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Integraler Bestandteil der Wertschöpfungskette

APS Astra Die APS ASTRA Platform Services GmbH (APS), ein Unternehmen des Satellitenbetreibers SES ASTRA, erweitert jetzt ihr Dienstleistungsspektrum um ein Digitales Archiv mit integriertem Asset-Management-System von Blue Order. MEDIEN BULLETIN sprach über die damit verbundenen neuen Services mit Vizepräsident Playout Stefan Hennecke und Vizepräsident Produktmanagement Jörg Hansen.

Die Pläne für das Digitale Archiv bei APS sind schon länger bekannt. Warum jetzt erst der Einstieg in die Vermarktung?
Stefan Hennecke: Wir haben in der Tat schon 2005 damit begonnen, die internen Abläufe innerhalb der APS-Sendeabwicklung filebasiert auszurichten und alle Workflows entsprechend zu optimieren. Im Zuge dessen wurde auch das digitale Archiv aufgebaut, das wir nun auch extern anbieten können. Der Zeitpunkt ist günstig, weil der Markt die digitale Archivierung mittlerweile angenommen und erkannt hat, dass Workflows künftig nicht mehr band-, sondern filebasiert sind.

Wie passt das zu Ihren anderen Services von APS?
Jörg Hansen: Neben den bereits bestehenden Services, wie Sendeabwicklung, Satellitenuplink, Internetstreaming und mobilen Diensten, ermöglicht die neue digitale Archivierung nicht nur die Speicherung der bei APS hinterlegten Videoinhalte, sondern bietet durch den Zugriff über ein neues Media-Asset-Management-System – MAM – auch eine Vielzahl zusätzlicher Funktionen. So können APS-Kunden zukünftig Videoinhalte per Datenleitung verschlagworten, sichten, schneiden und zur ortsunabhängigen weiteren Nutzung filebasiert transferieren. Mit Hilfe der integrierten Transcoding-Plattform können Inhalte auf Knopfdruck umformatiert und so für andere Verbreitungswege nutzbar gemacht werden. Diese neuen Funktionen sind eine ideale Ergänzung unseres bisherigen Dienstleistungsportfolios.

Welches MAM-System setzen Sie ein?
SH: Wir haben im Juli 2008 die MAM-Software Media Archive von Blue Order bestellt und sind zurzeit dabei, sie zu implementieren. Die neue Produktgeneration, die bei APS zum Einsatz kommt, wurde auf Basis modernster.NET-Technologie entwickelt. Wir wollen vor allem damit unser Playout-Traffic-System öffnen, externen Zugriff auf das hier archivierte Material ermöglichen, um weitere digitale Workflows anstoßen zu können. Ab Ende des Jahres soll es Kunden, für die wir die Sendeabwicklung machen, dann möglich sein, über IP-Schnittstelle auf ihr Material in unserem Digitalen Archiv direkt zuzugreifen.

Mit welcher Technik arbeitet Ihr digitales Archiv?
SH: Das System besteht aus zwei redundanten Robotiken der Firma Quantum. Aktuell hat die Anlage eine Kapazität von einem Petabyte. Sie ist skalierbar und kann dem wachsenden Speicherbedarf jederzeit angepasst werden. Außerdem können wir noch zusätzliche Robotiken einbinden. Die Robotiken werden gemanagt von einer Speicherverwaltung von Front Porch Digital. Zurzeit arbeiten wir auf Basis der LTO-3-Technologie. Das heißt, eine solche Cassette hat eine Kapazität von 400 Gigabyte. Wir können aber auch auf die nachfolgenden Generationen LTO-4 und LTO-5 umsteigen. LTO-4-Cassetten haben 800 Gigabyte, und LTO-5-Cassetten werden sicherlich über 1 Terrabyte Kapazität haben.

Warum setzen Sie auf Bandrobotiksysteme und nicht auf Serversysteme?
SH: Bei dieser Datenmenge ist das Band noch immer zuverlässiger. Es ist sehr einfach, auch räumlich getrennt das Material sicher zu speichern, ebenso eignen sich die Datenbänder auch für große Dateien. Das LTO-3-Band hat eine Übertragungsrate von 80 MByte/s. Bei LTO-4 ist sie sogar doppelt so hoch.

Wie sicher ist das Bandmaterial?
SH: Diese Band-Systeme sind speziell für Archivierung und Backups entwickelt worden. Sie werden für Datensicherungen auch in Banken und Versicherungen genutzt. Kopien auf Datenbänder sind auch für Langzeitarchivierungen bestens geeignet. Um sicherzustellen, dass nichts verloren geht und nichts zerstört wird, wird das uns anvertraute Material zudem auf zwei getrennten Datenbändern an zwei getrennten Orten gespeichert. Zum Schutz vor unbefugter Nutzung des Materials legt APS legt Wert auf eine geschlossene Umgebung. Zudem ist die APS stolz darauf, nahezu ausschließlich mit fest angestellten Mitarbeitern zusammenzuarbeiten. Wir haben 24 Stunden Security im Haus, überwachen unser Netzwerk kontinuierlich, allein schon deswegen, weil wir auch das Verschlüsselungssystem von Premiere betreiben.

