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Brasilien feiert und demonstriert

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Brasilien feiert und demonstriert

Die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro sind am 5. August offiziell eröffnet worden. Die Brasilianer sind indes nicht nur in Feierlaune. Politische Proteste halten an. Bei der Eröffnungsfeier im Maracanã Stadion wurde Interimspräsident Michael Temer bei seiner Rede ausgebuht.

Die politischen Proteste in Brasilien halten auch während der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro weiter an. Dabei gilt für die Zeit der Spiele ein Verbot für politische und religiöse Kundgebungen. Die allgegenwärtige Polizei versucht, das radikal durchzusetzen. Im Internet kursieren Videos von Einsätzen in den Sportstätten. Zu sehen ist, wie einzelne Zuschauer abgeführt werden, weil sie politische Slogans gerufen oder entsprechende Plakate hochgehalten haben. Im Fernsehen sieht man diese Aktionen nicht, weil der Olympische Host Broadcaster (OBS) bei seiner Weltbilderstellung nur den Sport im Fokus hat und Proteste auf den Rängen das Bild der heilen Welt der „Olympischen Familie“ stören.

Bei den Demonstranten gibt es grundsätzlich zwei Lager. Das eine ist gegen Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei, die im Mai 2016 für 180 Tage von ihrem Amt wegen Korruptionsvorwürfen suspendiert wurde und gegen die nach wie vor das Amtsenthebungsverfahren läuft. Und das andere ist für sie und gegen den gegenwärtigen Interimspräsidenten Michael Temer von der Partei der demokratischen Bewegung (PMDB). Laut einer Umfrage sind nur 14 Prozent der Brasilianer mit seiner Amtsführung zufrieden. Oft gesehener Slogan der Demonstranten ist deshalb „Fora Temer“ („Weg mit Temer“).

Das brasilianische TV-Netzwerk Rede Gobo mit seinem Sportsender SporTV ist permanent bemüht, den Hintergrund seiner olympischen Berichterstattung frei von Demonstranten zu halten, die Pappschilder mit ihren Botschaften in die Kameras halten. Dazu hat man mitten im Olympischen Park von Barra ein Gläsernes Studio gebaut, das wie eine Festungsanlage, gut bewacht, über dem Gelände thront. Allerdings hat der Sender auch weitere feste Stand-up-Positionen und kleine Studios (zum Beispiel das Beach-Studio an der Copa Cabana) an anderen Plätzen installiert, wo man den politischen Meinungsbekundungen der Menschen nicht so leicht aus dem Weg gehen kann.

Die Brasilianer können allerdings nicht nur gut demonstrieren, sondern auch gut feiern. Ihre eigenen Landsleute werden in den Stadien und Sportstätten entsprechend lautstark angefeuert. Schiedsrichterentscheidungen gegen Brasilien mit lauten Buh-Rufen quittiert. Selbst beim Fechten, wo man eine solche Geräuschkulisse nicht gewohnt ist, konnte man das erleben. Die Fechter hatten immer wieder Probleme, Obmann-Anweisungen zu verstehen, wenn gleichzeitig ein Brasilianer auf einer anderen Plache in der Halle stand. Nach dem Ausscheiden des letzten Brasilianers war wieder Ruhe in der Halle.

Auch politische Prominenz aus vielen Ländern weilt derzeit in Brasilien und sorgt bei den brasilianischen Sicherheitskräften für Zusatzarbeit. US-Außenminister John Kerry beispielsweise besuchte beim Beach Volleyball-Turnier an der Copa Cabana das Männer-Match Brasilen gegen Canada.

Sehr restriktiv sind zu den Olympischen Spielen wieder OBS und IOK (Internationales Olympisches Komitee) mit Blick auf  das Branding von eingesetztem Produktionsequipment. Es gibt genaue Vorschriften welche Logo-Größe erlaubt ist und welche nicht. Beim Beachvolleyball fiel auf, dass die Logos auf den dort eingesetzten Kommentatoreneinheiten der Firma AEQ sogar ganz abgeklebt waren. AEQ ist bereits seit 1988 Olympia-Partner. Seit 1998 ist das Digital Commentary System DCS-10 im Einsatz. (8/16)

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