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Umsatzeinbruch im deutschen Privatfunk

Free TV-Sender rechnen für 2009 mit Erlöseinbruch von 11 Prozent und Privatradios erwarten Rückgänge von rund 9 Prozent für 2009. Das Ende der Werbekrise ist laut einer Studie von acht Landesmedienanstalten erst 2011 in Sicht. Zudem würden Online-Umsätze des privaten Rundfunks nur langsam wachsen.

Privater Rundfunk 2008 noch in der Gewinnzone
Nach der kontinuierlichen Erholung der Rundfunkwirtschaft seit 2004 kam es 2008 zu erneuten Umsatzrückgängen: Die Vollerhebung aller privaten Rundfunkveranstalter in Deutschland ergab, dass im Geschäftsjahr 2008 die Erträge aus Werbespots um sieben Prozent auf 4,35 Mrd. Euro gesunken sind. Dieser Umsatzrückgang konnte durch
andere Erlösquellen teilweise aufgefangen werden, so dass der Gesamtumsatz im Privatrundfunk 2008 nur um 3,3 Prozent auf 8,02 Mrd. Euro gesunken ist. Gleichzeitig stiegen jedoch die Kosten um 2,2 Prozent, wodurch ein deutlicher Rückgang der Rentabilität verzeichnet werden muss. Konnte in der letzten Erhebung zur wirtschaftlichen Lage des Rundfunks für 2006 bei der Gewinnbetrachtung noch ein Plus von 1,14 Mrd. Euro ermittelt werden, sanken die Gewinne 2008 um 38 Prozent auf 713 Mio. Euro. Hierbei verloren vor allem die privaten TV-Sender an Profitabilität: Der Kostendeckungsgrad verschlechterte sich im privaten Fernsehen auf 109 Prozent. Im privaten Hörfunk dagegen veränderte sich das Kostendeckungsniveau von 2006 kaum und lag auch im Jahr 2008 bei stabilen 116 Prozent.


Wachstum der Diversifikationserlöse im Free-TV
2008 ging der Anteil aus klassischer Spotwerbung zugunsten alternativer Erlösquellen auf 80 Prozent zurück. Damit konnten die privaten Free-TV-Anbieter den Anteil der Diversifikationserlöse auf 20 Prozent steigern. Im Rahmen ihrer Diversifikationsstrategien generieren die TV-Sender zunehmend Erlöse über digitale
Pay-TV-Kanäle, Teleshopping, (Online-) Games und Lizenzhandel. Durch diese Erlösformen konnten die Free-TV-Anbieter 2008 mehr als 900 Mio. Euro generieren. Die Bedeutung der Erlöse aus dem Bereich Call Media bzw. Telefonmehrwertdienste nimmt dagegen stark ab. Seit 2006 haben sich die Umsätze aus Call Media um 21 Prozent verringert.

Online-Umsätze im Rundfunk noch marginal
Die Online-Umsätze steigen hingegen nur langsam. Im Jahr 2008 betrugen sie insgesamt 252 Mio. Euro und stellen damit lediglich einen Anteil von 3,3 Prozent des Gesamtumsatzes privater Fernsehsender dar. Im privaten Hörfunk sowie beim Lokal-TV ist der Anteil noch geringer: 2008 generierten die deutschen Radios Online-Umsätze von 4,6 Mio. Euro, was einem Gesamtumsatzanteil von nur 0,7 Prozent entspricht. Bei den Regional-TV-Anbietern beliefen sich die Erlöse auf nur eine halbe Mio. Euro (0,6 Prozent des Lokal-TV-Gesamtumsatzes). Nach Schätzung der Hörfunkbranche werden
sich die Online-Umsätze in den nächsten fünf Jahren jedoch auf 6,5 Prozent erhöhen. Alle Fernsehanbieter zusammen rechnen für 2013 mit einem Gesamtumsatzanteil von knapp neun Prozent (Lokal-TV: sechs Prozent).

Konjunktureller Aufschwung erst wieder 2011
Das Ende des konjunkturellen Abschwungs wird vom Großteil der privaten Fernsehanbieter in Deutschland (46 Prozent) für 2011 erwartet. Jeweils ein Fünftel prognostiziert das Ende der Krise für 2010 und für 2012. Die wenigsten glauben (15 Prozent), dass dieser Zeitpunkt erst im Jahr 2013 oder noch später liegt. Hinsichtlich
dieser Frage fallen vor allem die Einschätzungen aus dem Pay-TV-Bereich auf: Fast alle Anbieter prognostizieren das Ende des Konjunkturabschwungs in 2011.

Beschäftigung im Rundfunk insgesamt gesunken
Trotz Zuwächsen bei den privaten Rundfunkunternehmen ist die Gesamtbeschäftigung in der Rundfunkbranche seit 2005 wieder leicht rückläufig (2005: 75.537 Beschäftigte; 2008: 74.914 Beschäftigte). Öffentlich-rechtliche und private Anbieter zeigen hier unterschiedliche Entwicklungen: Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hält der kontinuierliche Beschäftigungsrückgang seit 2003 an (Rückgang um 2,4 Prozent). Im privaten Rundfunk dagegen war vor allem in der Zeit der Konjunkturkrise zwischen 2000 - 2003 ein sehr starker Personalabbau zu beobachten, seitdem aber wuchs die Beschäftigtenzahl wieder kontinuierlich um insgesamt zehn Prozent an.

Position des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch Werbekrise weiter gestärkt
Die Position des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat sich laut Studie im Verhältnis zum privaten Rundfunk durch die Krise weiter verbessert. ARD, ZDF und Deutschlandradio verfügten in 2008 über Erträge von 8,6 Mrd. Euro, der private Rundfunk insgesamt über 6,5 Mrd. Euro. Damit hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk dank Gebühren und Werbung auch
25 Jahre nach Einführung des Privatfunks in Deutschland ein Übergewicht im dualen Rundfunksystem.

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