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Irgendwann ist alles IP

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Irgendwann ist alles IP

Salzbrenner und Stagetec galten früher als Synonym. Doch diese Zeiten sind vorbei: Zum 1. April 2016 trennte sich Stagetec vom Mutterkonzern und vertreibt seine Produkte seitdem selbst. MEDIEN BULLETIN sprach am Firmensitz im fränkischen Buttenheim bei Bamberg mit Marco Kraft, Gesamtvertriebsleiter von Salzbrenner Media, über die Neuausrichtung des Audio-, Video- und Medientechnik-Systemhauses nach der Abspaltung von Stagetec, neue Projekte sowie aktuelle Entwicklungen und Trends im Markt.

Schlüsselfertige AV-Komplettlösungen für Theater, Opern, Konzerthallen, Stadien, Kirchen, öffentliche Gebäude, Sport- und Musikevents sowie für Funk, Fernsehen sind der Schwerpunkt des mittelständischen Unternehmens, das rund 100 Mitarbeiter beschäftigt. „Unsere Systeme sind im Prinzip überall gefragt, wo viele Menschen zusammenkommen,“ beschreibt Marco Kraft, Gesamtvertriebsleiter von Salzbrenner media, die Gemeinsamkeit vieler Projekte. Die Audio-, Video- und Medien-Technik, mit der Salzbrenner Media die Örtlichkeiten ausstattet, dienen neben den eigentlichen Veranstaltungen auch für Durchsagen, Notfallkommunikation und Sicherheitslösungen, etwa zur Evakuierung von Veranstaltungsbesuchern. 

Gegründet wurde das Unternehmen am 1. April 1963 von Friedrich Salzbrenner als Werkstatt zur Pflege und Wartung von Übertragungsanlagen. Inzwischen entfallen zwei Drittel des Geschäfts auf Deutschland, Österreich und die Schweiz: Hier ist Salzbrenner laut Kraft mit einem Marktanteil von über 50 Prozent Marktführer in seinen Kernbereichen Theater und Kultur. Ein Drittel des Umsatzes wird in internationalen Märkten wie Russland und dem Mittleren Osten erwirtschaftet.

Der auf digitale Audiomischpulte und Audiorouter spezialisierte Hersteller Stagetec, der bislang unter dem Dach der Salzbrenner Stagetec Mediagroup angesiedelt war, machte sich zum 

1. April 2016 selbständig und baut einen eigenen Vertrieb auf. Salzbrenner media vertreibt weiterhin Stagetec-Produkte, aber nicht mehr exklusiv, wie Kraft erklärt. Je nach Projekt wird entschieden, ob Hardware von Salzbrenner, Stagetec oder eines anderen Herstellers in das System eingebaut wird. „Unsere Hauptaufgabe besteht nun darin, uns als unabhängiges Systemhaus neu zu etablieren“, sagte Kraft. 

Parallel vertreibt Salzbrenner media unter der Marke „Salzbrenner“ die Inspizientensystem-Reihe „Inspiration“ und die eigenentwickelten digitalen Audiomischpulte Polaris Evolution und Polaris Touch, die sich für die individuellen Einsätze und Anwender skalieren und personalisieren lassen. Für Flexibilität sorgt die eigene Produktionsstätte, die Salzbrenner in Buttenheim betreibt. „Wenn es etwas nicht im Markt gibt, dann bauen wir das unter dem Mantel 'Salzbrenner factory'“, erklärte Kraft. Dies ermögliche auch Kleinserien und Sonderbauten wie Souffleurpulte oder Sprechstellen, zugeschnitten auf die individuellen Wünsche der Kunden.

Neue Projekte und Pläne

Die Stimmung im Markt sei derzeit „sehr gut“, sagt Kraft. „Die Bereitschaft zu investieren ist da.“ Das zeigt sich auch in der Auftragslage: So stattet Salzbrenner media im Juni 2017 die Berliner Staatsoper Unter den Linden mit neuer Technik aus. In der Sommerpause der Fußball-Bundesliga erhält die Schalke-Arena in Gelsenkirchen eine komplett neue Beschallungsanlage durch das Buttenheimer Unternehmen, das zuvor bereits die Mercedes-Benz Arena in Stuttgart entsprechend ausgestattet hat. Auch im Stadttheater in Bern installiert Salzbrenner media im Sommer neue Audiotechnik. Besonders innovativ zeigen sich die Münchner Kammerspiele, die auf ein vollständig IP-basiertes System von Salzbrenner media setzen. In den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden baut das Unternehmen eine AV-Multifunktionsanlage ein, die auch Konferenztechnik umfasst. Ein weiteres Großprojekt des Systemhauses ist die AV-Ausstattung des Dresdner Veranstaltungszentrums Kraftwerk Mitte.

