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Weiter in Wachstum investieren

Die ProSiebenSat.1 Media AG übernimmt für 3,3 Milliarden Euro 100 Prozent der Anteile an der SBS Broadcasting Group. Dadurch wird die ProSiebenSat.1-Gruppe künftig in 13 europäischen Ländern tätig sein und unter anderem 24 Free-TV-Sender, 24 Pay-TV-Sender und 22 Radio-Networks unter ihrem Dach vereinen. Die Reichweite wächst auf mehr als 77 Millionen TV-Haushalte in Europa. Die Gruppe rückt damit auf Platz zwei unter allen TV-Anbietern in der EU.

Nach monatelangen Verhandlungen wurde man sich am 27. Juni um zwei Uhr morgens schließlich handelseinig: Die ProSiebenSat.1 Media AG übernimmt die SBS Broadcasting Group und wird damit zu einem pan-europäischen TV-Konzern. „Die Transaktion ist ein großer Schritt in die Zukunft der ProSiebenSat.1-Gruppe. Die SBS Broadcasting Group passt geographisch und strategisch perfekt zur ProSiebenSat.1-Gruppe. SBS ist eine Investition in Wachstum und ermöglicht uns eine weitere Diversifizierung der Erlösquellen. Durch die Kombination von ProSiebenSat.1 und SBS entsteht eine pan-europäische TV-Gruppe mit bewährten Kompetenzen und den notwendigen Ressourcen, um Aktivitäten in den jeweils neuen geografischen Märkten auszubauen und in zusätzliche TV-Kanäle, Internet-Angebote und Inhalte zu investieren“, sagte Guillaume de Posch, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media AG.

„Im Kern geht es um Inhalte“, meinte er. „Wir werden eine größere kritische Masse erreichen und dadurch in der Lage sein, in einem europäischen Netzwerk mehr qualitativ hochwertiges Programm zu produzieren. Durch den Zusammenschluss können wir uns noch effizienter aufstellen.“ ProSiebenSat.1 Media habe das Ziel, die EBITDA-Marge der neuen Gruppe von derzeit 22,2 Prozent in den nächsten Jahren auf 25 Prozent bis 30 Prozent zu steigern. „Dadurch generieren wir Mittel, um weiter in Wachstum zu investieren“, betonte de Posch.

Das operative Geschäft der neuen ProSiebenSat.1-Gruppe wird als Chief Operating Officer (COO) der Belgier Patrick Tillieux, Chief Executive Officer der SBS Broadcasting Group, führen. Er wird neues Vorstandsmitglied der ProSiebenSat.1-Gruppe mit Zuständigkeit für International TV, Radio, Print und Group Operations. Laut de Posch soll Tillieux sicherstellen, dass die Unternehmenskulturen der in der neuen Gruppe versammelten Sender zusammenpassen.
„Ein wichtiger Erfolgsfaktor für die SBS-Gruppe ist das lokale Management mit seiner genauen Kenntnis der verschiedenen lokalen Märkte, ausgeprägtem unternehmerischen Denken, Kreativität und der Fähigkeit, TV-Sender passgenau für attraktive Zielgruppen zu positionieren“, sagte er. Die lokalen Aktivitäten von SBS würden stark vom Zusammenschluss der beiden komplementären Unternehmen profitieren, bei dem eine pan-europäische Gruppe entstehe. Tillieux: „Wir haben die Möglichkeit, gruppenweit auf Ressourcen zuzugreifen, Funktionen zu zentralisieren, die jeweiligen ‚Best Practice‛-Methoden zu übernehmen und unseren Einkauf und Vertrieb zu stärken. Das verschafft uns Skalenvorteile, erleichtert den Zugang zu attraktiven Programmrechten und stärkt unsere Position im Werbemarkt.“

