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Zu wenig Qualität bei ARD und ZDF?

ARD und ZDF stehen in der deutschen Presse am Pranger. Sie wirft den Sendern vor, öffentlich-rechtliche TV-Qualität in Nischen abzuschieben. Doch geht es wirklich um eine Qualitätsdebatte – oder doch eher um Interessenspolitik? Und was heißt eigentlich TV-Qualität?

Mal mehr, mal weniger ist in der deutschen Presse von „Bild“, SZ, FAZ bis hin zu „Zeit“ ARD/ZDF-Schelte zu vernehmen. Ob dahinter eine konzertierte Aktion der Zeitungsverleger steht, lässt sich nicht beweisen. Sicher ist: Das „Bashing“ wurde zum Modellwechsel von Rundfunkgebühr auf Haushaltsabgabe angesetzt, die seit 1. Januar dieses Jahres gilt. Die Abgabe soll der langfristigen Finanzierungsabsicherung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland dienen. Kurz vor dem Wechsel brachte Hans-Peter Siebenhaar, Medienredakteur des Handelsblatts, ein Buch unter dem Titel „Die Nimmersatten – Die Wahrheit über das System ARD und ZDF“ auf den Markt. Er warf ARD/ZDF vor, das teuerste und ineffizienteste öffentlich-rechtliche Rundfunksystem der Welt zu gestalten und damit dem deutschen Medienmarkt „viele Hundert Millionen Euro netto Geld“ zu entziehen, „das private Medienunternehmen gut gebrauchen können“. Die neue Haushaltsabgabe bezeichnete Siebenhaar konsequent als „Zwangsgebühr“, er ist Standardbegriff in der breiten Presse geworden. Zur Lageverbesserung schlug Siebenhaar vor, ARD/ZDF durch Verschmelzung zu verkleinern. Trotz seines reißerischen Titels ist das Buch übrigens nicht zum Bestseller avanciert. Offensichtlich will der Fernsehzuschauer nichts zur Wahrheit über ARD/ZDF wissen, sondern einfach nur „Tatort“ und Fußball gucken.

Doch in immer wieder neuen Varianten wurden fortan in der Presse Thesen davon übernommen und die Frage aufgeworfen, ob ARD/ZDF ihr Geld wert seien. Gleichzeitig stellten die Feuilletons immer häufiger fest, dass die Hauptprogramme von ARD/ZDF anspruchslos seien und die gute Qualität wie Dokumentationen nur noch auf viel zu späten Sendeplätzen zu finden sind oder in den Spartensendern wie ZDFneo, die aber keiner sehen wolle. Genau dieser Kritik hat sich NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft scheinbar angeschlossen: „Wer auf Qualität setzt, wer Qualität produziert, der darf sie nicht verstecken“, sagte sie auf dem jüngsten Medienforum in Köln in Richtung ARD und ZDF. Was sie unter Qualität versteht, hat Kraft allerdings nicht verraten. Was das ist, kann man aber im Feuilleton und auf den Medienseiten der Presse erfahren. Dort wird TV-Qualität vor allem mit US-Serien gleichgesetzt, zumal, wenn sie aus dem Hause HBO stammen wie etwa „Mad Men“, „Breaking Bad“, oder „The Sopranos“. Insofern ist dann auch Sat.1 ein Qualitätssender, denn er hat ja „Homeland“ zur besten Senderzeit gebracht. Ebenso werden britische Serien wie „Downton Abbey“ geliebt (lief im ZDF am Nachmittag im Weihnachtsprogramm) oder neuerdings „Parade’s End“ (lief auf ARTE), wobei allerdings da die feuilletonistischen Bewertungen variieren von „meisterhaftes Fernsehen“ bis zu „Man sieht Kostüme aber kleine Charaktere“. Und zu Recht wird die Frage an ARD/ZDF gestellt, warum es ihnen nicht gelingt, eine so intelligent unterhaltsame Serie wie „Borgen“ (lief bei ARTE und Das Erste 23:50 Uhr) nach dem Vorbild des kleinen dänischen Fernsehens auf die Beine zu stellen? Zwar hatte FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher den dreiteiligen ZDF-Event „Unsere Mütter, unsere Väter“ in höchsten Tönen gelobt, wie viele seiner Kollegen auch, doch mittlerweile ist man wieder vermehrt auf eine kritische Haltung umgeschwenkt und sieht in dem Kriegsdrama vor allem nur Mainstream. Dieser Event hatte auf jeden Fall einen hervorragenden Production Value, was ja auch ein wichtiges Merkmal von TV-Qualität ist, weshalb er sich im Weltvertrieb auch prima verkaufen ließ und im schwedischen Fernsehen sogar mit Untertiteln einen riesigen Erfolg verbuchen konnte.

