Mebucom / News / Events / Alle in einem Boot
Alle in einem Boot

News: Events

Alle in einem Boot

MEDIEN BULLETIN hat am 9. März 2017 in München gemeinsam mit Quantum ein Roundtable-Gespräch zum Thema „Referenzarchitektur für hochauflösende Produktion und Archivierung – 4k/UHD in der Sportproduktion“ veranstaltet. Eingeladen waren Top-Manager aus Produktion und Technik. In der Diskussion wurden zwar unterschiedliche Anforderungen und Perspektiven deutlich, aber auch viele Gemeinsamkeiten. Betont wurde etwa die Notwendigkeit zur engen Kooperation mit Herstellern und Lösungsanbietern, um das sich ändernde Mediennutzerverhalten adäquat adressieren zu können.

Videoproduktionen mit ultrahochauflösenden Bildern (4k/UHD) stellen Produktions- und Medienhäuser vor neue Herausforderungen. Technische Infrastrukturen und Workflows müssen darauf eingestellt werden. Wichtig dabei ist die Gewährleistung von Flexibilität, Skalierbarkeit, Effizienz und Produktivitätsgewinn in kollaborativen Arbeitsumgebungen. Innovative Produktionsmodelle sind gefragt. So ist es auf allen großen Broadcast-Messen, wie zuletzt auch wieder auf der NAB 2017 zu hören.

Von dieser Entwicklung besonders betroffen sind High-end-Produktionen von Live-Sport-Events. Hier gilt es enge Zeitpläne, komplexe Workflows, stringentes Content Management, hohe Datensicherheit und Redundanz bei einer wachsenden Zahl an Kontributions- und Distributionswegen zu bewältigen. Immer wichtiger werden dabei auch der Echtzeitzugriff auf Archive, die Virtualisierung der Systeme und der Einsatz von Big Data und Cloud-Lösungen. Die Kreativen in den Produktionen spielen auf einer deutlich erweiterten Klaviatur und brauchen leistungsstarke Tools, die ihnen helfen, den Überblick zu behalten. „4k and beyond – in der Sportproduktion“: Was bedeutet das für Produktionshäuser und TV-Sender? Welche Entwicklungsszenarien sind absehbar? Welche technischen Voraussetzungen sind zu erfüllen? Welche Lösungen bieten sich an? MEDIEN BULLETIN diskutierte am 9. März 2017 mit hochrangigen Vertretern der Branche bei einem Roundtable-Gespräch zum Thema „Referenzarchitektur für hochauflösende Produktion und Archivierung – 4k/UHD in der Sportproduktion“ über Lösungen und Strategien. Unterstützt wurde die Veranstaltung von Quantum. 

Einen Kurzüberblick zur 4k/UHD-Marktentwicklung mit Blick auf die CES-Trends 2017, auf GfK-Zahlen mit dem Consumer Electonics Marktindex Deutschland (CEMIX) und die Studie Industry Survey 2017 gab Sebastian Artymiak als Leiter Medientechnologie beim VPRT. Seit Anfang Mai 2017 ist er Leiter Public Affairs bei der ANGA. Er erklärte die Marktposition der unterschiedlichen 4k/UHD-Displays (LCD, OLED, QLED) und Bildverbesserungstechnologien (Dolby Vision, HDR 10, Hybrid Log Gamma und Technicolor/Philips). Im Jahr 2016 wurden weltweit 52,7 Millionen 4k/UHD-Displays verkauft, 2017 sollen es bereits 81,9 Millionen sein. In Deutschland sind laut GFK 2015 rund eine Millionen UHD-Fernseher in Deutschland verkauft worden, 2016 waren es zwei Millionen. Derzeit sind bereits über 30 Prozent der TV-Geräte in den Haushalten UHD-TVs. „Bemerkenswert ist, dass der Anteil HDR-tauglicher TV-Geräte mit 44 Prozent schon fast die Hälfte des UHDTV-Gesamtbestandes ausmacht“, berichtete Artymiak.

