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„Wir haben uns gegen das Grelle entschieden“

Duales System Man hat ihm vorgeworfen, dass er Das Erste mit seichten Programmen bestückt. Doch seit 2004 ist dem ARD-Programmdirektor Dr. Günter Struve das Kunststück geglückt, RTL die Marktführerschaft im Gesamtpublikum abzujagen. Daneben hat sich Struve in den vergangenen Jahren als gewiefter Medienpolitiker bewiesen.

Ohne Zweifel gehört Struve zu den ganz großen schillernden Persönlichkeiten unter den Fernsehmachern. Im Oktober dieses Jahres nimmt er seinen Hut. Noch aber ist er mit voller Kraft im Amt. MEDIEN BULLETIN sprach mit dem mächtigsten Manager im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der das Gemeinschaftsprogramm von neun ARD-Sendern verantwortet, über die aktuelle Situation im Dualen System.

Sat.1 wird in knapp einer Woche, drei Wochen nach Veröffentlichung dieses Interviews, seine Hauptnachrichten ab 20 Uhr senden, mit einem kompetenten Nachrichtenmann als Aushängeschild. Ihre Prognose: Handelt es sich um einen Angriff auf die Tagesschau, mit der Sat.1 einen Türöffner für bessere Quoten in der Prime-Time gewinnen will?
Sat.1 wird sicher keine Nachrichtensendung wie die „Tagesschau“ machen. Deshalb wird das auch keine unmittelbare Konkurrenz für uns werden, sondern eine Konkurrenz für RTL 2, wo die sehr boulevardesken Hauptnachrichten schon seit längerer Zeit um 20 Uhr laufen. Ich vermute, die Absicht von Sat.1 ist, in der anderen kommerziellen Familie ein bisschen zu räubern. Im Vergleich mit der „Tagesschau“ werden die Sat.1-Nachrichten aber eher eine Boulevardshow mit vereinzelten Nachrichten statt einer politischen Nachrichtensendung sein.

Sicher?
Ich bin mir absolut sicher!

Das Erste, ich zitiere Sie, ist das Informationsprogramm Nr. 1 in Deutschland. Meinen Sie damit im Wesentlichen nur die „nackten“ Nachrichten in den Tagesschauausgaben oder geht es insgesamt um Informationsangebote, die den Fernsehzuschauern auch eine Orientierung in der recht komplexen heutigen Welt geben könnten?
Wir sind kein Nachrichten-, sondern ein Informationskanal. Der Anteil der Informationssendungen macht 44 Prozent an unserem Programm aus. Dazu gehört das sehr verlässliche Nachrichtengerüst, das um 5 Uhr 30 beginnt und bis zum „Nachtmagazin“ mit einzelnen „Tagesschau“-Ausgaben läuft, die allesamt auch gute Zuschauerzahlen haben. Wir sind der Sender mit den glaubwürdigsten Nachrichten, das weisen alle Umfragen aus – egal, wer sie macht. Da sind wir nach Ansicht der Mehrheit der Fernsehzuschauer heute wie vor zwanzig Jahren auf Platz 1.

Sendungen nach dem Motto „Hart oder Fair“…
„Hart oder fair?“, das ist nicht schlecht“(lacht amüsiert)…

…pardon: „Hart aber fair“…
(weiter amüsiert inspiriert) Den Titel „Hart oder fair?“ sollten Sie sich schützen lassen. So raffiniert kann doch nur eine Frau denken! Das ist der menschliche Ansatz: Willst Du es hart oder willst Du es fair haben?

Danke für den Titelschutztipp. Aber eigentlich wollte ich eine grundsätzliche Aussage von Ihnen darüber haben, welche Informationssendungen Sie neben den Nachrichten meinen…?
Wir haben zweimal in der Woche politische Magazine. Wir haben ein Wirtschaftsmagazin, das es im Angebot des kommerziellen Fernsehens nirgendwo gibt. Wir haben ein außenpolitisches Magazin in der Prime-Time, die nach Rechnung des ZDF um 19 Uhr beginnt: den „Weltspiegel“. Das außenpolitische Magazin ist einmalig, nachdem das ZDF seines seit Anfang dieses Jahres im Hauptabendprogramm abgeschafft und auf 22.45 Uhr geschoben hat. Auch in der Facettierung, der Mischung der Informationsangebote zwischen Dokumentation, Politik und Wirtschaft sind wir konkurrenzlos.

