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Quo vadis HDTV?

16:9 bei ARD und ZDF Nach Biathlon, Bob, Rodeln, Ski Alpin, Ski Nordisch, dem Rückrundenstart der Bundesliga und der Handball WM wurde am 7. Februar das erste Länderspiel der Fußball-Nationalmannschaft im Jahr 2007 in 16:9 übertragen. Zum Freundschaftsspiel gegen die Schweiz in Düsseldorf war für die fernsehtechnische Übertragung WM-Standard zu erfüllen – und der HD Ü5 von TopVision realisierte die ZDF Vorgaben problemlos.

Als Host-Broadcaster war das ZDF verantwortlich für die Produktion des internationalen Signals in 16:9. Dazu setzte das ZDF den HD Ü5 von TopVision mit 24 High-Definition-Kameras ein. Dieses Signal wurde sowohl der EBU als auch der nationalen Regie des ZDF zur Produktion eines eigenen unilateralen Signals und der SRG zur Produktion eines weiteren unilateralen Signals bereitgestellt. Zur Produktion des Signals für das Schweizer Fernsehen hatte die SRG über die PlazaMedia den Ü4 von TopVision angemietet. Außerdem wurde über den Ü4 auch das Stadion Fernsehen des DFB abgewickelt. Im Stadion waren 24 HD Kameras für das ZDF und elf 16:9 Kameras für die SRG im Einsatz, darunter zwei 3-fach Superzeitlupen, zwei drahtlose Iconix-Chipkameras im Tornetz, zwei drahtlose Handkameras, eine drahtlose Steadycam und eine drahtlose Polecam, die zusammen mit den fest verkabelten Kameras das Spiel weltmeisterlich in Szene setzten.

Eine kurze Rückblende: Vor einem Jahr wären diese einleitenden Sätze noch nicht möglich gewesen. Die Diskussion innerhalb der öffentlich-rechtlichen Anstalten war damals zwar pro 16:9, aber die Frage, wie das alles technisch und finanziell zu bewerkstelligen sein würde, verlief ähnlich wie heute die Diskussion zur Einführung von High-Definition, nur dass heute die finanzielle Forderung an den Gebührenzahler im Vordergrund steht:
Das ZDF veranschlagt für die nächsten fünf Jahre 80 Millionen Euro (das sind Euro 16 Millionen im Jahr), um den Sendebetrieb auf High-Definition umzustellen. 2006 hat das ZDF aus dem Gebührentopf 1,69 Milliarden Euro erhalten, sieht aber keine Möglichkeit, aus dieser Summe die knapp einprozentige Investition pro Jahr in HDTV zu finanzieren und will nun mit der Forderung von 80 Millionen Euro in die nächste Gebührenerhöhungsrunde für das Jahr 2009 gehen. Deshalb sieht man auch keine Möglichkeit, die Olympiade aus Peking (die vom chinesischen Host-Broadcaster in HDTV produziert wird) oder die Fußball-Europameisterschaft 2008 in HDTV zu übertragen. Vielmehr kann man sich die Umstellung erst bis zur Olympiade in Vancouver im Januar 2010 vorstellen.

Millionen Flatscreens – nur für SD?
Auf der anderen Seite stehen die Investitionen, die die Gebührenzahler bereits getätigt haben oder in 2007 und 2008 bis zu den Olympischen Spielen in Peking noch tätigen werden: Laut gfu (Gesellschaft für Unterhaltungselektronik) waren bis Ende 2006 bereits 2,5 Millionen HD-Ready-Displays in den deutschen Haushalten installiert, im nächsten Jahr werden weitere drei Millionen HD-Ready-Displays in den deutschen Wohnzimmern stehen und bis zur Olympiade im August 2008 werden noch einmal 2,5 Millionen HD-Ready-Displays dazukommen. Insgesamt sind das acht Millionen Geräte, die für den Empfang von HDTV-Programmen geeignet sind. Bei einem mittleren Anschaffungswert von Euro 2.000 für ein 32“ bis 42“ Flatpanel haben die Gebührenzahler bis zur Olympiade in Peking 16 Milliarden Euro investiert, um dann doch wieder – wie schon bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 – bei ZDF und ARD die Sport-Highlights des Jahres nur in Standard-Definition zu sehen. (Bei der ARD sind die Kosten für die Umstellung auf HDTV sicherlich höher, aber dafür erhält die ARD aus dem Gebührentopf auch Euro 5,2 Milliarden pro Jahr).

