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Rebranding zur Firmenexpansion

Der Luxemburger Satellitenbetreiber SES will weltweit expandieren. Organisatorisch begleitet wird das Vorhaben durch ein zum 1. April 2012 offiziell umgesetztes Rebranding einzelner Unternehmensbereiche. SES will damit die Marken-identität verbessern. Der Name ASTRA soll indes als Marke im DTH-Bereich erhalten bleiben. Am Rande der DVB World Konferenz in Rom sprach MEDIEN BULLETIN darüber mit Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer der ASTRA Deutschland GmbH und der ASTRA Platform Services GmbH.

SES verpasst einigen Tochterfirmen wie auch der Astra Platform Services (APS) zum 1. April 2012 eine neue Identität. Was sind die Hintergründe?

Wolfgang Elsäßer: Wir waren ja eigentlich schon immer SES. Ende der neunziger Jahre hat die SES zwei Schwesterfirmen miteinander verheiratet – die SES ASTRA und die SES World Skys. Bis 2010 waren die beiden Firmen eigenständig und auf Grund der Globalisierung hat man sich dazu entschlossen, alles unter einer Marke, der SES, zusammenzufassen. Das ist im April 2011 geschehen. Diese Entscheidung war wichtig, da wir in unterschiedlichen Märkten mit unterschiedlichen Marken aufgetreten sind. Um unser System zu homogenisieren, haben wir uns entschlossen, die Firmen zusammenzuführen.
Und da das Servicegeschäft dem Infrastrukturgeschäft folgt, sollen nun auch die Servicefirmen einheitlich gebrandet werden. Auch sie werden künftig SES im Namen tragen. So haben wir schon zur Cebit die ASTRA Broadband Services in SES Broadband Services umbenannt. Am 1. April wird die ASTRA Platform Services (APS) zur SES Plattform Services und die ASTRA TechCom Services wird zur SES TechCom Services.

Was bedeutet das für Sie konkret?

Das bedeutet für uns, dass wir jetzt unsere Marketingmaterialien komplett überarbeiten und den Internetauftritt neu launchen. Für die deutschen Kunden ist das wahrscheinlich eine größere Umstellung, weil sie uns unter dem Namen ASTRA kennen. Europaweit ist allerdings zu sagen, dass SES die deutlich stärkere Marke ist. Davon wird, so hoffen wir, auch der deutsche Markt profitieren. In Zukunft wollen wir uns aber auch auf die Märkte Afrika und Osteuropa konzentrieren und diese weiter ausbauen. Jetzt konzentrieren wir uns aber erstmal auf den Markenumzug der Services-Firmen. Wir haben also gerade richtig viel zu tun, liegen aber voll im Zeitplan und werden wohl Mitte des Jahres mit der Markenumstellung fertig sein.

An welcher Stelle wird ASTRA als Markennahme bestehen bleiben?

In Märkten mit einem starken Direct-to-Home-Geschäft (DTH) soll der Name ASTRA erhalten bleiben. ASTRA Deutschland bleibt also weiterhin bestehen. Es ist beschlossene Sache, dass ASTRA auch in Zukunft überall unsere DTH-Marke sein wird. Wenn beispielsweise in Afrika ein DTH-Markt erschlossen wird, so werden wir auch dort die Marke ASTRA einführen. Und die DTH-Märkte in Europa sollen unter der Marke ASTRA in den nächsten Monaten noch weiter ausgebaut werden.

Werden auch Satelliten umbenannt – so wie bei Eutelsat?

Das ist gerade in der Entscheidungsphase. Aber die ASTRA-Satelliten über Europa werden wohl auch weiterhin die ASTRA-Satelliten bleiben.

Wie gehen Sie den afrikanischen Markt jetzt rein markentechnisch an?

In Afrika haben wir deutlich mehr Datendienste und Kontributionsdienste. Wir haben mit TopTV von On Digital Media (ODM) eine DTH-Plattform in Südafrika. Das ist unser erstes DTH-Produkt in ganz Afrika.
Insofern macht es Sinn, erstmal mit dem Namen SES zu starten und dann, wenn sich Märkte als klare DTH-Märkte herauskristallisieren, auch dort entsprechend den Markennamen ASTRA zu positionieren.

Gibt es Neuigkeiten was die SES Platform Services anbelangt?