Glaubwürdigkeit und Information sind das wichtigste Pfand für das Image der ARD und so soll es auch immer bleiben?
So wird es auch bleiben. Auch unter meinem Nachfolger Volker Herres, der es genauso wie ich sieht. Ob wir mal im Marktanteil ein Zehntel mehr oder weniger haben, entscheidet nicht über die Zukunft der ARD. Es geht um Glaubwürdigkeit und Seriosität. Die wollen und müssen wir verteidigen.

Es ist Ihr Verdienst, dass die ARD heute wieder klar Marktführer beim Gesamtpublikum ist. Aber bei den Jüngeren ist RTL nach wie vor Marktführer. RTL & Co haben aktuell neue Programmformate entdeckt, die sich sehr preiswert herstellen lassen. Reality, Coaching, Shows, Mischformate wie etwa „Bauer sucht Frau“, „Raus aus den Schulden“, „Super Nanny“, „Dschungel-Show“, „Deutschland sucht den Supersstar“ oder was immer. Sind diese Sachen, die dichter am Leben dran sind, nicht eine Herausforderung für die ARD, zu gucken, was man den Zuschauern Neues bringen kann – vor allem den jungen Leuten?
Finden Sie, die „Dschungel-Show“ ist näher am Leben dran?

(lachend) Tja …
Sie haben auch die „Dschungel-Show“ aufgezählt. „Bauer sucht Frau“ ist ja nachgemacht. Wir hatten im Dritten Programm des Norddeutschen Rundfunks „Land und Liebe“, was eine echte Dokusoap war. Während „Bauer sucht Frau“ – wir wussten es, bevor „Bild“ es berichtete – eine rein inszenierte Geschichte ist. Wir würden an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn wir diese grellen Töne wie in „Deutschland sucht den Superstar“ bringen würden. Können Sie sich vorstellen, dass diese Dinge derart menschenverachtend wie durch Herrn Bohlen bei uns stattfinden könnten? Dass wir Menschen Kakerlaken und Känguruhoden öffentlich essen lassen? Viele junge Leute mögen das vielleicht, weil es große emotionale Reize sind. Es ist für uns insofern schade, weil wir Wert auf Seriosität legen und deshalb insgesamt einen geringeren Anteil an jüngeren Zuschauern haben.

Aber bei der Frage „Glaubwürdigkeit oder Jugendwahn?“ würde ich mich immer für Glaubwürdigkeit entscheiden. Die Kommerziellen, das kritisiere ich gar nicht, sind da anders. Sie sind werbeorientiert. Und die Werbung „handelt“ mit einem Publikum bis 49 Jahren. Das bedeutet, dass die Kommerziellen etwas für die Jugend tun müssen, und sie tun es mit den grellen Farben. Wir haben auch Sendungen mit einem hohen Anteil von jungen Zuschauern. Auch die „Tageschau“ hatte in 2007 deutlich mehr junge Zuschauer als die 18.45 Uhr Nachrichten bei RTL…

Auf der anderen Seite der von Ihnen beschriebenen „grellen“ Welt steht aber die „heile Welt“ in der ARD: „Dr. Kleist“, „Dr. Mertens“, „Die Alpenklinik“, „Um Himmels Willen“, „Zwei Herzen und ein Edelweiß“… Allein die Titel der meisten fiktionalen ARD-Serien und vieler Movies erinnern an Telenovelas, die sich an Kitschromanen anlehnen. Das ist ja nicht so innovativ…
„Innovativ“ ist ja auch kein Wert für sich. Wir haben die „Lindenstraße“, den „Marienhof“, durch die die Fernsehzuschauer mehr über Alltagsprobleme erfahren als in jeder Dschungel- oder Superstar-Show. Wir blenden keine Alltagsprobleme aus. Es ist aber leider Fakt, dass ein junges Publikum mehrheitlich kein Interesse an politischen Themen hat. Dadurch dass unser Informationsangebot mehr als 40 Prozent am Gesamtprogramm ausmacht, haben wir uns wohl oder übel gegen große Teile eines jüngeren Publikums entschieden, vor allem gegenüber den bildungsfernen Zuschauern, die das auf den Tod nicht sehen wollen. Für uns ist Sport ein probates Mittel, um mehr jüngere Leute zu bekommen…