Die im März 2017 veröffentlichte Studie Industry Survey 2017 auf Basis von 400 Experten-Befragungen in verschiedenen Ländern machte, laut Artymiak, eine hohe Bereitschaft deutlich, in 4k/UHD-Technik zur Produktion entsprechender Inhalte  zu investieren. Mit weitem Abstand am wichtigsten für die  4k/UHD-Content-Produktion ist der Live-Sport. „Live-Sport ist ganz klar der Treiber der UHD-Entwicklung“, betonte Artymiak. „Hohe Auflösung, 4k, HDR (High Dynamic Range) und HFR (Higher Frame Rate) aber auch Next Generation Audio (NGA) werden in der TV-Zukunft eine maßgebliche Rolle spielen.“ Die neuen Technologien würden einen Mehrwert bieten, der bei den Konsumenten gut ankomme. Laut Industry Survey 2017 mache es deshalb viel Sinn, schon heute mit 4k/UHD-Angeboten zu starten. „Der Druck auf die Sender wächst, die Infrastrukturen für die Bildtechnik aufzubauen“, sagte Artymiak. Weiter verschärft würde diese Entwicklung durch den Trend hin zur Personalisierung und Individualisierung von Content, den Abschied vom linearen TV-Konzept, die zunehmende mobile Nutzung und die wachsende Angebotsvielfalt basierend auf dem Triple-A-Prinzip „anytime, anywhere on any device“.

Christian Plitt, Account Manager Medien & Entertainment bei Quantum, nahm den Ball auf und präsentierte die Lösungen von Quantum für mehr Workflow-Effizienz bei allen Speicherfragen in der Sportproduktion, mit besonderem Blick auf die neuen bandbreitenintensiven Video-Formate, dem Zwang zu höherem Inhalte-Output und schnelleren, effizienteren Produktionsmethoden. „Die Vielzahl neuer Formate und die dafür nötigen Vermarktungskonzepte sorgen auch für wachsende Anforderungen an die Speichersysteme“, erklärte er. „Ständiger Wandel führt dazu, dass man effiziente Produktionssysteme braucht, die in erster Linie für Time-to-Air optimiert sind. Heute ist es auch wichtig, bei Live-Produktionen ein MAM-System mit angeschlossenem Archiv mitzuführen, das es den Produktionsteams und Redakteuren ermöglicht, sehr schnell, schon während der Aufzeichnung, Material zu suchen, das neu entstehende Material zu verschlagworten und in die Produktionsworkflows mit einzubinden.“ Am Ende müssten bei Sport- und News-Produktionen alle Plattformen wie Social Media bespielt werden können. „Wir sehen diesen Trend höherer Integration bei allen Kunden mit denen wir arbeiten“, betonte Plitt. Das sind in Europa insbesondere Postproduktionshäuser und Broadcaster. Bei CBC zum Beispiel sind Quantum-Systeme Teil der Newsroom-Installation, bei der BBC unterstützt man eine größere Sportproduktion und beim Red Bull Media House eine Archiv-Lösung. „4k-Technik ist für uns auch ein ganz wichtiges Thema, auch wenn heute noch viele zögern, sie zu nutzen“, betonte Plitt.

Knackpunkt bei 4k, gerade bei Sportproduktionen, sei, dass neben der faktischen Pixelauflösung eine Menge zusätzlicher Faktoren auf den Speicherbedarf drücken würden. Plitt: „Man muss über Bittiefen und Farbauflösungen sprechen, die die Formate am Ende ganz schön teuer machen können. Wenn man so ein Format 4:2:2 mit 10 Bit und 50 Frames aufnimmt, dann kommt man auf eine Datenmenge von ungefähr 8,3 Gigabyte pro Sekunde (GB/s). Das sind 3,7 Terabyte (TB) pro Stunde für einlaufendes Material. Bei Sportgroßproduktionen wie zum Beispiel die Fußball-WM in Rio de Janeiro mit 32 Kameras pro Spiel kommt man für eine einzelne Begegnung auf einen Speicherbedarf von 177 TB. Das entspricht heute dem Jahresspeicherbedarf vieler Produktionsumgebungen und kann noch weiter hoch dekliniert werden. In den höheren Formaten mit 12 Bit kommt man auf bis zu 300 TB pro Spiel.“

Plitt wies darauf hin, dass man bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) und Produktionsdienstleister Sportcast aktuell über den künftigen Speicherbedarf des Bundesliga-Archivs diskutiere. „Da wird heute nur ein Spiel pro Spieltag in UHD produziert, aber im Dialog mit Sky plant man in naher Zukunft das UHD-Engagement auf eine breitere Basis zu stellen mit dann 50 TB pro Begegnung im komprimierten Format. Das macht dann bei neun Begegnungen pro Spieltag 450 TB“, rechnete Plitt vor. Wenn alles in UHD produziert würde, komme man bei 34 Spieltagen pro Saison ungefähr auf einen Speicherbedarf von 15 Petabyte (PB). 

