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Kein Grund zur Euphorie

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Kein Grund zur Euphorie

An zahlreichen Ständen auf der NAB 2013 war das Thema Cloud Services präsent. Einerseits ging es dabei um die Distribution und Kontribution von Medien-Inhalten, andererseits aber auch um die Bereitstellung und Nutzung von Applikationen. Letzteres geht Hand in Hand mit dem Trend, dass auch in der Rundfunkproduktion der Software-Einsatz eine immer wichtigere Rolle spielt. In die Cloud ausgelagerte Systeme sollen helfen, flexibler, schneller und kostengünstiger zu agieren.

›Am Amazon-Stand in der South Upper Hall im Las Vegas Convention Center konnte man zufrieden sein. Das Thema Cloud-Services wurde auf der NAB 2013 überall heftig diskutiert. Und immer wieder wurde dabei auch der Serviceprovider Amazon genannt. Er bietet seit 2006 weltweit erfolgreich Web-Services für die Medien- und Unterhaltungsindustrie an. Amazon Web Services (AWS) stehen als voll skalierbare Cloud-Plattform kleinen bis ganz großen Medienunternehmen zur Verfügung. „Das Problem ist, dass Studios, Rundfunkanstalten und Privatsender häufig durch überlastete IT-Ressourcen und zeitaufwändige Genehmigungen bis zur Freigabe der Mittel ausgebremst werden. Mit Hilfe der AWS-Cloud können sie ihren Geschäftsbetrieb beschleunigen“, betont Jonas von Paulgerg-Nyrén, Enterprise Sales Manager Central Germany von Amazon. Er weist darauf hin, dass man mit Netflix einen der weltweit größten VoD-Streaming-Anbieter zu den Kunden zähle.

Barrett Manonen, Produktmanager bei Akamai, bläst in das gleiche Horn. „Wir sehen hier einen großen Trend der Medienunternehmen, ihre Services in die Cloud zu verlagern und Akamai ist glücklich darüber, diese Revolution anzuführen. Wir sind schließlich von Beginn an auf die Cloud fokussiert“, betonte er und erklärte weiter: „Wenn wir davon reden, Services in die Cloud zu verlagern, dann geht es darum, Inhalte zu adaptieren, zu schützen und mit dem Medien-Ökosystem zu verbinden. Entsprechend haben wir unsere Services aufgebaut für Transkodierung, Konfektionierung, Formatierung für eine Vielfalt an Geräten, die die Inhalte empfangen sollen sowie für Stream-Verschlüsselung, Player-Verifikation bis hin zum Digital Rights Management (DRM) – alles in einem einfachen Workflow. Der Broadcaster bekommt von uns dabei ein maßgeschneidertes Service-Paket.“ Die Deluxe Entertainment Services Group Inc., als Dienstleister traditionell in den Bereichen Digital Cinema und Postproduktion unterwegs, nutzte die NAB 2013 ebenfalls dazu, ihre neue Cloud-basierte Playout-Plattform „MediaCloud“ vorzustellen. Sie soll nach eigenen Angaben nicht weniger bewirken, als Inhalte-Anbieter in die Lage zu versetzen, nur mit Laptop und Netzwerkverbindung ausgestattet, TV-Sender überall in der Welt zu starten. Mit MediaCloud will man „Barrieren niederreißen“, das „Broadcast-Playout revolutionieren“ und das Medienbusiness insgesamt durch hohen Effizienzgewinn bei gleichzeitig deutlich reduzierten Kosten vereinfachen. Das hört sich wirklich gut an, konnte aber dennoch manchen Skeptiker nicht überzeugen.

Auf der NAB 2013 wurden immer wieder Zweifel laut, ob Cloud-Service-Provider wie Amazon oder Deluxe für den Einsatz im professionellen Broadcast-Geschäft tatsächlich geeignet sind. Zentrale Frage dabei war immer: Wie sicher ist die Cloud für meine Inhalte? Nach Ansicht mancher hängt die nach wie vor mit dem Thema Cloud verbundene Unsicherheit vor allem aber auch damit zusammen, dass Cloud-Services vielfältige Ausprägungsformen haben und dass das Wissen darüber in der Medienbranche einfach noch zu wenig verbreitet ist. Das bestätigte auch Holger Hille, Vertriebschef für den öffentlichen Sektor bei der Telekom-Tochter T-Systems, die mit ihrer Rückkehr ins Broadcast-Geschäft wieder in Las Vegas Flagge zeigte.