Ist Mainstream ein Merkmal für schlechte TV-Qualität? Dann müsste man den „Tatort“, Fußball und auch die „Tagesschau“ sofort aus dem Programm nehmen. Tatsächlich wird immer mehr am „Tatort“ herum gemosert und dem ZDF wird bekanntlich vorgeworfen, Sat.1 die Fußball Champions League mit über 50 Millionen Euro Gebührengeldern weggeschnappt zu haben. Eine Gebührengeldverschwendung sei das, meinen auch TV-und Filmproduzenten. Mit mehr als 50 Millionen Euro ließen sich schließlich im Auftrag vom ZDF auch jede Menge Movies oder vielleicht eine oder zwei tolle Serien nach US-Vorbild produzieren. Doch bei ARD/ZDF drehe sich alles wie bei den privaten Sendern nur noch um Quote, was nicht die Pflicht der öffentlich-rechtlichen Sender sei. Dazu aber hat beispielsweise Bundeskanzlerin Angela Merkel eine andere Meinung. Anlässlich der CDU-Medianight, Mitte Mai, bei der neben ihr auch RTL Group-Chefin Anke Schäferkordt Referentin war, stellte Merkel fest: ARD und ZDF müssten die gesamte Bevölkerung erreichen, um sich legitimieren zu können, mithin müssen sie also auch Quote machen. Aber auch die Meinungen einer Bundeskanzlerin wandeln sich mitunter mit der Zeit. Fest steht vielmehr: Wer viele TV-Zuschauer erreichen will, der muss auch Mainstream bieten, auch wenn dies einer Elite, zu denen sich Feuilletonisten zählen, nicht so gut schmeckt. Aber auch Mainstream lässt sich stetig verfeinern, zumal er kein Widerspruch zur Qualität bildet, wie die besten Hollywood-Filme zeigen oder auch der viel zitierte französische Kinofilm „Beste Freunde“. Als Replik auf den neuesten Angriff, den „Die Zeit“ mit einer Titelgeschichte auf 18 langen Seiten unter dem Rubrum „Ist das noch unser Fernsehen?“ gegen ARD und ZDF gestartet hatte, stellte NDR-Intendant und ARD-Vorsitzender Lutz Marmor Anfang Juni aus seiner Sicht klar, dass er ein Programm nur für Redakteure und Eliten als „zutiefst undemokratisch“ empfinden würde. Klar: Ein Fernsehen, für das alle eine Abgabe in Höhe von 17,98 Euro monatlich zahlen, muss natürlich auch für alle da sein.