Wie sieht der übliche Workflow beim Digital Archive von APS aus?
SH: Wir bekommen oder bestellen das Material je nach Anforderung des Kunden. Die Videobänder werden auf einen so genannten Ingest-Server aufgespielt. Dort wird dann der Qualitätscheck gemacht, und wenn der erfolgreich ist, wird das Material ins Archiv transferiert. Dort bleibt es dann, bis es zur eigentlichen Sendung benötigt wird. Das betrifft meist Filme, die nicht so häufig gespielt werden. Material, das öfters genutzt wird, können wir für den schnelleren Zugriff auch auf Online-Speichersysteme von Harris ablegen.
JH: Über das Media-Asset-Management-System kann der Kunde sein Material sichten und timecode-bezogene Annotationen machen, die zum Beispiel für Nachbearbeitungsarbeit beim FSK-Schnitt oder der Trailerproduktionen auf lokalen Schnittsystemen verwendet werden können. Dazu wird das Material aus dem Archiv zu einem externen Schnittstudio transferiert. Dort kann ein Betrag dann neu erstellt und wieder zu uns zurückgespielt werden.

Eigene Editing-Services plant APS nicht?
SH: Jeder Kunde hat da seinen bevorzugten Dienstleister. Wir wollen nur die Grundinfrastruktur zur Verfügung stellen, dass solche Dienstleistung filebasiert von unterschiedlichen Firmen erbracht werden können. Wir erledigen hier die Konvertierung des Materials zur Distribution auf den unterschiedlichsten Vertriebswegen. Hierbei kommt uns zugute, dass wir über jahrelange Encoding-Erfahrung verfügen. Wir beschäftigen uns seit mehr als zehn Jahren mit MPEG2, seit einigen Jahren mit MPEG4 und auch mit anderen Formaten. Wir verfügen zudem über alle Testgeräte, um Bildqualitäten sicherzustellen.

Welche Bedeutung hat das digitale Archiv für APS?
JH: Das Digitale Archiv von APS erleichtert es, Content nicht nur für die Sendeabwicklung, sondern auch für andere Dienste, zum Beispiel im mobilen oder im On-Demand-Bereich aufzubereiten und kostengünstiger und effizienter über filebasierte Workflows zu realisieren. Das digitale Archiv ist ein integraler Bestandteil der Wertschöpfungskette eines Fernsehsenders und damit ein wichtiger Baustein unseres Dienstleistungsangebots. Als technischer Dienstleister wollen wir unseren Kunden alle notwendigen Technologien anbieten, um Content kosteneffizient und sicher zu speichern, aufzubereiten und zu verbreiten. Das digitale Archiv begleitet sämtliche Produktionsstufen bis hin zur Transkodierung und Distribution. Es hilft Kosten sparen und schneller zu agieren.

Welche Kunden wollen Sie mit dem digitalen Archiv ansprechen?
SH: Wir glauben, dass wir bei klassischen Lizenzinhabern gute Chancen haben, aber auch bei Produktionshäusern, die einen hohen Durchsatz an Videodateien haben. Eigentlich kommen alle Unternehmen und Dienstleister in Frage, die im professionellen Bereich mit Videodaten umgehen.

Gibt es schon Neukunden?
SH: Wir sind in sehr konkreten Gesprächen. Die meisten unserer Kunden sehen Bedarf, ihre Workflows umzustellen. Für einen Sender bietet ein digitales Archiv sehr viel Potenzial in Sachen Logistik, Kosten- und Zeitersparnis. Es gibt inzwischen einen gewissen Druck von bandbasierten zu filebasierten Workflows umzustellen.

Welche Erwartungen haben Sie?
SH: Wir sind davon überzeugt, mit dem digitalen Archiv, den Anforderungen der Sender, Produktionshäuser und aller anderen Kunden besser entsprechen und ihnen mehr Möglichkeiten für kosten- und zeiteffiziente digitale Workflows bieten zu können. Und natürlich hoffen wir auch, dass das digitale Archiv für uns ein kommerzieller Erfolg wird.

APS Astra baut derzeit auch ein neues Playout-Center in Unterföhring. Wann geht das in Betrieb?
SH: Anfang nächsten Jahres wird es fertig sein. Es arbeitet im Wesentlichen mit derselben Technologie wie das alte Playout. Aus Redundanzgründen wird sie jetzt nur auf verschiedene Gebäude verteilt. Zudem ermöglicht der Neubau weiteres Wachstum in einem Gebäude mit modernster Stromversorgungs- und Klimatechnik.
Eckhard Eckstein (MB 10/08)



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