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Vorteile für beide Seiten

Eutelsat arbeitet am Ausbau der KabelKiosk-Aktivitäten. Kabelnetzbetreiber sollen dadurch ihr Programmangebot attraktiver gestalten können. Neuerdings wird von Eutelsat auch der Aufbau einer eigenen Direct-to-Home-Satelliten-Plattform in Erwägung gezogen. Das berichtet Martina Rutenbeck, Geschäftsführerin der Eutelsat VisAvision GmbH, im MEDIEN BULLETIN-Interview auf der IFA 2007.

Wie geht es Eutelsats KabelKiosk?
Die bislang schon gute Entwicklung hat sich auch in diesem Jahr weiter fortgesetzt. Das heißt, wir haben weitere Kabelnetzbetreiber als Kunden hinzugewinnen und damit unsere Vertriebsbasis deutlich verbreitern können. Die Zahl der Kabelnetzbetreiber lag im März 2007 bei 190 und ist bis heute auf 230 gestiegen. Das hängt auch damit zusammen, dass wir im Mai 2007 das Durchleitungsmodell eingeführt haben. Das ist natürlich auch von den Geschäftsprozessen her für Kabelnetzbetreiber interessant, die bislang keine eigene Kundenbeziehungen realisieren wollten oder konnten und deshalb auch noch kein Digital-TV eingeführt haben. Wir haben unser Business-Modell-Portfolio auch erweitert, indem wir ein eigenes Callcenter aufgebaut, eine eigene Logistik zur Verbreitung von Set-Top-Boxen und Smartcards sichergestellt und Marketingaktivitäten mit dem Kabelnetzbetreiber vor Ort durchführt haben.

Was sind die Argumente für das Durchleitungsmodell?
Wir adressieren dadurch mehr Abnehmer unter den Kabelnetzbetreibern, und der KabelKiosk gewinnt dadurch an Abonnenten-Potenzial. Die Kabelnetzbetreiber wiederum brauchen keine Prozesse für direkte Kundenbeziehungen aufzubauen, können diese stattdessen auf uns verlagern, trotzdem ihr Angebot in den Kabelnetzen interessant halten und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Auch die Programmanbieter auf unser Plattform profitieren davon. Sie erreichen dadurch mehr Endkunden. Das ist letztlich das Ziel. Wir sind ja immer in einer Art Mittlerposition zwischen Programmanbietern und Kabelnetzbetreibern. Das Durchleitungsmodell hat also Vorteile für beide Seiten.

Lokale TV-Sender tun sich schwer von der analogen auf die digitale Verbreitung umzusteigen. Ist der KabelKiosk auch für die interessant?
Durchaus. Wir sind auch schon mit einigen von ihnen im Gespräch. Im Sommer hatten wir eine Reihe von Veranstaltungen, zu denen wir Lokal-TV-Veranstalter eingeladen hatten. Natürlich können wir denen eine interessante Verbreitungsplattform bereitstellen. Wir haben heute schon zu vielen Kabelnetzen Zugang, also eine gute Vertragsbasis mit Netzbetreibern, und können sehr wettbewerbsfähige Satelliten-Kapazität anbieten. Ein zusätzlicher Anreiz ist die Einbindung der Sender in ein vorhandenes Vertriebskonzept.

Welche Kunden haben Sie schon im Bereich Lokal-TV?
Es gibt zwei Projekte, die gerade anlaufen. Da kann ich aber derzeit noch nichts zu sagen, weil das nicht mit den Programmanbietern abgestimmt ist. Der erste Lokal-TV-Sender, der sich vor einigen Monaten entschlossen hat, auf unsere Plattform zu gehen, war der Coswiger Infokanal K3. Der ist bewusst wegen der Kabelanbindung auf unsere Satellitenposition gegangen. Unser Konzept ist auch bei den kleinen Sendern bislang auf großes Interesse gestoßen, auch was die Verbreitungskosten und wirtschaftliche Rahmenbedingungen angeht.

Fünfter Transponder
Eutelsat hat einen fünften Transponder angekündigt. Wann wird der starten?
Den werden wir offiziell zum 1. November in Betrieb nehmen. Wir werden allerdings auch vorher schon, nach Abschluss der entsprechenden Verträge, sukzessive aufschalten. Auf dem neuen Transponder werden fast ausschließlich existierende deutschsprachige Spartenprogramme sein, teilweise aber auch ganz neue. Insgesamt werden wir zehn bis zwölf private familien- und kinderfreundliche Programme darüber verbreiten. Ein Programm davon wird der Biography Channel von NBC Universal sein. Die anderen Sender kann ich noch nicht nennen.

