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Geschäftsansatz unverändert

Die Übernahme des ehemaligen T-Systems-Unternehmens Media&Broadcast GmbH durch die französische TDF-Gruppe ist im Januar 2008 abgeschlossen worden. Seit Mitte Februar präsentiert sich das Unternehmen nun mit verändertem Namenszug (MEDIA BROADCAST) und neuem Logo. MEDIEN BULLETIN sprach mit Helmut Egenbauer, Vorsitzender der Geschäftsführung von MEDIA BROADCAST, über Ziele und Ausrichtung des Unternehmens unter dem Dach der neuen Muttergesellschaft TDF.

Die Deutsche Telekom AG hat die T-Systems Media&Broadcast GmbH für 850 Millionen Euro an die TDF-Gruppe verkauft. Wie lief da die Finanzierung?
Die Übernahme der Media&Broadcast GmbH wurde durch Eigenkapital unserer neuen Hauptaktionäre sowie durch eine Anleihe von nationalen und internationalen Banken im Verhältnis 50:50 finanziert.

Was bedeutet die Übernahme für die gegenwärtig 1.200 Mitarbeiter von MEDIA BROADCAST?
Alle Mitarbeiter sind im Unternehmen verblieben und sehen unter dem neuen Dach ihre Zukunft. Die Synergien zwischen TDF und MEDIA BROADCAST liegen nicht im Abbau von Personal. Ein Großteil der Mitarbeiter arbeitet im technischen Bereich, und dort sind die Möglichkeiten der Standort-Zusammenlegung oder des Personalaustausches sehr begrenzt. Wir sind in Deutschland genauso wie TDF in Frankreich flächendeckend präsent. Aufgrund dieser Situation gibt es keine wesentlichen Überlappungen im Tätigkeitsbereich der TDF- und MEDIA BROADCAST-Mitarbeiter. Für uns stellt sich nicht wie in anderen Branchen die Frage, Produktionsstätten zusammenzulegen.

Kann MEDIA BROADCAST künftig noch unabhängig operieren?
MEDIA BROADCAST bleibt eigenständig. Unsere Aufstellung in personeller wie in organisatorischer Hinsicht existiert weiter. Das betrifft auch die Besetzung der Geschäftsführung. Media Broadcast berichtet an ein so genanntes Group Board der TDF-Gruppe. Darin sind Michel Combes, Patrick Babin und ich selbst vertreten. Unabhängig vom Gesellschafterwechsel sehen wir unsere zentrale Aufgabe in der Betreuung der bestehenden Kunden. Unser oberstes Ziel ist es, Berechenbarkeit, Stabilität und Kontinuität zu gewährleisten und unsere Dienstleistungen in gewohnter Form weiter zu erbringen. Wir alle wissen, dass dies gerade in der Rundfunk- und Medienbranche zählt. MEDIA BROADCAST ist schon heute eine der tragenden Säulen der TDF-Gruppe. Der Gesamtumsatz der TDF Gruppe liegt in der Größenordnung von 1,6 Milliarden Euro. Unser Anteil daran beträgt rund eine halbe Milliarden Euro.

Gibt es eine Marktaufteilung nach dem Motto: TDF versorgt Frankreich, MEDIA BROADCAST den deutschsprachigen Markt?
Dies entspricht der gewachsenen Struktur und wird zunächst auch so bleiben. Auch andere TDF-Töchter, wie zum Beispiel Antenna Ungaria, bearbeiten zunächst einmal schwerpunktmäßig den jeweiligen Heimatmarkt. In den Ländern, wo wir bislang nicht vertreten sind, sprechen wir uns natürlich ab. Klar ist aber, dass in den Aufgabenbereich von MEDIA BROADCAST schwerpunktmäßig Osteuropa fällt und in den von TDF Frankreich Südeuropa. Auszuschließen ist auch nicht, dass unter Kompetenzgesichtspunkten bestimmte Projekte zentral von einer Gesellschaft bearbeitet werden. Es ist nicht daran gedacht, die Unternehmensbereiche untereinander in Konkurrenz treten zu lassen. Wir sprechen uns ab und entscheiden nach Sinnhaftigkeit des jeweiligen Produktportfolios.

