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Erfolgsgeschichte Medienstandort Berlin

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Erfolgsgeschichte Medienstandort Berlin

Das Medienboard Berlin-Brandenburg, das die Förderung der Hauptstadtregion als Medienstandort mit diesbezüglichem Wachstum an Arbeitsplätzen verantwortet, stellte am 20. August seine Jahresbilanz 2013 vor, samt einem kurzen Rückblick auf seine zehnjährige Erfolgsgeschichte. Dabei wurden auch einige Positionen des Landes Berlins im Zusammenhang mit laufenden Verhandlungen rund um den Rundfunkstaatsvertrag bekannt gegeben und erklärt, warum der Berliner Medien- kongress von der IFA abgekoppelt worden ist.

Auf zwei Ergebnisse in den letzten zehn Jahren sind Kirsten Niehuus, Medienboard-Geschäftsführerin für den Bereich Filmförderung und Medienboard-Geschäftsführer Elmar Giglinger, der das Standortmarketing verantwortet, besonders stolz. Ganz klar habe sich die Region mittlerweile als Filmstandort Nr.1 in Deutschland positioniert, wobei, wie Niehuus betonte, „das Wichtigste die Nachhaltigkeit in der Zunahme der Filmschaffenden in der Region“ sei, die „deutlich von südlichen zu östlichen Regionen gewandert“ seien, also von München Richtung Berlin.

Die NRW-Medienstandort-Förderung verfüge zwar über „mehr Geld aber weniger Nachhaltigkeit im Filmbereich“, besitze dafür allerdings, wie Niehuus hinzufügte, einen „ausgeprägten TV-Standort“. Giglinger ergänzte, Berlin sei heute „unumstritten das digitale Zentrum der Bundesrepublik und Gründer Hochburg“. Diese Entwicklung habe er sich zwar schon vor drei Jahren erhofft, damals sei es aber noch nicht sicher gewesen. An keinem anderen Standort in der Republik sei so viel Venture Capital wie in Berlin vorhanden, das „für gut bezahlte Jobs“ in der Region sorge. Wie gut sich der Medienstandort insgesamt entwickelt habe, zeigten die Fakten, wonach 20 Prozent der neu geschaffenen Arbeitsstellen im Land Brandenburg dem Cluster Medien entstammten und in Berlin seien es sogar 36 Prozent. Fünf Kernbereiche nannte Giglinger für sein Standortmarketing: Film, TV, Games, Web und Mobil. Die nackten statistischen Daten des Medienboard besagen: 2013 setzten mehr als 3.300 Film- und Fernsehunternehmen in Berlin-Brandenburg 2,3 Milliarden Euro um. Im gesamten Cluster „IKT, Medien, Kreativwirtschaft“ sind laut Erhebungen des Instituts Wirtschaft Köln Consult in Berlin-Brandenburg 40.000 Unternehmen mit über 320.000 Erwerbstätigen und über 32 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr beschäftigt.