Hauptsitz der neuen Gruppe, die weiterhin den Namen ProSiebenSat.1 Media AG tragen wird, ist München/Unterföhring. Durch den Zusammenschluss wird die ProSiebenSat.1-Gruppe künftig in 13 europäischen Ländern tätig sein. Zur neuen Gruppe gehören unter anderem 24 Free-TV-Sender, 24 Pay-TV-Sender und 22 Radio-Networks. Die ProSiebenSat.1 Gruppe vergrößert ihre Reichweite auf mehr als 77 Millionen TV-Haushalte in Europa und rückt damit auf Platz zwei unter allen TV-Anbietern in der EU. Durch den Erwerb von SBS steigt der Umsatz, nach einer Pro-Forma-Rechnung für 2006, um 48 Prozent von 2,1 Milliarden Euro auf 3,1 Milliarden Euro. Das EBITDA wächst um 43 Prozent von 484 Millionen Euro auf 691 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA vor Einmaleffekten von SBS im Jahr 2006 betrug 207 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2007 konnte die SBS Broadcasting Group einen Zuwachs im EBITDA von 16 Millionen Euro oder 79 Prozent auf 36 Millionen Euro erzielen.

Outsourcing wird geprüft
De Posch räumte auf einer Pressekonferenz in Unterföhring ein, dass mit dem Zusammenschluss auch eine Personalbereinigung verbunden ist. Zusammen beschäftigen ProSiebenSat.1 und SBS 6.000 Mitarbeiter. Mit Blick auf den großen Bereich ProSiebenSat.1 Produktion mit seinen rund 1.000 Mitarbeitern prüfe man weiterhin Outsourcing-Möglichkeiten. Das betreffe insbesondere die IT-Abteilung. Entscheidungen seien hier noch nicht gefallen. Grundsätzlich soll jedoch auch in Zukunft der Schwerpunkt der Produktion mit Inhouse-Mitteln bewältigt werden.

Der Vorstandsvorsitzende machte klar, dass Free-TV auch künftig das Kerngeschäft der neuen Gruppe bleiben werde. Zu weiteren zentralen Geschäftsfeldern gehörten die Bereiche New Media/Diversifikation und Programmentwicklung. Pay-TV, Internetdienste und Radioangebote sollen weiter ausgebaut werden. Man setze dabei verstärkt auf die Entwicklung neuer Inhalte und Formate. „Wenn heute die Content-Distribution King ist, dann ist Content King Kong“, sagte er.

Das Unternehmen erwartet, berichtete Finanzvorstand Lothar Lanz, dass die Transaktion im bereinigten Ergebnis je Aktie ergebnissteigernd wirkt und dass die erwirtschafteten Renditen kurz- bis mittelfristig über den Kapitalkosten der ProSiebenSat.1-Gruppe liegen werden. Die Synergien belaufen sich nach seinen Angaben auf 80 bis 90 Millionen Euro pro Jahr. Davon würden zwei Drittel auf Kostensynergien und ein Drittel auf zusätzliche Umsatzpotenziale entfallen. Ab 2010 sollten die Synergien dann voll gehoben werden.

Die Transaktion wird vollständig durch einen neuen syndizierten Kredit finanziert, der durch ein Bankenkonsortium und institutionelle Investoren unter Führung von Bank of America, Calyon, Credit Suisse, HypoVereinsbank, JP Morgan, Lehman Brothers, Morgan Stanley und Royal Bank of Scotland bereitgestellt wird. Die ProSiebenSat.1-Gruppe beabsichtigt, ihre ausstehende Anleihe über 150 Millionen Euro mit einer Endfälligkeit im Mai 2009 im August 2007 vorzeitig zurückführen.
Im Zuge der Übernahme der SBS Broadcasting Group könnte die ProSiebenSat.1-Gruppe Mitte des Jahres 2008 einen weiteren strategischen Gesellschafter bekommen. Die Telegraaf Media Groep N.V., die 20 Prozent an der SBS Broadcasting Group hielt, hat die Option, in die neue Gruppe zu reinvestieren und zwölf Prozent der stimmberechtigen Stammaktien von der Lavena Holding 5 zu übernehmen. Mit der Ausübung der Option würde die Telegraaf Media Groep sechs Prozent des Grundkapitals der ProSiebenSat.1-Gruppe halten. Der Lavena Holding 5 wären dann 44,7 Prozent des Grundkapitals und 76 Prozent des Stammkapitals zuzurechnen statt wie bisher 50,7 Prozent beziehungsweise 88 Prozent. Der Anteil des Streubesitzes von 37,3 Prozent des Grundkapitals bliebe unverändert.
Eckhard Eckstein (MB 07/07)





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