Bedeutet das für MEDIA BROADCAST eine Einschränkung der internationalen Aktivitäten oder eher Ausweitung?
Eher eine leichte Ausweitung, weil wir auf ein erweitertes Produktportfolio zurückgreifen können. Im Wesentlichen sind alle Unternehmen der TDF-Gruppe schwerpunktmäßig in der Terrestrik unterwegs. Ein bedeutender Unterschied zwischen TDF und MEDIA BROADCAST ist, dass TDF eigene Sendetürme besitzt und daran interessiert ist, weitere Türme einzukaufen. Außerdem ist TDF im Telekommunikationsgeschäft als Dienstleister für Mobilfunkbetreiber aktiv, was wir ja in der Vergangenheit nicht waren. Aber auch bei uns besteht mittel- bis langfristig das Interesse, in dieses Geschäft einzusteigen.

Welche Rolle spielen Synergien innerhalb der TDF-Gruppe?
Die Einheiten der TDF-Firmen werden, wie gesagt, in ihren Heimatmärkten weiter selbstständig operieren, weil das Rundfunkgeschäft sehr landespezifisch ist. Das liegt unter anderem auch an den unterschiedlichen regulatorischen Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern. Nachdem wir uns aber im gleichen Markt bewegen, macht es natürlich Sinn, Synergieeffekte innerhalb der Gruppe zu nutzen. Solche Synergien werden sich insbesondere in neuen Märkten und in neuen Geschäftsfeldern ergeben.

Woran denken Sie dabei?
Es wird Ergänzungen im Produktportfolio geben und zwar bei den Lösungen, über die wir bislang nicht verfügen. Es macht viel Sinn, dass alle Länder-Einheiten der TDF-Gruppe das gleiche Leistungsspektrum anbieten können. Schwerpunktziel der gesamten Gruppe ist sicherlich die Umstellung auf das digitale Fernsehen. Da sind wir in Deutschland, was den Umstieg auf DVB-T anbelangt, in der Endphase. Innerhalb der nächsten zwölf Monate soll zudem die Einführung von mobilem Fernsehen auf DVB-H-Basis erfolgen. In Österreich bewerben wir uns gegenwärtig bei der Regulierungsbehörde RTR als Plattformbetreiber und in Deutschland verhandeln wir mit Mobile 3.0 über den Aufbau des DVB-H-Sendernetzes. Auch in Frankreich setzt man bekanntlich auf DVB-H. Der Regulierer CSA hat dort die Sender zur Bewerbung um die Lizenzen aufgerufen. In Frankreich dürfen nicht die Unternehmen, die für die Übertragung zuständig sind, die Lizenzen erwerben, sondern die Sender selbst. Als Serviceanbieter ist TDF bereit, die notwendige Technologie für diese neue Art des Fernsehens auszubauen und dabei von der Erfahrung seiner Tochterunternehmen zu profitieren. Zukünftig ist auch das Thema HDTV für uns wichtig. Mit vereinten Kräften wollen wir auch das Digitale Radio voranbringen. Da gibt es also eine Menge Gemeinsamkeiten, wie man sieht.

Schwerpunkt Distribution
Systemintegration als Dienstleistung ist kein Thema?
Im Rahmen der typischen Wertschöpfung im Broadcast-Bereich bleiben wir bei unserem Kerngeschäft, welches schwerpunktmäßig Contribution und Distribution ist. Darüber hinaus prüfen wir, inwieweit wir dieses Geschäft um Lösungen erweitern, die bei TDF in Frankreich im Multimedia-Bereich vorhanden sind. Momentan gibt es jedenfalls keine Veränderungen unseres Geschäftsansatzes.

