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Blu-ray Disc und HD DVD-Authoring

Beim Authoring der neuen HD-Medien Blu-ray Disc und HD DVD gibt es zurzeit nur ein Werkzeug in verschiedenen Versionen: den Scenarist von Sonic – und zwar sowohl für Blu-ray Disc als auch für HD DVD-Authoring. Es wird auch ein Paket mit beiden Editionen angeboten.

MEDIEN BULLETIN wagt einen kleinen Exkurs in die Welt des Blu-ray Disc und HD DVD-Authoring, um einen Einblick über die Workflows und auch über die Komplexität zu geben.

Encoding mit CineVision
Für das Encoding der Video-Daten bietet Sonic den CineVison an. Es handelt sich um ein Offline-Tool, welches AVC (H.264), VC-1 (Level 2 und 3) sowie MPEG-2 als encoded. Über eine Timecode-Kopplung zwischen Quelle und Encoder ist es möglich, Quelle und kodiertes Material zu vergleichen. Auf der Encoder-Oberfläche lassen sich Zeitbereiche markieren. Die markierten Bereiche lassen sich dann gegebenenfalls neu kodieren, falls die Qualität temporär nicht zufrieden stellend sein sollte.

HD DVD-Authoring
Bei HD DVD gibt es zwei Möglichkeiten des Authoring: einmal den so genannten „Standard Content“ (Type 1), der etwas über die bekannten Möglichkeiten der DVD-Video hinausgeht, und einmal den „Advanced Content“ (Type 2), der neue Möglichkeiten in der Bedienführung bietet. Entsprechend gibt es in der Scenarist HD Edition auch zwei HD DVD-Authoring-Applikationen. In der Regel wird man dem Advanced-Content den Vorzug gegeben.

Die Terminologie entspricht beim Standard-Content weitgehend dem DVD-Video. Bei dem Advanced-Content muss man sich von der bisherigen Terminologie der DVD weitgehend verabschieden. XML-Dokumente sind die Basis für die Definitionen, und Java Script (genauer gesagt ECMA Script) dient der Beschreibung der Animationen, der Player-Steuerung und dem Netzwerkzugriff – also ein ganz und gar anderer Ansatz als bei DVD-Video.

HDi ist eine Entwicklung von Microsoft und diese Technologie dient der Definition des Strukturaufbaus der HD DVD. Es kommen drei verschiedene XML-Dateien zum Einsatz und zwar Playlists, Manifest, und Markup. Mit den Playlists werden Grundkonfiguration, Titel, Verweise auf Manifest und Markup festgelegt. Über das Manifest wird festgelegt, wo sich die Assets für die Applikation befinden. Aus einer Applikation lassen sich wieder andere Applikationen mit eigenem Manifest und Assets aufrufen. Das Markup dient der Beschreibung des Designs und der Oberflächenstruktur wie Styling und Timing. Aus dem Timing werden auch Scripte ausgeführt. Die Player-Steuerung ist nicht direkt aus den XML-Dateien möglich, sondern muss über Java Script erfolgen. Die Darstellung benutzt im Wesentlichen drei Schichten, und zwar eine für den ersten Videodecoder (den Film) und darüber eine für den zweiten Videodecoder (für Picture-in-Picture-Darstellung) sowie eine dritte Ebene für die Menüdarstellung.

Nach dem Authoring erfolgt das Multiplexing der Daten. Um Fehler beim Authoring abzufangen, gibt es einen Emulator mit einem Debugger, der Warnungen und Fehlermeldungen ausgibt. Da leider zurzeit noch keine HD DVD-R-Medien und HD DVD-Laufwerke mit Schreibfunktion bereitstehen, ist das endgültige Überprüfen nicht ganz einfach. Man behilft sich hier oft mit dem Brennen des Contents auf DVD-Video, wobei das Movie mit geringerer Bitrate eingebunden ist und man so auf die Kapazität eines DVD-Videos kommt. Zumindest lassen sich so alle Interaktivitäten und Menüs überprüfen. Toshiba bietet zudem auch einen Emulator, der quasi baugleich mit einem HD DVD-Player ist, aber statt optischem Laufwerk mit einer Harddisk ausgestattet wird.

Blu-ray Disc Authoring
Bei der Blu-ray hat man es wieder mit einer ganz anderen Oberflächenterminologie zu tun. Es gibt ein Main-Video sowie ein Sub-Video, und darüber liegen die Presentation-Graphics (kurz PG), wie zum Beispiel Untertitel und die Interactive-Graphics (kurz IG) wie etwa Buttons. PG und IG sind unabhängig und lassen sich gleichzeitig einsetzten. Über Main- und Sub-Video lassen sich auch Picture-in-Picture-Funktionen erstellen, welche aber zurzeit noch von keinem BD-Player unterstützt wird. Alle BD-Medien müssen übrigens mit einem Kopierschutz versehen werden, anders als bei HD DVDs.

