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Digitalradio kommt ins Rollen

Die Automobilindustrie hat sich auf dem Presseforum „Digitalradio: 100 Tage DAB+“ am 8. November beim Bayerischen Rundfunk klar zum neuen Digitalradio bekannt. 100 Tage nach der Einführung des neuen Digitalradios, DAB+, seien die Erwartungen an das Medium nicht nur erfüllt sondern vielmehr übertroffen worden betonten dort unisono Vertreter der Programmveranstalter und KFZ-Hersteller. Initiatoren des Presseforums waren Bayern Digital Radio und das Projektbüro Digitalradio.

In Deutschland ist das bundesweite Digitalradio zum 1. August 2011 gestartet worden. Das neue bundesweite Digitalradio-Angebot besteht derzeit aus drei öffentlich-rechtlichen und neun privaten Angeboten. Zu den ersten Digitalradio-Anbietern gehören hier 90elf–Dein Fußball-Radio, Absolut Radio, Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur, DRadio Wissen, ENERGY, ERF Plus, Radio Horeb, Kiss FM, Klassik Radio, LoungeFM sowie RADIO BOB!. Seit dem 1. November 2011 ist auch sunshine live auf Sendung und demnächst soll ERF Pop folgen. Mit 24 Anbietern ist der erste Multiplex dann komplett belegt. Die Hörfunkprogramme werden durch programmbegleitende Zusatzdienste (Text und Bild) ergänzt. Neben den bundesweit ausgestrahlten Digitalradio-Programmen sind in den einzelnen Bundesländern auch die landesweit ausgestrahlten Programme der ARD auf Sendung: so in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie in Berlin/Brandenburg. In den nächsten Monaten werden die Angebote auch in den anderen Bundesländern aufgeschaltet.

Alle ARD-Programme werden künftig mit programmbegleitenden Zusatzdiensten wie Texten und Bildern empfangbarsein.
„So, wie sich Digitalradio derzeit entwickelt, bin ich sicher, dass bald in Deutschland Digitalradio als Serienausstattung in den Fahrzeugen verfügbar sein wird,“ erklärte Dr. Bertram Hock, Leiter Entwicklung Broadcast Receiver, von BMW auf dem Presseforum „Digitalradio: 100 Tage DAB+“. Einen Zeitpunkt, wann DAB+ in der Serienausstattung zu finden ist, wollte er noch nicht nennen. Alle großen in Deutschland ansässigen Automobilhersteller bieten heute schon in den meisten ihrer Fahrzeugreihen DAB+ als Sonderausstattung an. „Man merkt“, so Hock weiter, „wie viel Spaß es auch den privaten und öffentlich-rechtlichen Programmanbietern macht, Digitalradio zu veranstalten. 100 Tage Digitalradio bietet einen guten Vorgeschmack darauf, was noch in Deutschland kommt."

Auch Dr. Ralf Hinz, Teamleiter Vorentwicklung Radio & TV, Daimler, und Dr.-Ing. Peter Jocher, Leiter Entwicklung Radio, TV, Medien, RSE bei AUDI zeigten sich mit Blick auf eine erfolgreiche DAB+ Einführung sehr zuversichtlich. Unterstützung erhält die Einführung von Digitalradio auch von den Automobilclubs.

Peter Mikolaschek, Leiter Aktuelle Verkehrsinformation beim ADAC, lobte insbesondere die Möglichkeiten, die der neue Dienst TPEG bei der visuellen Darstellung digitaler Reise- und Verkehrsinformationen in Verknüpfung mit Navigationssystemen bietet.

Herbert Tillmann, Direktor Produktion und Technik des Bayerischen Rundfunks (BR) zeigte sich überzeugt davon, dass sich Radio und Mobilität gegenseitig ergänzen: „Der digitale terrestrische Hörfunk bietet als einziges System die Möglichkeit, massenattraktive Radioinhalte und neue digitale Zusatzdienste flächendeckend in hoher Qualität zu übertragen. Der BR überträgt daher seit Oktober im Rahmen eines Pilotprojekts auch die Daten des Verkehrsinformationsdienstes TPEG über seine DAB/DAB+ Netze.“ Die zentrale Rolle des BRs bei der Einführung von Digitalradio betonte auch Hörfunkdirektor Johannes Grotzky. „Der BR ist beim Ausbau vom Digitalradio bereits sehr weit. Insbesondere inhaltlich hat der BR sehr viel für Digitalradio getan. Denn wir bieten nicht nur via Digitalradio das vollständige Hörfunk-Programmangebot des BR an. Zusätzlich haben wir digitale Programme wie Bayern plus und on3-radio über Digitalradio in der Luft.“ Auch andere ARD-Sender wie der WDR haben neue Digitalradio-Angebote gestartet, weitere haben solche in Planung. Ab Anfang Januar 2012 schaltet der SWR seine Mittelwellensender ab und verbreitet seine SWR-Radioprogramme digital. Zugleich startet in DAB das neue Informationsradio „SWR Info“. Der am 15. November vorgelegte Entwurf des NDR-Digitalradio-Staatvertrages sieht die Einführung von drei neuen Digitalradio-Programmen (NDR Musik Plus, NDR Info Spezial und NDR Traffic) vor.

