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In weiten Teilen gelungen

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In weiten Teilen gelungen

Von Eventtechnik über Broadcast bis hin zu Recording und Musikinstrumenten – die Frankfurter Doppelmesse Prolight & Sound und Musikmesse spannt einen weiten Bogen. Dabei verfolgte die Messe Frankfurt dieses Jahr ein neues Konzept – mit Erfolg?

Die Messe Frankfurt zog eine durchweg positive Bilanz. Mit knapp 110.000 Besuchern konnte sich die Zwillingsmesse gegenüber dem Vorjahr leicht verbessern. 2015 waren rund 108.000 Musik- und Eventtechnik-Fans gekommen. Insgesamt 2043 Unternehmen aus 60 Ländern stellten auf beiden Messen aus. Die Berufsverbände Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik (VPLT) und Society OF Music Merchants e. V. (SOMM) zeigten sich mit den Veränderungen zufrieden. „Die Neuordnung ist der Messe Frankfurt sehr gut gelungen“, resümierte Helge Leinemann, stellvertretender Vorsitzender des VPLT. Daniel Knoll, Geschäftsführer des SOMM, erklärte: „Mehr Innovationen, Emotionen, Edutainment und Netzwerkgedanken in Frankfurt – das ist in weiten Teilen gelungen.“ Das neue Konzept beinhaltete zum einen versetzte Öffnungszeiten. Während die Prolight & Sound vom 5. bis 8. April öffnete, startete die Musikmesse am 7. April und endete am 10 April.

Die Messeleitung wollte damit auf die unterschiedlichen Besucherinteressen eingehen. Eventtechnikfirmen erwarten ein Fachpublikum, das an den Wochenenden arbeitet. Die Musikmesse wendet sich auch an Freizeitmusiker oder schlicht Musikbegeisterte, die nur am Wochenende Zeit finden. Die beiden Ausstellungen waren auch räumlich voneinander getrennt. Die Prolight & Sound belegte die Hallen 3 bis 5, die den dazwischenliegenden Innenhof einschließen. Die Musikmesse war in den Hallen 8 bis 11 untergebracht.

Trennung von Salzbrenner und Stage tec

Der Fokus von Halle 4.1 lag auf der Audiotechnik. Hier stellten sowohl Hersteller von Mikrofonen, Audiokonsolen wie Audiomonitoren aus. Salzbrenner und Stage Tec vollzogen die Trennung der beiden Unternehmen, die sich bereits seit über einem Jahr angedeutet hatte, mit separaten Messeauftritten. Auf der Prolight verkündete Salzbrenner, dass die Salzbrenner Stagetec Audio Video Mediensysteme (AVM) GmbH zum 1. April 2016 in Salzbrenner media GmbH umfirmiert worden sei. Auf den Tag genau 53 Jahre nach Gründung des Mutterunternehmens, wie Wolfgang Salzbrenner, einer der drei Geschäftsführer, auf der Pressekonferenz hervorhob. Der Bau von schlüsselfertigen Systemlösungen für Theater, Opern- und Konzerthäuser sowie Broadcast-Anwendungen würde weiterhin mit Partnerunternehmen sowie mit eigenen Produkten realisiert, betonte Wolfgang Salzbrenner.

Neben Wolfgang und Thomas Salzbrenner tritt Stephan Salzbrenner wieder als dritter Geschäftsführer in das Unternehmen ein, um den strategischen Produktvertrieb auszurichten. Marco Kraft, zuvor in der Vertriebsleitung von Dimetis und JVC Professional, leitet den Gesamtvertrieb von Salzbrenner media. Künftig möchte Salzbrenner mehr Marken in das Portfolio aufnehmen. „Damit ändern wir uns von einem reinen Systemhaus zum Systemanbieter“, sagte Kraft. Kraft baut den Vertrieb in Zentraleuropa auf, für den fünf Projektmitarbeiter zuständig sein werden. Für den weltweiten Produktvertrieb sollen vier Mitarbeiter hinzukommen. Der Schwerpunkt des Unternehmens liege weiterhin in Zentraleuropa und dem Nahen Osten, erläuterte Kraft. Der Neustart von Salzbrenner wurde als folgerichtige Trennung beider Marken begrüßt.