Plitt: „Speicher ist eine wahnsinnig wichtige Größe in diesem Spiel. Mann muss zulassen, dass er wachsen kann. Als Primär-Speicher wäre er aber viel zu teuer, erst recht, wenn man die Kosten von Flash-Speicher betrachtet. Wir sehen dieses Problem nicht nur im Medienbereich, sondern auch woanders, wo Unmengen Daten produziert werden. Unstrukturierte Daten werden immer mehr. Deshalb haben wir uns bemüht, in unseren Systemen das Bermudadreieck bei den Storage-Anforderungen, bestehend aus Performance, Zugriff und Low Cost Capacity aufzuschlüsseln und zu vereinfachen. Es geht darum, eintreffende Daten möglichst fehlersicher aufzuzeichnen. Das ist ein kritischer Echtzeitprozess, wo Speicher teuer ist. Man braucht hier aber nur tatsächlich so viel Speicher, wie für die täglichen Produktionen erforderlich ist. Dahinter kommt dann das Networking und das Verfügbarmachen der Daten für die diversen Bearbeitungsschritte. Da sehen wir mehr die unterschiedlichen Netzwerkarchitekturen und Zugriffsmöglichkeiten. Und dahinter geht es darum, das Material für eine optimale Monetarisierung wieder nutzbar zu machen. Entscheidender Faktor für viele Sender ist schließlich, ihre Inhalte schnell verfügbar zu haben. Das lässt sich aber nicht gut mit einem singulären Speichersystem realisieren. Deswegen haben wir uns bemüht diese ganzen Bereiche näher zusammen wachsen zu lassen. Und das als Workflow Storage in den Projekten in denen wir arbeiten individuell in den Workflow anzupassen.“ Quantum setze dabei auf sein StoreNext-System, das auf der NAB 2016 in der Version 6 vorgestellt wurde. „Das ist im Prinzip eine Filesystem-Lösung in der man unterschiedlich performante Speicher anbinden kann, sodass man dann mit dem Archiv, das hohe Speicherbedarf-Wachstumsraten hat, auch mit einem günstigen Medium, wie beispielsweise Tape, wachsen kann. Der Primärbereich aber lässt sich für jeden Workflow mit einer individuell dafür optimierten Speicherlösung anpassen. Der User sieht dort immer nur ein singuläres Filesystem. Alle Daten, die für ihn auf unterschiedlichen Speichern verteilt sind, erscheinen für ihn in einem Projektordner.“

André Kamps, Geschäftsführender Gesellschafter und Gründer der Düsseldorfer syslink GmbH, bestätigte in seinem Kurzreferat zum Thema „Intelligente Storage Organisation – Hilfe in der Datenflut“ die hohe Relevanz der intelligenten Speichertechnik für datenintensive Produktionen an Beispielen wie der Reality-Show „GT Academy“ der Kölner Firma Mach2Media, bei der die Signale von über 50 unterschiedlichen Kameras, von GoPro bis Sony F55, auf diversen Rennstrecken weltweit via Internet zu einem zentralen Server geschickt und dann von internationalen Teams an diversen Standorten für die Ausstrahlung der Shows in 24 Ländern bearbeitet wurden. Der damit eingesetzte dezentrale Workflow ließ sich nur mit Hilfe der von syslink entwickelten Server- und Speicherlösung Elements realisieren. Seit 2014 ist das Unternehmen offizieller Technology Partner von Quantum und arbeitet seither weltweit mit dem Speicherspezialisten zusammen. Elements-Systeme wurden auch bei Großproduktionen wie „Big Brother“ oder „Voice of Germany“ eingesetzt. „Bei der Systemintegration haben wir festgestellt, dass Speicheranforderungen von TV-Sendern und Postproduktionshäusern zu 80 Prozent identisch sind. Bei den restlichen 20 Prozent geht es um Individuelle Anpassung wie Workflow Management. Dazu haben wir die auf StoreNext aufsetzende Produktreihe Elements entwickelt“, erklärte Kamps. 