„Wir bieten Cloud-Services schon lange – und zwar nach deutschem Datenschutzgesetz“, erklärte Hille. Durch die Breite seines Kundenstammes und dem damit verbundenen Know-how sei das Tochterunternehmen der Deutschen Telekom grundsätzlich sehr schnell in der Lage, Cloud-Standardprodukte für spezielle Rundfunkanwendungen zu adaptiert. „Andere müssen da erst einmal den Standard definieren“, meinte er. Ein SAP-Betrieb oder die Buchhaltung sei für einen Rundfunksender nichts anderes als für jedes andere Unternehmen. Es gelte hier nur die jeweiligen Spezifika zu berücksichtigen. Hille: „Die machen aber nur fünf Prozent der gesamten Applikation aus.“ Der T-Systems-Manager nennt unterschiedliche Arten von Cloud-Anwendungen, die sein Unternehmen bedienen kann, angefangen von sehr kostengünstigen Angeboten, bei denen es egal ist, wo die Daten auf welchem Server in der Welt liegen bis hin zu Servern am eigenen Firmenstandort, die absolute Sicherheit bieten und wo die Datenablage nach deutschem Recht passiert. Die T-Systems sei dabei, Cloud-Modelle für den Einsatz im Rundfunkbereich aufzusetzen.

Die T-Systems-Mutter Deutsche Telekom hat nach Angaben ihres Vorstandsvorsitzenden René Obermann auf der CeBIT 2013 im vergangenen Jahr mehr als 600 Millionen Euro Umsatz mit Cloud-Lösungen erzielt. „Dabei schätzten die Großkunden die lange Cloud-Erfahrung und hohe Cloud-Expertise von Telekom und T-Systems“, erklärte er. „Und für Großkunden werden wir zukünftig über ein App-Modell Software einfach und sicher zum Mieten anbieten“, versprach er.

Den Einsatz der Cloud im Broadcast-Bereich sieht Hille indes noch mit einigen Problemen behaftet. Hier gelte es rechtliche Restriktionen zu beachten und ein marktkonformes Preismodell zu entwickeln. Zudem würden viele Broadcast-Kunden die mit ihren Cloud-Vorhaben verbundenen Restriktionen nicht genau kennen. „Und viele wissen auch noch gar nicht wirklich, was sie wollen“, meinte er. Die T-Systems sei aktuell deshalb dabei, das, was man im Unternehmen als Standard-Cloud für behördliche Rechenzentren adaptiert habe, mit den potentiellen Rundfunk-Kunden zu besprechen, insbesondere auch mit Blick auf die gewünschten Rundfunk-Spezifika.

Sony in der Cloud

Selbst die klassischen Hersteller von Broadcast-Technik zeigten auf der NAB 2013 in Las Vegas Cloud-Engagement. Sony verkündete beispielsweise den Start der Sony Media Cloud Services.

Dazu wird eine neue Geschäftseinheit unter Leitung von Naomi Climer (Präsident Sony Media Cloud Services) gegründet. Sie soll kreativen Medienprofis einen virtuellen Arbeitsplatz bereitstellen mit Applikationen zur Speicherung, zum Austausch und zur Bearbeitung von Medien-Inhalten von überall in der Welt aus. Zum Einsatz kommt dabei Sonys skalierbare Cloud-Plattform Ci. Das Interesse daran war auf der NAB 2013 groß. Der entsprechende Präsentationsbereich am Sony-Stand war immer dicht umlagert. Das Angebot richtet sich laut Sony gleichermaßen an Studios, Broadcaster, unabhängige Produzenten, Marketing-Teams und kreative Einzelkämpfer. Ci als „One-Cloud“-Lösung erlaube ihnen weltweit eine schnelle und sichere Zusammenarbeit bei der Produktion, Verteilung und Archivierung von hochwertigen Inhalten.

„Kreative Profis weltweit verbringen täglich viele Stunden mit nichtkreativen Aufgaben im technischen Bereich, zum Beispiel bei der Ablage und Bereitstellung ihrer Files in der jeweils nötigen Version“, meinte Climer in Las Vegas. „Sony kennt die damit verbundenen Herausforderungen sehr gut. Mit Ci haben wir deshalb eine skalierbare, sichere, funktionsreiche und medienfokussierte Cloud-Lösung entwickelt, die die traditionellen Produktionsworkflows vereinfacht und die Kollaboration effektiver und kostengünstiger macht.”

Snell

Auch bei Snell macht man sich intensiv Gedanken über die Virtualisierung der IT- und Teilen der Betriebstechnik von Rundfunksendern in der Cloud. Auf der Pressekonferenz des Unternehmens wurde aufgezeigt, wie der Betrieb von klassische Rundfunksendern mit On-Demand-Services in einer gemeinsamen „Media Factory“-Cloud-Umgebung konsolidiert werden kann und wie die Virtualisierung der Services in einem Datencenter beziehungsweise in einer Cloud funktioniert. Dazu wurde von Snell auch ein Whitepaper mit dem Titel „Virtualized Television Origination“ vorgelegt. Die virtualisierte Media Factory eröffnet laut Snell den Sendern größere Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit, wenn es darum geht, neue Services aufzusetzen. Außerdem ermögliche der Einsatz variabler Infrastrukturen deutliche Kosteneinsparungen. „Man zahlt nur das, was man wirklich braucht“, sagte Chefentwickler Neil Maycock. All das sei wichtig, um die Sendern in die Lage zu versetzen, auf das sich schnell ändernde Konsumentenverhalten im Medienmarkt adäquat reagieren zu können.

