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David Jorba

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Künstliche Intelligenz ist nur so gut wie sein Mehrwert

Cloud-Produktionen und künstliche Intelligenz sind zwei wichtige Trendthemen in der Broadcast-Industrie. David Jorba, EVP Managing Director Europe von TVU Networks spricht im mebucom-Interview über die Entwicklung der Technologien und was geschehen muss, damit KI von den Sendeanstalten großflächig genutzt wird.

Herr Jorba, Sie haben kürzlich bei einer Sportveranstaltung davon gesprochen, dass die Remote-Produktion zwar schon Realität ist, aber kein gültiges Modell für die heutigen Produktionsherausforderungen darstellt. Warum haben Sie das gesagt?

Vor ungefähr sieben Jahren hat die Remote-Produktion richtig an Fahrt aufgenommen. Es ging darum, die vor Ort erforderliche Ausrüstung und das Personal zu kürzen. Heute ist die Remote-Produktion Realität geworden und hat die Kosten für die Live-Produktionen gesenkt. Allerdings braucht man Glasfaserverbindungen, um die Live-Aufnahmen zu übertragen und diese sind an eine physische Übertragungseinrichtung gebunden. Dies bringt natürlich Einschränkungen für die Standorte und die mit diesen Techniken produzierten Veranstaltungen mit sich und verringert den potenziellen wirtschaftlichen Nutzen.

Wir haben erkannt, dass die Remote-Produktion nicht länger ein gutes Modell ist, da die Sendeanstalten heute einen Live-Einblick in eine steigende Anzahl an Nachrichten und Sportveranstaltungen bieten müssen, oft keine Glasfaserverbindungen haben und ihre Mittel nicht ausreichen, um alle Live-Videos per Glasfaser zu übertragen. Wir glauben, dass die Herausforderungen für Live-Produktionen besser bewältigt werden können, indem wir neue Techniken für die Cloud-Produktion mit Infrastrukturen von Unternehmen wie AWS und Microsoft bereitstellen. Durch die Cloud gewinnt man an Flexibilität und die Nutzer nutzen nur dann zusätzliche Kapazitäten, wenn sie diese benötigen. Es gibt keine Anforderungen für die Ausrüstung vor Ort und Sendeanstalten können ihren Bandbreitenbedarf an ihre Produktionsmittel anpassen.

Denken Sie, dass die cloud-basierte Produktion 2019 ihren Durchbruch erleben wird?

Wir stehen immer noch am Anfang, aber wir haben die Testphase bereits hinter uns gelassen. In EMEA führen wir viele Diskussionen, die mit der Remote-Produktion beginnen und dann schnell zur cloud-basierten Produktion übergehen. Dies liegt daran, dass Sendeanstalten nun verstehen, dass die Lösungen der Remote-Produktion nicht die heute benötigte Kostenreduzierung und Flexibilität mit sich bringen. Wir haben auch festgestellt, dass jetzt Remote-Produktionen erster Stunde Upgrades benötigen, um die Produktionsqualität weiter zu steigern. Viele dieser Deployments entwickeln sich weg von der Remote-Produktion und hin zur Cloud. Dies hängt mit den niedrigeren Kosten für Glasfaser, einem geringeren Bedarf an Hardware und der flexiblen Skalierbarkeit zusammen. 

Wir denken, dass Cloud-Produktionen 2019 einen wahren Durchbruch erleben werden und sind davon überzeugt, dass vor allem kleinere Social Media- und Sportevents die Technologie adaptieren wird. Sobald Vorteile und Verlässlichkeit dieser Produktionen nachgewiesen ist, wird sich die Technologie sicher auch für größere Veranstaltungen empfehlen und hat das Potential, Remote-Produktionen immer weiter zu verdrängen.

TVU möchte sich einen Namen im Bereich der KI-basierten Broadcast-Lösungen machen. Können Sie uns sagen, wo Sie 2019 das größte Potenzial für KI-Entwicklungen für EMEA sehen?

In Europa kommt das größte Interesse von den großen Sendeanstalten in den Bereichen Metadatenanreicherung, Transkription in Echtzeit, automatische und KI-basierte Inhaltsentdeckung und Workflowautomatisierung der Beiträge. Ohne die künstliche Intelligenz sind diese drei Aufgaben äußerst personalintensiv und teuer. Das heißt, dass sie nur mit Unterbrechungen oder gar nicht ausgeführt werden. Bereits in unserer Testphase können Sendeanstalten mithilfe der künstlichen Intelligenz die Daten besser zusammenfassen, über mehrere Plattformen hinweg nach Live-Inhalten suchen, mehr Programme kostengünstiger transkribieren und effizientere und präzisere Beiträge liefern. Wir befinden uns in der Testphase und erwarten bereits im Laufe dieses Jahres erste Kundenprojekte mit künstlicher Intelligenz in EMEA. 

Was muss noch geschehen, damit Betreiber die KI nutzen?

Die künstliche Intelligenz steckt noch in den Kinderschuhen. Es gibt allerdings bereits enormes Interesse in einigen Bereichen der Produktion. Sobald Entscheidungsträger verstehen, dass sie durch die Bereitstellung von KI-Lösungen einen höheren ROI erzielen können, werden KI-basierte Anwendungen innerhalb von Kontribution, Produktion und Distribution zu sehen sein.

Um den Prozess anzustoßen, ist es wichtig, dass KI-basierte Lösungen bereits in den wichtigen Broadcast-Infrastrukturen integriert sind. So integrieren wir etwa unsere KI-basierten Lösungen in Systemen für das Media Asset Management und stellen so sicher, dass wir bereit sind, wenn Sendeanstalten damit arbeiten möchten. Die große Herausforderung der Industrie ist, sicherzustellen, dass die Sendeanstalten den Nutzen und die Funktionsweise künstlicher Intelligenz voll und ganz verstehen und den Mehrwert für ihr Business dahinter erkennen. (2/19)

Foto: David Jorba, EVP Managing Director Europe von TVU Networks

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