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Animago Conference 2010

Zum zweiten Mal fand Ende Oktober die Fachkonferenz für Visual Effects und Computer Generated Images Animago Award & Conference im fx.center auf dem Gelände des Studio Babelsberg statt. Zu der Veranstaltung kamen über 600 Fachbesucher. Das Fazit der Konferenz lautet: Deutsche Digital Artists sind längst Teil der Weltspitze. MEDIEN BULLETIN hat in einzelne Fachvorträge rein gehört.

„Die wichtigste Anforderung an einen Digital Artist ist, dass er ein gutes Auge hat und eine Aufgabe sehr gut umsetzen kann“, umreißt Bernhard Haux, Technical Director bei den Pixar Animation Studios, auf dem Recruitment-Panel wesentliche Voraussetzungen für Bewerbungen von Hochschulabgänger. Die Animations-Software, auf der sie ausgebildet wurden, ist da genauso zweitrangig wie die bevorzugte Garderobe. Allerdings müssen sie in der Lage sein mit der Kultur der Firma und gegebenenfalls des Landes zurecht zu kommen.

Dass deutsche Visual Effects-Firmen im internationalen Kinomarkt ganz weit vorne mitspielen, zeigen die Beispiele Pixomondo, Scanline VFX, Exozet Effects oder Pictorion Das Werk, die Wim Wenders 3D-Film „Tanzt um euer Leben“ technisch betreuen. Pixomondo sind an „The Fast and the Furious 6“ ebenso beteiligt wie an Martin Scorseses 3D-Verfilmung des Kinderbuchs von Brian Seltznick “Die Erfindung von Hugo Cabret”, die Mousavi Mohnson von Pixomondo Images als „Avatar 2011“ bezeichnete. Scanline VFX arbeitet an „Moby Dick“ der Tele München Gruppe sowie an Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“.

In beiden Fällen ist dies der Scanline-Entwicklung Flowline zu verdanken, mit der Wasser realistisch animiert werden kann. Den letzteren Auftrag erhielten sie, nachdem eine US-Firma das Wasser nicht wunschgemäß herstellen konnte. Für das Composting der Wasser- mit den Realszenen wurden sämtliche Realszenen rotoskopiert, das heißt die Darsteller und der Teil des Bildes, der für den Film erhalten bleibt, wurden mit der Hand frei gestellt. „Das ist heute in der Regel einfacher, als mit einem schlecht angebrachten Green Screen zu drehen“, berichtet Scanline VFX-GF Thomas Zauner. „Die Arbeiten werden nach Indien outgesourct und es gibt Dienstleister, die das für die Produktionen übernehmen.“

Tyler Kehl von Exozet Effects ging ebenfalls auf die indischen Visual Effects-Dienstleister ein. Mit ihrer Hilfe kann man Zeit sparen und Herstellungskosten niedrig halten, denn die Lohnkosten sind dort 40 bis 80 Prozent geringer, als hier oder den USA und man kann die Arbeiten durch den Zeitunterschied im wahrsten Wortsinn über Nacht machen lassen. „Die Inder arbeiten sehr gut und zeitnah“, ist die Erfahrung von Exozet-GF Olaf Skrzipczyk. „Doch wenn die Aufgaben zu kompliziert sind, muss das Ergebnis oft nachgearbeitet werden.“

Doch nicht nur Indien entwickelt sich zu einem Konkurrenten bei Dienstleistungen im Visual Effects-Bereich auch Firmen in Afrika, Süd-Amerika und natürlich in Osteuropa können mit guter Qualität und teils aufgrund von Subventionen auch mit niedrigen Preisen aufwarten. Eine Entwicklung, die der gebürtige Kanadier Tyler Kehl mit der Aufforderung kommentiert, sich dringend um Fördermodelle für die Postproduktion zu kümmern. Exozet Effects arbeitet zurzeit an 180 Shots für den visuell aufwändigen Action-Film „Death Race 2“.

Animago deckt die gesamte Bandbreite der Visualisierung mit Hilfe digitaler Techniken ab. Dazu gehören im Wesentlichen der Werbe-, Anwender- und Architekturbereich. Hier kommt die Münchener Firma RTT ins Spiel, die fotorealistisches Rendering in Echtzeit anbietet, das natürlich auch für Film genutzt werden kann. Die Stärke der Software wird beim Design von Prototypen deutlich, wenn es darum geht die Funktionalität eines Objekts zu überprüfen und Verbesserungen in Echtzeit anzubringen oder wenn der Autohändler dem Kunden am Rechner das Auto nach dessen Wünschen ausstattet. Über die Anwendung von Visualisierungen im Architekturbereich berichtete Marcus Fehse von bünck+fehse. Am Beispiel der Planungen für das Münchener Güterbahnhofgelände demonstrierte er das Architekturvisualisierung nicht nur eine 'Verkaufshilfe' ist, sondern bei Projekten mit langer Entstehungszeit immer wieder aktualisiert werden muss. Einerseits weil sich die Visualisierungsformen verbessert oder Planungen geändert haben, andererseits weil bereits fertig gestellte Gebäude(teile) mit einbezogen werden müssen. Thomas Steiger
(MB 12/10_01/2011)

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