Auch bei der Blu-ray gibt es zwei verschiedene Modi: den „HDMV“, was für High-Definition-Movie-Mode steht, sowie „BD-J“, was für Blu-ray Disc-Java steht. Titel können auf einem Medium auch gemischt als HDMV oder BD-J angelegt werden. Im BD-J-Modus wird der IG-Layer komplett ersetzt, und Java Xlets werden zur Steuerung genutzt. Bei BD-J kommen statt Acht-Bit-Grafiken PNGs in Full-Color zum Einsatz. XML-Dateien müssen hier nicht für Definitionen erstellt oder editiert werden, dafür muss man BD-J-Titel in Java programmieren – eine Arbeit für Spezialisten.

Es gibt auch hier zwei Scenarist-Applikationen bei der BD-Edition, eine für HDMV und eine für BD-J. Für die Scenarist-HDMV-Applikation gibt es auch einen BD-Emulator.
Für die Menüerstellung bietet Sonic ein Photoshop Plug-In an (Scenarist-Designer), welches der Scenarist-BD-Edition beiliegt. Hiermit lassen sich die Interactive-Graphics-Menüs erstellen und als Datei dann in Scenarist BD übernehmen. Die Namen der Photoshop-Layer müssen dabei einer bestimmten Namenskonvention entsprechen. Bei Änderung einer Menüdarstellung muss bei der Blu-ray eine komplette Seite mit allen sichtbaren Buttons und anderen Elementen aktualisiert werden, was der Player allerdings ohne spürbare Verzögerung erledigt. Jedes Menü hat standardmäßig einen In- und einen Out-Effekt. Das Authoring der Blu-ray Disc ist insgesamt mehr Objekt-orientiert.
Wenn das Authoring abgeschlossen ist, erfolgt das Multiplexen. Eine Überprüfung eines Projektes kann über einen Player erfolgen, der BD-R-Medien akzeptiert. Hier ist die Firmware des Players zu beachten. Das Brennen lässt sich zum Beispiel mit Nero oder DVDit Pro HD durchführen. Es wird alternativ von Cyberlink auch der Software-Player PowerDVD angeboten.

DVDit Pro HD
DVDit von Roxio, früher unter dem Label von Sonic, ist ein weit verbreitetes Programm für die Herstellung von DVD-Videos. Es ist natürlich gegenüber Scenarist in der Funktionalität eingeschränkt, aber in der Handhabung dafür relativ einfach zu beherrschen. Nun gibt es die Version DVDit Pro HD, die auch das Erstellen von Blu-ray Disc mit HDMV-Titeln ermöglicht. Die Oberflächen-Möglichkeiten orientieren sich dabei an der Funktionalität des DVD-Videos. Zurzeit unterstützt die Software allerdings keinen linearen PCM-Ton, so dass man den Surround-Ton im Dolby-Digital-Format enkodieren muss.

Scenarist Publisher
Für SD DVD-Video-Authoring bietet Sonic den Scenarist-Publisher an, mit dem man auf Basis von erstellten Elementen (Movies, Audio, Menühintergründe etc.) auf einer Browser-Oberfläche ein Projekt zusammenstellen kann. Besonders interessant ist die Anwendung von Scenarist-Publisher bei Editionen, bei denen das grundlegende Layout festgelegt ist und nur Elemente und Texte getauscht werden müssen. Den Publisher gibt es in drei verschiedenen Versionen. Es wird auch eine „Enterprise“ Workgroup-Version für den vernetzten Einsatz in einer Server/Client-Umgebung angeboten. Es ist damit zu rechnen, dass der Publisher in Zukunft auch HD-Medien wie HD DVD oder Blu-ray Disc unterstützt und das Authoring so in gewissen Bereichen deutlich vereinfacht und sich auch der Durchsatz im Authoring deutlich erhöhen lässt.

Fazit
Es ist schwierig, das Authoring von HD DVD und Blu-ray Disc zu vergleichen, zumal die beiden Advanced-Modi auch schlecht vergleichbar sind. Viele geben dem Erstellen von XML-Dateien für HD DVD-Advanced-Authoring dem Java-Programmieren für BD-J-Titeln den Vorzug. Wenn sich in Zukunft die Abläufe standardisiert haben und die Migration von Java-Programmierern in den Workflow erfolgreich abgeschlossen ist, dann wird sich dieses Bild sicherlich verschieben.
Auf jeden Fall werden sich die Arbeitsabläufe ändern. Die Komplexität des Authoring der HD-Medien verlangt nach Spezialisten. Es wird mehr Teamarbeit und Koordination abverlangt.

Für viele Authoring Studios bedeutet HD-Authoring auch neue Chancen, denn nun kann man sich durch Know-how und verfügbare Technik wieder besser von anderen Studios absetzen. Auch die Preisstrukturen für die Authoring-Dienstleistungen werden sich wieder in einem lukrativeren Segment ansiedeln. Dafür sind aber auch die Investitionen beträchtlich. Für ein komplettes HD DVD- und Blu-ray Disc-Authoring, also Software-Pakete plus Hardware, sind sicherlich um die 200.000 Euro fällig. Ein Betrag, den bei der aktuellen HD-Authoring-Auftragslage nicht jedes Authoring-Studio aufbringen kann. Jedoch ist zu bedenken, dass die Einarbeitungszeit in die neuen Technologien ebenfalls nicht unerheblich ist und man den Studios und Mitarbeitern nur empfehlen kann, nicht zu spät in das Geschäft einzusteigen.
Peter Kaminski (MB 04/07)



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