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Ziel: „Werbung ohne Streuverlust“

Unter einem Dach: tv.gusto & Burda MEDIEN BULLETIN sprach mit tv.gusto Chef Jörg Schütte über die neuen Perspektiven des Spartensenders durch die Beteiligung von Burda und die neuen Chancen mit IP-TV.

Herr Schütte, sollen wir Sie zu hundert Prozent beglückwünschen, dass nun der Großkonzern Burda 50 Prozent der Anteile an Ihrem Spartensender tv.gusto übernommen hat, oder ist damit bei Ihnen auch ein lachendes und ein weinendes Auge verbunden, weil Ihnen jetzt doch ein Teil der Selbständigkeit abhanden kommt?
Die Selbständigkeit geht uns nicht verloren. Es ist ein neuer Partner dabei, mit dem wir genau die Ziele, die für uns für die Weiterentwicklung des Projektes vorgenommen haben, auch umsetzen können. Das haben wir im Vorfeld besprochen. Für uns ist Burda als neuer Gesellschafter eine riesige Verstärkung. Deshalb bin ich sehr fröhlich darüber und freue mich, dass es funktioniert hat.

In welche Richtung genau soll denn nun tv.gusto weiter entwickelt werden?
Zum einen haben wir uns ein paar sehr interessante neue Programmprojekte vorgenommen. Zum anderen ist es für uns sehr wichtig, den Bekanntheitsgrad des Senders weiterhin zu erhöhen. In diesem Zusammenhang ist ein Verlag wie Burda, der auch gerade im Food-Bereich exzellent positioniert ist, ein sehr guter Partner für uns. Viele Dinge passen richtig gut zusammen …

Zum Beispiel Crossmedia, Crosspromotion, redaktionelle Verschränkungen?
Man muss sehen, was im Einzelnen passiert. Da sind wir erst in der Vorbereitung. Wir haben einige Vorstellungen und müssen prüfen, was realisierbar ist. Genaues kann ich dazu noch nicht sagen.

Wie kam es zum Deal? Warum hat ein Großkonzern plötzlich an einem Spartensender wie tv.gusto Interesse, der zwar einer der erfolgreichsten neuen Spartensender ist, aber dennoch ziemlich klein?
Wenn ich auf der Seite der Verleger wäre, würde ich auch der Meinung sein, dass es eine sinnvolle Geschichte ist, mit einem gut aufgestellten Spartenkanal zusammen zu arbeiten. Denn der Blick auf die Gesamtsituation im Medienmarkt zeigt deutlich, dass Werbekunden immer mehr crossmediale Angebote nachfragen: Print, Internet und TV. Das macht Sinn bei der Vermarktung. Zudem gibt es Synergien bei der Herstellung von Inhalten. Ein Verleger, der TV-Partnerschaften für seine Print-Objekte im Food-Bereich sucht, hat keine unendlich große Auswahl. Deshalb ist es für ein Verlagshaus wie Burda gerade jetzt sehr spannend, eine Kooperation mit tv.Gusto zu beginnen.

Nach eigenen Angaben kommt tv.gusto mittlerweile auf eine technische Reichweite von 20 Millionen Zuschauern, über Astra mit dem digitalen Free-TV und über die digitalen Plattformen der Kabelnetzbetreiber mit dem Abo-Angebot. Ist damit, alles was möglich ist, in Deutschland abgedeckt, – und welche Relevanz haben die IP-TV-Plattformen der Telekommunikationsanbieter für Sie?
Wir wachsen zusammen mit Astra. Nach neuesten Zahlen zur Reichweitenentwicklung hat es sehr ansehnliche Steigerungsraten gegeben. Davon profitieren wir, und wir profitieren auch von allen Erfolgen der Kabelnetzbetreiber im digitalen Bereich. In den Medien, in den wir schon seit langem vertreten sind, gibt es also noch eine ganze Menge Wachstum. Wir achten darauf, bei allen neuen Verbreitungswegen möglichst früh am Start zu sein. Wir sind bei Vodafone mit dem UMTS-fähigem Handy dabei und auch bei t-Home von der T-Online und AliceHomeTV von Hansenet. IP-TV ist ein spannendes Thema! Da werden wir an allen Stellen, wo es sinnvoll und möglich ist, dabei sein, weil IP auch die Möglichkeit Video-on-Demand bietet. Bei Hansenet kann man bereits einen Teil unserer Sendungen im On-Demand-System abrufen …

… kostenpflichtig oder kostenfrei?
Bei Hansenet ist es kostenpflichtig.

