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BR-Intendant Ulrich Wilhelm für mehr europäische Werte im Netz

Ulrich Wilhelm erklärt zum Auftakt der Medientage München, der öffentlich-rechtliche Rundfunk bräuchte einen breiten Auftrag, um seine gesellschaftliche Rolle zu erfüllen. Wichtig sei auch, die europäischen Werte im Netz zu bewahren und den digitalen öffentlichen Raum nicht allein den wenigen privaten Firmen aus den USA zu überlassen.

Mit einem Appell, den digitalen öffentlichen Raum in Europa zurückzuerobern und die Vielfalt der freien Meinungsbildung im Netz besser zu schützen, hat sich der ARD-Vorsitzende und BR-Intendant Ulrich Wilhelm zum Auftakt der 32. Medientage München geäußert. Das diesjährige Branchentreffen steht unter dem Motto „Engage! Shaping Media Tech Society“ und nimmt die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz und Technisierung der Medien auf die Gesellschaft in den Blick.

In einem Interview mit ARD-alpha sagte Wilhelm heute, Europa dürfe den digitalen öffentlichen Raum nicht allein einigen wenigen privaten Firmen aus den USA überlassen. In der Netzwelt sei der öffentliche Raum durch Filterblasen und Echokammern zerbrochen. „Die Vielfalt in der Gesellschaft droht eingeengt zu werden." Algorithmen, die die Sichtbarkeit und Bewertung von Inhalten in der digitalen Welt lenken, dürften nicht so einseitig auf Bestätigung von Meinungen programmiert werden. Solange die Geschäftsmodelle der US-Giganten so bestünden, dürften wir nicht tatenlos zusehen, wie diese Algorithmen bestimmen, welche Informationen wir am Ende bekommen und welche nicht. "Darunter leidet am Ende der Zusammenhalt der Gesellschaft." Europa müsse seine digitale Souveränität schützen, so Wilhelm. Abhilfe schaffen könnte eine eigene digitale Infrastruktur, um "den US-Anbietern eine Alternative entgegenzusetzen" – eine Art Plattform für Qualitätsinhalte, die Sendern, Verlagen sowie Wissenschafts- und Kultureinrichtungen offen stünde.

In einer Zeit, wo sich die Meinungsbildung immer mehr ins Netz verlagert und der öffentliche Raum zunehmend zerbreche, seien Qualitätsmedien umso wichtiger. Sie könnten dieser Entwicklung einen vielfältigen und seriösen Journalismus entgegensetzen und für Gesamtöffentlichkeit sorgen. Mehr denn je brauche es heute auch einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk, "der in der Mitte der Gesellschaft verankert ist", sagte Wilhelm. Daher "halten wir an seinem gesetzlich festgeschriebenen, ungeteilten Auftrag fest", der neben Information, Kultur und Bildung auch Sport, Fiktionales und Unterhaltung umfasse.

Die 32. Medientage finden von 24. bis 26. Oktober erstmals im neuen Conference Center Nord der Münchner Messe statt. (10/18)

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