Wird es eine Umschichtung auf den anderen Transpondern geben?
Nein. Der neue Transponder bildet nur eine Ergänzung zu den beiden vorhandenen Paketen „Family“ und „Sport“. Das heißt, wir werden dieses Konzept ausbauen und weitere Programme aufschalten, die in die Family- und Sport-Pakete hineinpassen. Es ist kein weiteres Paketangebot geplant.

Gibt es Neuigkeiten im fremdsprachigen Bereich?
Da haben wir seit August auch ein arabisches Paket auf dem Satelliten Atlantic Bird 2. Erstmals erhält damit die arabische Zielgruppe in Westeuropa ein Premium-Programmangebot. Es handelt sich dabei ausschließlich um private arabische Programme mit den Schwerpunkten Family und Entertainment. Es ist also kein politisch orientiertes Programm dabei. Allein in Deutschland, Frankreich und Skandinavien sprechen wir mit dem arabischen Paket rund drei Millionen potenzielle Zuschauer an.

Zur IFA ist die digitale Satelliten-Plattform Premiere Star gestartet worden. Astra baut weiter an der Entavio-Plattform. Hat Eutelsat mittlerweile nicht auch Interesse am Direct-to-Home-(DTH)-Satellitenfernsehen?
Ich denke, dass sich mit dem KabelKiosk die Ausrichtung auf das Kabel für uns sehr bewährt hat. Wir sind damit 2003 gestartet. Im DTH-Umfeld hat sich seither allerdings einiges bewegt, insbesondere durch das Engagement von Entavio und Premiere Star. Wir prüfen deshalb in der Tat die Möglichkeit, auch im DTH-Bereich aktiv zu werden.

Planen Sie den Bau eines entsprechenden Playouts?
Wir prüfen nicht aus technischer, sondern mehr aus Markt- und Business-Sicht. Technisch gibt es für uns keine Restriktionen, was Uplink und Verschlüsselung angeht. Da sind wir durch den KabelKiosk sehr gut vorbereitet. Es gilt zunächst zu sondieren, wie groß das Interesse der Programmanbieter an so einer Wettbewerbsplattform tatsächlich ist. Wir prüfen auch, wie die Geschäftmodelle bei einer zweiten DTH-Plattform aussehen müssen. Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Realisierung einer DTH-Plattform durchaus ein Thema für Eutelsat werden könnte.

Welche Voraussetzungen müssten geschaffen werden?
Hauptpunkt ist, dass die Satellitenkapazität entsprechend aufgerüstet werden muss. Ansonsten sind wir von der technischen Infrastruktur dafür vorbereitet. Die Organisation muss natürlich auch deutlich erweitert werden. Wobei wir wie auch schon beim KabelKiosk durchaus die Philosophie vertreten, dass wir nicht alles unbedingt selber machen müssen. Wir sind schon der Meinung, dass wir Kooperationspartner und andere Dienstleister mit in ein DTH-Konzept einbinden sollten. Im Marketing- und Distributionsbereich zum Beispiel existieren genügend kompetente Dienstleister, die uns helfen können, um relativ zeitnah in den DHT-Markt gehen zu können. Man würde nur viel Zeit verlieren, wenn man hier erst alles selbst aufbauen will.

Wie steht Eutelsat zum Thema Grundverschlüsselung?
Wir verhalten uns in dieser Frage sehr kundenorientiert. Wenn Programmanbieter sich entscheiden, neue Geschäftsprozesse zu entwickeln und die Grundverschlüsselung dafür die Voraussetzung ist, dann würden wir dem natürlich nachkommen. Wir haben als Plattformbetreiber für Kabelnetzbetreiber bislang die Notwendigkeit nicht gesehen. Aber wenn die Anforderungen dafür gestellt werden, sind wir dafür vorbereitet.

Eutelsat hat vergeblich gegen die DPC-Übernahme durch Astra geklagt. Hat das heute noch Relevanz für das Unternehmen?
In der Tat ist im Februar 2007 unsere Klage beim Oberlandesgericht Düsseldorf gegen die Bundeskartellamt-Entscheidung, den Kauf von DPC durch Astra zu genehmigen, gescheitert. Uns wurde dadurch der Zugang zum Premiere-Verschlüsselungssystem verwehrt. Das Verfahren ist zwar abgeschlossen, das Thema Verschlüsselung für uns aber nach wie vor virulent. Wenn die großen privaten Sendergruppen sich zur Grundverschlüsselung auf der Entavio-Plattform entscheiden, kommt es wieder auf den Tisch. Dann wird auch wieder deutlich, warum das Thema offene Plattform für uns so wichtig ist.
Eckhard Eckstein (MB 10/07)





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