 

4k-Insellösungen

Mit besonderen Herausforderungen bei Produktion und Archivierung im Sportbereich ist Sky Deutschland konfrontiert. Der Pay-TV-Anbieter zählt zu den Vorreitern bei neuen Technologien. 2012 wurden erste 4k/UHD-Testproduktionen gestartet. Am 14. September 2016 ging man hier schließlich in den Regelbetrieb über. Seither werden einzelne Bundesliga- und Champions League-Spiele in 4k/UHD übertragen. Bei der Produktion setzt man derzeit noch auf eine Insellösung statt auf einen integrierten Workflow. Das erklärte Alessandro Reitano, Sky Deutschland Vice President Sports Production, beim MEDIEN BULLETIN Roundtable. Das Kerngeschäft des Pay-TV-Senders sei heute schließlich die HD-Übertragung. „Der Sky-Abonnent erwirbt sein Bundesliga-Paket nicht, weil er UHD möchte. Die Aufgabenstellung heißt für uns deshalb: Wie können wir mit allen Partnern eine kostengünstige UHD-Produktion realisieren? Wir möchten den UHD-Output gerne erhöhen, brauchen dazu aber eine verlässliche Kostenbasis. Außerdem: Nicht jedes Spiel ist es wert, in UHD produziert zu werden. Es muss Abstufungen geben.“ Neue Storage-Anforderungen, bei der Performance, Skalierbarkeit und Intelligenz eine wichtige Rolle spielen würden, sieht Reitano nicht nur durch 4k/UHD, sondern auch durch die Multiscreen-Distribution auf Sky zukommen. Sky Deutschland besitze zu 80 Prozent die Bundesligaübertragungsrechte und müsse sich fragen, wie man diese monetarisieren könne, wenn alle vier Jahre die entsprechende Ressource teurer würde. Reitano: „Da ist es schön zu hören, dass man bei Sportcast darüber nachdenkt, die ganze Bundesliga in UHD zu produzieren. Für uns stellt sich aber die Frage, wann ist der Zeitpunkt für den Markteintritt. Was bringt der mir? Wenn ich mir die deutschen TV-Haushalte anschaue, dann gilt es für uns erst mal die HD-Penetration sicher zustellen. Dennoch schauen wir aber immer nach vorne und wollen gerne First Mover sein, auch mit Blick auf UHD.“

 

Türöffner für neue Technologien

Beim Red Bull Media House arbeitet man ebenfalls schon seit einigen Jahren mit 4k/UHD. Für Andreas Gall war das eher „ein schöner Türöffner“ für den Einsatz neuer Technologien insgesamt und den Umbau der Produktionskette für ein breites Multiscreen-Erlebnis. Gall ist seit 2007 Chief Technology Officer und Co-Geschäftsführer vom Red Bull Media House. Im März 2017 hat er dort die neu geschaffene Position des Chief Innovation Officer (CINO) übernommen. „Durch die digitale Entwicklung haben sich die Anforderungen in der Produktionskette komplett geändert. 4k/UHD hat daran aber nur einen geringen Anteil. Wichtigere Fragen drehen sich bei uns derzeit um Remote-Regie-Anwendungen oder um das Angebot synchronisierter Erlebnisse für den Nutzer. Meiner Meinung nach ist es weniger ein Problem, Inhalte in 4k anzubieten, als vielmehr, multidimensional unterwegs zu sein“, betonte Gall in der Roundtable-Diskussion. „Und, wer ist liver als live“? Da geht die Reise hin!“ Gefragt seien Übertragungen ohne Latenz. „Diesen Faktor diskutieren wir bei uns intensiv“, erklärte er. Natürlich würde auch der Speicherbedarf ständig zulegen und die Investitionszyklen dabei immer kürzer werden. „Heute befinden wir uns permanent in Reinvestitionsphasen. Der Veränderungsdruck ist so hoch, da möchte man sich nicht ständig um neue Hardware kümmern müssen“, meinte er. Wichtiger denn je sei vor diesem Hintergrund, im Bereich neuer Technologien die Konkurrenz bei Seite zu legen, stärker miteinander zu kooperieren, Dinge gemeinsam zu entwickeln und einen „Bauchladen der Funktionalitäten“ zu schaffen, von dem man mehr und mehr in die Cloud verlagern könne. 