Zurück zum Spiel: Das Länderspiel wurde für das ZDF mit 24 High-Definition-Kameras aufgenommen und live gesendet. Dazu wurde das Signal von 16:9-High-Definition auf 16:9-Standard-Definition herunterkonvertiert, dann über Satellit zum ZDF geschickt und auf dem üblichen Weg über Astra, die Kabelnetze oder terrestrisch verteilt. Durch eine geringe Zusatzinvestition (Anmietung eines HDTV-Transponders auf einem Astra-Satelliten) hätte das originäre HDTV-Signal den 2,5 Millionen HD-Ready-Displays in den deutschen Wohnzimmern parallel zum SDTV-Signal angeboten werden können.
Die BBC in England geht genau diesen Weg. Bereits seit zwei Jahren betreibt die BBC einen frei empfangbaren HDTV-Kanal über Astra und sendet Dokumentationen, Konzerte, aber auch Fußball – unter anderem waren letztes Jahr alle WM-Spiele der englischen Fußball-Nationalmannschaft zu sehen. Auch in drei HDTV-Ü-Wagen hat die BBC bereits investiert, obwohl das Gebührenaufkommen (3,2 Milliarden Pfund, also etwa 4,4 Milliarden Euro) geringer ist als das von ARD & ZDF und die BBC gänzlich auf Werbung im Programm verzichtet. Dafür haben in Deutschland neben TopVision auch Digi TV, HDSigns, Studio Berlin-Adlershof, Triofilm, TVN, TV Skyline und WIGE in HD-Ü-Wagen investiert: Ein HD-Ü-Wagen mit Rüstwagen kostet je nach Ausstattung zwischen sechs und zehn Millionen Euro. Multipliziert man den Mittelwert von acht Millionen Euro pro HD-Ü-Wagen und Rüstwagen mit den acht Firmen, die bereits ein solches Gespann anbieten, errechnet sich daraus eine Investitionssumme von 64 Millionen Euro.

HDTV nur im Abo
Doch zurück zum Spiel: Das Länderspiel Deutschland-Schweiz endete 3:1 und hätte es verdient gehabt, auch in HDTV in die deutschen Wohnzimmer übertragen zu werden. Aber um Fußball in High-Definition zu erleben, muss man zurzeit ein Premiere HD-Abo besitzen (dann kann man die Champions League Spiele sehen) oder man muss ein Telekom-Kunde sein (dann kann man an jedem Bundesliga-Spieltag drei Topspiele in HDTV über die T-Home-IPTV-Plattform erleben). Neben dem Live-TV mit HD-Formaten kann der T-Home-Kunde im integrierten Video-On-Demand-Dienst sowie im TV-Archiv gezielt per Knopfdruck eine Vielfalt an High-Definition-Inhalten auswählen. Derzeit stehen neben den Bundesliga-Inhalten weitere 65 Titel zur Auswahl, darunter Topfilme wie zum Beispiel „Fantastic Four“ oder „Die weiße Massai“. Erstklassige BBC-Dokumentationen sowie Konzert- und Opernübertragungen runden das HD-Angebot von T-Home ab.

Europäische Verbraucher zeigen eindrucksvoll, dass es beim Thema HDTV nach dem Grundsatz „Seeing is Believing“ geht: Nur was gesehen wird, überzeugt. Dies macht die am 3. Januar 2007 veröffentlichte Marktforschungsstudie deutlich, mit der Philips das Interesse an der neuen Technologie untersuchen ließ. In einer detaillierten Befragung in Deutschland und Großbritannien äußerten sich die Konsumenten geradezu begeistert von der herausragenden Bildqualität und legten dabei einen Enthusiasmus an den Tag, wie er bis dato bei keiner Einführung einer neuen Technologie im Bereich Unterhaltungselektronik zu beobachten war. So bezeichneten überwältigende 94 Prozent der Befragten HDTV gegenüber dem herkömmlichen Fernsehen als „exzellent“ oder „sehr gut“ mit Blick auf das TV-Erlebnis als Ganzes und die Bildqualität im Besonderen. Nur einen Zufriedenheitswert von 26 Prozent erreichte demgegenüber das traditionelle Analogfernsehen. 93 Prozent der Verbraucher bestätigten eine eindeutige Überlegenheit der digitalen Bilder hinsichtlich Brillanz, Schärfe und Detailtreue. Auch auf die Februarfrage der Zeitschrift Sat+Kabel „Wenn ARD und ZDF in HDTV übertragen würden, wäre das für Sie ein Grund, sofort auf HDTV umzusteigen?“ antworteten 37 Prozent der Befragten „Ja, schnellstmöglich“. Gründe genug für ARD und ZDF, den Aufbau einer HDTV-Infrastruktur ohne „wenn“ und „aber“ sofort in Angriff zu nehmen und aus den heute verfügbaren Gebühren zu finanzieren, damit der „Kunde“ Fernsehzuschauer schon möglichst das nächste Länderspiel der Fußball-Nationalmannschaft in HDTV genießen kann.
Reinhard Penzel (MB 03/07)


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