Inwieweit ist es für TDF und MEDIA BROADCAST von Vorteil, dass aktuell sowohl in Deutschland als auch in Frankreich der DVB-H-Start ansteht?
Gerade hier profitieren wir von Synergie-Effekten. Gemeinsam mit der TDF-Gruppe können wir Themen, die auf europäischen Standards basieren, wie DVB-H, DMB, DVB-T und Digital Radio, politisch und strategisch besser vorantreiben. Mit vereinten Kräften lässt sich auch besser die Endgeräteindustrie mobilisieren, damit sie rechtzeitig Empfangsgeräte mit den Features bereitstellt, welche unsere Kunden programmseitig bedienen wollen.

DMB sehen Sie also auch noch als Standard mit Zukunftschancen?
Im digitalen Zeitalter ist es sehr schwer zu sagen, auf welchem Standard sich welches Business-Modell mit welcher Lösung erfolgreich durchsetzen wird beziehungsweise sich vermarkten und betreiben lässt. Wir sind neutraler Dienstleister und klassisch im B2B-Geschäft unterwegs. Wir bieten an, liefern und betreiben das, was unsere Kunden wünschen und am Ende des Tages auch bezahlen.

Betrifft das auch den Mobile-TV-Standard MediaFLO?
Von unserer Seite her gibt es hier derzeit keine Aktivitäten. Unser Ziel in den nächsten Jahren ist zunächst einmal, gemeinsam mit der TDF-Gruppe, vor allem die anstehenden DVB-H-Projekte erfolgreich zu implementieren und zu betreiben.

Plant MEDIA BROADCAST ein erweitertes Engagement in Sachen Distributions-Plattformen?
Nein. Schwerpunkt bleibt unsere bisherige Rolle als technischer Plattformbetreiber.

Wie weit sind Gespräche mit Mobile 3.0 über die Errichtung des DVB-H-Sendernetzes gediehen?
Wir befinden uns in den Abschlussverhandlungen.

Warum dauert das so lange? Mobile 3.0 wollte doch eigentlich zur Fußball-Europameisterschaft im Juni 2008 an den Start gehen…?
Wir arbeiten mit Hochdruck daran und überprüfen auch gerade, was in welchen Städten zur Euro 2008 realisiert werden kann. Es handelt sich um sehr komplexe Gespräche mit vielen technischen, kommerziellen und juristischen Fragen. Aber wir sind zuversichtlich, die Verhandlungen in Kürze abschließen zu können.

Wenn Sie den Auftrag in der Tasche haben, geht es sicher zügig weiter, oder?
Ja. Parallel zu den laufenden Gesprächen haben wir den Netzaufbau bereits vollständig geplant. Zwischen Bestellung und Auslieferung der benötigten Technik werden allerdings einige Monate vergehen. Unmittelbar nach Vertragsschluss werden wir aber in der Lage sein, ein Realisierungskonzept kommunizieren zu können.

Ihre Technologiepartner sind schon alle ausgewählt?
Im Großen und Ganzen ja. Auch an dieser Stelle haben wir in den letzten Monaten viele und intensive Gespräche geführt. Namen möchte ich aber erst nennen, wenn der Vertrag endgültig unter Dach und Fach ist.

Plant man auch schon die Erweiterung der DVB-H-Ausstrahlung zum Beispiel durch das Visual Radio-Konzept des Fraunhofer Instituts HHI?
Technologisch ist das kein Problem, insofern wäre diese Frage eher an Plattformbetreiber und Inhalteanbieter zu stellen. Es gibt immer interessante neue Entwicklungen und Innovationen. Unsere Zielsetzung richtet sich aber erst einmal darauf, die DVB-H-Netze möglichst schnell aufzubauen und in Betrieb zu nehmen.