Mit dem Polaris evolution hatte Salzbrenner bereits 2014 ein eigenes modulares Digitalpult für den Theaterbereich vorgestellt. Dieses Produkt von der Marke Stage Tec zu trennen, schaffe mehr Klarheit für die Kunden, so der Tenor auf der Presseveranstaltung. Auf der diesjährigen Prolight & Sound kündigte Salzbrenner zudem die netzwerkbasierten I/O-Module NIO xcel an. Die I/O-Einheiten möchte Salzbrenner sowohl mit Gummischutz zum Aufstapeln anfertigen, wie im 19-Zoll-Einbauformat. Die Netzwerk-I/O-Module sollen in verschiedenen Ein- und Ausgangs-Konfigurationen ab Ende Juli verfügbar sein. Sie nutzen das Dante-Protokoll, mit dem sich sämtliche Dante-Produkte innerhalb eines Netzwerkes verbinden lassen.

Helmut Jahne, seit September letzten Jahres alleiniger Geschäftsführer von Stage Tec und Mitgründer des Unternehmens, sagte, dass Stage Tec zumindest mit den ausländischen Vertriebstöchtern von Salzbrenner weiterhin zusammenarbeiten würde. Daneben möchte Stage Tec den firmeneigenen Vertrieb im Inland stärken und weitere Vertriebspartner hinzugewinnen.

Auch auf technischer Seite meldete Stage Tec einige Neuheiten: Die Platinum DSP ist eine leistungsfähigere DSP-Einheit für die Mischpulte. Die Platinum DSP soll bis zu 700 Audiokanäle mit einer Abtastrate von 48 kHz verarbeiten können. Ausgelieferte Pulte wie Aurus, Crescendo, Aurus Platinum und Crescendo Platinum sollen sich, gleich welchen Baujahres, mit dem neuen Audio-Prozessor nachrüsten lassen. Der neue DSP beinhaltet zudem eine Signalverzögerung bis zu 1,3 Sekunden je Kanal bei 96 kHz Abtastrate, um unterschiedliche Signallaufzeiten im Pult auszugleichen. Ferner hat das Unternehmen den Nexus-Core weiterentwickelt, der für die Signalverteilung der Mischpulte zuständig ist. Die neue XFOC-Glasfaserkarte dient nicht nur als Glasfaser-I/O-Einheit, sondern bietet nun auch interne Routing-Möglichkeiten direkt über den Nexus-Core. Vier Glasfaser-Ports stellen jeweils 512 Ein- und Ausgänge bereit, zusammen also mehr als 2000 Kanäle bei je 48 kHz Abtastrate.

Lawo: Fokus auf Veranstaltungstechnik

Der Rastätter Audiokonsolen-Hersteller Lawo legte seinen Fokus passend zur Prolight auf die Veranstaltungstechnik. Mit dem Nova 37-Hybrid-Router zeigte Lawo eine Audiokreuzschiene mit 1.536 x 1.536 Koppelpunkten, die ein Ravenna-Audionetzwerk mit MADI-Schnittstellen verbindet. Zugleich stellte Lawo seine mc2-36-Konsole aus, die wesentliche Leistungsmerkmale der großen mc2-Konsolen in einem kompakten Rahmen bietet. Der DSP-Prozessorkern des mc2-36-Pultes umfasst eine 512 x 512-Routingmatrix.