Nun war „Die Zeit“, die wie das Handelsblatt zur Holtzbrinck Gruppe gehört, mit ihrer Kritik an ARD/ZDF zumindest in den Headlines etwas aus ihrer eigenen, sonst ausgewogenen Rolle gefallen. Aus die „Nimmersatten“ machte die Wirtschaftsredaktion „Die Gefräßigen“. Das Feuilleton hatte sich unter dem Titel „Dieser Fernseher ist tot“ in die Idee verbissen, ARD/ZDF in eine Mediathek zu verbannen, die heute „als eigentlichen Ort der Fernseherfahrung“ zu begreifen sei. Schließlich hatte auch Zeit-Chefredakteur Giovanni Di Lorenzo in seinem Leitkommentar auf der Titelseite die Frage aufgestellt, „ob eine Zwangsgebühr noch zeitgemäß ist – und ob der Apparat nicht zu umständlich geworden ist für die digitalen Herausforderungen und sich wandelnden Sehgewohnheiten“. Wie Siebenhaar schlägt Lorenzo vor, ARD und ZDF sollten sich durch Kooperation verkleinern. Wobei er, der auch ARD-Talkshow-Moderator ist (was auch unter seinem Kommentar zu lesen war), aber doch auch Lob für gute öffentlich-rechtliche Informationssendungen hat. Die will aber „keiner so richtig sehen“, weil ARD/ZDF mit der Durchsetzung der Haushaltsabgabe „in eine Schieflage und Legitimationskrise“ geraten seien, argumentiert er. Was die Zeit-Leser zwei Wochen später in der Ausgabe, wo auch Marmor Stellung nehmen dufte, nicht bestätigen. „Ich zahle gern“, also die Haushaltsabgabe, fasste „Die Zeit“ selber die Resonanz auf der Leserbriefe-Seite zusammen. Das Gros der Fernsehzuschauer in Deutschland findet ganz offensichtlich die Haushaltsabgabe für ARD/ZDF in Ordnung, egal, was die Presse dazu meint. Dennoch: Weder ist Kritik am Apparat der öffentlich-rechtlichen Sender unangebracht, noch eine Programmkritik. Qualität kann man nur durch Kritik verbessern. Und dass es zu viele Talkshows bei der ARD gibt und insgesamt viel zu viele Krimis haben die Sender mittlerweile offensichtlich selber eingesehen. Doch die Qualitätskritik dreht sich im Kreise und ist von Widersprüchen durchwoben. Trotzdem findet sie Gehör bei Politikern wie zum Beispiel bei Kraft. Politiker schätzen nicht nur ARD/ZDF, sondern auch die Qualitätspresse wegen ihres hohen Politik-Anteils. Und sie ist vermutlich für sie auch viel griffiger, weil sie wenig Zeit zum TV-Gucken haben. Dabei jammern Zeitungsverleger seit langem kräftig, weil sie unter der Internet-Konkurrenz leiden. Die großen Verleger stehen wirtschaftlich allerdings so schlecht nicht da, sie haben ja kostensparend schon jede Menge Personal entlassen. Die TU Darmstadt hat kürzlich herausgefunden, dass sie auch noch mit Print traumhafte Renditen von bis zu 20 Prozent machen. Burda Media hat zudem mit dem Online-Verkauf von Tierfutter beste neue Geschäfte gemacht, Springer mit beispielsweise Software-Tools für Marketing im Internet. Um was es wohl wirklich geht ist die Haushaltsabgabe mit ihrem properen Jahresvolumen von 7,5 Milliarden Euro, das von privatwirtschaftlichen Medienunternehmen als Wettbewerbsverzerrung im Markt betrachtet wird.

Die Fakten zur neuen Haushaltabgabe sind: Es handelt sich um eine verpflichtende „Abgabe“ für jeden Haushalt und Betrieb. Das haben sich ARD und ZDF auch so gewünscht. Veranlasst worden ist der Modellwechsel allerdings, was gerne verschwiegen wird, nicht von ihnen selber, sondern von den Ministerpräsidenten der Länder, die in Sachen Rundfunk die Regulierungen bestimmen und den Rundfunkstaatsvertrag verantworten. Das bisherige GEZ-Modell zur Einziehung von Rundfunkgebühren sollte vereinfacht werden. Es sollte einerseits, wie gesagt, die verfassungsrechtlich bestimmte Aufgabe der Grundversorgung seitens ARD/ZDF finanziell für die Zukunft sichergestellt werden, zumal es zuvor schwindende Einnahmen für ARD/ZDF wegen vieler Gebührenbefreiungen gegeben hatte.

Gleichzeitig aber sollten damit auch die ARD/ZDF-Einnahmen auf die jetzigen rund 7,5 Milliarden Euro jährlich eingefroren werden – neben geringfügigeren Werbeeinnahmen. Wie viel Geld indessen durch die neue Abgabe tatsächlich zusammen kommt, weiß man offensichtlich wirklich noch nicht. Aber es ist festgesetzt worden, wenn es mehr als die bisherigen 7,5 Milliarden Euro sind, soll das Mehr nicht in die Kassen von ARD/ZDF fließen. Das alles soll erst später evaluiert werden. Seitdem wachsen Begehrlichkeiten seitens verschiedener Interessensgruppen, um an das potentielle Mehr heran zu kommen. Von einigen Wirtschaftsbetrieben gab es indessen starke Proteste gegen die Haushaltsabgabe, weil sie plötzlich viel mehr zahlen sollten. Auch gibt es wohl Verschlechterungen in Bezug auf die Freistellungen von der Rundfunkgebühr aus sozialen Gründen bei privaten Haushalten. Ebenso gibt es juristische Anfechtungen, auch hinsichtlich der Verfassungs-Konformität. Der Modellwechsel wird wohl noch nachjustiert werden – oder gänzlich durch eine neue Medienordnung ausgetauscht werden müssen.