Filmstandort Nr.1

Im letzten Jahr hat das Medienboard im Bereich Filmförderung 248 verschiedenste Projekte mit insgesamt 24,6 Millionen Euro unterstützt, einschließlich unter vielem anderen zum Beispiel Drehbuch- und Nachwuchsförderung und Digitalisierung von 32 kleineren Arthouse-Kinos. Es sei ein „Rekord-Regionaleffekt“ erzielt worden, da jeder Förder-Euro fünffach in der Region ausgegeben worden sei, betonte Niehuus. Das meiste Geld von den 24,6 Millionen Euro ist dabei in die 60 geförderten Spielfilme geflossen, darunter „Ein Hologramm für den König“ von Tom Tykwer mit Tom Hanks, „The Monuments Men“ von und mit George Clooney, „The Grand Budapest Hotel“ von Wes Anderson, „Fack ju Göhte“ von Bora Dagtekin, „Phoenix“ von Christian Petzold, „The Cut“ von Fatih Akin und „Bibi & Tina“ von Detlev Buck. Neben deutschen Spielfilmen habe man insbesondere 30 große Koproduktionen gefördert. Die diesbezügliche Förderung sei nicht nur Studio Babelsberg zu Gute gekommen, sondern sei generell in Filme mit „Weltkino“-Charakter gesteckt worden. Es handele sich um Filme, die „international künstlerisch ambitioniert“ seien und auch in diesem Jahr in Cannes Preise gewonnen haben, beispielsweise die Produktion „Winter Sleep“, die sogar die Goldene Palme errang. Überhaupt kamen die von Medienboard mitgeförderten Filme auch bei internationalen Jurys in den letzten zehn Jahren gut an: sechs Oscars, sieben Golden Globes, sechs Palmen und Auszeichnungen in Cannes sowie 134 Deutsche Filmpreise. Vor diesem Hintergrund betonte Niehuus, wie wichtig die Förderung des Bundes über den DFFF sei, wobei sie sich dafür einsetze, dass sein Jahresvolumen mindestens 60 Millionen Euro betragen solle, „gerne mehr“. Ihrer Meinung nach müssen die Vergaberegeln des DFFF modernisiert werden. Der Fonds hat mittlerweile in anderen Ländern Nachahmer gefunden, die ihn aber offensichtlich effektiver und unbürokratischer einsetzen, um große internationale Kinofilmproduktionen in das jeweilige Land zu holen. Ein Grund, warum vorhandene Gelder vom DFFF in jüngerer Vergangenheit nicht vollständig abgerufen worden sind, ist offenbar, dass internationale Filmproduzenten das gewünschte Geld in anderen Ländern schneller erhalten haben. Da sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters derzeit gegenüber dem DFFF eher defensiv verhält, regt Niehuus an, man müsse ihr gegenüber den kulturellen Wert des Films besser profilieren. Neben Kinofilmproduktionen hat Niehuus 2013 auch drei TV-Filme von UFA Fiction gefördert: „Götz von Berlichingen“ (RTL), „Nackt unter Wölfen“ (ARD), „Schlikkerfrauen“ (Sat.1) sowie „Die Staatsaffäre“ (Sat.1) produziert von Producers at Work.

Digitales Zentrum

Im Bereich Standortmarketing hat Giglinger 2013 rund 4,8 Millionen Euro verteilt und damit insgesamt 91 verschiedenste Projekte gefördert, wobei es insbesondere um nationale und internationale Präsentationen auf Messen und Märkten geht wie auch um etliche Networking-Events in der Region. Rund eine Million Euro der Standortmarketing-Förderung sind indessen in 26 Projekte geflossen, bei denen es um die Entwicklung „innovativer audiovisueller Inhalte“ ging. Erstmalig wurden im letzten Jahr 320.000 Euro für die Pilotförderung von seriellen TV-Produktionen eingesetzt. Berlin sei „im Wachstumsbereich der Games“, nämlich „mobile Games“ führend, sagte Giglinger. Das Event Deutsche Gamestage werde in diesem Jahr in die International Games Week Berlin überführt. Er kündigte an, dass die „Video Days“ von Googles Tochter YouTube im nächsten Jahr von Köln nach Berlin ziehen werden. ProSiebenSat.1 habe bereits sein digitales Geschäft – also den Wachstumsbereich – „mehr oder weniger nach Berlin verlagert“. Tatsächlich ist auch von ProSiebenSat.1 selber zu erfahren, dass mittlerweile im Unternehmen mehr Mitarbeiter in Berlin beschäftigt sind als in der Zeit, als Sat.1 noch in Berlin zu Hause war. Auch die große TV-Produktionsfirma Endemol ist laut Giglinger im digitalen Bereich in Berlin aktiv. Ohnehin sei es Trend in der Medienbranche, die Wachstumsbereiche des digitalen Geschäfts in Berlin anzusiedeln. Die Hauptstadtregion überzeuge immer noch wegen ihrer „hervorragenden Infrastruktur, einem einzigartigen Umfeld und einem idealen Preis-Leistungsverhältnis“.