Zu den MEDIA BROADCAST-Aktivitäten gehört auch Digital Cinema. Gibt es da schon gemeinsame Pläne mit der TDF Gruppe?
Wir sind zurzeit damit befasst, unser Know-how und den Stand der Lösungsmöglichkeiten abzugleichen. Digital-Cinema steht im Fokus der gesamten TDF Gruppe, und gerade hier ergeben sich Gemeinsamkeiten und Synergien mit unseren französischen Kollegen.

Was macht MEDIA BROADCAST zu den Olympischen Spielen in China?
Auch hier haben wir unsere Dienstleistungen angeboten und bereits eine Reihe von Verträgen abgeschlossen. Also Business as usual.

Konkret für welche Kunden?
Wir werden im Rahmen unserer Kooperation mit China Netcom (CNC) vor Ort in Peking sein und dort für die Verbreitung der Bild- und Tonsignale unserer Kunden nach Nord- und Südamerika sowie Europa sorgen.

Gibt es auf dem deutschsprachigen Markt neue Projekte?
Wir sind durch den Verkauf auf der einen Seite und dadurch, dass wir zurzeit in Deutschland und Österreich mit Hochdruck am Thema DVB-H arbeiten sowie durch diverse andere Projekte, sehr gut ausgelastet. Dennoch sichern wir unsere Zukunft durch sehr unterschiedliche Projekte, an denen wir arbeiten, ohne diese Themen derzeit öffentlich zu erörtern. In unserem R&D-Bereich werden innovative Technologien unabhängig von irgendwelchen Einzelprojekten überprüft. Das ist ein permanenter Prozess. MEDIA BROADCAST ist immer vorne mit dabei, wenn es um das Thema neue Standards und Innovationen geht. Unser Technologie-Radar sondiert die Auswirkungen künftiger Standards schon viele Jahre im Voraus. Deshalb sind unsere Experten in vielen internationalen Gremien vertreten. Das Infrastrukturgeschäft, welches wir betreiben, hat sehr lange Vorlaufzeiten.

Mit Know-how ergänze
Wann wird man Weiteres über das gemeinsame Vorgehen von TDF und MEDIA BROADCAST erfahren können?
An der Grundstrategie wird sich nichts ändern. Wie gesagt, wir werden uns gegenseitig mit Lösungen und Know-how ergänzen. Unsere gemeinsamen Erfahrungen wollen wir natürlich optimal nutzen, um uns am Markt noch besser aufzustellen zu können. Sollte sich die TDF-Gruppe in neue Geschäftsfelder bewegen, würden wir dies natürlich entsprechend kommunizieren.

Wie sehen Sie allgemein die Entwicklungsmöglichkeiten des mobilen Fernsehens?
Für uns steht fest: Mobile-TV wird kommen. Rundfunkplattformen wie DVB-H und DMB eigenen sich aufgrund der Punkt-zu-Mehrpunkt-Architektur hervorragend dafür. Gerade die terrestrischen Rundfunkfrequenzen bieten der mobilen Nutzung von Entertainment- und Informationsangeboten zahlreiche Vorteile. Ich sehe die Mobile-TV-Entwicklung deshalb sehr positiv. Technisch haben wir in den letzten zwei Jahren genug Beweise geliefert, dass die Übertragung sehr gut funktioniert. Die Entwicklung der Endgeräte ist deutlich vorangekommen.

Hier gibt es fast wöchentlich Innovationen um Bilder, Video und Hörfunk entsprechend darzustellen und mobil zu empfangen. Die Schwierigkeiten liegen heute eher in den Business-Modellen. Die Frage ist: Wer partizipiert in welcher Größenordnung? Wer trägt welche Risiken? Was sind Endkunden bereit zu bezahlen? Das sind momentan die am heftigsten diskutierten Themen. Das ändert aber nichts am allgemeinen Trend: Die Welt wird mobiler. Endgeräte werden immer besser und günstiger. Mobile-TV wird ein normaler Teil unseres Lebens.
Eckhard Eckstein (MB 03/08)

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