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Noch ein langer Weg

Die Zahl der digitalen TV-Haushalte in Deutschland nimmt stetig zu. Das belegte der aktuelle Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten. Die analoge Satellitenverbreitung soll bis Ende April 2012 eingestellt werden. Stärkerer Wettbewerb ist künftig durch TV via DSL zu erwarten.

›Der digitale Fernsehempfang ist gegenüber dem Vorjahr um 6,7 Prozent gestiegen. Rund 62 Prozent der TV-Haushalte in Deutschland (23,1 Millionen) nutzen somit heute digitales Fernsehen. Dabei ist DVB-T vollständig digitalisiert, Satellit zu knapp 80 Prozent und Kabel zu knapp 38 Prozent. Das ergab die Untersuchung von TNS Infratest MediaResearch im Auftrag der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) unter Beteiligung von SES Astra und MediaBroadcast.

Bei der Satelliten-Übertragung nahm der digitale Empfang um fünf Prozentpunkte auf 12,7 Millionen Haushalte zu. Aufgrund dieser weitgehenden Digitalisierung des Satellitenfernsehens soll die analoge Satellitenabstrahlung bis zum 30. April 2012 ganz eingestellt werden.

Im Kabel geht die Digitalisierung zwar langsamer, aber ebenfalls stetig voran. 7,3 Millionen Kabel-Haushalte empfangen inzwischen digital. Das sind bei einer Zunahme von 7,2 Prozent rund eine Million TV-Haushalte mehr als 2009. „Die verstärkte Einführung von hochauflösendem Fernsehen, Fernsehgeräte mit integriertem Satelliten- und Kabelempfang sowie hybride Geräte lassen einen weiteren Schub in den nächsten Jahren erwarten“, prognostizierte ZAK-Vorsitzender Thomas Langheinrich.

Noch immer werden Zuschauer in mehr als insgesamt 14 Millionen TV-Haushalten analog versorgt. Langheinrich: „Hier liegt noch ein längerer Weg vor uns allen, wenn wir das Ziel der Analog-Abschaltung erreichen wollen.“ Beim Satellit zögen die großen Sender an einem Strang. Diese breite Allianz nutze hoffentlich auch den Kabelnetzbetreibern.

Mehr als die Hälfte der Fernsehhaushalte sehen über Kabel fern, das damit für die Programmveranstalter der wichtigste Übertragungsweg bleibt. „Wir müssen beim Kabel bald zu einer Beschleunigung kommen“, mahnte daher MABB-Direktor Hans Hege, Beauftragter für Plattformregulierung und Digitalen Zugang der ZAK. Was bislang gar nicht im Digitalisierungsbericht abgebildet sei, sei Internet-TV auf TV-Geräten. Nach Ansicht Heges müsse die analoge Kabelabschaltung nicht bis 2017 dauern. Stärkerer Wettbewerb ist künftig insbesondere für das Kabel von Seiten DSL-TV zu erwarten. Vor dem Hintergrund einer sonst stabilen Verteilung der Empfangsarten verbucht das Fernsehen via DSL-Anschluss laut Digitalisierungsbericht mit 2,3 Prozent Marktanteil (2009: ein Prozent) einen deutlichen Zulauf. Rund eine Million TV-Haushalte schauen via DSL fern.

Insgesamt 4,2 Millionen Haushalte nutzen digitales Antennenfernsehen. Nutzungsentscheidend sei der ZAK zufolge das Programmangebot: Regionen, in denen eine große Anzahl öffentlich-rechtlicher und privater Programme über Antenne verbreitet wird, haben mit 19,3 Prozent wesentlich mehr Nutzer als Regionen mit geringerem Programmangebot (5,6 Prozent). Regina Deck von TNS Infratest gab zudem als Ursache an, dass DVB-T in Ballungsräumen, wo man nur eine Zimmerantenne brauche, stärker genutzt werde als in den übrigen Gebieten.

Abgesehen vom starken Wachstum bei DSL-TV nimmt der Konsum von Bewegtbild-Inhalten im Internet grundsätzlich zu. So haben Zuschauer in 22,2 Prozent der TV-Haushalte schon einmal Mediatheken genutzt, ein Plus von 7,8 Prozent gegenüber 2009. User-Generated-Content wurde in 33,8 Prozent der Haushalte (+5,3 Prozent), Live-TV im Internet in 7,1 Prozent (+1,6 Prozent) und Video-on-Demand in 3,3 Prozent der Haushalte (+1,2 Prozent) schon einmal genutzt.

Generell gilt: Je jünger der Haushalt, desto stärker die Nutzung in diesem Bereich. Zwar werde laut Fazit des Digitalisierungsberichts das klassische Fernsehen durch Internetfernsehen nicht verdrängt werden. Als Ergänzung werde es aber an Bedeutung gewinnen. Die Konvergenz von TV und Internet gewinne durch Hybrid-TV auf Basis des HbbTV-Standards (Hybrid Broadcast Broadband TV) weiter an Fahrt.
Der Digitalisierungsbericht 2010 ist im Vistas-Verlag erschienen. Er kann zudem unter www.alm.de/digitalisierungsbericht heruntergeladen werden.
Sandra Eschenbach
(MB 10/10)

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