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Nachhaltig gestärkt

Pay-TV-Sender Premiere gewinnt Oberwasser. Die Bundesliga-Übertragung wurde durch ein Bündnis mit Ex-Konkurrent arena zurück erorbert, die Abonnenten-Zahlen steigen wieder, das Neugeschäft wird mit flexibleren Angeboten angekurbelt, die Kabelverbreitung ausgebaut und zuletzt jetzt auch noch ein mit Premiere Sky der Start einer neuen Satelliten-Programmplattform für September angekündigt.

„Premiere ist für Bundesliga-Fans wieder die erste Adresse – mit mehr Zugangsmöglichkeiten als je zuvor: über Satellit, Kabel und IPTV“, freute sich Georg Kofler am 8. Februar. An dem Tag konnte der Premiere-Chef einen Überraschungsdeal mit der Unity Media Gruppe, dem Mutter-Konzern von Konkurrent arena bekannt geben. Für rund 700 Millionen Euro hatte arena im Dezember 2005 überraschend von der Deutschen Fußball Liga (DFL) die Rechte zur TV-Live-Übertragung der Bundesliga für drei Spielzeiten (ab der Saison 2006/2007) erwerben können. Dann aber wurde bei der Vermarktung und beim Aufbau der nötigen technischen Infrastruktur für die Verbreitung leicht „geschwächelt“. Da war es irgendwie logisch, dass man Premiere bei der Bundesliga wieder von der Ersatzbank holt.

Die Vereinbarungen von Unity mit Premiere sehen im Wesentlichen vor, dass Premiere umfangreiche Verbreitungs-, Vermarktungs- und Lizenzrechte als so genannte Sacheinlagen von arena erhält und im Gegenzug den neuen Fußball-Sender am eigenen Unternehmen mit 16,7 Prozent beteiligt. Dafür werden 16,4 Millionen neue Aktien im Zuge einer Kapitalerhöhung ausgegeben. Die Werthaltigkeit der geleisteten Sacheinlage wurden laut Premiere durch eine unabhängige „Financial Opinion“ von Morgan Stanley bestätigt. Die Aktien sollen unmittelbar nach Eintragung der Kapitalerhöhung ins Handelsregister von arena an ein unabhängiges Finanzinstitut übertragen werden, welches das Premiere Aktienpaket ausschließlich unter finanzwirtschaftlichen Gesichtspunkten verwalten soll. Dadurch soll jegliche Einflussnahme von arena auf die Unternehmenspolitik von Premiere ausgeschlossen werden. Das ist hierzulande wichtig.

Verbindungen zwischen Netzbetreibern und Programmanbietern wurden von den deutschen Aufsichtsbehörden schließlich immer sehr kritisch gesehen. Die KEK (Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich) und das Bundeskartellamt werden den geplanten Einstieg von arena bei Premiere deshalb genau unter die Lupe nehmen. Sollte der Deal durchgewunken werden, würden sich nach der Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage für die Premiere AG folgende neue Kapital- und Aktionärsstruktur ergeben: Das Grundkapital steigt von 82 auf 98,4 Millionen Euro, die Anzahl der ausgegebenen Aktien von 82 auf 98,4 Millionen Stück. Das unabhängige Finanzinstitut hält 16,7 Prozent der Aktien, das Premiere Management 12,3 Prozent. Die übrigen Aktien (71,0 Prozent) sind dem Streubesitz (Free-Float) zuzurechnen.

Einspeisung in weitere Kabelnetze
Das neue Bündnis mit Unity sieht nun vor, dass Premiere den Bundesligasender arena in ganz Deutschland über Satellit verbreiten und vermarkten kann. Außerdem kann Premiere in weitere Kabelnetze eingespeist werden. 2,2 Millionen zusätzliche Kunden kleinerer Kabelnetzanbieter (Netzebene 4) in allen Bundesländern außer Nordrhein-Westfalen und Hessen können dadurch arena jetzt bei Premiere abonnieren. Den 9,6 Millionen Haushalten im Netz der Kabel Deutschland (KDG) bietet Premiere Bundesliga live auf arena bereits seit August 2006 an. Weitere 2,3 Millionen Kabelhaushalte in Baden-Württemberg können arena bei Premiere buchen - verbreitet wird der Sender dort von Kabel Baden-Württemberg. Insgesamt steigt die Bundesliga-Vermarktungsreichweite von Premiere damit auf über 30 Millionen Haushalte.

