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Experimentierphase

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Experimentierphase

Sport ist die treibende Kraft beim Bewegtbild. In kaum einem anderen Bereich der Unterhaltungsindustrie werden so schnell neue Techniken und Vertriebswege ausprobiert und implementiert. Was dies für die Broadcast-Branche bedeutet wurde beim SMPTE-Forum 2015 in Berlin diskutiert.

Die Jagd nach der besten Einstellung, der emotionalsten Szene, dem spektakulärsten Bild bestimmt die Sport-Live-Berichterstattung auf allen Plattformen. Dass dies vor allem technische Herausforderungen birgt, war Thema bei „Sport to the Fan, By the Fan, For the Fan. How Internet, Mobile and Personalisation is Changing the Shape of Live Sports Broadcasting“ beim SMPTE-Forum 2015 in Berlin.

In der Übertragung von Fußballspielen ist der Bezahlsender sky ein alter Routinier. Stefan Heimbecher von Sky Deutschland sagte daher auch, dass es im Augenblick noch keine Engpässe, etwa bei den Leitungswegen gäbe. Immerhin werden pro Bundesligaspiel circa 15 Kameras eingesetzt. „Man weiß aber nie wie viele Daten in Zukunft transportiert werden müssen“, sagt Heimbecher im Hinblick auf weitere Plattformen und die Entwicklung von UHD. „Aber wenn es soweit ist, werden wir zuerst über Kompression sprechen.“

Das kann schneller kommen, als man denkt, denn die Einbindung diverser Social Media-Plattformen befindet sich erst in den Anfängen. Um heraus zu finden, was geht und was nicht, muss man zusätzliche Inhalte, sprich Live-Streams, die es nur für Web- und Mobile-Anwendungen gibt, produzieren. Die Konsequenz zusätzlicher Inhalte ist ein erhöhter Bedarf an Bandbreite der Leitungswege zur Produktion und von dort zum Konsumenten, wie Carlo De Marchis von deltatre betont. Und neue Geschäftsideen lassen sich nur über konkrete Angebote ausloten. „Wir müssen beobachten und ausprobieren, was Geld bringt“, sagt Christy King von Levels Beyond, die der Überzeugung ist, dass tolle Perspektiven und visuelle Eindrücke wichtiger sind, als eine Übertragung in HD oder UHD. „Social Media ist ein schwieriges Feld, das sich ständig verändert, weil die jungen Männer, die im Sport die Zielgruppe sind, ständig ihre Meinung ändern“, so King weiter. „Was heute cool ist, kann morgen schon wieder out sein.“ Hinzu kommt, dass die verschiedenen Social Media-Kanäle miteinander verknüpft werden müssen, da der Konsument sonst etwas verpasst oder zu verpassen glaubt. Und da dies möglichst organisch geschehen sollte, hat dies auch Auswirkungen auf das Erzählen, so Christy King. Damit diese Möglichkeiten zu einem sinnvollen, störungsfreien Angebot zusammen geführt werden können, werden entsprechende Bandbreiten und Codecs benötigt, die noch definiert werden müssen.

Neben der technischen Ermöglichung sind letztendlich erst Metadaten die Zutat, die eine allumfassende Belieferung der Fans mit Material über alle Plattformen hinweg zum Erfolg führen kann. Ein Aufwand, der am Ende des Tages jedoch nur für eine kleine Zielgruppe von Fans interessant ist.

„Es sind letztendlich nicht nur die verschiedenen Displaygrößen, für die Bilder geliefert werden, es sind auch die verschiedenen Erwartungen, die Zuschauer haben“, merkt Stefan Heimbecher an und meint damit jenen Fan, der froh ist, dass er das Spiel überhaupt sehen kann und sei es in schwarz-weiß mit Bildausfällen.

Aus Sicht von Sky gibt es außer der traditionellen Übertragung im Grunde ohnehin nur Baustellen. „Bei der Zusammenführung von alten und neuen Welten sind wir noch in der Experimentierphase“, sagt Stefan Heimbecher. „Die einen finden Twitter toll, die anderen kümmert es nicht. Und dann befinden wir uns immer noch in der Lernkurve bei UHD.“ Allerdings sind die Möglichkeiten, die UHD bietet, wesentlicher Teil der Personalisierung der Live-Berichterstattung. Heimbecher berichtet erneut, dass die Fußball-Zuschauer eine Teilung des UHD-Bildschirms gerne nutzen. So kann in einer horizontalen Hälfte die statische Totale des Spiels zu sehen sein während in der zweiten Hälfte die Übertragung des Spiels neben einem individuell ausgesuchten Stream steht. Natürlich können auch vier Streams übertragen werden, die alle individuell gewählt werden können.

Thomas Steiger

MB 4/2015

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