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Alternativen zur  Übersee-Konkurrenz

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Alternativen zur Übersee-Konkurrenz

Über 7.000 Besucher verzeichneten die 33. MEDIENTAGE MÜNCHEN im Oktober 2019. Rund 500 Referenten sorgten an drei Tagen für ein buntes Programm. „Next digital level – Let´s build the media we want" war das Motto. Gefordert wurden europäische Konkurrenzangebote zu denen der großen US-Digitalkonzerne. Auch die rasante Entwicklung des chinesischen Medienmarktes war ein Thema.

Die Zukunft unserer Volkswirtschaft wird entschieden über Technologie. Militärisches Wettrüsten gab es mal, heute findet ein intensiver Wettbewerb um die schlausten Köpfe und die besten Konzepte statt”, erklärte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zur Eröffnung der MEDIENTAGE MÜNCHEN 2019. „Wer gewinnen will, muss sich mutig einbringen. Mir ist da Deutschland zu zaghaft.” Es fiele uns so wahnsinnig schwer, Strukturen und Strategien zu entwickeln, die gegen die internationale Konkurrenz bestehen könnten. Sich einfach auf Technologie aus dem Ausland zu verlassen, sei ein Fehler. Stattdessen sei es wichtig eigene Lösungen auf den Markt zu bringen. Keine leichte Aufgabe bei der erdrückend großen Marktmacht der großen US-Konzerne aus dem Silicon Valley. Es müsse eine „starke gemeinsame Plattform“ europäischer Medienanbieter geben, befand auch Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). Er befürwortete in seinem Grußwort die Schaffung einer „Medien- und Kulturplattform“. 

Aber auch die Risiken der aktuellen technischen Entwicklungen, vor allem im Bereich der künstlichen Intelligenz, wurde intensiv diskutiert. Man müsse die einseitige Meinungsmache durch Algorithmen verhindern. „Ich denke hier vor allem an die Regulierung von Plattformen, die bislang nur Inhalte bestimmten Kategorien zuordnen und nicht in Kontexte einordnen“, sagte Bayerns Medienminister Dr. Florian Herrmann. Ähnlich besorgt äußerte sich die US-Technosoziologin Zeynep Tufekci. „Vor allem junge Zielgruppen, die etwa  Googles Videoplattform YouTube zur Informationssuche nutzen, sind gefährdet”, sagte Tufekci. Der Autoplay-Algorithmus etwa würde immer extremere Versionen eines bestimmten Themas ausspielen. Es sei gefährlich, wenn solche Algorithmen die Wissensbasis für den öffentlichen Diskurs beeinflussen würden. Tufekci plädierte dafür, Alternativen zu schaffen, um die Privatsphäre zu schützen und einen Wissensaustausch auf gleicher Ebene zu ermöglichen.

 

Erfolgreicher Medienmarkt China

 

Für interessierte Medientage-Besucher ergab sich am ersten Tag eine spannende Möglichkeit, sich im „Eyes on China”-Special auf den neuesten Stand bei der rasanten Entwicklung des chinesischen Medienmarkts bringen zu lassen. 

Unterschiedliche Faktoren führen derzeit dazu, dass sich China als erfolgreicher Aufsteiger in der Medientechnologie-Branche befindet. Zum einen waren sich die Experten des China-Panels einig, dass das enorme Interesse der Regierung, Technologie, wie etwa 5G oder KI voranzutreiben, bei der Medienentwicklung hilft. Mit staatlich geförderten Programmen entstünden in Rekordzeit neue smarte Städte. Dass Chinesen ein eher geringes Bedürfnis nach Datenschutz haben, unterstütze die rasante Entwicklung des Marktes. Ein weiterer wichtiger Punkt sei das geschlossene Ökosystem in China. Westliche Technologien und Services, wie die von Google, werden weitestgehend ausgesperrt, was dazu führt, dass eigens entwickelte Technologien erfolgreich im chinesischen Markt etabliert werden können. Das funktioniere mittlerweile so gut, dass chinesische Plattformen, wie das Videoportal TikTok von ByteDance, immer häufiger auch in den westlichen Ländern erfolgreich seien. 

Und auch die kurzen Entwicklungszeiten sind laut Stephan Scheuer, Autor und Redakteur beim Handelsblatt, Grund für den Erfolg der Chinesen. Ein Beispiel sei der Smartphone Hersteller Xiaomi, der standortbedingt Vorteile habe. Die meisten technischen Komponenten zur Herstellung von Handys kämen ohnehin aus China. Prototypen zu entwickeln, bauen und testen sei dementsprechend viel schneller möglich als bei der amerikanischen Konkurrenz.

Niklas Eckstein

MB 4/2019

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