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Voll ausbaufähig

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Voll ausbaufähig

Die Hamburger nachtblau GmbH hat das Media Asset Management System medialoopster entwickelt. Die Workflow-Plattform, mit der Video-Assets und dazugehörige Metadaten organisiert und genutzt werden können, wird unter anderem bei RTL Nord und der Produktionsfirma Fernsehmacher eingesetzt. Damit verbunden sind einige Innovationen und strategische Überlegungen. MEDIEN BULLETIN sprach darüber mit nachtblau-Geschäftsführer Marc Jonas.

›Sie haben im Sommer 2017 das Videoproduktionssystem bei den Fernsehmachern erneuert. Was wurde da gemacht?

Wir haben da Quantums StoreNext-Speicher basierendes Xcellis Workflow Storage-System installiert. Unser MAM-System medialoopster ist mittlerweile dafür zertifiziert. Das heißt, es kann auf dem Backup Metadaten Controller von Xcellis aufgesetzt werden und braucht deshalb keinen eigenen Server mehr. Der Storage-Bereich bei den Fernsehmachern umfasst ungefähr 150 TB und besteht aus zwei Speichern, die gespiegelt werden. Darüber hinaus haben wir eine Ingest-Integration geschaffen, über die bei den Fernsehmachern direkt in medialoopster die eingesetzte MovieRecorder-Software gesteuert werden kann. Dadurch können dort bis zu neun Streams gleichzeitig aufgezeichnet und automatisch im MAM-System ablegt werden. In der produktionsfreien Zeit der Fernsehmacher hatten wir nur vier Wochen Zeit, um die Server auszutauschen und das Videomaterial darauf zu überspielen. 

 

Seit wann arbeiten Sie mit den Fernsehmachern zusammen?

Die Fernsehmacher sind mittlerweile seit sieben Jahren Kunde von uns. Die Konstellation ist, dass TVN als Live Broadcast Dienstleister vor Ort ist und für Aufzeichnungen und Regie zuständig ist. Die Signale werden dann an uns übergeben und wir übernehmen die Aufzeichnung und das Video-Postproduktionssystem dahinter. Die Fernsehmacher kauft die Technik dafür selbst und wir planen, installieren und betreuen sie. Die Zusammenarbeit kam zustande, weil wir in Hamburg ganz in der Nähe von den Fernsehmachern angesiedelt sind und somit nicht nur eine Remote- sondern auch vor Ort-Betreuung anbieten konnten.

 

Ein anderer wichtiger nachtblau-Kunde ist RTL Nord. Wie läuft da die Zusammenarbeit?

Wir sind bei RTL Nord schon seit 2008 als eine Art Full-Service-Provider im Boot und betreuen dort das ganze Produktionssystem inklusive virtuelles Studio, Regie, Storage und über 30 Schnittplätzen. Dazu stellen wir die Kamerateams und das Playout System. Bei den Fernsehmachern betreuen wir dagegen  ausschließlich das Videoproduktionssysten inklusive unserem medialoopster MAM-System. Grundsätzlich liegt unser Fokus  auf der Planung und dem Aufsetzen von Videoproduktionssystemen. 

Hardware einzusetzen, zu konfigurieren und dem Kunden zu übergeben, damit ist es meist nicht getan, weil auch die Prozesse danach noch abgewickelt werden müssen. Das Design von Workflows ist deshalb wichtig. Das hat uns vor sechs Jahren dazu veranlasst, unser eigenes MAM-System zu entwickeln, was wir bei den Kunden einbauen und verkaufen.

 

Warum haben die Fernsehmacher ihr System erneuert?

Sie mussten den Schritt auf StoreNext 5 machen, um kompatibel mit der zukünftigen Schnittplätze-Hardware zu sein. Das letzte Speichersystem, das sie eingebaut hatten, war drei Jahre alt und hätte mit der nächsten Generation der Mac OS-Betriebssysteme nicht mehr funktioniert. 

 

Warum ist man nicht gleich auf StoreNext 6 gegangen? 

Das hängt mit der Planungsphase zusammen. Wir haben im Herbst 2016 mit der Planung begonnen und bereits im Winter 2016 die Freigabe für das Projekt bekommen. Beauftragung und Lieferung war Anfang 2017. Wir haben die Systeme alle bei uns im Haus aufgebaut und parallel durchgetestet, um zu gewährleisten, dass alles funktioniert und wir die bestmögliche Performance bekommen. Dann haben wir nur noch auf den Termin gewartet, um das neue System einzubauen.

Softwareseitig wäre ein Umschalten auf StoreNext 6 kein Problem. Wenn wir die Hardware von Quantum auf StoreNext 6 bringen wollen, müssen wir sie jedoch vorab ausgiebig testen. Der Testbetrieb ist bei den Fernsehmachern nur eingeschränkt in der laufenden Produktion möglich. Das erschwert die Sache. 

 

Gibt es neue Features beim medialoopster?

Ja. Wir haben unsere Suche erneuert und greifen da jetzt auf Elasticsearch zurück, eine große, mächtige Such-Engine. Zudem ermöglichen wir jetzt die Übernahme von Benutzern aus dem Verzeichnisdienst und wir haben, – wie bei den Fernsehmachern, – ein Modul zur direkten Steuerung der MovieRecorder-Software implementiert. Darüber hinaus haben wir unsere eigene REST-API erweitert. Diese stellen wir auch anderen Entwicklern frei zur Verfügung. Wir haben eine Avid-Integration umgesetzt und die Final Cut Pro X-Integration wurde von Apple abgesegnet. Das waren die Baustellen, an denen wir im letzten Jahr gearbeitet haben.