Warum hat Giglinger den bisherigen jährlichen Medienkongress „Medienwoche @IFA“ eingestampft und stattdessen die neue „Media Convention“ im Umfeld der re:publica aus der Taufe gehoben? In der Zeit, so erläutert Giglinger, als noch jede Menge Medienentscheider und die Sender auf der IFA zugegen waren, sei es sinnvoll gewesen, den Medienkongress mit der IFA zu verbinden. Dies sei aber nicht mehr der Fall. Weder Google noch Facebook seien auf der IFA zu finden, so dass er „keine Schnittstelle“ mehr zu den Medien sehe, auch wenn, wie er scherzhaft hinzufügte, die Kühlschränke, die als Teil der „Weißen Ware“ auf der IFA präsentiert werden, einen Internet-Anschluss hätten. Die Media Convention, die bereits Anfang Mai stattfand, sei mit 7.000 Fachbesuchern ein Erfolg gewesen, wozu auch die neue Location, die „Station-Berlin“ mit ihrer „einmaligen Atmosphäre“ beigetragen hätte.

Mehr Geld für freie Produzenten

Nicht nur in diesem Punkt wurde Giglinger von Björn Böhning, Chef der Senatskanzlei Berlin und Aufsichtsratsvorsitzender Medienboard Berlin-Brandenburg, unterstützt. Böhning meint, dass „es erfolgversprechend ist, Rundfunkthemen immer auch mit dem Blick auf Digitales zu diskutieren“. Ein Ziel, das die Media Convention verfolge. Es sei heute „notwendig, die klassischen und die digitalen Plattformen der Medien miteinander zu verbinden“ und beide Gruppen in einen „fruchtbaren Dialog“ zu bringen. Böhning lobte explizit die zehnjährige „Erfolgsgeschichte“ des Medienboards als „eines der wenigen Beispiele erfolgreicher Zusammenarbeit von Berlin und Brandenburg. Und Böhning hat auch eine neue Idee für die nationale Filmförderung. „Filmförderung in Deutschland muss ein Konzert sein“, sagte er.

Seitens des Landes Berlin setze man sich bei den laufenden Verhandlungen um den Rundfunkstaatsvertrag auch dafür ein, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk mehr Geld in die Auftragsvergabe an freie TV- und Filmproduzenten stecke, zumal ARD und ZDF ihre Akzeptanz nur durch gutes Programm erhöhen könnten. In diesem Zusammenhang fordere Berlin mehr Transparenz bei der Vergabe von Produktionsetats. Böhning erläuterte den Hintergrund: Die Ministerpräsidenten der Länder haben mittlerweile den monatlichen Rundfunkeitrag pro Haushalt im Gegensatz zum Vorschlag der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) in ihrer aktuellen Vorlage für die Länderparlamente, die bei Ratifizierung zum 1. April 2015 gültig wird, weniger drastisch gesenkt. Das heißt: Sie haben einen Puffer von 25 Cent in der monatlichen Rundfunkgebühr stehen gelassen, was dann über den Daumen gepeilt rund 100 Millionen Euro jährlich wäre, die aber ARD/ZDF und dem Deutschlandradio nicht direkt für Ausgaben zugeführt werden. Das ist zum einen eine Vorsichtsmaßnahme, weil man noch abwarten will, wieviel Mehr an Geld durch den neuen Rundfunkbeitrag tatsächlich eingenommen wird. Zum anderen weckt die Summe Begehrlichkeiten. Und nicht nur Berlin, sondern auch andere plädieren dafür, dass dieses Geld zusätzlich ins Fernsehprogramm in Form von Aufträgen an die TV- und Filmproduzenten gepumpt werden solle. Vorab aber, so Böhning, setze sich Berlin dafür ein, dass die Einhaltung der einst im 12. Rundfunkstaatsvertrag vereinbarten Terms of Trade zwischen Produzenten und Sendern geprüft werden sollen, wofür wiederum die „Transparenz Voraussetzung“ sei, „wie sich die Produktionsbudgets aufteilen“. Und was den DFFF betrifft, plädiert Böhning wie Niehuus dafür, dass die Vergaberegeln mehr auf die Ausweitung auf Koproduktionen kapriziert werden sollte, mit Blick auf die Konkurrenz, die sich in anderen Ländern entwickelt habe.

Erika Butzek

MB 6/2014

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