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Ansporn für neue Kreativität

Die Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München zieht 2010 in ein neues, modernes Gebäude. Am 14. November 2007 wurde durch den Bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein der Grundstein dazu gelegt. Der Festakt fand einen Tag vor der Feier zum 40-jährigen Bestehen der HFF statt.

Am Umzug der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München wird schon lange geplant. Grund: Die Raumkapazitäten der HFF am alten Standort im Münchner Stadtteil Giesing reichen für die rund 350 HFF-Studenten schon lange nicht mehr aus.

Als neue Standorte waren unter anderem Unterföhring und das Bavariagelände im Gespräch. Die Wahl fiel 2002 dann aber auf den deutlich attraktiveren Standort mitten in der Stadt im Museumsviertel, direkt gegenüber der Alten Pinakothek. 2004 erfolgte die Auslobung des Architekturwettbewerbs. Die Jury prämierte den Entwurf des Kölner Architekturbüros Böhm.

Von Seiten der HFF Professor war von Beginn an Peter C. Slansky, geschäftsführender Leiter der Abteilung Technik, mit den Planungen zum Neubau betraut. Neben dem Präsidenten vertrat er die HFF im Preisgericht und nahm seit 2005 an allen Planungssitzungen teil. Nach der Fertigstellung der Landtagsvorlage 2006 bilanzierte er seine Mitarbeit so: „Wenn nach den jetzigen Plänen morgen gebaut würde, so bekämen wir das beste Filmhochschulgebäude, das ich kenne.“
Das nun geplante 150 Meter lange, 18,75 Meter breite und 20 Meter hohe Gebäude ist in der Tat ein Schmuckstück, architektonisch wie technisch. Es wird über zwei große und zwei kleine Film- und Fernsehstudios verfügen und auch genügend Platz für Aufführungen und Veranstaltungen besonderer Art bieten.

Ein als Premierenkino nutzbares Audimax mit 315 Platzen, zwei Kinosäle und ein kleines Videokino, ein großzügig gestaltetes Foyer mit angrenzender Cafeteria und die auch öffentlich zugängliche Medienbibliothek sollen den Neubau der HFF zu einem attraktiven Veranstaltungsort im Museumsviertel machen.
Die HFF teilt sich den Neubau auf dem Gelände der Technischen Universität (TU) mit dem Museum für Ägyptische Kunst. Die gemeinsamen Baukosten belaufen sich insgesamt auf 88,5 Millionen Euro. Das Bauvolumen für den Neubau der HFF München allein beträgt 38,5 Millionen Euro. Hierin nicht enthalten ist die Erstausstattung. Und auch die will sich die HFF einiges kosten lassen.

Ausstattung
Im Erdgeschoss des Neubau befindet sich der großzügige und gleichzeitig kompakte Trakt mit den zwei Film- und zwei Fernsehstudios. Dazu kommen Teamräume, Proberäume, Masken, Duschen und Requisitenkammern. Unmittelbar daneben befinden sich die Geräteausleihe und die Vorbauhalle mit ihrem Lager und einer Werkstatt für Szenenbild. Ein besonderes Highlight ist sicherlich das Drehaußengelände. Im 3. Obergeschoss befindet sich der Postproduktionstrakt mit 16 einzelnen Schnitträumen, zwei Tonmischungen, Filmscanner und Computerlabors. Die Studios und alle Räumlichkeiten des Neubaus sollen medientechnisch State-of-the-Art sein. Mit der medientechnischen Planung und Umsetzung ist das Ingenieurbüro GCA aus Ottobrunn beauftragt (Projektleiter: Ralf Bauer-Diefenbach). Aber nicht nur die technische Ausstattung der HFF wird sich verbessern. Die Filmhochschule bekommt auch mehr Platz für Bibliothek, Archive und Seminarräume.

Schon in der Planungsphase konnten sich die Entscheidungsträger der Staatsregierung, des Stadtrats und der Architektur ganz offenbar mit dem Gedanken anfreunden, dass tags und nachts und auch an manchen Wochenenden die Studierenden der HFF auf dem neuen Gelände für alle sichtbar ihre Filme drehen. Damit kommt ein ganz neues Leben in das Pinakothekenviertel.
Seit etwa einem halben Jahr belichtet eine Spezialkamera des Fotokünstlers Michael Wesely die Baustelle. Eine zweite Kamera wurde zu Beginn 2007 in Betrieb genommen, um allein das Wachsen des Neubaus festzuhalten. So entstehen zwei Fotos der neuen HFF mit jeweils über vier Jahren Belichtungszeit (!). Beide Großformatkameras sind Spezialanfertigungen nach den Vorgaben Weselys. Die Bilder werden dann das neue Foyer und den neuen Senatssaal der HFF zieren.

Der tägliche Baufortschritt kann über zwei Webcams live verfolgt werden: www.lrz-muenchen.de/~lrzalt/. Außerdem betreut Professor Heiner Stadler, der geschäftsführende Leiter der Abteilung Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik, die studentischen Dreharbeiten zu einem episodischen Dokumentarfilm über die Abrissarbeiten und den Neubau der HFF.
Ministerpräsident Beckstein erklärte bei der Grundsteinlegung des neuen HFF-Gebäudes: „Der Neubau für die renommierte HFF sowie für das bedeutende Staatliche Museum Ägyptischer Kunst bildet mit den drei angrenzenden Pinakotheken, dem neuen Museum Brandhorst und den verschieden Hochschulinstitutionen in unmittelbarer Nachbarschaft einen einmaligen Kulturkomplex, der weltweit keinen Vergleich scheuen muss. Mit der auf den ersten Blick ungewöhnlichen Zusammenführung von Filmhochschule und Ägyptischer Kunst in einem Gebäude lösen wir nicht nur die Raumprobleme von zwei bedeutenden bayerischen Kulturinstitutionen, sondern wir setzen damit auch bewusst einen zusätzlichen Ansporn für neue Kreativität.“

Die 1967 gestartete HFF, die bis heute 1.664 Absolventinnen und Absolventen zu verzeichnen hat, gilt als eine der erfolgreichsten Filmhochschulen Deutschlands und als wahre „Talentschmiede“. International bekannte Filmemacher wie Doris Dörrie, Bernd Eichinger, Roland Emmerich und Wim Wenders haben hier genauso wie die Oskarpreisträger Caroline Link, Florian Gallenberger und Florian Henckel von Donnersmarck ihre Ausbildung bekommen. Beckstein: „Die Filmhochschule ist ein ganz besonders wertvolles Herzstück des Film- und Medienstandortes Bayern. Indem wir den Grundstein für die Filmhochschule legen, geben wir auch dem Film- und Medienstandort Bayern einen weiteren kräftigen Schub.“
Eckhard Eckstein (MB 12/07)



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