 

Welche Rolle spielt die Cloud in Ihren Business-Konzept?

Die Cloud ist derzeit ein großes Thema. Die meisten Kunden fragen danach, haben aber selber gar keine konkreten Vorstellungen, wie sie in der Cloud arbeiten möchten. Unsere Software wurde so entwickelt, dass sie quasi 1:1 in die Cloud übertragen werden könnte. Aber damit ist es nicht getan, die Frage ist, wie nachher die Workflows aussehen. Wir werden uns jetzt selbst Workflows überlegen und sie den Kunden anbieten. Dieser Schritt steht  bei uns auf der Roadmap.

 

Auf der IBC 2017 wurde viel über Gesichtserkennung und Speech-to-Text gesprochen. Haben Sie das auch auf dem Schirm?

Speech-to-Text und Gesichtserkennung sind natürlich auch für uns ein großes Thema. Auf der IBC 2017 haben wir mit vier Firmen gesprochen, die solche Lösungen anbieten, die wir über unseren API integrieren können. Wir selbst haben auch nicht das Bestreben, immer alles selber zu entwickeln. Unser System soll vom Bedienkomfort möglichst gleich bleiben aber um die Dinge erweitert werden können, die für Kunden interessant sind. Spezielle Features wie Speech-to-Text oder Bilderkennung möchten wir lieber mit einem Partner umsetzen und einzelnen Kunden dann zur Verfügung stellen. Das wird auch nicht von jedem Kunden unbedingt benötigt und ist für sie oft auch eine Kostenfrage. Wir wollen solche Features aber durch Schnittstellen bereitstellen und sind da in Gesprächen mit potentiellen Partnern.

 

Welche technischen Kooperationspartner gibt es bisher schon?

Tools on air ist mittlerweile ein Partner von uns. Wir sind dabei, unsere Systeme aneinander anzudocken. Mit MoovIT versuchen wir, eine Integration mit deren Helmut-System umzusetzen. Alleine ein System zu entwickeln und voran zu bringen ist wahnsinnig schwierig. Es gibt so viele Features in der heutigen Zeit, wo viel Spezialwissen gefragt ist, wo die anderen vielleicht besser sind. Da ist es dann sinnvoller, eine Schnittstellen-Lösung zu finden als wenn man versucht, sich das Wissen für einen Baustein selbst anzueignen. Partnerschaften sind ein großes Thema für uns, weil es sehr schwer ist, sich als Einzelplayer in dieser Broadcast-Welt durchzusetzen. Deswegen haben wir auch mit Quantum die Zertifizierung mit deren Xcellis-System realisiert. 

 

Welche Kunden werden von Ihnen vorzugsweise angesprochen?

Die Systemarchitektur von Medialoopster bietet einen großen Vorteil, weil wir die sowohl auf einzelnen Servern laufen lassen können als auch auf mehreren und ganz leicht im Hintergrund skalieren können. Sie macht also Sinn für kleine Produktionsumgebungen mit vielleicht nur zwei Schnittplätzen bis hin zum Enterprise-Bereich. Das Fundament unserer Software, wenn sie einmal installiert ist, bietet Ausbaumöglichkeit. Unsere Systemarchitektur basiert auf Docker, wo einzelne Bestandteile von medialoopster in sogenannte Services ausgelagert werden, die bei Bedarf einfach kopiert und hinzugefügt werden können. Wenn man beim Rendern des Vorschaumaterials feststellt, dass mehr Leistung benötigt wird, kann man beliebig viele Render Nodes hinzu fügen. Und wenn das auf einer Maschine nicht ausreicht, kann man einfach mehrere Server hinzunehmen – alles im laufenden Betrieb. Das hat auch den Vorteil, dass das Wartungsfester auf ein Minimum reduziert wird. Unserer Zielgruppe sind also Menschen, die professionell mit Bewegtbildern arbeiten – egal ob in kleinen Postproduktionsunternehmen oder in großen Sendern.

 

Wie funktioniert der medialoopster-Vertrieb?

Man kann die Software kaufen und auf seinen eigenen Geräten installieren oder sie auch als Software-as-a-Service nutzen – auch On-Prem. Unsere Software läuft durch Docker letztlich auf jedem System. Wir können aber auch komplette Systeme mit Hardware und Dienstleistungen liefern. Das hängt davon ab, was der Kunde möchte. Wir bieten auch kleinere Lösungen an. 

 

Auf der IBC 2017 haben sie erstmalig ein End-to-End Workflow-Lösung für medialoopster vorgestellt. Was steckt dahinter?

Das neue, kompakte Bundle sorgt bei unseren Kunden für enorme Flexibilität und Effizienz in der Bewegtbildproduktion. Es unterstützt den kompletten Produktionsworkflow mit einer hohen Performance und sehr attraktiven Konditionen. Das Bundel besteht aus 64TB Accusys Storage mit zwei Mac mini Servern, unserem medialoopster als SAN Appliance für Media Asset Management on top und einem Software-Panel für Final Cut Pro X oder Adobe Premiere Pro für zwei Clients. Das Ganze kostet 13.950 Euro.                               

Eckhard Eckstein

MB 1/2018

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