Salzbrenner auf der Prolight + Sound

Auf der diesjährigen Prolight + Sound in Frankfurt zeigte Salzbrenner media, dass die Betreuung von Prestigeprojekten nur ein Aspekt der Firmenaktivitäten ist. Hier stellte man die Aktivitäten der Salzbrenner factory vor. „Das Salzbrenner factory-Konzept beruht auf der Erkenntnis, dass für große und kleine Projekte der Markt oft keine optimalen Lösungen bietet, die alle Wünsche und Bedürfnisse der Kunden berücksichtigen. Daher entwickelt und fertigt Salzbrenner factory individuelle Lösungen und Sonderbauten nach ISO 9001, die alle Anforderungen erfüllen und budgetverträglich sind“, erklärte Rainer Hettwer, Leiter Projektverkauf Deutschland von Salzbrenner media. Gezeigt wurden auf der Prolight + Sound 2017 zwei Produkte aus dem factory-Betrieb: ein neuartiges Souffleurpult und laufruhige Mikrofonwinden. Das Souffleurpult wurde von Salzbrenner media so entwickelt, dass sie die Arbeit der Souffleure möglichst vereinfachen. Zu den Highlights des Konzepts zählen Kamera- und Bildschirmwahl, LED-Schwanenhalsleuchten, das Design für Links- und/oder Rechtshänderbetrieb und eine platzsparende, ergonomische Gestaltung. 

Wie das Pult, so werden auch die neuen Mikrofonwinden von Salzbrenner media kundenindividuell konzipiert und gefertigt. Sie sind nach Bedarf über Tablet oder Netzwerk steuerbar und verfügen über eine frei programmierbare Benutzeroberfläche. Neuigkeiten gab es auch zum netzwerkbasierten Mischsystem Polaris Evolution. Es erlaubt nun die Fernbedienung einer DAW und externer Effektgeräte mit sogenannten „Remote Strips”. Remote Strips und die damit angesteuerten externen Parameter und Geräte werden so Teil des Workflows. Ebenfalls neu ist die Bildung von Automationsgruppen, die sich im Sinne einer maximalen Flexibilität auf ausgewählte Teilaspekte des Systems statt auf die gesamte Konsole beziehen. Die Polaris Evolution-Webapp erlaubt das Umkonfigurieren der Hardware und Mischoberfläche per Browser bei laufendem Betrieb, damit alle Beteiligten möglichst schnell über die erforderlichen Ressourcen verfügen. Zudem unterstützt Salzbrenners Inspizientenpulte der INSPIration-Serie neuerdings nicht nur die Lösungen von Riedel und ClearCom, sondern erweitern deren Intercom-Funktion auch auf die Nutzung als Audioplattform für Rufe und zum Mithören. Die Tasten dieser Systeme lassen sich für die Ablaufsteuerung mit Bedien- und Steuerfunktionen der Inspiziententechnik belegen. Auch die intelligenten Audioschnittstellen der NIO xcel-Serie für den schnellen Aufbau einer skalierbaren Dante-Umgebung im Live-Betrieb wurden auf der Prolight + Sound 2017 gezeigt.

 

Der Trend zu IP und die Konsequenzen

Der Trend im Markt gehe eindeutig in Richtung IP, meint Kraft. Dies führe in Unternehmen jedoch oft zu einer Spaltung zwischen jungen und älteren, konservativen Mitarbeitern. Schulungen zum Thema „Media over IP“ könnten zu mehr Aufgeschlossenheit führen. Eine Antriebsfeder sei auf jeden Fall die Möglichkeit, durch IP-basierte Systeme Geld zu sparen. Kraft verwies allerdings auf eine Konsequenz der Einführung, die teilweise zu wenig beachtet wird: Wer kümmert sich darum? Es fehle oft an Betriebs- und Service-Fachwissen beim Kunden. Statt Hausmeistern werden nun Computerspezialisten benötigt. Wegen der Updates der Systeme sei zudem eine ständige Kommunikation mit den Herstellern notwendig, gibt Kraft zu bedenken. Das alte Prinzip „System einbauen und Ruhe haben“ funktioniere bei IP nicht mehr. Ob man damit klarkomme, sei letzten Endes auch eine Generationenfrage, meint er.

Wandel zur Dienstleistung Die aufwändigere und komplexere Wartung von IP-basierten Systemen führt dazu, dass Hersteller ihren Support aufstocken müssen – bis zur 24-Stunden-Erreichbarkeit mit Rufbereitschaft, die auch Salzbrenner media seit Jahren bietet. Aus Hardware-Lieferanten werden Dienstleister. 

Bei rund einem Viertel der Projekte von Salzbrenner spielt IP-Technologie derzeit eine wichtige Rolle, erklärt Kraft. Er ist sich sicher: „Irgendwann wird alles IP sein.“ Das schließe aber nicht aus, dass es in zehn Jahren noch traditionelle Elemente gebe, zum Beispiel das Mikrofon.

Dr. Jörn Krieger

MB 2/2017

© Salzbrenner Media

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