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Drei Technologien für ein optimiertes Fernseherlebnis

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Drei Technologien für ein optimiertes Fernseherlebnis

Multi-Bildschirme und Multi-Plattformen machen das Leben des Fernsehzuschauers erheblich komfortabler. Darunter leidet aber allzu oft die Qualität, meint Stefan Lederer, CEO von Bitmovin, im mebucom-Gastbeitrag. Zur Steigerung der Erlebnisqualität sei es daher wichtig, sich auf drei vorrangige Technologien zu konzentrieren.

Wir leben in einer Welt der Mehrfach-Bildschirme und Multi-Plattformen, die unsere Erlebnisse als Fernsehzuschauer erheblich komfortabler gemacht hat. Diese Komfortsteigerung geht jedoch auf Kosten der Qualität, die von ausgezeichnet bis absolut verpixelt reichen kann. Einer der wichtigsten Bereiche, der in der Branche in Angriff genommen werden muss, ist die Bewältigung der Probleme mit der Erlebnisqualität. Inhaltseigentümer müssen Ihr Angebot für den Konsumenten qualitativ verbessern und differenzieren können. Zur Lösung dieses Problems sollten sich Entwickler auf drei vorrangige Technologien konzentrieren, die die Erlebnisqualität für Online-Zuschauer maßgeblich beeinflussen.

Hochwertiges adaptives Streaming für Video-on-Demand

Diese Technologie wird seit geraumer Zeit von großen SVOD-Anbietern wie Netflix eingesetzt, doch dauert es noch, bis der Großteil der Branche tatsächlich vom adaptiven Streaming profitieren wird und gestochen scharfe Bilder mit einem Bruchteil jener Bitrate liefern kann, die normalerweise für die Anwendung genutzt wird. Bei diesem Verfahren, das Per-title Encoding genannt wird, kommt eine Komplexitätsanalyse der Assets zum Einsatz, um eine Bitrate-Abstufung zu berechnen, die im Grunde eine Tabelle mit optimierten Bitrate/Auflösungs-Kombinationen ist.

Allerdings ist das leichter gesagt als getan. Die meisten Video-Dienste verwenden nach wie vor statische Bitrate-Abstufungen und optimieren nicht auf Grundlage der Inhalte. Damit Per-title Encoding effektiv eingesetzt werden kann, müssen Entwickler die bestmögliche Korrelation zwischen wahrgenommener Bildqualität und Bitrate herausfinden und die Inhalte gemäß diesen Metriken optimieren. Dieser Ansatz ermöglicht im Vergleich zu standardmäßigen Kodierungsprofilen eine wesentliche Reduzierung der Bitrate, ohne dabei die Bildqualität zu beeinträchtigen.

Mit dieser Technologie werden Anbieter aller Größen in der Lage sein, ihre Dienste zu optimieren und die Qualität ihres Angebots bei allen Arten von Inhalten – von Animationsfilmen bis hin zu Live-Sport-Übertragungen – für den Konsumenten zu verbessern.

Reduzierte Latenzzeit

Bei der IBC 2018 haben wir unseren jährlichen „Video Developer Report“ herausgegeben, für den wir weltweit über 450 Entwicklern interviewt haben, um sie über die größten Herausforderungen und Investitionsbereiche für das Jahr 2019 zu befragen. So fanden wir heraus, dass 2018 die Latenzzeit für Video-Entwickler das größte Problem darstellte, und zwar unabhängig von Standort, Zugriff auf Hochgeschwindigkeitsnetze und Erfahrungsbereich.

Live-Sport-Übertragungen stellen eindeutig den schwierigsten Anwendungsbereich für Online-Videos dar. Es gibt ständig Bewegungen, und das bedeutet, dass jeder Frame weitere Details im Vergleich zum vorhergehenden aufweisen muss; noch dazu erwarten die Fans außergewöhnliche Qualität. Aufgrund dieser zwei Anforderungen müssen, im Vergleich zu anderen Anwendungen, wie Animationsfilme, die über das Internet zu sendenden Datenmengen erhöht werden. Die Netzkapazität ist jedoch begrenzt und die Pakete könnten potenziell bei der Wiederzusammenstellung steckenbleiben. Das führt wiederum zu einem Buffering, was bei Live-Programmen wirklich nicht hinnehmbar ist.

Für uns liegt die Lösung in der Umsetzung effektiver Video-Analyse-Lösungen, die die Einstellungen in Echtzeit anpassen, so die Latenzzeit senken und zugleich eine hohe Videoqualität aufrechterhalten. Das wird ganz besonders den vielen Fans gefallen, die Live-Sport-Übertragungen im Internet ansehen. Ich bin mir sicher, sie wären nicht begeistert, wenn sie hören, wie ihr Nachbar Bayern München bejubelt, während sie noch nicht einmal das Tor gesehen haben.

AV1 und Multi-Codec

Die Einführung eines neuen Codec, also eines neuen Kodierer-Dekodierers, macht immer Schlagzeilen. AV1 hat sich jedoch aus zwei Gründen hervorgehoben. Von diesem Codec wurde gesagt, dass er UHD viel schneller als irgendeine andere Lösung im Markt verarbeiten würde, und er war lizenzfrei. Damit wurde effektiv eine Wettbewerbsgleichheit für Innovationen geschaffen und es kleineren Unternehmen ermöglicht, durch Innovationen mit den Großen in der Branche mitzuhalten.

Interessant war es, im Zuge unserer Umfragen für den „Video Developer Report“ zu erfahren, dass Entwickler diesen Codec in gesteigertem Ausmaß anwenden wollen. Dies wurde von nahezu einem Drittel aller Befragten bestätigt. Das ist mehr als das Doppelte der in unserem vorhergehenden Bericht anvisierten Nutzung (14 Prozent) und beweist, dass es sich um einen ernsthaften Konkurrenten für traditionelle Codecs wie H.264 und HEVC handelt. Er wird wohl zuerst bei Spitzen-VoD-Diensten eingeführt werden, sodass die Anbieter die Kosten der Computerressourcen verteilen können, während dann im Markt insgesamt der Codec übernommen wird. Allerdings ist es noch zu früh zu sagen, ob er andere Codecs ersetzen wird. Generell wird sich im Jahr 2019 der Trend hin zu einer Multi-Codec-Welt beschleunigen, da alle Anbieter danach streben werden, die besten Lösungen für verschiedene Szenarien zu wählen.

Wir erwarten für dieses Jahr, dass mehr Live-Übertragungen für Fans gestreamt werden, mehr Studios Online-Streaming-Dienste direkt für Konsumenten einführen und Videos in sozialen Netzwerken weiterhin zunehmen werden. Durch das Angebot einer besseren Kodierung in Kombination mit reduzierter Latenzzeit und mehr Codec-Optionen kann die Medienbranche die versprochene Online-Video-Qualität, die wirklich linearen Ausstrahlungen gleichkommt, tatsächlich liefern – und zwar schon ab 2019. (3/19)

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