 

4k treibt IP-Entwicklung

Auch bei dem zur Mediengruppe RTL Deutschland gehörenden Produktions- und Technik-Dienstleister CBC spielen der Blick in die Zukunft und regelmäßige Investitionen in neue Technologien und eine wichtige Rolle. CBC hat sich seit der Gründung 1994 zu einem der führenden TV-Produktions-, IT- und Broadcast-Unternehmen Deutschlands entwickelt. An den Standorten Köln, München und Berlin betreut CBC unter anderem die Sender RTL, VOX, RTL plus, SUPER RTL, RTL II, n-tv, RTL Crime, RTL Living, RTL Passion und GEO Television sowie diverse TV-Produktionsunternehmen. Darüber hinaus zeichnet CBC für Produktion und Broadcast der internationalen Berichterstattung der Fußball-Bundesliga im Auftrag von Sportcast verantwortlich. In Sachen 4k/UHD-Produktion zeigt man sich bislang noch eher zurückhaltend. Mido Fayad, Director Production & Broadcast Operations bei CBC: „Wir fangen jetzt mit Planungen und Investitionen in UHD an. Der Bandbreiten- und Speicherbedarf ist dabei ein zentrales Thema. Wir sehen UHD allerdings nur in Kombination mit HDR. Aber hier gibt es noch einige offene Fragen.“ Bei CBC müsse man alle vier Jahre neu in Storage investieren. „Grundsätzlich glaube ich, dass die Anforderungen an Speicher bei 4k nicht anders sind als bei HD“, meinte Fayad. „Bei UHD muss man die Bandbreiten und die Zahl der Streams definieren und daraus die benötigte Speicherkapazität ableiten. Natürlich ist das deutlich mehr als bei HD. Aber es gibt keine grundlegend neuen Infrastrukturen, die da greifen müssen.“ Allerdings sehe man 4k bei CBC als einen wichtigen Treiber hin zu IP-basierten Netzwerk- und Routing-Lösungen im Live-Betrieb. Das Bemühen um IP-Standards und viele IP-Operabilitätstests würden die hohe Relevanz von IP-Workflows bestätigen. „Wir selbst sind aber auf einem guten Weg und wenn wir 2018/2019 modernisieren müssen, dann werden wir wohl auch UHD-ready sein“, erklärte Fayad.

Ähnlich wie bei RTL ist auch beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk 4k/UHD keine echte Option als Produktionsstandard. HD mit HDR ist dort allein schon aus Kostenggründen deutlich interessanter. Das machte beim MEDIEN BULLETIN-Roundtable Thomas Urban, Geschäftsfeldleiter Planung und Realisierung im Geschäftsbereich Informations- und Systemtechnologie beim ZDF, deutlich. „Mehrwert für den Zuschauer sehen wir eher bei Farbraum und Farbtiefe mit HDR. In durchgehende 4k-Infrastruktur zu investieren ist für uns keine Option“, sagte er. Die Mehrkosten dafür könne man nur durch eine Gebührenerhöhung auffangen, die wohl kaum akzeptiert würde. Er räumte indes ein, dass die Kreativen im Haus sehr an 4k-Produktionen interessiert seien und der Sender selbst darin eine Möglichkeit sehe, Programmvermögen aufzubauen und weiter zu verwerten. Deshalb würden auch beim ZDF zunächst einmal einzelne Insellösungen entstehen, zum Beispiel bei der Sendung „Terra X“. Wie schon Fayad zuvor meinte auch Urban, dass bei der Realisierung von 4k-Produktionen IP-Workflows eine große Rolle spielen werden. „4k wird die IP-Durchdringung in unserer Produktionslandschaft sehr stark voran treiben. Dabei wird das Thema Interoperabilität für uns wieder eine Herausforderung sein und die Standardisierung ein großes Thema“, sagte er. Die Hersteller sollten deshalb nicht nur ihre Produkte, sondern die komplette Wertschöpfungskette im Auge haben.