Wolfgang Huber, PR-Manager bei Lawo, betonte mit Blick auf die Übernahme von L-S-B-Broadcast durch Lawo, dass das Kreuzschienen-Steuerungssystem VSM auch künftig herstellerübergreifend arbeite. Lawo habe sich stets um offene Standards bemüht und sei daher der Alliance for IP Media Solutions (AIMS) beigetreten. Die AIMS zählt namhafte Broadcast-Unternehmen wie Grass Valley, Sony, Panasonic, Ikegami, Avid, EVS, Evertz, vizrt, Imagine und viele weitere zu ihren Mitgliedern. Als Beispiele für übergreifende Standards erwähnte Huber AES-67, das Ravenna und Dante verbindet, sowie SMPTE 2022-6, das SDI-Signale über Standard-IP-Netze transportiert.

Riedel präsentiert das neue MicroN

Riedel, Intercom- und AV-Netzwerkspezialist aus Wuppertal, stellte ebenfalls in Halle 4.1 aus. Riedel zeigte das neue MicroN – neuestes Mitglied in der MediorNet-Familie, dem Audio-, Video- und Kommunikationsnetzwerk von Riedel. Mit mehreren im Netzwerk verteilten MicroN lässt sich eine richtiggehende AV-Kreuzschiene aufbauen, die sich jedoch zentral verwalten und steuern lässt. Serkan Güner, Marketing & Communications Manager bei Riedel, zeigte sich sehr zufrieden mit der Messe und auch mit dem Publikumsinteresse am MicroN.

Mikrofone, Kopfhörer, Audio-Monitore

Audiospezialist Sennheiser legte einen Schwerpunkt auf neue iPhone- und iPad-Mikrofone. Bereits zur letztjährigen Prolight hatte Sennheiser mit den Ansteckmikrofonen ClipMic Digital und MKE 2 Digital eine Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Wandler-Hersteller Apogee begründet. Dieses Jahr wurde die Digital-Reihe um das MK 4 Digital und das Handmic Digital erweitert. Das MK 4 eignet sich als Großmembran-Mikrofon für die Aufnahme von Sprache oder akustischen Instrumenten. Der A/D-Wandler von Apogee ist im Gehäuse des MK 4 Digital integriert, das Mikrofon lässt per Lightning oder USB direkt an ein Apple-Gerät anschließen. Das Handmic Digital verfolgt dieselbe Produktphilosophie, dient mit einer dynamischen Nierenkapsel jedoch als Handmikrofon. Die neuen Digital-Produkte sollen ab dem dritten Quartal erhältlich sein. Am Rande der Prolight zeigte Sennheiser bereits sein neues Stereomikrofon MKE 440 für DSRL-Filmer, das mit zwei Richtrohren ausgestattet ist. Die beiden Richtrohre sollen ein Stereopanorama aus Sicht der Kameraperspektive aufzeichnen. Das MKE 440 soll ab Juni erhältlich sein.

Mit dem Begriff Ambeo bezeichnet Sennheiser seine 3D-Audio-Anstrengungen. 3D-Audio bedeutet für den Hersteller eine zukunftsweisende Technologie. Am Stand war das Ambeo VR-Audiomikrofon zu sehen, das mit vier rechtwinklig zueinander angeordneten Kapseln arbeitet. Das genaue Funktionsprinzip des 3D-Audio-Mikrofons blieb jedoch unklar. Manche Mikrofonhersteller waren weniger zufrieden mit dem Standort in Halle 4.1. Sie hatten sich von der Musikmesse ein breiteres Publikum erhofft. Stattdessen fanden sich vorwiegend Fachbesucher ein. So zum Beispiel beim Heilbronner Mikrofon- und Kopfhörer-Hersteller beyerdynamic, der sich mit seinen Produkten sowohl an professionelle als auch an private Anwender wendet. Sein neuer Messmikrofon-Aufsatz TG MM1w für das Drahtlos-System TG1000 dient zum Einmessen von PA-Anlagen. Die breite Mikrofonpalette umfasst Broadcast-, Instrumental- wie Beschallungsanwendungen. Am Stand war etwa die neue Grenzfläche TG D71c zu sehen, die sich für Bass-Drum oder Cajon-Abnahme empfiehlt.