Für ARD/ZDF ist die Haushaltsabgabe keine Verbesserung. Vielmehr werden sie sparen und haushalten müssen. Denn die quasi automatische – auch inflationsbedingte – Aufstockung des Budgets nach einem Zeitraum von vier Jahren ist jetzt erst einmal nicht mehr vorgesehen. Die Expansion ist vorbei. Deshalb wollen ARD und ZDF künftig weniger Kanäle mit Programmen bestücken, über das „Wie?“ streiten sie noch untereinander. Mehr schlecht als recht haben die Politiker gehandelt. Denn der Modellwechsel wurde nicht mit einer zeitgemäßen Funktionsbestimmung für ARD/ZDF in der digitalen Welt und ihrem Internet verbunden. Die gültige verfassungsrechtliche Definition von „Grundversorgung“ ist von Gestern. Sie hat tatsächlich schon lange keine Basis mehr, weil sie einmal von Frequenzknappheit ausging, die es in der digitalen Welt nicht mehr gibt. Der Modellwechsel ist auch nicht mit der Reformierung des gesamten Apparates verbunden, der sich in den letzten Jahrzehnten hinter den öffentlich-rechtlichen Programmen aufgeplustert hat und aus über 22.000 Mitarbeitern besteht. Zu viele, zu viel Bürokratie, um flexibel gute Programme zu machen. Auch muss man sich noch über eine echte Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Gedanken machen. Allein wegen der neuen digitalen Broadcast- und Produktionstechnologien könnte man wohl eine Menge Geld einsparen und in das Programm stecken. Laut „Die Zeit“ fließen nur 38 Prozent der rund fünf Milliarden Euro, die ARD pro Jahr zustehen, in das Programm, was 1,9 Milliarden Euro wären. Der Rest geht in Verwaltung, Pensionen und Pensionsrückstellungen.

Allerdings, weiß man nicht, wie das berechnet worden ist. Die Forderung für schlanke Strukturen und flache Hierarchien zu sorgen, wird heute an alle gestellt. Daran werden auch die öffentlich-rechtlichen Sender nicht vorbei kommen. Aus all diesen Gründen verbunden mit der Schelte durch die Presse, die ja ansonsten einen glaubwürdigen Qualitätsjournalismus betreibt, sind ARD/ZDF tatsächlich in eine „Legitimationskrise“ geraten. Der bisherige Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow hat als frisch gebackener WDR-Intendant in seiner ersten Pressekonferenz das Problem angesprochen. Er warb bei den schreibenden Journalisten-Kollegen charmant um Fairness, zumal die Produkte doch gut seien, und er selber vorhabe, mehr Innovation zu wagen. Nicht nur ARD/ZDF haben dank ihrer Pressespiegel mitgekriegt, dass die Presse fleißig auf sie prügelt. Das ist auch den Verbänden ihrer Dienstleister aufgefallen. Zum Beispiel der AG DOK und 13 Verbänden und Institutionen der deutschen Kinofilmbranche samt Produzentenallianz. Waren Forderungen und Kritik der AG DOK gegenüber ihren öffentlich-rechtlichen Auftraggebern lange Jahre nur als Randnotiz in der großen Presse wiedergegeben worden, wurden sie plötzlich wichtig genommen. ARD/ZDF zeigen viel zu wenig Dokumentationen, wird all die weil beklagt, obwohl es ja eine Menge davon mit nationaler wie internationaler Herkunft auf Arte, auf 3Sat, in den Dritten und auch in den Hauptprogrammen von ARD/ZDF gibt. Wer sie wirklich sehen will, der findet sie auch im fragmentierten TV-Markt. Eine vertiefende Analyse, welche Inhalte und welche Themen denn nun in den öffentlich-rechtlichen Programmen fehlen, fand allerdings auf keiner Seite statt, weshalb AG DOK vermutlich wenig von der neuen Pressepräsenz profitiert. Indessen wird die UFA-Tochter teamworx eine großformatige Dokumentation über Kaiser Franz Beckenbauer im BR-Auftrag für die ARD produzieren.