„Tagesschau“ erreicht auch die Jüngeren
Die gucken dann ja doch nur Sport, und Sie ziehen die Jüngeren damit doch nicht ins Gesamtprogramm hinein?
Das stimmt nicht. Nach der „Sportschau“ am Samstag bleibt das jüngere Publikum bis in die „Tagesschau“ um 20 Uhr hinein. Als wir noch die Rechte hatten, auch am Ende der Samstags-“Tagesschau“ Fußball zu zeigen, hatte sie über eine Million junge Zuschauer mehr. Aber wir hatten keine Möglichkeit mehr, die Rechte zu erträglichen Preisen zu bekommen. Um es noch einmal zu betonen: Die 20 Uhr-„Tagesschau“ erreicht mehr junges Publikum als irgendeine Informationssendung von RTL. Das zeigt, dass die politisch Interessierten bei uns durchaus ein Zuhause haben. „Sturm der Liebe“ am Nachmittag hat für unsere Verhältnisse sehr viele junge Zuschauer, so dass die „Tagesschau“ am Nachmittag ihren Marktanteil verdoppelt hat. Auch wenn wir die „Tagesthemen“ in die Mitte eines Fußballspiels setzen, ziehen sie besonders viele Menschen an.
Deshalb haben wir Sport in den letzten Jahren sehr gepflegt. Ich bin nicht dafür, dass der Anteil noch erhöht werden sollte, der, wenn es sich nicht um ein spezielles Sportjahr wie in diesem Jahr handelt, deutlich unter zehn Prozent des Programmangebots liegt. Der Boxkampf zwischen Stefan Raab und Regina Halmich hat im letzten Jahr ein großes jüngeres Publikum erreicht. So etwas werden wir aber nicht machen. Wir haben uns gegen das Grelle entschieden.

Stichwort Bundesliga. Um es kurz zu machen: Es hängt vom Preis ab, ob die Bundesliga und die Sportschau bei der ARD bleibt, richtig?
Ja.

Mit dem bei ProSieben mit Top Model Heidi Klum erfolgreich gewordenen „Bruce“ haben Sie als Muster für den Vorabend im Ersten ein bei den privaten erfolgreiches Coaching-Format probiert. Das hat aber zum Quoteneinbruch geführt. Wäre es vielleicht nicht doch besser, wenn ARD und ZDF keine Werbung mehr hätten, so dass man dann doch ein einheitlicheres Programm vom Vorabend bis in die Prime-Time hinein ohne Bruch hinkriegen könnte? Dann müssten Sie als ARD-Programmdirektor auch nicht zwei verschiedene Herzen in der Brust haben, mal fürs werbefinanzierte, mal fürs öffentlich-rechtliche Programm?
Ein Programmdirektor braucht eher sechs als zwei Herzen in seiner Brust. Auch, wenn mal ein Programm nicht funktioniert, müssen wir experimentieren, um eben auch ein jüngeres Publikum gewinnen zu können. Das ist wichtig. Theoretisch könnte man auch ein voll werbefinanziertes öffentlich-rechtliches Rundfunksystem haben. Selbst Jürgen Doetz hat kürzlich angeregt, ob man nicht auch das mal überlegen sollte. Aber die Mischfinanzierung mit einem geringen Anteil an Werbeerlösen und dem Hauptanteil an Gebühreneinnahmen stört weder mein Herz, noch meine Seele, noch mein Gewissen.