 

Immer Kürzer werdende Investitionszyklen

Besonders betroffen vom 4k/UHD-Trend sind natürlich die Dienstleister. Sie sind als erste in der Produktionskette gezwungen, neue Technologie dafür bereit zu halten. „Mit dieser Herausforderung gehen wir positiv um. 4k/UHD bietet uns als Full-Service Dienstleister auch viele neue Möglichkeiten. Wir müssen die neue Bildtechnik über die komplette Wertschöpfungskette ziehen und im Gespräch mit Partnern und Kunden antizipieren, was sie haben möchten“, erklärte Plazamedia-Geschäftsführer Produktion, Jens Friedrichs. Eine Referenzarchitektur müsse den gesamten Workflow von der Content-Erstellung bis hin zur -Distribution komplett in 4k darstellen können. Hier sieht er noch einige Lücken, die man bei Plazamedia zum Teil durch Inhouse-Entwicklung schließen könne. Allerdings: 4k-Produktionsanfragen sind bei Plazamedia noch „sehr überschaubar“. Bei der 4k/UHD-Einführung profitiere man vom Umstiegsszenario von SD auf HD. „Die Öffentlich-rechtlichen haben HD anders definiert als die Privaten. Und das kann uns UHD auch wieder passieren“, meinte er. Man sollte das Große und Ganze im Blick haben. Ziel solle sein, Mehrwert zu schaffen, nicht mehr sondern bessere Pixel zu produzieren und dabei vor allem auch neue Monetarisierungsoptionen zu schaffen. Dazu brauche es auch Verbreitungsplattformen und Enabler. „Hätte es HD+ von Astra nicht gegeben, dann wäre es auch bei der HD-Einführung am Ende nicht so schnell gegangen“, sagte er. Die Wertschöpfungskette bei HD sei rückwärtsgerichtet, vom Konsumenten aus, beflügelt worden. Friedrichs meinte: Daraus müssen wir lernen, unsere Ziele genau definieren, Schritt für Schritt vorgehen und uns bei der 4k/UHD-Einführung besser abstimmen. Im Markt muss es Business Cases dafür haben und die Gerätehersteller müssen ihre Produkte darauf ausrichten. Solange aber die Standardisierung nicht da ist, haben wir Riesenprobleme.“

Bei Produktionsdienstleister NEP sieht man mit Blick auf 4k vor allem das hohe Investitionsrisiko. „Wir müssen ständig in neues Equipment investieren. Es ist eine herausfordernde Zeit“, formulierte Christer Pålsson, Managing Director von NEP Germany, vorsichtig. So wie Sky Deutschland wolle natürlich auch NEP Technologieführer sein und sei deshalb mit ähnlichen Problemen konfrontiert. „Es gibt im Moment noch keinen echten 4k-Standard. Und 4k ist auch nicht das Ende der Fahnenstange. Es wird HDR geben und auch 8k. Zudem reden alle über IP. In UK werden IP-Trucks gebaut aber auch hier gibt noch keine allgemeingültigen Standards“, erklärte er. Traditionell arbeite man bei NEP lieber mit bewährten Herstellern zusammen, weil sie auch die gewünschten Technologien sofort liefern könnten. Mit vielen neuen Firmen, die im Zuge der IP/IT-Entwicklung im Broadcast-Markt Fuß fassen wollten, habe NEP bislang keine guten Erfahrungen gemacht. „Sie haben oft brillante Ideen, aber wenn man mit ihnen ins Geschäft kommen will, dann passiert nichts.“, sagte Pålsson. Das Beste bei 4k-Produktion sei die große Pixelzahl. Damit könne man in der Produktionskette eine Menge anfangen. Flaschenhals sei jedoch mehr die Distribution Richtung Endkunde. Pålsson: „Ich würde gerne jede Produktion in 4k/UHD machen. Das ist perfekt für uns. Wir sind da auch sehr positiv unterwegs und investieren eine Menge Geld in die neuen Technologien. Aber die UEFA beispielsweise ist nicht bereit, Extrageld für 4k/UHD-Bilder auszugeben. Das soll der Rechtehalter oder Hostbroadcaster machen.“ Der größte 4k-Markt in Europa sei UK. Das Geld dafür komme in den letzten Jahren vor allem auch von Telekom-Unternehmen wie BT. „Es muss auch in Deutschland mehr Wettbewerb stattfinden wie in UK zwischen BT und Sky“, forderte Pålsson.

