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Spannung pur beim Laufen und Schießen

Sechs Wettkämpfe an fünf Tagen mit den Sportlern des Jahres 2006 Kati Wilhelm und Michael Greiss: Wer soviel Edelmetall bei den letzten Winterspielen in Turin sammelte – Greiss allein drei Goldmedaillen, Wilhelm eine Gold- und zwei Silbermedaillen -, der verdient besondere Aufmerksamkeit. Das spiegelte auch die fernsehtechnische Übertragung des Biathlon Weltcups aus Ruhpolding wieder.

Seit 1996 die Biathlon Weltmeisterschaft in Ruhpolding stattfand, wird Ruhpolding nun jedes Jahr in der zweiten Januar-Woche zum Mittelpunkt der Biathlon-Welt. Unterstützt durch den historischen Sieg des Biathlon bei der Wahl des Sportlers des Jahres (Michael Greiss) und der Sportlerin des Jahres (Kati Wilhelm) am 17. Dezember 2006 in Baden-Baden, wurden bei den Weltcup-Wettbewerben vom 10. Januar bis 14. Januar 2007 in der Chiemgau Arena neue Zuschauerrekorde erzielt – obwohl vom Winter wenig zu sehen war.

Doch darauf sind die Organisatoren in Ruhpolding eingestellt, denn entweder gibt es zu viel Schnee (wie im letzten Winter) oder zu wenig Schnee (wie in diesem Winter). Die wettkampfmäßige Präparation der 2,5 Kilometer langen Langlauf-Loipe und des Schießstandes kosten ohnehin zirka 100.000 Euro – im letzten Jahr fielen die Kosten an, um die Strecke und die Besucherparkplätze von zuviel Schnee zu räumen und in diesem Jahr fielen die Kosten an, um den Kunstschnee zu produzieren und in einer Höhe von 50 Zentimetern auf der Loipe zu verteilen. Dadurch gewährleistet Ruhpolding die Durchführung der Wettkämpfe und gibt die notwendige Planungssicherheit für die fernsehtechnische Übertragung des Events genauso wie für die Sponsoren und Touristen – und beim Biathlon beeinflussen sich diese drei Faktoren sehr positiv.

BR stellte Signal für Eurovision
Für die Übertragung der sechs Weltcup-Wettbewerbe (Staffeln, Sprint und Massenstart der Damen und Herren) hatte der Bayerische Rundfunk als Host-Broadcaster 27 Kameras an der Strecke und im Stadion aufgebaut, um das internationale Signal für die Eurovision bereitzustellen. Das internationale Signal wurde selbstverständlich nicht nur der ARD-Sendung zur Verfügung gestellt, sondern auch der EBU und ihren Partnern, die entsprechende Rechte erworben hatten. So war auch Eurosport bei allen Wettbewerben von Anfang an live mit dabei. Sieben Fernseh-Stationen hatten eigene Kommentatoren entsandt. „Sveriges Radio TV“ kam sogar mit eigener Technik, einem SNG-Fahrzeug von der schwedischen Produktionsfirma Prisma. Das Norwegische Fernsehen NRK hatte ebenfalls eine kleine mobile Technik aufgebaut, um von hier eigenständig berichten zu können.

Aus dieser Medien-Präsenz lässt sich die internationale Bedeutung des Ereignisses ermessen. Sowohl Schießscheiben als auch Sportler, beim liegend oder stehend Schießen, wurden mit ferngesteuerten Kameras, die auf kurzen Stativen montiert waren, aus direkter Nähe aufs Korn genommen. Eine Hothead-Kamera war am Korb unterhalb einer bemannten Steiger-Kamera befestigt. Insgesamt drei Krankameras und zwei Kameras auf Steigerwagen (bis zu 60 m) lieferten einzigartige Bilder aus ungewöhnlichen Perspektiven.

Ein unverzichtbares Werkzeug, um Atmosphäre, Stimmung und aktuelle Interviews mit Siegern und Verlierern des Wettkamps einzufangen, sind drahtlose Kameras. Zum Einsatz in Ruhpolding kam unter anderem eine Thomson LDK-300. Durch die Installation von zwei Empfangsstellen konnte ein Aktionsradius von zirka 350 Meter im Start- und Zielbereich der Biathlon-Strecke erreicht werden. In Verbindung mit einem bewegungsausgleichenden Steadycam hatte der Kameramann maximale Bewegungsfreiheit, um schnell auf die aktuellen Ereignisse im hektischen Brennpunkt der Veranstaltung reagieren zu können.