Duales System: Sie haben es von Anfang an begleitet und die Kommerzialisierung auf der anderen Seite sozusagen live miterlebt. Sehen Sie heute einen grundsätzlichen Unterschied im Dualen System, dadurch dass die Kommerzialisierung mittlerweile ihren eigentlichen Zweck stärker als in der Vergangenheit erfüllt, nämlich mit Fernsehen so viel Geld wie möglich zu machen?
Die stärkere Kommerzialisierung erleichtert die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Je stärker deutlich wird, dass das kommerzielle Fernsehen eine Geldverdienmaschine ist, umso unverzichtbarer wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk als zweites Bein im System, weil so vor aller Welt bewiesen wird, dass das Duale System seinen Sinn hat. Denn nur der öffentlich-rechtliche Rundfunk unterbreitet – auch wenn er mal Fehler machen sollte – ein Informations- und Unterhaltungsangebot, dass für die Gesellschaft und auch für die Älteren in der Gesellschaft attraktiv ist. Bei den Kommerziellen hingegen werden Moden zum Maß aller Dinge. Ich halte eine zunehmende Kommerzialisierung auf der einen Seite des Dualen Systems nicht für eine Bedrohung, sondern für eine Bestätigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren Kollegen von den Privaten – den heutigen Kommerziellen? Hat sich die Beziehung in den letzten Jahren geändert? Oder ist es immer noch eher so, dass man vordergründig aufeinander schießt – aber doch vermutlich persönlich eher freundschaftlich verbandelt ist?
„Freundschaftlich“ würde ich nicht sagen. Ich habe früher deutlich mehr Kontakt zu denen gehabt. Weil sie ja auch noch an Fernsehen interessiert waren. Mit Herrn Thoma habe ich in den meisten Dingen nicht übereingestimmt, auch nicht mit Herrn Kofler, als er noch ProSieben verantwortete. Aber das waren noch mit dem Produkt „Fernsehen“ verbundene Menschen. Das empfinde ich bei ihren Nachfolgern mittlerweile nicht mehr so. Da ich auch schon seit vielen Jahren nicht mehr auf Podien gehe, trifft man sich auch seltener. Es ist eine friedliche Koexistenz. Wir von der ARD begehen keine übermäßigen Grenzverletzungen. Wir gehen nicht in den Urwald, und die Kommerziellen gehen in der Regel nicht in das ernsthafte Geschäft mit Qualitätsprogrammen. Ich bin nicht so vermessen, dass ich sage, dass wir zu jeder Zeit hohe Qualität anbieten. Aber als Gesamtprogramm bieten wir die Qualität schon. Und wir akzeptieren auch, dass es ein kommerzielles Programm gibt, das sich weiter kommerzialisieren dürfte.

Zukunft. Digitalisierung. Immer mehr Kanäle und Spartenprogramme knabbern am Marktanteil der Großen. Mit welchem Konzept stellt sich die ARD mit den digitalen Kanälen und im Internet auf?
Wenn wir junge Leute ansprechen wollen, kommen wir nicht umhin, sie im Internet anzusprechen. Unsere Digitalkanäle sind keine aufwändigen Programme, sondern ausdrücklich Kundendienst. EinsExtra ist ein Informationsprogramm, das nicht mit Phoenix kollidiert. Phoenix ist ein Ereigniskanal, EinsExtra ein sehr starkes, verlässliches Nachrichtenangebot plus Dokumentation, plus regionale Informationen. EinsFestival wird sich stark auf Qualitätsprogramme und deren Wiederholung zu besten Sendezeiten stürzen. EinsPlus wird sich zu einem Ratgeberprogramm entwickeln können.
Noch stehen unsere digitalen Angebote relativ am Anfang. Sie sind nicht gerade überfinanziert, aber sie bieten, was die ARD-Welt hat, nämlich eine hervorragende Nachrichtenredaktion, hervorragende fiktionale Angebote. Wir sortierten sie neu und bieten sie im digitalen Markt an. Insofern knabbern wir auch selber an den Marktanteilen der großen Programme.
Das tun wir auch schon seit Jahren. Daran sind wir gewöhnt. Die ARD hat sieben Dritte Programme, die sehr kompetitiv am Markt sind und die auch dafür sorgen, dass es dem Vollprogramm Das Erste immer schwerer fallen wird, seine Zuschauerzahlen zu halten. Da gibt es einen gewissen Erosionsprozess. Aber diesen Erosionsprozess gibt es nicht im Programmangebot.

Alle Verteilwege nutzen
Warum braucht die ARD unbedingt auch noch die genannten digitalen Kanäle? Wäre es nicht sinnvoller, sich mit voller Kraft auf Das Erste und die Dritten zu konzentrieren?
Nein. Das wäre nicht sinnvoller, sondern arroganter! Wer eine so große Fülle an Programmen herstellt wie wir, muss in der digitalen Welt auch dafür sorgen, dass damit die Interessen der Zuschauer gezielt bedient werden. Denn die Gebührenzahler haben bereits für die Herstellung des Programms bezahlt. Und daher bedienen wir sie mit den Programmen über alle Verteilwege, die es gibt, auch mobiler Art in der Zukunft. Bei dem geringen finanziellen Aufwand, den die Verteilung bisher kostet, ist das keine Schwäche, sondern eine Ergänzung des Ersten.

