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Das nächste große Ding

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Das nächste große Ding

Auf der diesjährigen mipcom 2014 in Cannes fehlten die großen Themen? Ganz und gar nicht. 4k und Ultra HD spielten dort eine wichtige Rolle. Selbst auf der Vormesse mipjunior wurde darüber intensiv diskutiert.

Die Location für die kleinere auf Kinderprogramme spezialisierte Vormesse mipjunior fand dieses Mal an einem neuen Ort statt, dem Palm Beach, einem Casino-Gebäude am Ende der Bucht von Cannes. Mit der großen Networkingterrasse direkt am Meer hatte die mipjunior dieses Mal wirklich etwas von einer Klausur, was aber durchaus als angenehm empfunden wurde. Es konnte aber nicht das große Manko der Branche überdecken, das Fehlen von neuen Ideen. Immer ähnliche, mehr oder weniger originelle, Charaktere, und in Abwandlung immer wieder die gleichen Geschichten. Was fehlt ist eindeutig ein neuer Impuls, etwa wie der vor einigen Jahren als 3D die Animations-Industrie aufrüttelte, mit neuen Bildern und damit auch mit neuen Geschichten. Dabei zeichnet sich die nächste große Revolution bereits überdeutlich ab, nicht nur für die Animatoren, für die Bewegtbild-Industrie insgesamt. So war eine der Highlights der Präsentationssessions auf der mipjunior die Session auf der das Peanuts Filmprojekt vorgestellt wurde, das im kommenden Jahr in die Kinos kommen soll und selbstverständlich in 3D und in 4k gedreht wird. Der Aufwand ist enorm für einen Animationsfilm. Das Budget der US-Produktion liegt bei 100 Millionen US-Dollar und für das Marketing ist noch einmal der gleiche Betrag angesetzt. Alleine diese Beträge zeigen, dass 4k zumindest im Moment noch nichts für die breite Masse ist. Für den Einsatz bei Standardproduktionen ist 4k einfach noch zu teuer.

Auf der mipjunior wurde auch deutlich: 4k bedeutet keine Revolution in der Visualisierung, wie das bei 3D der Fall war. Das Bilderlebnis bleibe grundsätzlich das gleiche. Die Bilder würden einfach nur um ein Vielfaches „satter und kontrastreicher“, hieß es. Trotzdem war 4k in Cannes ein Top-Thema, nicht nur bei der mipjunior, sondern auch bei der großen Schwester mipcom. Und die Erwartungen sind hoch gesteckt. „Das hat schon sehr viel von einem Hype“, sagte ein englischer Produzent, der vor allem befürchtet, dass für ihn das Produzieren einfach viel teurer werden wird. Dass es in der Tat um den Verkauf der neuen Technologie geht, ist eigentlich klar. So verwunderte es auch nicht, dass Sony in einer breiten Infosession im Rahmenprogramm der mipcom, die Stimmung weiter anheizen wollte. Von deutscher Seite war Garry Davy, der Programmchef von Sky Deutschland, auf dem Podium vertreten. Natürlich schaut man bei einem Pay-TV-Sender, der sich auch über Innovationen am Markt positioniert, die 4k-Entwicklungen mit besonderem Interesse an. Allerdings ist vielerorts noch nicht mal der Übergang Richtung High Definition Television (HDTV) abgeschlossen. Die Frage, der Davis geschickt auswich, ist letztlich auch, wie schnell können Abonnenten davon überzeugt werden, schon wieder in eine völlig neue Home-Entertainment-Ausstattung zu investieren?

Sony präsentierte live von der mipcom auch ein Webinar zum Thema „4k-Produktion für ein fesselndes Zuschauererlebnis“. Produktionsprofis wie Berti Kropak (Kropak Media), Giuliano Berretta (DBW Communivcations), Victor Lemos (Trator Films) und Bernhard Hafenscher (Red Bull) diskutierten darüber, welche Vorteile 4k der Produktion bietet, angefangen bei Dokumentationen, Nachrichten und Musikvideos bis hin zu Web-TV und Live-Veranstaltungen. Und SPI International verkündete zur mipcom, dass man nun in der Lage sei, 4k-Content über IP-Netzwerke zu streamen und SmartTV-Plattformen mit 4k-Filmen zu bedienen. Mit der SPI-Technologie lassen sich 4k-Filme beispielsweise über den FilmBox Live VoD Service via Breitband-Internet und mobile Netzwerke nutzen. SPI International ist dabei, mit „4k FunBox“ einen eigenen Ultra-HD-Kanal aufzubauen. Marcel Fenez, Global Leader Entertainment and Media bei Price Waterhouse Cooper (PWC) meinte in Cannes indes „4k ist kein Game Changer“. Es handele sich vielmehr um eine wichtige Technologie, die einem ganz normalen Evolutionsprozess folge. Aktuell müssten noch viele Weichen mit Blick auf Investitionen, Produktionsabläufe, Schnittstellen und Standards gestellt werden. Von daher sei nur sehr schwer abzuschätzen, wie schnell sich das Thema 4k am Massenmarkt durchsetzen würde. „Heute ist es wichtig, dass Sie ein Tablet besitzen, es muss aber nicht das allerneueste Modell sein. Bei einem Flatscreen ist das ähnlich: Es muss nicht unbedingt das schärfste Modell sein“, meinte Fenez.

Dieter Brockmeyer

MB 7/2014

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