 

Mehr Mut für Experimente 

„Wichtig für Unternehmen ist es heute, Experimentierfreudigkeit zu wagen und Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, in einem abgesteckten Rahmen, wie in einem Lab, etwas auszuprobieren“, betonte Gall. „ Man muss auch über den Tellerrand schauen und sehen, was außerhalb des Broadcastbereichs funktioniert. Auch da gibt es Elemente und Bewegungen von denen man lernen oder einiges übernehmen kann.“ Mit Experimenten ist man indes in vielen anderen Häusern eher zurückhaltend. „Natürlich probieren wir auch gerne mal etwas Neues aus. Aber letztlich müssen wir unsere Versprechen gegenüber den Zuschauern einlösen. Alles was auf dem Bildschirm sichtbar ist, muss perfekt sein. Experimente können wir uns hier nicht leisten. Dazu funktioniert bei den neuen Technologien, auch im IP-Bereich, wirklich durchgehend noch nicht alles“, erklärte Friedrichs. Und Reitano räumte ein: „In der Produktion arbeiten wir oft immer noch nach traditionellen Mustern, auch wenn das am Ende mehr Geld kostet. Grund ist, dass wir uns bei Topspielen, bei einem 860 Millionen Produkt wie Fußballbundesliga, Ausfälle nicht leisten können. Dann haben wir ein Riesenproblem. Die Technik muss für uns vor allem verlässlich sein. Das ist ein Dilemma in dem wir stecken.“ Die Verlässlichkeit neuer System- und Lösungsanbieter auf dem Markt sei leider noch nicht gegeben. Deshalb setzte auch Sky vorrangig auf bewährte Hersteller. „Das ist für alle, die jetzt neu investieren müssen, das gleiche Thema“, meinte er.

Pålsson stieß in das gleiche Horn und meinte: „Unternehmen wie BT, Sky oder Red Bull Media House wollen mehr machen und kreativer sein. Auf der NAB werden zum Beispiel immer fantastische Dinge versprochen und viele Kreative sind da. Und die Sender wollen das gerne adaptieren. Tatsächlich sind die Produkte aber gar nicht verfügbar. Das ist das größte Manko. Und wenn dann in eineinhalb Jahren das Produkt tatsächlich auf den Markt kommt, gibt es inszwischen schon wieder eine neue bessere Lösungen, weil die technische Entwicklung heute so schnell ist. Die Entwicklungszyklen werden immer kürzer. In der IT-Industrie gibt es einen Produkt-Lebenszyklus von nur drei Jahren. Wir aber können Ü-Wagen erst in sieben bis neun Jahren abschreiben, weil die Investitionen so hoch sind.“ Beispiel dafür sei die nötige Anschaffung der extrem teuren EVS-Slomo-Replay-Server, die heute standardmäßig in Ü-Wagen eingesetzt würden. NEP hat unlängst von EVS acht der neuen XT4k-Server für seine zwei neuen 4k-Ü-Wägen (UHD-41, UHD-42) gekauft. „Und in einem Jahr kommt EVS vielleicht schon wieder mit etwas Neuem auf den Markt“, meinte Pålsson.