Wichtig für uns ist die Internationalisierung unseres Geschäftes. Noch machen wir über 70 Prozent unseres Umsatzes in Deutschland. Wir wollen aber noch mehr Umsatz im Ausland generieren und haben deshalb den Osteuropäischen Markt, Afrika, Asien und den Mittleren Osten ins Auge gefasst. Was unser Produktportfolio betrifft, ist zu sagen, dass wir sehr erfolgreich mit unserem Media-Asset-Management-Services sind. Das ermöglicht Sendern ihren Content bei uns kurz- oder langfristig zu speichern und das Material dann in unterschiedlichste Formate zu transkodieren. Das ist wohl, neben den anderen Services wie Internet-Streaming, Ausspielung und den Sendeabwicklungsdienstleistungen, eines unserer spannendsten Produkte derzeit.
Ein weiteres neues und sehr interessantes Thema ist für uns außerdem HbbTV. Wir können immer mehr Sender davon begeistern, neben ihrem linearen Signal entsprechende HbbTV-Signale auszuspielen. Auf diesem Gebiet bieten wir die ganze Wertschöpfungskette an, von der Programmierung der Applikationen bis hin zur Ausspielung.
Wir beschäftigen uns gerade auch mit dem Thema Konversion von Satellitensignalen in IP-Signale – Stichwort ist da Multiscreen. In den nächsten acht Wochen können wir unsere Lösungen oder Ideen zu dem Thema vorstellen.

Werden Sie auf der NAB Neuigkeiten ankündigen?

Die SES Platform Services ist natürlich auch auf der NAB vertreten. Wir werden dort auf dem Stand der SES insbesondere unsere IP-Themen in den Vordergrund stellen.

Es gibt einen Trend – gerade bei vielen kleinen Sendern – ihre Inhalte über IP-basierte Plattformen zu übertragen. Das spart vor allem Kosten. Wie geht die SES Platform Services mit dieser Entwicklung um? Sind kleine Inhalteanbieter für sie als Kunden überhaupt interessant?

Wir bieten ja schon heute Services für alle Contentprovider an. Aber natürlich bleiben die Broadcaster unsere Kernkunden, denen wir möglichst auch alle neuen Geschäftsmodelle ermöglichen wollen.
Das bezieht natürlich IP-basierte Dienste mit ein. In Deutschland ist es so, dass wir immer auf der Suche nach intelligenten Partnerschaften sind. Im Moment freuen wir uns über die erfolgversprechende Kooperation mit der Deutschen Telekom. Sie hat ja letztes Jahr ihr Entertain-Sat-Programm gestartet und wird das Produkt auch weiter ausbauen.

Welche Relevanz haben neue Player wie Google- und Apple-TV für Ihr Geschäft?

In Deutschland muss man sich wegen Google- und Apple-TV nicht so viele Sorgen machen, da der Satellit immer eine zentrale Rolle in der Verteilung der linearen Programme spielen wird.
Aus meiner Sicht gibt es für das lineare Fernsehen keinen besseren Verbreitungsweg als den Satelliten – und das wird auch in Zukunft so bleiben. Gerade mit Blick auf künftiges 4k- und 8k-Fernsehen, kann man davon ausgehen, dass IP-basierte Systeme mit ihren verfügbaren Bandbreiten in die Knie gehen werden.

Aber Partnerschaften mit IP getriebenen Unternehmen werden dennoch wichtiger für SES Platform Services?

Für uns war es schon immer wichtig, gute Partnerschaften einzugehen und als verlässlicher Dienstleister aufzutreten. Dabei ist es egal ob wir große Kunden wie Sky mit eigenen Operatoren unterstützen oder Kunden, die mit kleinen servergestützten Lösungen bei uns im Playout stehen. Ob mann- oder softwaregestützte Dienste gewünscht sind, das kann bei uns jeder Sender selbst entscheiden. Wir bieten eben auch, neben großen Lösungen für Fernsehanstalten, solche für kleine Sender an, die nur im Internet sind, oder VoD-Content verteilen wollen. Mittlerweile dürfen wir immerhin Dienstleistungen für über 300 Sender erbringen. Damit sind wir eines der größten Playout-Zentren Europas, wenn nicht sogar das größte.

Stichwort: Internationalisierung. Werden Sie im Zuge dessen, neben dem Standort München noch andere Playouts eröffnen?

Wir haben ja bereits schon etwa zwölf Teleports in der ganzen Unternehmensgruppe und sehen ganz klar auch, dass das Geschäft zu den Kunden kommen muss. Wir stehen dieser Entwicklung also offen gegenüber und beobachten, ob beispielsweise neue Infrastrukturen oder lokale Playouts nötig werden. Oftmals macht es aber auch für uns und den Sender Sinn, das Playout von München aus zu betreiben.

Welchen Stellenwert hat für SES Platform Services die Kontribution?

Unser Geschäft ist es, Inhalte zu verteilen. Da ist es egal ob es sich um 3D-, 4k- oder 8k-Inhalte handelt, ob für das Internet oder das Fernsehen. Und natürlich bieten wir dafür auch heute schon sehr viele Kontributionsservices an. Der Unterschied zwischen DTH und Kontribution ist am Ende der Preis. Wir bieten auch kostengünstige Kontributionssatelliten an, die beispielsweise Signale von München einfach in die Ukraine schicken können. Kontribution ist für uns also genauso wichtig wie Distribution.
Eckhard Eckstein
(MB 04/12)

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