In den Kabelnetzen von Nordhein-Westfalen und Hessen wird arena wie bisher von ish und iesy verbreitet und vermarktet. Im Zuge der Vereinbarung mit Unity hat sich Premiere dort mit einem neuen 10-Jahres-Vertrag auch die langfristige Verbreitung der eigenen Programme gesichert. Unity Media versorgt über die Kabelnetzbetreiber ish und easy derzeit 5,1 Millionen Kabelhaushalte. Auch Premiere HD, das exklusive Film- und Sportangebot von Premiere im hoch auflösenden Fernsehformat HDTV, ist jetzt in Nordrhein-Westfalen und Hessen über Kabel zu empfangen. Mit dem neuen Vertrag erhält Unity Media Vermarktungsrechte für die Premiere-Programmangebote und zwar auf nicht-exklusiver Basis. Unity kann künftig Bestandskunden und Neukunden in den Kabelnetzen von ish und iesy die Programmpakete von Premiere einzeln oder in Kombination mit eigenen Produkten anbieten. Im Gegenzug erhält Premiere eine Umsatzbeteiligung an den vermarkteten Paketen sowie eine Absicherung durch jährlich steigende Umsatzgarantien.

„Wir setzen auf die konsequente Digitalisierungsstrategie von Unity: Je mehr digitale Kabelhaushalte, umso einfacher und günstiger ist der Zugang zu Premiere. Premiere erhält über den neuen Vermarktungsvertrag mit Unity eine hervorragende Chance, am dynamischen Wachstum des digitalen Kabels in Nordrhein-Westfalen und Hessen zu partizipieren. Kräftige Impulse für eine erfolgreiche Vermarktung erwarten wir uns insbesondere von unterschiedlichen Kombi-Angeboten aus digitalem Kabel-Anschluss, Internet, Telefonie und Premiere“, sagte Kofler.

Mehr Effizienz im Service verspricht sich Premiere von einem erweiterten Dienstleistungsvertrag mit Unity Media. Bislang übernimmt Unity technische Verbreitung und Verschlüsselung der Premiere Programme im nordrhein-westfälischen und hessischen Kabel. Die Unity-Töchter ish und iesy werden im Auftrag von Premiere auch Service und Administration der Premiere Kabel-Plattform in ihrer jeweiligen Region betreuen.
Mit dem neuen Vertrag erwirbt Premiere auch die nationalen arena Vermarktungsrechte für Sportsbars - über Kabel und Satellit - und ein langfristiges, nicht-exklusives Lizenzrecht an der Marke arena zur Präsentation und Vermarktung von Bundesliga-live. Außerdem betreut Premiere künftig im Auftrag von arena technischen Betrieb, Service und Administration der arena-Satellitenplattform. Damit soll ein umfassender Service aus einer Hand für die Satelliten-Abonnenten von arena und alle TV-Haushalte, die arena bei Premiere abonniert haben, gewährleistet werden. Premiere erhält für die erbrachten Dienstleistungen eine „angemessene“ Umsatzbeteiligung.

Das neue Service-Modell soll attraktive Kombi-Angebote aus arena- und Premiere-Programm ermöglichen. „Auf der Grundlage eines neuen, erweiterten Verbreitungsvertrages mit arena wird Premiere wieder zum wichtigsten Pay-TV-Vermarkter von Bundesliga-Fußball in Deutschland“, betonte Kofler.

