgruppe der 40-50jährigen sind am meisten Regisseurinnen vertreten. Ab einem Alter von 50 sinkt die Beschäftigung von Frauen in der Regie rapide ab. Bei Männern ist dieser Einschnitt im Alter von 60 Jahren zu verbuchen. „Gerade im Berufsfeld Regie, in dem Erfahrung, Berufspraxis und ein profundes Wissen gute Filme kennzeichnen, geht durch die Nicht-Beschäftigung älterer Kolleginnen und Kollegen eine wichtige kulturelle Kraft verloren“, so die diesjährige Projektleiterin des 6. Diversitätsberichtes und Regisseurin Bettina Schoeller Bouju. 

Der Bundesverband Regie plant, auch in den kommenden Jahren die Studie über Regie-Vergabepraxis auszuweiten: „In Zukunft werden wir die Vergabe der Regieaufträge und die Vergabe von Fördermitteln auch nach Ausbildung, Alter, Nationalität und ethnischer Herkunft untersuchen. Für uns sind Diversität und Gendergerechtigkeit unbedingte Voraussetzungen dafür, Perspektiven, Diskurse, Dramaturgien und Erzählformen entstehen zu lassen, die das heutige Publikum erreichen“, so Cornelia Grünberg aus dem Vorstand des Regieverbandes.

Der sechste Diversitätsbericht des BVR steht hier zum Download bereit. (3/20)

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