Auch das Deutschlandradio ist von den neuen Möglichkeiten der bundesweiten digitalen Verbreitung begeistert. „Das neue Digitalradio bietet Deutschlandradio die technischen Voraussetzungen seinen bundesweiten Versorgungsauftrag zu erfüllen und digitale Zusatzdienste nicht nur im Internet, sondern über die neuen digitalen Verbreitungswege anzubieten. Schon jetzt ist Digitalradio angekommen. Dank des sehr guten Programmangebots im bundesweiten Multiplex und im landesweiten Multiplex“, erklärte Dr. Chris Weck, Hauptabteilung Rundfunk- und Informationstechnik, Deutschlandradio, in München.

Zweiter bundesweiter Multiplex in Planung

„Nach hundert Tagen können wir sagen: der Zug ist ins Rollen gekommen und kann nicht mehr aufgehalten werden“, meinte Helmut G. Bauer, Mitglied der Lenkungsgruppe Digitalradio und Geschäftsführer der DRD GmbH. „Die Veranstalter auf dem bundesweiten Multiplex erweitern ständig ihre digitalen Angebote und werden im nächsten Jahr auch das Sendernetz weiter ausbauen.“ Bauer berichtete gegenüber MEDIEN BULLETIN, dass er zum Ende des Jahres die DRD-Geschäftsführung niederlegen wird. Er will sich im kommenden Jahr als Rechtsanwalt und Berater mit der Planung und Organisation eines zweiten bundesweiten Digitalradio-Multiplexes befassen. „Strategie dabei ist die Schaffung einer Digitalradio-Plattform, auf der bis zu 18 Anbieter Platz finden. Die Lizenzierung von Einzelkapazitäten schränkt die Flexibilität des Gesamtangebots ein“, betonte er. Erste Ergebnisse seines Bemühens sollen zur IFA 2012 präsentiert werden.

Willi Schreiner, Geschäftsführer von Absolut Radio setzte sich in München dafür ein, dass „wie im TV-Bereich die rechtliche Verpflichtung bestehen sollte, dass alle zukünftigen Radiogeräte mit einem digitalen Empfangsteil ausgestattet sein müssen. Damit wird sichergestellt, dass alle neuen und „alten“ Programme auch im Auto gehört werden können. Dennoch so Schreiner seien wir uns „dieses Mal sicher, dass die Maschine läuft. Denn bei diesem Start sind wir nicht technikgetrieben sondern programmgetrieben.“ Olaf Korte, Gruppenleiter Broadcast Applications, Fraunhofer IIS betonte den „maßgeblichen Anteil“ seiner Forschungseinrichtung am erfolgreichen Start von DAB+ in Deutschland auf Sende- und Empfangsseite.
Erstmals werden eine Vielzahl der neuen Möglichkeiten von Digitalradio umfassend genutzt, wie dynamische Rekonfiguration beispielsweise bei den 90elf Bundesligaspielen oder dem Nachrichtendienst „Journaline“. Nicht zuletzt wird mit Digitalradio „durch die Übertragung von TPEG insbesondere der mobilen und automobilen Nutzung besonders effektiv Rechnung getragen.“

BR-Direktor Technik und Produktion Tillmann lobte das große Engagement der Automobilindustrie in Sachen Digitalradio. „Was wir jetzt unbedingt in die Hand nehmen müssen ist das von mir initiierte Länder übergreifende Digitalradio-Projekt mit Österreich, Schweiz, Süftirol/Italien und Bayern, um sicher zu stellen, dass der Informationsfluss der Verkehrsnachrichten auch grenzüberschreitend sichergestellt wird“, erklärte er. Bauer wies darauf hin, dass die Digitalradio-Entwicklung mittlerweile überall in Europa an Dynamik gewonnen habe.

Gerätehersteller verstärken ihr Engagement

Auch die Hersteller von Digitalradio-Empfängern verstärken ihr Engagement. Das wurde auf der Consumenta in Nürnberg (26. Oktober bis 1. November 2011) deutlich. Hier äußerten sich einige Hersteller und Zulieferer von mobiler Unterhaltungselektronik im Rahmen der von der European Mobile Media Association veranstalteten Carmediaworld-Sonderschau positiv zu den neuen DAB+-Programmen. „Pioneer setzt mittel- und langfristig auf den Erfolg von DAB. Dies schließt eine konkrete Planung zur Einführung von Autoradios und Bildschirmgeräten ein“, erklärte Gerd Wellhausen von Pioneer.
Auch Alpine konkretisiert die Markteinführung von DAB+: „Alpine Electronics plant für 2012 die Markteinführung von Geräten, die DAB+ unterstützen. Darüber hinaus ist eine Upgrade-Lösung in Vorbereitung, die DAB+ auch für bereits vorhandene Alpine-Steuergeräte nutzbar macht.“ Viele Hersteller vermarkten digitale Autoradio-Empfangsgeräte europaweit mit großem Erfolg und sind auch von deren Durchbruch in Deutschland überzeugt, so auch Lars Grothe, Leiter Marketing Service von Kenwood.

Jürgen Wilkin von JVC erklärte: „Als einer der Pioniere von Digitalradio konnte JVC bereits ab Programmstart im Sommer 2011 die ersten beiden DAB+ Autoradios im Markt anbieten. Sein technologisches Know-how nutzt JVC jetzt bei weiteren Entwicklungen, als auch zum kontinuierlichen Ausbau von Produkten mit dem neuen digitalen Radiostandard DAB+. Dies betrifft selbstverständlich den Bereich Mobile Entertainment, aber auch interessante Möglichkeiten im Audio Bereich.“
Zu hören war auch, dass Philips plant, 500.000 Euro in Radiowerbung für Digitalradio zu investieren.
Eckhard Eckstein
(MB 12/11_01/2012)

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