Auch Christian Bethin-Kittel, Marketing Manager Audio-Technica Products, zeigte sich nicht ganz zufrieden mit dem Standort. „Sicherlich muss es im nächsten Jahr einen neuen Platz für uns geben“, sagte Bethin-Kittel. Eine der Audio-Technica-Neuheiten war das verbesserte Clip-Kondensator-Mikrofon ATM 350a zur Abnahme von Schlagzeug, Klavier, Streich- und Blasinstrumenten. Zudem zeigte Audio-Technica das dynamische Instrumentenmikrofon AE2300, das eine detailgetreue Transienten-Aufnahme und hohe Pegelfestigkeit verspricht. Der Schwerpunkt der Ausstellung von Audio-Technika lag auf Konferenztechnik. Neu ist die Aufnahme des italienischen Herstellers von Funkübertragungstechnik Wisycom in den Vertrieb von Audio-Technica. Drahtlos-Technik von Wisycom ist neben den Produkten der Hersteller Sennheiser, Lectronsonics und Sony im Broadcast-Bereich etabliert.

In Halle 4.1 ließen sich auch die unterschiedlichen Konzepte von Audio-Monitoren verfolgen. PSI ist eine Marke des Schweizer Hersteller Relec, der bis 2004 Monitore für Studer gefertigt hat. PSI möchte mit vollständig analogen Signalwegen eine akkurate Impuls- und Transienten-Wiedergabe erzielen. All-Pass-Filter sollen für eine korrekte Phasenlage über die verschiedenen Frequenzbereiche sorgen. Eine Technik namens Adaptive Output Impedance passt die Ausgangsimpedanz der Verstärker stufenlos an die Frequenzwiedergabe der Lautsprecher an. Dies soll eine saubere Impulswiedergabe bewirken. Interessant ist auch ein aktiver Bass-Absorber von PSI, der tieffrequente Raumresonanzen verringert.

Genelec, etablierter finnischer Monitorhersteller, setzt hingegen auf digitale Signalverarbeitung. Digitale Signalprozessoren (DSP) ersetzen analoge Frequenzweichen und ermöglichen eine automatische Anpassung der Lautsprecher an die Raumakustik (AutoCal). Am Stand war etwa der Dreiwege-Monitor 8351 zu sehen, der mit einem koaxialen Mitten-Hochtonsystem arbeitet. Eine Neuheit ist der Zweiwege-Monitor 8430 IP, der sich direkt an IP-Audionetzwerke anschließen lässt und die Standards Ravenna und AES-67 unterstützt.

EVE Audio feierte auf der Prolight & Sound sein fünfjähriges Jubiläum. Roland Stenz hatte das Berliner Lautsprecherunternehmen im Jahr 2011 gegründet. Stenz war zuvor für den Monitor-Hersteller ADAM tätig. Die Hochtöner der EVE-Monitore basieren auf dem Air-Motion-Prinzip von Oskar Heil. Das Sortiment umfasst mittlerweile 17 Produkte, die bereits in knapp 60 Ländern vertrieben werden. Kerstin Mischke, Marketingmanager bei EVE Audio, hob hervor, der weltweite Vertrieb sei innerhalb einer bemerkenswert kurzen Zeit gelungen.

Teltec Moving Picture Pavilion

Eine Etage tiefer in Halle 4.0 war der Moving Picture Pavilion von Teltec platziert, eines der führenden System- und Handelshäuser für Broadcasttechnik. Auf dem Gemeinschaftsstand stellte Teltec bereits zum vierten Jahr in Folge die Produkte zahlreicher Broadcast- und Eventtechnik-Hersteller aus. Artem Yarkho, Marketing-Mitarbeiter bei Teltec, zeigte sich mit der sichtbar guten Resonanz zufrieden. Der Stand wachse jährlich, so Yarkho. Die Prolight & Sound eigne sich für Broadcast-Produkte sehr gut, da Event- und Broadcast-Technologien mehr und mehr zusammenwachsen. Zudem gebe es eine steigende Nachfrage nach Live-Übertragungen von Events, sagte Yarkho.