Ebenso ist offensichtlich die ARD/ZDF-Schelte der deutschen Kinofilmbranche zupass gekommen. Sie hat kürzlich ganz konkret von ARD/ZDF gefordert, 3,5 Prozent ihrer jährlichen Einnahmen aus der Haushaltsabgabe „dauerhaft“ in Kinofilme zu investieren. Das ist eine Summe von über 250 Millionen Euro, die die Kinofilmbrache in etwa bereits Jahr für Jahr aus den verschiedenen mit Steuergeldern ausgestatteten Fördertöpfen aus Bund und Ländern erhält. Der Vorschlag zielt also darauf ab, mal flott die für die Kinofilmbranche zur Verfügung stehenden Subventionen zu verdoppeln. Hinzu kommt die Forderung: „Es sind im ersten Programm der ARD und im ZDF jährlich jeweils mindestens acht Sendetermine in der Primetime für deutsche Kino-(Co-)Produktionen vorzusehen“. Das wurde in einer Resolution festgelegt, die unter dem Titel steht: „ARD und ZDF müssen sich zum Kinofilm bekennen! Es ist Teil ihres Kulturauftrags.“ Die Resolution wurde im ersten Schritt der SZ vorgelegt, die sie verbreitete. Einen Tag später wurde sie an weitere Medien verteilt, sozusagen als Vorbereitung für die dann wiederum einen Tag später stattfindende Pressekonferenz von 13 Verbänden der Kinofilmbranche. Nichts gegen mehr deutsche Kinofilme im Fernsehprogramm, im Gegenteil. Aber warum wird diese Forderung nur an ARD/ZDF und nicht auch an die privaten Sender gestellt, die ja zurzeit prächtig Rendite machen und rechtlich gesehen doch auch eine gewisse Verpflichtung für Kultur haben? „Das kommt noch“, war die Antwort von Uli Aselmann, Vorsitzender der Produzentenallianz-Sektion Kino auf der Pressekonferenz. Wie auch immer: Weil der Hessische Rundfunk und Arte den diesjährigen Gewinner des Deutschen Filmpreises „Oh Boy“ mit gefördert haben, der nur 300.000 Euro gekostet hat, und sich die ARD Degeto an dem 90 Millionen Dollar teuren „Cloud Atlas“ beteiligt hat, der auch einige Lolas für seine Technik erhalten hat, gibt es demnächst zwei wunderschöne deutsche Kinofilme zu sehen, neben anderen.

Was ist nun TV-Qualität? Weder ZDF-Intendant Bellut noch ARD-Programmdirektor Herres wissen es, wie sie im Interview mit „Die Zeit“ einräumten. Zwar erwarten die Zuschauer, die eine monatlich Haushaltsabgabe zahlen, dafür von ARD/ZDF „Qualität“, sagte Bellut. Doch „die Hauptschwierigkeit unseres Berufes besteht darin, zu definieren, was das ist. Jeder versteht etwas anderes darunter“. Auch Herres fasste sich kurz und blieb im Allgemeinen stecken: „Qualität heißt für mich, dass das Programm so gut wie möglich ist, egal ob Fernsehfilm oder politisches Magazin“.

Versuchen wir selber die Frage mit einem gewagten Vergleich zu beantworten. Rund 60 Cent muss jeder täglich für ARD/ZDF bezahlen. Dafür werden mobil oder ins Wohnzimmer zurzeit 22 Fernsehsender von ARTE, 3Sat, Das Erste, WDR bis zum ZDF geliefert und 67 Radiosender einschließlich der nationalen Wellen Deutschlandfunk und Deutschlandradio. Für 60 Cent kriegt man am Kiosk auch „Bild“. Wer bietet wohl für 60 Cent die bessere politische Information, die höhere Qualität in Bezug auf gute Unterhaltung, Kultur und Bildung? Auch wenn der Vergleich schief ist, weil die Abgabe verpflichtend und der Kauf einer Zeitung freiwillig ist, zeigt er doch: Gut, dass es in Deutschland ARD und ZDF gibt und nicht etwa nur wie in den USA einen von Almosen abhängenden öffentlichen Nischensender, den nur ganz wenige gucken. Dennoch steht und fällt die Zukunftssicherung des öffentlich-rechtlichen Systems mit Reformen am Apparat von ARD/ZDF genauso wie mit einer stetigen Programmverbesserung und Innovation.
Erika Butzek                                                                                                                                                                (MB 07/08_13)

Foto: © WDR

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