Einig war man sich beim MEDIEN BULLETIN Roundtable auch, dass zur Umsetzung neuer Workflows ein „neues Mindset“ der Mitarbeiter nötig ist. „Wir müssen den Redakteuren und Kreativen Tools zur Verfügung zu stellen, die sie nicht erschrecken, damit sie künftig besser und eigenverantwortlicher Content generieren können. Deswegen setze ich immer in Gesprächen mit den Herstellern nicht nur auf Performance und Skalierbarkeit, sondern auch auf Funktionalität, es muss auf Knopfdruck etwas passieren und es hat den Redakteur nicht zu interessieren, was dahinter steckt“, erklärte Reitano. Dazu brauche es intelligente, flexible Systeme, die man in enger Kooperation mit den Herstellern und Lösungsanbietern entwickeln müsse. Und Fayad meinte: „Die klassische Trennung zwischen IT und Broadcast-Technik gibt es nicht mehr. Wir sind früh den Weg gegangen, dass die Redakteure auch andere Arbeiten wie das Schneiden von Beiträgen mitübernehmen.“ Dadurch seien einige Aufgaben und Jobs weggefallen. Profitieren würde man heute in vielen Bereichen von Strukturen, die den Zugriff auf zentrale Systeme, wie dem Speicher im Produktionszentrum, erlauben würden. Das sei beispielsweise auch bei der Remote-Produktion der Formel 1 der Fall. „Die größte Herausforderung war hier für uns, die Redaktionen von den neuen Workflows zu überzeugen.“ Urban betätigte: „Remote Produktion ist ein großes Thema, das vor allem ein Umdenken in den Köpfen erfordert.“

Alle Roundtable-Teilnehmer sprachen sich auch für eine engere Kooperation mit Herstellern und Lösungsanbietern aus. Reitano sagte: „Sky ist technologisch in der Poolposition. Das ist für uns ein wichtiges Differenzierungsmerkmal. Durch smarte Produktionsworkflows müssen wir den Content Output weiter erhöhen und Kostenstruktur und Aufwand dabei möglichst flach halten. Den Druck, der dabei auf uns lastet, müssen wir an die Hersteller weiter geben. Wir sitzen alle in einem Boot.“ Gall meinte dazu: „Im Verhältnis Hersteller-Kunde bestehen Verpflichtungen auf beiden Seiten, die eingehalten werden müssen. Herausforderungen bei der Produktion müssen gemeinsam angegangen werden. Nur im engen Dialog miteinander können wir erfolgreich sein. Wir verleihen uns gegenseitig Flügel.“ Die Abhängigkeit in der Beziehung zum Hersteller habe auch positive Seiten. Gall: „Es ist immer ein Geben und Nehmen. Und das wird in Zukunft noch wichtiger werden.“

Die Relevanz einer engen Kooperation bestätigte auch Kamps. „Wir erhalten sehr viel Input von unseren Kunden. Davon profitieren wir sehr und nehmen das gerne an“, betont er. Durch die Vielfalt wechselnder Anforderungen sei der Storage-Bereich als ein fortlaufender Prozess zu sehen, der nur in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Kunden effektiv gestaltet werden könne. Eine Referenzarchitektur für hochauflösende Produktion und Archivierung müsse vor allem kostendeckend sein, wachsen können und eine gewisse Offenheit garantieren, damit man nicht bei Null anfangen müsse, wenn sich etwas im System ändere.

Die hohen Anforderungen der Broadcast-Industrie an Systemhersteller hat man bei Quantum längst registriert. Richard Zirkel, Senior Area Sales Director für Zentraleuropa bei Quantum, meinte: „Für uns ist das ganze StoreNext-Thema so strategisch, dass wir heute fast 70 Prozent der Entwicklungskapazitäten da hinein stecken. Der Verbesserungsgrad ist in den letzten Jahren massiv nach oben gegangen, auch weil der Umsatz von Quantum mit StoreNext im Media & Entertainment (M&E) Bereich drastisch gestiegen ist. In Amerika machen wir da mittlerweile fast 50 Prozent unseres Umsatzes. In Deutschland verzeichnen wir in den letzten drei Quartalen über 30 Prozent Wachstum insgesamt. Im M&E-Bereich hingegen, in dem die Sportproduktion eine zentrale Rolle spielt, sogar um 200 Prozent. Wir werden hier in den nächsten Jahren deshalb noch weiter investieren und unsere Manpower verstärken. In Amerika würden rund 80 Prozent der M&E-Umsatzzahlen im stark segmentierten Sportbereich generiert. Und Plitt meinte: „Wir nehmen auch hierzulande jede Herausforderung gerne an und sind auch bereit, „Proof of Concept“-Prozesse zu unterstützen, wo über die Definition bestimmter Workflows der Kunde die Möglichkeit bekommt, mit einem individuell geplanten Projekt, Workflows auf ihre Machbarkeit hin zu überprüfen.“ 

Eckhard Eckstein

MB 2/2017

Zurück