Der weitläufige Stand umfasste einen Cine-Bereich, an dem Kameras wie die Panasonic Varicam LT, Sony PXW-FS5 sowie eine ARRI Alexa Mini vor einer Modelllandschaft aufgestellt waren. Zudem wurden Schienen- und Kransysteme des Herstellers Slidekamera gezeigt, etwa die Atlas-Modular-Schiene und der X-Crane. In einem Broadcast-Produktionsbereich waren mehrere 4k-Broadcast-Kameras zu sehen, etwa eine Sony HDC-4300, eine Panasonic AK-UC3000, eine Blackmagic Design Studio Camera sowie eine ARRI Amira, die sich mittels geeigneter Adapter in ein Broadcast-Umfeld einbinden lässt.

Blackmagic Design hatte einen Übertragungswagen auf den Stand gestellt, vollgepackt mit den Produkten des australischen Herstellers. Darunter die kleine Micro Studio Camera 4k, ein äußerst kompaktes Modell, das auf der NAB 2015 vorgestellt wurde. Sie wurde auf der diesjährigen Oscar-Verleihung genutzt, um 360-Grad-VR-Live-Bilder vom Roten Teppich zu produzieren. Drei Micro Studio Cameras wurden dafür Rücken an Rücken im 120-Grad-Winkel montiert. Gerade bei Außenübertragungen werden Studiokameras oft über weite Strecken abgesetzt. Große Distanzen lassen sich problemlos mit Lichtwellenleitern (LWL) überbrücken. Die niederländische Firma Fieldcast zeigte verschiedene Kabelvarianten und Adapter, die auf die Blackmagic Design Studiokameras zugeschnitten sind.

Mit dem Teltec-Stand live verbunden war das auf dem Außengelände geparkte neue „Internet auf Rädern“-Auto von tividoo.

Live-Streaming war ein weiterer Schwerpunkt. NewTek ist einer der führenden Anbieter von Streaming-Lösungen. Sein Tricaster Mini ist eine kompakte wie erstaunlich umfangreiche Komplettlösung. Das Modell basiert auf einem Windows- und Intel-PC, verspricht aber mit ausgesuchten Boards Stabilität und Zuverlässigkeit. Der Tricaster Mini ist ein Live-Videostudio in der Box – je nach Anforderung wählbare AV-Anschlüsse wie HDMI oder SDI, Bildschnitt, Chroma-Key und selbst ein kleines virtuelles Studio sind an Bord. Skype-Konferenzen lassen sich mit einer Erweiterung aufzeichnen und streamen. Bei laufender Aufnahme können einzelne Segmente bereits auf Social Media-Portale hochgeladen werden. Neu ist das Network Device Interface (NDI) Netzwerkprotokoll von NewTek, das es ermöglicht, auf jedes Videogerät und jeden Videostream in einem Netzwerk zuzugreifen. NDI ist ein offenes Netzwerkprotokoll.

RTW, bekannter Hersteller von Audio-Kontrollinstrumenten, zeigte am Moving Picture Pavilion seine Touch-Monitor-Reihe. Sie liefert dem Toningenieur zahlreiche Informationen zu Pegel, Lautheit oder Stereoabbildung. Die Modelle lassen sich über den berührungsempfindlichen Bildschirm steuern. Produktionen verlagern sich jedoch mehr und mehr in den PC. Folgerichtig bietet RTW seine Analyse-Tools auch als Software an. Die Masterclass Plug-Ins hat RTW zusammen mit dem IRT entwickelt. Jüngster Spross der Reihe ist die Continuous Loudness Control Software. Sie passt die Lautheit automatisch an die Norm EBU-R128 an, wobei die Regelvorgänge unhörbar erfolgen sollen.