Bessere Wachstumschancen für Pay-TV
Nach der Einigung mit arena erwartet Premiere, dass sich die Wachstumschancen der Pay-TV-Industrie im deutschen Markt insgesamt verbessern. Kofler: „Jetzt gibt es eine einfache und kundenfreundliche Regelung für den Empfang der Bundesliga: über Satellit ebenso wie im Kabel. Premiere ist wieder eine zentrale Anlaufstelle für Bundesliga-live: Wer einen Kabelanschluss in Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein oder Thüringen hat, ruft bei Premiere an. Für Satellitenhaushalte ist die Formel noch einfacher: In ganz Deutschland gibt es arena künftig auch direkt bei Premiere. Wir bauen technische Barrieren für die Fans ab und vergrößern die Reichweite für Bundesliga-live - das sind gute Voraussetzungen, das Interesse und die Akzeptanz für Bundesliga-Pay-TV-Angebote anzukurbeln. Der gesamte deutsche Pay-TV-Markt hat jetzt bessere Wachstumsperspektiven.“

Die von Premiere erworbenen Verbreitungs- und Vermarktungsrecht an den arena-Programmen haben zunächst eine Laufzeit von zehn Jahren. Noch länger gelten die erworbenen Marken-Lizenzen. Premiere kann die Marke arena zur Präsentation und Vermarktung von Bundesliga-live-Angeboten bis Ende 2026 nutzen. Die Markenrechte an arena hält Premiere auf nicht-exklusiver Basis. „Premiere wird durch den neuen Vertrag mit arena sowohl im operativen Geschäft als auch in seiner strategischen Positionierung nachhaltig gestärkt“, sagte Kofler.
Auch bei Unity zeigte man sich zufrieden mit dem neuen Vertrag. „Diese Vereinbarung eröffnet den Zuschauern den direkten Zugang zu einem noch breiteren, hochwertigen digitalen Programmangebot und fördert so das Wachstum des digitalen Pay TV-Markts insgesamt. Sie macht das Leben für den Kunden deutlich einfacher und beseitigt bisherige Hürden durch verschiedene Infrastrukturen und Digital-Receiver“, sagte Parm Sandhu, CEO der Unity Media Gruppe. Premiere-Satellitenkunden könnten arena jetzt ohne Wechsel des Receivers empfangen.

Kabelkunden von Unity Media wiederum könnten aus einer noch umfangreicheren Palette attraktiver Pay-TV-Programme wählen und diese individuell zusammenstellen. Sandhu: „Außerdem begrüßen wir ab März 2007 alle neuen Abonnenten unseres digitalen Angebots im Kabel mit einem attraktiven Premiere-Aktionsangebot.“ Unity Media könne sich nun besser als führender Anbieter von Triple-Play-Diensten positionieren. „Die volle Integration der Premiere-Programme forciert unser Wachstum und stärkt unsere Position im Infrastrukturwettbewerb, insbesondere im Triple-Play-Markt“, erklärte Sandhu. „Wir werden die so gewonnenen strategischen Vorteile für unsere Wachstumsstrategie im Digital-TV nutzen.“ Neben den strategischen Vorteilen für Unity Media stellten die finanziellen Vertragsbedingungen eine erhebliche zusätzliche Wertsteigerung dar.
Arena, so Sandhu, werde sich auch weiterhin um hochwertige Premium-Sport- und andere Programmrechte bewerben und so die Wachstumsstrategie von Unity Media als integriertes Medienunternehmen konsequent umsetzen.

Prepaid-Angebot Premiere Flex
Um Pay-TV noch mehr Fernsehzuschauern schmackhaft zu machen hat Premiere am 5. März das Prepaid-Angebot Premiere Flex gestartet. Die sieben Programmpakete PREMIERE BLOCKBUSTER, PREMIERE ENTERTAINMENT, PREMIERE THEMA, PREMIERE SPORT, PREMIERE FUSSBALL, PREMIERE HD und DISCOVERY HD sind seither monatlich für je 20 Euro erhältlich - ohne Abo und ohne Vertragsbindung. Der Kanal BIG BROTHER 24 STUNDEN LIVE ist über Premiere Flex für 15 Euro pro Monat buchbar. Außerdem haben Premiere Flex-Kunden Zugang zum Sexfilmangebot BLUE MOVIE. Seit Dezember 2006 konnten Premiere-Kunden bereits das Pay-per-View-Angebot PREMIERE DIREKT mit Einzeltickets und das Premiere Sportportal mit Tagestickets nutzen.
Die Monatstickets für die einzelne Premiere-Programmpakete werden über aufladbare Guthabenkarten (Wert: 25, 50 oder 75 Euro) bezahlt, die es im Handel oder unter www.premiere-flex.de zu kaufen gibt.

