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Eine Frage der Ehre

Nach dreijährigen Verhandlungen konnte MEDIA BROADCAST im März 2009 einen wichtigen Vertrag abschließen. Der international tätige Full-Service-Provider der Rundfunk- und Medienbranche erhielt vom südafrikanischen Telekommunikationsunternehmen Telkom SA Limited den Auftrag, Übertragungsleistungen für die Spiele des FIFA Konföderationen-Pokal Südafrika 2009 und die Spiele der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010 bereitzustellen. Auf Basis einer Hochgeschwindigkeits-Glasfaser-Infrastruktur der Telkom SA plant, baut und betreibt MEDIA BROADCAST demnach eine hochmoderne IP-basierte Übertragungsplattform. Hierüber erfolgt die Übertragung der Fernsehbilder von den Stadien zum internationalen Sendezentrum IBC (International Broadcast Center) in Johannesburg. Dabei gilt es riesige Strecken zu überbrücken. Von Kapstadt nach Durban sind es zum Beispiel 1.750 km, von Kapstadt nach Johannesburg 1.400 km.

„Besondere Ansprüche werden in diesem Projekt an ein leistungsfähiges Projektmanagement, innovativste Technik, höchste Verfügbarkeit und internationales Teamwork gestellt“, betonte Helmut Egenbauer, Vorsitzender der Geschäftsführung MEDIA BROADCAST. Durch die Übertragung der Fußball Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland sowie durch weitere erfolgreiche Einsätze bei nationalen und internationalen Großereignissen sei MEDIA BROADCAST bestens für die hohen Herausforderungen in Südafrika vorbereitet.

Die erste Bewährungsprobe gilt es bereits jetzt zum FIFA Confederations Cup (14. bis 28. Juni) zu bestehen. MEDIA BROADCAST sorgt hier für die Signal-Kontribution zwischen vier Stadien (Bloemfontein, Pretoria, Rustenburg und Johannesburg) und dem IBC. 2010 zur FIFA Fussball-WM werden dann zehn Stadien involviert sein.

„Wir waren sehr stolz, dass bei der FIFA-WM 2006 in Deutschland alles so reibungslos funktioniert hat. Bei einem Milliarden-Publikum vor den Bildschirmen darf da einfach nichts schief gehen. Nach den guten Erfahrungen bei der FIFA WM 2006 war natürlich unser Ziel, auch die WM 2010 in Südafrika als Dienstleister zu unterstützen,“ erklärt Egenbauer. Er räumt jedoch auch ein: „Diese Art von Eventgeschäft ist allerdings weniger durch hohe Profitabilität geprägt als vielmehr durch möglichen Renommeegewinn. Die Teilnahme hier ist für uns auch eine Frage der Ehre. Wir sind sehr froh, dass wir trotz starker internationaler Konkurrenz nach jahrelangen Vorbereitungsgesprächen den Zuschlag bekommen haben.“ Die 2005/2006 gemachten Erfahrungen und die Qualität der angebotenen Dienstleistungen seien letztlich ausschlaggebend dafür gewesen.

HDTV-Übertragung
Beim Confederations Cup 2005 und der FIFA WM 2006 in Deutschland hatte MEDIA BROADCAST die TV-Signale aus den Stadien zum IBC erstmals komplett in HDTV übertragen. Dabei wurde das Netz der Deutschen Telekom genutzt. „Die Netzleistung des Netzes der Telkom SA ist vergleichbar mit dem der Deutschen Telekom“, erklärt Walter Zornek, Leiter Netze von MEDIA BROADCAST. Das technische Niveau der Signal-Kontribution bei den FIFA-Events in Deutschland und Südafrika sei deshalb identisch.
Zornek weist darauf hin, dass ein großer Technologiesprung vielmehr zwischen FIFA WM 2002 zur FIFA WM 2006 stattgefunden hat. Erstmals in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft sei 2006 bei der TV-Signalverteilung mit einer voll redundanten, leistungsstarken Glasfaserinfrastruktur gearbeitet worden, über die zudem alle Bilder in HDTV übertragen wurden. Der Satellit war nur als Drittweg angebunden. „Wir sind jetzt bei diesem Konzept geblieben, setzen aber weiter entwickelte, deutlich leistungsstärkere Technik für die IP-Audio/Video-Layer ein“, betont Zornek. Zum Einsatz komme dabei nur zertifizierte und erprobte Technik, die komplett von Deutschland aus angeliefert würde. „Unsere Kunden erhalten hochmoderne Leistungen und Services für alle Bereiche der Prozesskette“, sagt er. Hohe Redundanz sei allein dadurch gewährleistet, dass alle Stadien jeweils doppelt, über Leitungen mit getrennter Trassenführung, an das südafrikanische Glasfaser-Highspeed-Netz angebunden seien.
Die relativ neuen Glasfaserkabelstrecken der Telkom SA werden laut Zornek bereits für andere Anwendungen genutzt. „Gelegentlich geäußerte Bedenken mit Blick auf Südafrikas Infrastruktur teilen wir nicht“, sagt der Leiter Netze von MEDIA BROADCAST. Eine Glasfaserinfrastruktur zwischen zehn Orten aufzubauen sei trotz der Entfernungen in Südafrika auch bei weitem nicht so schwierig wie eine Hotel- oder Verkehrsinfrastruktur zu errichten. Zornek: „Die Südafrikaner haben ein hochleistungsfähiges Netz zur Verfügung. Wir haben da an keiner Stelle Bedenken. Außerdem stehen wir mit unserem Partner Telkom SA in engem Kontakt und überprüfen natürlich die Netzinfrastruktur.“

