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Hörwelten und der Planet immersives Audio

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Hörwelten und der Planet immersives Audio

Wie sieht die Audiolandschaft der Zukunft aus? Eine Frage, die zwischen technischen Innovationen und neuen Hörgewohnheiten geklärt werden muss. Das Thema immersives Audio ist dabei nach wie vor ein Publikumsliebling, dem auf der 30. Tonmeistertagung in Köln rund ein gutes Drittel des Veranstaltungsvolumens gewidmet worden ist. Dabei sieht manch ein Referent das Potential von 3D-Audio noch gar nicht richtig genutzt.

Der VDT, Veranstalter der 30. Tonmeistertagung, zeigte sich nach dem Ende des Kongresses überaus zufrieden. Mehr Besucher als zuvor erschienen im Congress Centrum Nord auf dem Köln-Deutzer-Messegelände, um sich durch ein facettenreiches Programm inspirieren zu lassen. Live-Mixing-Workshops, ausgerichtet von den Firmen Neumann&Müller Veranstaltungstechnik, Sennheiser, Yamaha und d&b Audiotechnik waren stets gut besucht. 

 

Der IRT-Thementag, der traditionell den Start der Tonmeistertagung markiert, führte durch ‘Hörwelten: Audioangebote in Zeiten von Smart Speaker, Audio Streaming und Personal Audio und versuchte sich an einer Standortbestimmung der Branche. Charlotte Hager, Zeichen- und Motivforscherin beim Institut comrecon brand navigation ging in ihrem Vortrag der Frage auf den Grund, wie sich die Audiolandschaft bis in das Jahr 2025 verändern wird. „Wenn wir uns die Audiolandschaft als Weltkarte vorstellen, stellen wir fest, dass über die letzten Jahre neue Kontinente und Länder entstanden sind, die es davor einfach nicht gab. Smarte Endgeräte, Streaming-Angebote für jeden Geschmack und grenzenlose Connectivität werden sich in den nächsten Jahren etablieren und weiterentwickeln”, erklärte Hager und fügt an: „Wichtig dabei zu verstehen ist, dass Inhalte in Zukunft immer wichtiger sind als der Kanal. Vor allem vor dem Hintergrund der absoluten Verfügbarkeit.” 

 

Immersives Audio

 

Dass sich auch die Ansprüche von Konsumenten an Hörerlebnisse weiterentwickeln, möchte die Industrie durch neue immersive Audio-Technologien beweisen. So wird auf der Tonmeistertagung einmal mehr die These aufgestellt, dass Ton heutzutage viel mehr sein muss als nur Stereo. In Zeiten, in denen Bewegtbild ultra-hochauflösend und -dynamisch daherkommt, klingt Stereo- oder 5.1-Sound schon fast altbacken. 

 

Gleich mehrere Panels befassten sich daher mit dem Thema „immersives Audio“. In einem interessanten Vortrag von Florian Camerer vom ORF von ging es um grundsätzliche Unterschiede der Aufnahmeformate aus Sicht eines Toningenieurs: „Wenn wir von Stereo- zu 3D-Sound migrieren ist es wichtig, die grundsätzlichen technischen Herausforderungen der Produktion zu kennen”, findet Camerer. 

 

Einen speziellen Fokus legte er in seinem Vortrag dabei auf Ambisonic, ein Aufnahmeformat, das vor allem durch Produktionen im Bereich der virtuellen Realität im Kommen ist. Camerer verglich Ambisonic dabei mit Kanal- und Objekt-basierten Formaten und machte auf mögliche Fallstricke in der Produktion und Reproduktion aufmerksam. Sein Fazit: „Wir müssen bei Ambisonic vor allem die Datenaustauschformate standardisieren, sonst kann der Mix richtig daneben gehen. Ich spreche mich immer für AmbiX aus, der ACN Channel Ordering und SN3D zur Normalisierung nutzt.”

 

Während die technologischen Standards gerade ausgelotet werden, sucht die Branche vor allem nach Use-Cases für die Endverbraucher. 3D-Audio für das Heimkino soll etwa durch die neue Soundbar von Sennheiser erlebbar gemacht werden. Aber auch Anwendungsfälle im VR-Umfeld sind derzeit Treiber, dem immersiven Hörerlebnis zum Durchbruch zu verhelfen. 

 

Kinderkrankheiten bei der Kinomischung 

 

Es gibt aber auch Stimmen, die davor warnen, Verbraucher mit unausgereiften 3D-Audio-Produkten zu vergraulen. So zu hören in einem Vortrag von Patrick Schappert, D & P Schappert – GROBI.TV, mit dem Titel „DOLBY ATMOS, DTS:X, Auro3D – nur heiße Luft aus Sicht der Verbraucher?! Ein Erfahrungsbericht aus der Anwendersicht” über 3D-Audio Kinomischungen, die dem Ruf nicht gerecht werden. Schappert, Heimkinoexperte und Advokat der Endverbraucher, zeigte anhand mehrerer Beispiele namhafter Kinoproduktionen Probleme auf.

 

„Der Film American Sniper hat einen Oscar für die Tonmischung bekommen und wurde in den USA auch in Dolby Atmos und Auro3D abgemischt. Dieser Film hat insgesamt nur zweieinhalb Minuten Audio von oben. Und das, obwohl ab und zu ein Hubschrauber oder eine Rakete über die Köpfe fliegt – die wurden nur nicht tontechnisch abgebildet. Das verstehen die Verbraucher nicht”, findet Schappert. Seine Kritik – Gerade der Sound der Deckenlautsprecher, die erst einen ordentlichen 3D-Klang ermöglichen, sind im Mix oftmals massiv unterrepräsentiert. Darin sieht Schappert die Gefahr, dass Endverbraucher den Mehrwert von 3D-Audio zu Recht nicht erkennen und somit auch nicht akzeptieren. „Filme müssen ordentlich abgemischt werden”, findet er. Ein weiteres Ärgernis für Schappert ist die Veröffentlichungspolitik von Kinofilmen auf Blu-Ray. So sei es Gang und Gebe, 3D-Filme ohne 3D-Audio zu veröffentlichen. 2D-Filme seien dagegen sehr wohl mit 3D-Audio zu bekommen, wenn auch nicht immer in allen Sprachfassungen. Das sei für Verbraucher nicht nachvollziehbar und führe nur zu Verunsicherung bei der Kaufentscheidung.

 

Dass 3D-Sound aber schon jetzt genossen werden kann, zeigt Schappert anhand verschiedener Upmixer, die aus dem vorliegenden Mix einen 3D-ähnlichen Sound generieren können. „Das funktioniert erstaunlich gut. Obwohl aus der Not geboren, ist das wohl eher die Art und Weise, wie Verbraucher 3D-Sound genießen können”, schließt Schappert ab.                                                   

Niklas Eckstein

01.04.2019

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