Die Produzenten rumoren zurzeit in Deutschland: zu wenig Rechte, zu schlecht bezahlt, keine Erstattung der Entwicklungskosten, keine Geld für Kapitalgenerierung, digitale Enteignung. Aus der Sicht der ARD zu Recht?
Ich kenne Produzenten jetzt 40 Jahre. Ein Produzent, der nicht murrt, ist kein Produzent. Das gehört zum Berufsbild. Ich persönlich bin da auch seit Jahrzehnten festgelegt: Es macht gar keinen Sinn, Produzenten, die wir brauchen, weil sie kreativen Humus bereitstellen und organisieren, schlecht zu behandeln oder an die Grenze des Abgrunds zu stoßen. Aber wenn wir – das ist die Regel – 100 Prozent der Produktionskosten bezahlen, wollen wir auch 100 Prozent der Rechte haben. Das ist ganz normal. Ansonsten gibt es zwischen Produzenten und Sendeanstalten der ARD allemal einen fairen Ausgleich. Anders wäre es auch gar nicht zu erklären, warum wir in Deutschland immer noch die in Europa mit Abstand reichste und vielfältigste Produzentenlandschaft haben. Dennoch – das wage ich zu prognostizieren – wird es in zehn Jahren weniger Produzenten als heute geben. Gleichzeitig werden es auch in Zukunft die Produzenten sein, die sowohl die kommerziellen als auch die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihren Talenten so bedienen, dass ein vernünftiger Content für den Fernsehzuschauer bereitgestellt werden kann. Dass seitens der Produzenten im Vorfeld der Novellierung des Filmförderungsgesetzes Vorwürfe kommen, ist nicht neu. Das war vor 15 Jahren so, und so wird es auch in 15 Jahren sein. Im wahren Leben herrscht viel mehr Friede als man vermuten würde.

Aufgabe des ARD-Programmdirektors ist es eigentlich, aus dem, was die einzelnen ARD-Anstalten an Programmen anbieten, auszuwählen und so Das Erste zusammenzufügen. Seit längerer Zeit ist es aber verstärkt die Degeto, die Produktionsaufträge vergibt. Richtig?
Das ist richtig. Die ARD Degeto, die früher nur Filme eingekauft hat, produziert jetzt sehr viel mehr als jede Landesrundfunkanstalt. Das ist eine richtige und gute Entwicklung. Denn viele wichtige fiktionale Produktionen, ob „Flucht und Vertreibung“ oder „Checkpoint Charly“ oder „Contergan“ wären ohne die ARD Degeto gar nicht zustande gekommen. Sie war der Träger und Treiber und Mitfinanzier all dieser Programme. Von daher gehört die ARD Degeto zum Besten, was sich in den letzten Jahren in der ARD neu aufgestellt hat.

Achtet die Degeto mit darauf, dass die Produktionen auch für den Weltvertrieb geeignet sind?
Erst einmal haben wir eine in Bezug auf Programme so hungrige Senderfamilie, dass wir allein mit der Verwertung im deutschsprachigen Raum zurrecht kommen: zum Beispiel die Dritten Programme, die ja zum guten Teil 24 Stunden senden. Wenn wir im Weltvertrieb etwas für unsere Produkte bekommen, ist das ein positiver, angenehmer Nebeneffekt. Aber deutsche Fernsehprodukte sind nicht so gefragt, egal welches Sie nehmen, dass man davon leben könnte. Wichtig ist der Erfolg auf dem deutschsprachigen Markt. Und da zählt die ARD Degeto zweifelsfrei zu den Kraftpaketen, die wir in der ARD haben.

Hand aufs Herz: Sind Sie froh, wenn Sie ab nächsten Oktober endlich aus dem Medienzirkus raus sind?
Ich bin vor wenigen Tagen 68 Jahre alt geworden. Da sind die normalen Menschen schon meist in Rente, leben auf Mallorca, im Schwarzwald oder sonst wo. Auch für mich wird es spätestens in diesem Jahr Zeit, dem Medienzirkus Adieu zu sagen.
Erika Butzek (MB 04/08)

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