Während der heißen Phasen von FIFA Confererations Cup 2009 und FIFA WM 2010 sollen 40 bis 50 MEDIA BROADCAST-Mitarbeiter vor Ort im Einsatz sein. Das Confederations Cup-Team des Unternehmens ist schon seit einigen Wochen aktiv. Gemeinsam mit der Telkom SA wurden seit März 2009 zunächst Labortests und anschließend Feldtests gemacht, bei denen das Zusammenspiel der MEDIA BROADCAST-Videotechnik und der Telkom SA-Glasfaserleitungen überprüft wurde. „Alle Tests konnten erfolgreich abgeschlossen werden. Zeitlich läuft alles nach Plan, nicht zuletzt auch dank der guten Zusammenarbeit mit unseren südafrikanischen Partnern“, betont Zornek. Auch alle wichtigen Eskalations- und Schnittstellenfragen mit der Telkom SA seien geklärt. „Aber am Ende des Tages bleibt das FIFA-Fußball-Projekt 2009/2010 dennoch eine große Herausforderung für MEDIA BROADCAST“, sagt er.

Joint Venture mit DJD Telecom180
Die dabei erforderlichen Serviceleistungen wird MEDIA BROADCAST gemeinsam mit dem lokalen Partner DJD Telecom180 erbringen.
Mit dem Partnerunternehmen in Pretoria hat MEDIA BROADCAST für die FIFA-WM 2010 das Gemeinschaftsunternehmen MEDIA BROADCAST SA gegründet. Das war nach den Black Empowerment-Regeln (BEE) der südafrikanischen Regierung nötig, um überhaupt in Südafrika tätig werden zu können. „Die BEE-Regeln zielen darauf ab, dass Erfahrungen und Wissen nicht nur ins Land rein verkauft, sondern auch dort weiter genutzt werden, was ich auch sehr vernünftig finde“, erklärt MEDIA BROADCAST-Chef Egenbauer.