5 Euro am Tag kostet das Sportportal von Premiere, auf dem bis zu 15 Kanälen parallel laufen. Einzeltickets gibt es zudem für Kinohighlights zur Wunschzeit, Top-Serien und exklusive Events. Preis: ab 3 Euro. Erotik-Highlights auf PREMIERE DIREKT EROTIK kosten 6 Euro. PREMIERE DIREKT+, die persönliche Videothek für Zuhause, bietet schließlich bis zu 30 Filmhighlights mit 24-Stunden-Freischaltung „on Demand“ zur Auswahl –ab 2 Euro. Die Filme im Einzelabruf gibt es hier ab sechs Monate nach Kinostart zusehen.

Neue Satellitenplattform „Premiere Sky“
Kofler setzt auf Expansion. Ab 1. September soll deshalb auch das bestehende Premiere-Programmangebot durch ein neues Paket unter der Bezeichnung „Premiere Sky“ erweitert werden. Das neue Pay-TV-Angebot soll zunächst exklusiv über Satellit verbreitet werden. Unter dem Dach von Premiere Sky sollen insbesondere bestehende und neue Pay-TV-Sender gebündelt werden, die bislang keinen leistungsfähigen Partner für die Vermarktung über Satellit gefunden haben. Anbieter von Premiere Sky wird die neue Premiere Sky GmbH, eine 100-prozentige Premiere Tochter, in Unterföhring. Zum Geschäftsführer wurde überraschend Wolfram Winter (43) bestellt. Winter, bis Ende 2006 Geschäftsführer der NBC Universal Global Networks Deutschland, hatte eigentlich vor, mit Stargate ein eigenes Geschäft zur Vermarktung von Satelliten-Programmen auf der SES Astra-Plattform Entavio zu betreiben. Kofler konnte ihn wohl überzeugen, entsprechende Aktivitäten besser bei Premiere in Abgriff zu nehmen. „Wolfram Winter ist für das Projekt Premiere Sky die Idealbesetzung“, meinte er dann auch. Kofler selbst hat auch schon Interesse geäußert, mit Premiere Sky auf die verschlüsselte Entavio-Plattform zu gehen.

„Die Zeit ist reif für ein Angebot wie Premiere Sky. Wir sehen heute eine große Zahl bestehender und geplanter digitaler TV-Kanäle, die einen starken Vermarktungspartner suchen - insbesondere über Satellit. Premiere bietet diesen Sendern die mit Abstand schlagkräftigste Pay-TV-Vermarktung auf nationaler Ebene. Über Premiere erhalten die TV-Kanäle von Premiere Sky direkten Zugang zu 1,7 Millionen Satelliten-Abo-Haushalten“, betonte der Premiere-Chef. Bei diesen Kunden genügt ein Anruf, und Premiere Sky wird innerhalb weniger Sekunden freigeschaltet, der Abonnent braucht weder einen neuen Receiver noch eine neue Smartcard. Premiere Sky wird die Vielfalt im digitalen Pay-TV-Markt stärken. Auch der Wettbewerb zwischen den Empfangswegen Satellit, Kabel und DSL bekommt neue Impulse.“
Bei Premiere Sky steht laut Kofler nicht Exklusivität, sondern Vielfalt im Vordergrund. Premiere Sky soll mit dieser Positionierung Premiere-Abonnenten und neue Kundengruppen ansprechen. Kofler: „Mit Premiere Sky unterstreichen wir die Position von Premiere als führendem Pay-TV-Vermarkter in Deutschland und Österreich.“ Über Satellit könne Premiere Sky von 16,7 Millionen TV-Haushalten in Deutschland und 1,8 Millionen TV-Haushalten in Österreich empfangen werden.
Eckhard Eckstein (MB 04/07)






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