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SBS Playout Center in London fertig

Für die im Juni 2007 von ProSiebenSat.1 übernommene SBS Broadcasting Group hat das Systemhaus Wellen + Nöthen in London ein neues Playout Center fertig gestellt. Das Playout Center ist ein Baustein im Plan der Mehrheitseigner Permira und KKR, einen paneuropäischen TV-Konzern zu schaffen und gegenüber RTL aufzuschließen.

Durch den Zusammenschluss mit SBS ist ProSiebenSat.1 künftig in 13 europäischen Ländern tätig. Zur neuen Gruppe gehören unter anderem 24 Free-TV-Sender, 24 Pay-TV-Sender und 22 Radio-Networks. Die Gesamtgruppe vergrößert ihre Reichweite auf mehr als 77 Millionen TV-Haushalte in Europa und rückt damit auf Platz zwei unter allen TV-Anbietern in der EU.

Im April 2007 begann das Systemhaus Wellen + Nöthen mit der Einrichtung eines neuen zentralen Playout-Centers in London-Chiswick und einem digitalen Medienarchivs, das nun Schritt für Schritt seit August 2007 mehr und mehr Voll- und Spartenprogramme der Sendergruppe On-Air bringt – und im Januar 2008 startete auch der dänische Kanal 5 sein erstes Programm in High-Definition.
Der von SBS an Wellen + Nöthen gestellte Planungsauftrag war klar formuliert: Die Sendeabwicklung sollte durch zentralisierte und automatisierte Abläufe effektiver gestaltet werden und die Kosten für Personal und Technik so gering wie möglich sein. Innerhalb von acht Monaten realisierte die Systemabteilung von Wellen + Nöthen diese Vorgaben – inklusive Planung und Integration des ersten Bauabschnitts mit allen technischen Einrichtungen. Außerdem wurde ein digitales Online-Archiv mit parallelem Proxyserver integriert. Die technische Infrastruktur von Ingest, Dispatcher, Live-Regien, Zentraltechnik und Playout ist bis auf etwa 30 Free- und Pay-TV-Kanäle sowie 60 so genannte Librarykanäle skalierbar. Seit Sendestart im August 2007 werden sechs Vollprogramme für Schweden und Dänemark und sieben Spartenkanäle für Schweden, Dänemark, Bulgarien und Rumänien im 24/7-Betrieb abgewickelt.

Zuvor hatte man gemeinsam die Analyse und Erarbeitung von optimalen Workflows sowie die Programmierung von speziell angepassten Interface-Lösungen für das Content- und Asset-Management-System durchgeführt. Geliefert wurde eine Softwarelösung, die den SBS-Ansprüchen an eine dezentrale Sendeplanung, ein zentrales Medienmanagement und ein weitgehend automatisiertes Playoutsystem entspricht.

Als Content-Management wird die VPMS-Software von S4M in Verbindung mit der Programmplanungs- und Media-Asset-Managementlösung „What´s On“ von Media Genix eingesetzt, die um ein bidirektionales Interface zum VPMS- sowie zum Playoutsystem ergänzt wurde. VPMS verwaltet über eine Middleware ein hierarchisches Zentralarchiv, das unter anderem aus einem 200 TB großen Nearline-Archiv von Data Direct sowie einem Deep-Archiv mit einem Quantum Scalar I 2000 besteht. In der ersten Ausbaustufe kann die Robotik der Bandbibliothek über 600 TB auf LTO-4-Bändern verwalten. Sie lässt sich jedoch zukünftig bis zu einer Kapazität von über 2 Petabyte erweitern.

Für Ingest und Playout werden K2-Mediaserver von Grass Valley genutzt. In der ersten Ausbaustufe umfasst das Serversystem 66 Kanäle, die teilweise in SD sowie in HD/SD verwendbar sind. Eine weitgehend automatisierte Qualitätskontrolle der auf den K2-Server eingespielten Audio- und Videodaten übernimmt vor der endgültigen Speicherung ein Cerify-System von Tektronix. Die Überwachung, die an verschiedenen Punkten eingesetzt wird, ist in das User-Interface von VPMS integriert und kann über unterschiedliche Konfigurationen mehrere Messtiefen abdecken.

Zur Steuerung von Flexicarts und MAZen im Ingestbereich sowie aller Playout-relevanten Einrichtungen wie Serverkanäle, Sendemischer (Maestro von Grass Valley) und Graphik- und Branding-Engine wurde ein Orbiter-System von Aveco gewählt, das über eine spezielle Schnittstelle, dem Trafic-Interface, mit der Programmplanung und dem Content-Management kommuniziert.

Wellen + Nöthen plante außerdem den Raumbedarf und konstruierte und baute die Ausstattung. Für das Monitoring wurden Displays von Barco und Multiviewer von Evertz eingesetzt. Insgesamt 80 Gestelle (19inch) wurden verkabelt und bestückt. Das installierte Datennetzwerk umfasst 400 IP-Adressen und über 250 Netzwerk-Ports – etwa 50 Anschlüsse sind für optische Verbindungen vorgesehen. Die zentrale Trinix-Kreuzschiene hat jeweils 288 Ein- und Ausgänge für SD-Material sowie 64 Eingänge und 32 Ausgänge für HD-Content. Damit ist das SBS Playout Center in London auch auf das Ausspielen von neuen High-Definition-Kanälen vorbereitet.
Reinhard Penzel
(MB 02/08)


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