Afrikanischer Broadcast-Markt
Das Joint Venture mit der DJD Telecom 180 soll auch über die FIFA WM 2010 hinaus Bestand haben. Grund dafür ist, dass MEDIA BROADCAST dabei ist, sich den afrikanischen Broadcast-Markt für weitere Geschäftsaktivitäten zu erschließen. Neben dem FIFA WM-Projekt in Südafrika konnte unter anderem auch ein weiteres Projekt in Ghana gewonnen werden. Hier soll MEDIA BROADCAST als Generalunternehmen eine landesweite DVB-T Infrastruktur auf Basis von MPEG4 aufbauen.
Der Vertrag, der mit der Ghana Broadcasting Corporation (GBC) abgeschlossen wurde, sieht die fast flächendeckende Versorgung des Landes vor. Das Projekt wird schlüsselfertig erstellt und ist in drei Phasen eingeteilt. Erster Schritt ist die Versorgung der Hauptstadtregion Accra und der zweitgrößten Stadt Kumasi, danach folgt der Ausbau in weiteren Ballungszentren, zum Schluss versorgt MEDIA BROADCAST weitere Gebiete. Die kompletten Leistungen bestehen aus der Versorgungsplanung, dem Aufbau einer Sendernetzinfrastruktur und der Ausspieltechnik. Lokaler Partner in Ghana ist Black Star TV, ein TV-Unternehmen, mit dem die Abnahme und Übergabe des Projektes erfolgen wird.
Vom Start weg werden in den beiden ersten Bereichen bis zu 20 Programme via Antenne empfangbar sein. MEDIA BROADCAST wird das Sendenetz in der zweiten Phase als Gleichkanalnetz gestalten, um die Abdeckung zu erhöhen. Das Projekt, das bis Mitte 2011 terminiert ist, hat zum Ziel, eine möglichst große Reichweite bereits zur Fußball Weltmeisterschaft Mitte 2010 zu erzielen. „Ghana erhält in diesem Projekt modernste Technologie für ihre Programmversorgung. Die Terrestrik hat hier eine lange Tradition und wird jetzt mit DVB-T vollständig umgestellt“, betont Egenbauer. Die Ghanesische Bevölkerung profitiere dadurch von einem größeren Programmangebot in besserer Qualität und unkomplizierten Empfangsmöglichkeiten.
„Außerdem haben wir auch einige Satelliten basierte Projekte in Afrika in der Pipeline. Insofern werden wir MEDIA BROADCAST South Africa auch künftig gut einsetzen können“, meint der Vorsitzende der MEDIA BROADCAST- Geschäftsführung. Afrika spiele eine durchaus wichtige Rolle für die Geschäftsaktivitäten des Unternehmens. In diesem und im nächsten Jahr peile man dort immerhin Neuumsätze zwischen 50 und 60 Millionen Euro an. Interessant sei Afrika auch deshalb, weil auf der Infrastrukturseite und bei Dienstleistungen insgesamt noch Nachholbedarf und große Aufbruchstimmung existiere. Die Märkte der meisten europäischen Länder hingegen seien eher von Marktsättigung geprägt.

Weitere Aufträge zu den Sportevents Südafrika
Bei MEDIA BROADCAST geht man davon aus, dass neben dem Hauptauftrag zu den FIFA-Events 2009/2010 in Südafrika, Rundfunk-Signale aus den Stadien ins IBC nach Johannesburg zu übertragen, weitere Dienstleistungsaufträgen hinzu kommen werden. „Wir können die Signale zum Beispiel in Partnerschaft mit Satelliten- oder Festnetzbetreibern von Johannesburg aus weltweit distributieren. Solche Aufträge werden zum Teil aber erst sehr kurzfristig gebucht“, erklärt Egenbauer. Die großen Sender wie TV Globo oder ARD und ZDF würden meist ein Jahr vor einem großen Sportevent damit beginnen, die nötigen Distributionsservices zu buchen. Man rechne aber auch mit Anfragen bis wenige Tage vor der FIFA WM 2010. MEDIA BROADCAST sei jedenfalls gut darauf vorbereitet. „Wir haben ein bewährtes Vertriebsteam, das die Kunden weltweit kennt und mit ihnen kontinuierlich im Gespräch ist“, erklärt Egenbauer. „Das Event-Geschäft von MEDIA BROADCAST macht umsatzmäßig nur einen kleinen Teil aus, ist aber strategisch sehr wichtig für uns, weil wir damit in der Lage sind, den Kunden unser Gesamtportfolio anzubieten und als Komplett-Dienstleister in Erscheinung zu treten“, sagt er.
Von der FIFA erstmals mit nichtlinearen Video-Filetransfer-Services zum Confederations Cup 2009 und zur FIFA WM 2010 beauftragt wurde übrigens die Firma SmartJog. Sie gehört wie MEDIA BROADCAST zur französischen TDF Gruppe. „Mit SmartJog arbeiten wir natürlich eng zusammen“, sagt Zornek. Man werde versuchen, mit SmartJog Synergien bei der Projektarbeit wie auch in der Technik zu realisieren.

„MEDIA BROADCAST sieht sich auch in Südafrika in der Rolle eines neutralen Dienstleisters, der in der Umsetzung neuester Technologien wie HDTV Maßstäbe setzt“, betont Egenbauer. Den FIFA Conferations Cup 2009 und die FIFA WM 2010 wolle man gemeinsam mit anderen technischen Dienstleistern zum Erfolg führen. „In Südafrika existiert große Vorfreude auf die WM. Es ist schön, dies so nah miterleben zu dürfen. Natürlich ist unser Engagement nicht ganz uneigennützig. Am Ende des Tages wollen alle auch etwas verdienen. Und wir wären froh, wenn wir unser Image als unabhängiger, zuverlässiger Dienstleister und unsere führende Rolle im Geschäft mit Event-Kontributions-Services in Südafrika weiter festigen könnten“, erklärt Egenbauer. (MB 06/09)

Eckhard Eckstein

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