Das von der ARD übernommene Signal wurde mit zahlreichen Interviews und vorbereiteten Einspielungen der deutschen Biathleten „nationalisiert“. Zur Abwicklung dieser produktionstechnischen Aufgabe wurde die Firma TV Unit beauftragt, die dazu neben dem Ü-Wagen auch ein High-Definition-Schnittmobil mit drei über LanShare vernetzten AirSpeeds und drei Adrenalin NL-Schnittsysteme einsetzte. TV Unit begleitet den Biathlon Weltcup schon von Anfang an und ist jährlich an allen neun Weltcup-Austragungsorten für verschiedene Host-Broadcaster im Einsatz. Das hat mit dazu beigetragen, dass die Internationale Biathlon Union das ZDF mit dem Partner TV Unit mit der Aufgabe des Host-Broadcasters für die Übertragung der Weltmeisterschaft in Antholz vom 2. bis 11. Februar 2007 betraut hat.

Neben den herausragenden Erfolgen der deutschen Biathleten ist vor allem die fernsehtechnische Aufbereitung des Events der Grund dafür, dass Biathlon das Wintersport-Highlight in Deutschland geworden ist. Dazu hat die wettkampfbezogene Darstellung aller relevanten Informationen vom Schießstand und von der Loipe beigetragen. Die dazu in das Fernsehsignal eingeblendeten Grafiken werden seit 1985 von SIWIDATA generiert. Über GPI–Kontakte aus dem Bildmischer des internationalen Ü-Wagens wurden Grafiken abgerufen und eingeblendet. Kommentatoren in den Sprecherkabinen, Reporter in der Mixed-Zone, Moderatoren an den Presenter-Positionen, Redakteure in den Ü-Wagen und Trainer an der Strecke konnten die stets aktualisierten Daten über ein eigens aufgebautes W-LAN auf ihren Laptops abrufen.

Weitere Highlights sind die Analysen der unterschiedlichen Lauf- und Technikstile der Athleten auf der Loipe, sowie der Anschlag des Gewehrs am Schießstand – beides wurde in Ruhpolding mit SuperSloMos von GrassValley (im Verleih der Firma PROVi TV) eingefangen. Die Wechsel bei beiden Staffelläufen und die Zieleinläufe aller Rennen wurden eindrucksvoll von zwei Kameras (einmal mit Kameramann, einmal fernbedient über ein FFL-Rieger Hothead Remote-System) auf einer Teleskoparbeitsbühne der Firma mateco AG eingefangen, die direkt über der Loipe positioniert werden konnte. Eine Kamera mit langbrennweitigem Objektiv auf der 62 Meter hohen Teleskopgelenkarbeitsbühne lieferte herrliche Bilder von den Bergen rund um Ruhpolding und der Chiemgau Arena genauso wie von den Wettkämpfen.

Großleinwände und Sponsoren
Auch die Zuschauer überall an der Strecke und im Stadion sollten diese atemberaubenden Bilder vom Kampf der Athleten sehen. Dazu hatte die Chiemgau Arena drei große Mitsubishi- LED-Wände der Firma Faber aus den Niederlanden angemietet und für fast alle der teilweise über 20.000 Zuschauer gut sichtbar platziert. Dadurch konnten auch die Zuschauer außerhalb des Stadions die Schießduelle der Athleten bestmöglich miterleben.
Die Attraktivität des Biathlon Sports und das sympathische Auftreten der Athletinnen und Athleten fordert deshalb auch jedes Jahr erneut die Kreativität der Sponsoren heraus. Bis zum Jahr 2010 sind die DKB, E.ON Ruhrgas und Viessmann die Hauptsponsoren, die über den Vermarkter APF die Rechte an allen Biathlon Weltcup-Rennen und den Weltmeisterschaften erworben haben. Dazu profiliert sich noch HP als Sponsor der Zeitnahme mit einem Vertrag, der direkt mit der Internationalen Biathlon Union abgeschlossen wurde.

In Ruhpolding erlebten die Zuschauer an der Strecke, in den VIP-Zelten (aufgebaut und ausgestattet von der Firma Eschenbach-Zeltbau) und am Fernseher zuhause fünf Tage lang spannende Wettkämpfe in der Loipe und an der Schießanlage, bevor der Tross von 600 Athleten und Betreuern, 300 Journalisten und die vielen Mitarbeiter der Sponsoren zum nächsten Weltcup in Pokljuka/Slowenien weiterzog, um sich danach vom 2. bis 14. Februar in Antholz/Italien zur Biathlon Weltmeisterschaft wiederzutreffen.
Verzichten können die Zuschauer sicherlich auf den Star-Biathlon der ARD, bei dem sich B&C-Promis durch den Schnee quälen und in erster Linie für sich aber keinesfalls für den Sport werben. Dem Biathlon und seinen Athleten, die in der Loipe und am Schießstand Höchstleistungen bringen und bei jedem Wettkampf für Spannung und Abwechslung sorgen, hilft dieser Klamauk in keiner Weise.
Reinhard Penzel
(MB 02/07)

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