IP-TV ist für Sie deshalb so attraktiv, weil sowohl die herkömmliche lineare Brodacast Ausstrahlung als auch Video-on-Demand möglich wird?
Wir haben bei IP-TV eine Menge Funktionalitäten, die eine Individualisierung ermöglichen. Nutzer können Inhalte abgerufen just in dem Moment, wenn sie diese haben wollen. Das ist, gerade wenn man wie wir bei tv.gusto rezeptbasiert arbeitet, eine wunderbare Sache. Da glauben wir auch, dass IP-TV für uns noch einmal ein Treiber sein kann, weil es auch Differenzierungsmöglichkeiten im Werbemarkt bietet. Mein Lieblingsbeispiel dazu: Ein Reis-Hersteller sponsert alle Folgen, die es bei tv.gusto im Zusammenhang mit Reisrezepten gibt. Wenn man diese Rezepte on demand setzt, dann hat der Sponsor so gut wie keine Streuverluste mehr. Der Kunde ist tatsächlich am Reisgericht interessiert und wird für den Einkauf im Supermarkt auf unseren Sponsor aufmerksam gemacht. Wenn sich IP-TV zu einem Massenmarkt entwickelt, dann ist es ein ganz interessantes Medium für individuelle Werbeformen. Werbeformen die noch mehr Streuverluste vermeiden, als wir es ohnehin schon beim Spartenfernsehen tun.

Ist für Sie als deutscher Spartenfernseh-Pionier IP-TV immer verbunden mit den Plattformangeboten wie sie t-Home oder AliceHomeTV anbieten oder sehen Sie genauso gute Möglichkeiten, IP-TV autonom über einen Webauftritt zu realisieren?
Letztlich ist es eine Frage des Endgerätes: Was T-Home und was Hansenet mit Alice HomeTV anbieten, findet auf dem Fernsehbildschirm statt. Was wir auf unserem eigenen Web-Auftritt im Internet anbieten, ruft der Nutzer über den Computermonitor ab. Das ist eine andere Nutzungssituation. Wir bauen zwar auch im Internet unser Bewegtbildangebot aus. Das sind aber aus unserer Sicht trotzdem zwei unterschiedliche Medien, die auch unterschiedlich von den Zuschauern genutzt werden.

Unabhängig von tv.gusto haben Sie persönlich über Ihre gemeinsame Firma mit Klaus Klemke mit www.Equipe-tv.de einen Fernsehsender für Pferdeliebhaber zunächst als IP-TV ins Netz platziert. Geben sie denjenigen Spartenfernsehengründern, die versuchen, zunächst einmal einen TV-Kanal über IP-TV im Netzt auf die Beine zu stellen, eine gute Chance?
Ich denke, es geht. Es ist aber ein ganz anderer Ansatz als der, den wir mit tv.gusto verfolgt haben. Man hat bei IP-TV in jedem Fall viel weniger Kosten als bei einem linearen Fernsehsender. Gerade Special-Interest-Angebote könnten sehr gut funktionieren. Wenn man eine klar definierte Zielgruppe hat, die ein gemeinsames Interessensgebiet hat, das für sie wirklich hochrelevant ist, dann wird diese Zielgruppe das Angebot suchen und finden. Und wenn das Angebot dann gut ist, dann kann man es auch ordentlich vermarkten. Das sind Dinge, die im Spezcal-Interest-Bereich vielleicht sehr gut funktionieren …

Und man muss auch keine Lizenz beantragen …
So trivial ist es aber auch wieder nicht. Auch die auf Special Interest ausgerichteten Angebote sind nicht unbedingt Selbstläufer. Man muss sie bekannt machen. Man muss viel Marketing betreiben, um eine relevante Aufmerksamkeit für das Internet-Angebot zu erreichen: Es erfordert entweder sehr gute Ideen oder einen sehr großen Aufwand oder beides zusammen.

Dem Sender tv.gusto ist es ja super gelungen, das Marketing eng mit dem Programm zu verknüpfen und obendrein ein sehr anschauliches gut programmiertes Programm für den Zuschauer anzubieten!
Ja. Darum bemühen wir uns unentwegt. Wir haben aber natürlich auch Glück gehabt mit dem Timing. Als wir in 2004 gestartet sind, waren noch viele der Meinung, es sei noch zu früh. Im nachhinein wissen wir: Der Zeitpunkt war genau richtig!

Erika Butzek (MB 04/07)



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