Optocore-Glasfasernetzwerk

Optocore, seit gut 20 Jahren Hersteller von Netzwerktechnik für Audio-, Broadcast- und Intercom-Anwendungen mit Sitz in München, stellte in Halle 3.1 aus. Tina Helmle, Geschäftsführerin der Broadcast Manufactur GmbH (BroaMan), einem 2012 gegründeten Schwesterunternehmen von Optocore, kündigte eine neue Version des Route66 an. Dieser Audio-Video-Router fungiert als intelligente Glasfaser-Matrix und verteilt verschiedene Glasfaser-Signale, egal, ob MADI, Studer A-link, 3G-SDI oder AVB-Netzwerkprotokolle. Damit ersetzt der Route66 herkömmliche Glasfaser-Patchbays, bei denen die Verbindungen manuell gesteckt werden. Der neue Route66 soll nach umfangreichen Tests erstmals von der Produktionsfirma Wigwam Acoustics auf der Coldplay Europatour eingesetzt werden.

Die Zusammenarbeit von Optocore und dem Nürtinger Lautsprecher-Hersteller Fohhn trägt Früchte. Marc Brunke, Geschäftsführer von Optocore, und Jochen Schwarz, CEO von Fohhn, konnten auf der Prolight das Sane-FX Modul vorstellen, mit dem sich die Linea-Focus-Lautsprecherserie von Fohhn direkt in ein Optocore-Glasfasernetzwerk einbinden lässt. Die Lautsprecherserie wird oft für Sicherheits- und Evakuierungssysteme verwendet. Kupferfreie Kabel haben Vorteile für den Brandschutz, da der Schmelzpunkt von Kupfer unter dem von Glasfaser liegt. Zudem sind Glasfaserleitungen kostengünstiger als Kupferkabel. Das Sane-FX-Modul wurde bereits für ein großes Flughafen-Projekt verwendet, bei dem auf einer Leitungslänge von mehreren hundert Kilometern über 280 Lautsprecher installiert wurden.

Live-Mischpult Venue S6L von AVID

Avid zeigte in Halle 3.1 seine neue Venue S6L-Bedieneinheit für Live-Mischanwendungen. Die Variante S6L-32D ist aus vier sogenannten Bays, also Einheiten aufgebaut. Drei Bays dienen zur Steuerung einzelner Kanäle, hinzu kommt eine Zentraleinheit. Die drei Kanaleinheiten bieten jeweils Steuerungselemente für acht Kanäle sowie hochauflösende OLED-Displays an den Pegelstellern und Drehgebern. Jede Bay verfügt zudem über einen 12,1 Zoll Multitouch-Bildschirm, der sowohl über Filter- oder Kompressor-Einstellungen informiert wie zur Steuerung dient. Der Bildschirm der Zentraleinheit ermöglicht eine Übersicht über sämtliche Kanäle und Summen. Die Besonderheit des Venue-Systems ist die nahtlose Einbindung der Pro Tool Plug-Ins. „Diese Integration der Pro Tools Plug-Ins bietet kein anderes System“, sagte Stefan Holtz, FoH-Mischer der Toten Hosen am Avid-Stand. Neue Effekte ließen sich mühelos per USB-Stick auf das System aufspielen.

Am Stand von Harman war die neue Soundcraft Vi 2000-Konsole zu sehen. Trotz des schmaleren Rahmens mit insgesamt 28 Fadern und drei Touch-Screens bietet die Konsole dieselben Leistungsdaten wie die größere Vi 3000. Für eine erweiterte Effekt-Integration arbeitet Soundcraft mit Universal Audio zusammen. Über eine Karte lassen sich die Konsolen von Soundcraft mit den umfangreichen Effekten der Apollo-Audio-Interfaces nachrüsten. Effekte von Lexicon und BSS sind in den Vi-Konsolen ohnehin an Bord.

Das Frankfurter Doppelpack aus Prolight & Sound und Musikmesse bot jedem Musik- und Technikbegeisterten spannende Einblicke. Die stärker getrennten Messeauftritte kamen vielen Unternehmen zugute, jedoch nicht allen. Einige Hersteller bedienen schließlich professionelle Anwender als auch Home-Studios oder Freizeitmusiker gleichermaßen.

Jan Fleischmann

MB 2/2016

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