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Internationale Partner werden immer wichtiger

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Internationale Partner werden immer wichtiger

Allerorten auf der mipcom 2014 in Cannes beschwor man die neue TV-Serien-Welt – und auch der Formatmarkt entwickelt sich erfreulich, auch aus deutscher Sicht!

Internationale Fernsehserien werden für Free TV Anbieter immer unattraktiver. Schuld an dieser Entwicklung sind neben dem klassischen Pay TV vor allem die immer stärker werdenden Video-on-Demand-Plattformen. Wenn eine Serie bei den Sendern ankommt, hat, zumindest der für die Werbekundschaft interessante kaufkräftige Teil der Zuschauerschaft die Folgen schon gesehen, der Lizenzeinkauf lässt sich also immer schlechter refinanzieren. Der Ausweg ist selbst mehr in eigene Inhalte zu investieren, eigene Events zu entwickeln oder eben in die Produktion eigener Serien. Ziel ist es eine Programmmarke unverwechselbar  mit der eigenen Sendermarke zu verbinden. Doch die sind teuer, vor allen Dingen dann wenn man in der Produktionsqualität mit den durch das international seriengeschulten Erwartungen der Zielgruppe mithalten will. Die internationale Koproduktion ist da ein Ausweg! Oder die Entwicklung eigener Event-Formate, deren Verwertungsrechte sich im günstigsten Erfolgsfalle gleich noch international weiter verkaufen lassen.

Aus deutscher Sicht war die ProSiebenSat.1 Vermarktungstochter Red Arrow International hier ein früher Eisbrecher, der schon vor einigen Jahren zeigte, dass man mit deutschen Formatideen auch international reüssieren kann, indem man das Sat.1 Comedy „Schiller Straße“ oder „Schlag den Raab“, das international unter dem Titel „Beat your Host“ angeboten wurde, erfolgreich vermarkte. Deutsche Formate finden sich auch heute noch in diesem Katalog, wenngleich die Wahrnehmung schwieriger geworden ist, da die strategische Ausrichtung eindeutig globalisiert ist und die international entwickelten Formate eindeutig im Vordergrund stehen. Umso bemerkenswerter ist es, dass deutschstämmige Formate inzwischen groß auch von internationalen Anbietern angeboten werden. Mit Endemol, Fremantle, und den ITV Studios überraschten gleich vier Anbieter mit deutschen Show-Ideen. ITV Studios präsentierte das in Deutschland entwickelte „Quiz Duell“ als eines seiner Höhepunkte. Die zu Fremantle gehörende UFA Show & Factual brachte ihr sehr erfolgreich auf ProSieben laufendes Format „Himmel und Hölle“ an die Cote Azur. Weniger prominent platzierte Endemol aber immerhin gleich zwei neue deutsche Formatentwicklungen: „Schulz in the box“ wurde als „Host in the box“ angeboten und das auf NDR laufende Format „Kaum zu glauben“ unter dem internationalen Titel „Hard to believe“.

Dieser Trend lässt sich freilich nicht nur für Deutschland beobachten sondern auch in viel kleineren Ländern. Martin Gastinger, Chef des zur Telemünchen Gruppe gehörenden ATV ist nicht nur stolz auf seine Erfolge mit Eigenentwicklungen auf dem eigenen Sender, sondern auch darauf, dass immer öfter der Verkauf ins Ausland gelingt – und nicht nur an den deutschen Schwestersender RTL2. Es sei gelungen der TMG hier einen kleinen zusätzlichen Geschäftsbereich zu öffnen, so der Senderchef.

Aber in der Format-Entwicklung kommt es zunehmend zu Kooperationen wie das Beispiel der BBC zeigt, die sich an der Entwicklung einer neuen ZDF Game Show beteiligt und im englischen den Arbeitstitel „One in a Thousend“ trägt. Ausgestrahlt soll die neue Gameshow mit dem etwas sperrigen deutschen Titel „1000 – Wer wird die Nummer 1“ erstmals im Frühjahr 2015, die internationalen Vertriebsrechte liegen dann aber bei BBC Worldwide. Aber das Beispiel zeigt, Koproduktionen werden immer wichtiger.

Im fiktionalen Bereich ist das nichts Neues. Allerdings werden hier alternative Vertriebswege immer wichtiger, wie man am Beispiel von Constantin Film belegen kann, die massiv in die Serien-Entwicklung investiert. Schon Anfang des Jahres hatte der Constantin Produzent Oliver Berben (Foto) in einem Interview gesagt, dass man sich sehr intensiv mit dem internationalen Fernsehgeschäft beschäftige und internationale Koproduktionen im TV anstrebe, so wie man das schon seit Jahren im Kino machen würde. Jetzt in Cannes wurde die auf dem Buch von Ferdinand von Schirach basierende Serie „Schuld“, internationaler Titel „Shades of Guild“, vorgestellt. Der internationale Vertrieb läuft über Jan Mojtos Beta Film, die in jüngster Zeit bei eigentlich allen wichtigen Projekten immer wieder mit dabei ist. Internationale Vertriebspartner werden immer wichtiger, einerseits für den internationalen Vertrieb der fertigen Serie, aber auch für den Verkauf etwa der Formatrechte für lokale Adaptionen in anderen Märkten, wobei die USA sicherlich der interessanteste ist. Im Falle von „Schuld“ gäbe es hier bereits Gespräche. Ziel ist produzentenseitig auch die Abhängigkeit von einem einzelnen Sender zu reduzieren, das über das System der Auftragsproduktion gerade in Deutschland  noch immer stark ausgeprägt ist. Auf der einen Seite erhöht sich damit das Risiko für den Produzenten, der dafür aber mehr Freiheiten und am Ende auch mehr Gewinn erwirtschaftet, so der Constantin Film Chef Martin Moszkowicz bei der Präsentation am Rande der mipcom.

Auch an der Serie „Lass uns die Welt“ retten sind neben ZDF und Beta auch gleich internationale, in diesem Fall europäische Partner beteiligt. Dabei geht es nicht darum so etwas wie den alten Europudding aufleben zu lassen, bei dem jeder Beteiligte einen starren und ausgewogenen Beitrag leistete. Es gehe um die Geschichten, betont Berben, und darum, dass sie lebendig und glaubhaft vermittelt würden. Dieter Brockmeyer (10/14)

Foto: Oliver Berben

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