Brightcove

Cloud-Content-Serviceanbieter Brightcove kündigte zur NAB 2013 eine neue erweiterte Unterstützung für die TV Everywhere (TVE) Authentifizierung an. Auf der Basis einer Integration mit Adobe Pass und den Sola Vision Identity Services von Akamai ermöglicht Brightcove nun geräteübergreifende, authentifizierte Video-Erlebnisse sowohl für Web- als auch native mobile Applikationen. Laut Brightcove können TV-Sender damit einen größeren Zugriff zu Premium-Video-Programmierung auf unterschiedlichsten Geräten für bestehende Abonnenten von Kabel-und Satelliten-Dienstleistungen bieten. Gleichzeitig können Sender auch ihre Reichweiten steigern und werbeunterstützten Video-Content für authentifizierte Zielgruppen auf jedem Display liefern. TVE biete damit die große Chance, so Brightcove, die üblichen Reichweiten von TV-Sendern auch auf Kabel- und Satellit-Abonnenten zu erweitern – und dies auf genau den Endgeräten, mit denen Verbraucher heute mehr und mehr Zeit verbringen.

Darüber hinaus könnten TV-Sender auch ihr Engagement mit den Fans der Premium-TV-Programmierung vertiefen und neue Monetarisierungsmöglichkeiten einführen, heißt es. Um mit TVE-Initiativen im Markt wirklich erfolgreich zu sein, benötigen TV-Sender laut Brightcove allerdings eine umfassende Lösung, die nicht nur die Authentifizierung unterstützt, sondern darüber hinaus auch das digitale Rechtemanagement sowie die Werbeintegrationen, die auf jedem Display laufen. „In Kombination mit variablem Bitraten-Streaming von Video Cloud, hochklassigem Playererlebnis, Geo-Beschränkung, Einbindung von Anzeigen, Distribution über soziale Netzwerke sowie umfassenden Analytics-Funktionen bietet Brightcove seinen Kunden so ein zuverlässiges TV Everywhere-Framework“, meinte Phil Costa, Direktor Produktmanagement bei Brightcove.

Unternehmen werben mit Cloud Support

In Zusammenhang mit Cloud-Services beeilten sich zudem viele Lösungsanbieter, ihre Produkte mit dem Aufkleber „Cloud-Support“ zu versehen. Darunter fielen auf der NAB unter anderem Archiware, Telestream, Envivio, Harmonic oder EVS.

Archiware stellte mit P5 die nächste Generation seiner Datenmanagement-Software vor. Wichtige Neuerungen neben Cloud Support sind hier LTFS Support und ein komplett überarbeitetes User Interface. Außerdem verfeinert Archiware die Nutzerfreundlichkeit: der Anwender kann P5 künftig in drei simplen Schritten noch schneller einrichten.

Synchronize, Archive, Backup und Backup2Go bleiben auch in Version P5 die vier spezialisierten Module, die Broadcastern einfache Lösungen für vielfältige Speicherszenarien bieten. Nach Wahl der Quelle, des Speicherziels und der Sicherungs-Intervalle steht künftig der Backup-Plan schon nach Sekunden.

Die auf der NAB vorgestellten Neuerungen beinhalten unter anderem Cloud Support zum Klonen von Daten auf Cloud-Speicher von Drittanbietern mit der Integration des neuen „Cloud-Adapters“ WingFS in P5 Synchronize, LTFS Support mit Integration von MediaLTFS, Export von Daten aus dem Archiv und Lesen von Daten ohne P5. Das verbesserte User Interface beinhaltet zahlreiche Neuerungen wie zum Beispiel erweiterte Suche im Backup- und Archiv-Index sowie erweiterte Asset-Management Funktionen mit neuen Listendarstellungen und Metadatenansichten wie benutzerdefinierte Pop-ups.

Envivio, Anbieter von Software-basierten Multiscreen-Video-lösungen, präsentierte einige Aktualisierungen seiner Encoding Software Muse sowie der Netzwerk-Software Halo. Envivios Software-Lösungen sind sowohl in Kopfstellen als auch in IT-Datencentern für Cloud-basiertes Video-Processing einsetzbar. Die Encoding-Software Envivio Muse Live unterstützt die Produktionsserverplattform Cisco UCS ebenso wie die HP Blade Server oder den Hardware-Transcoder 4Caster 64 von Envivio. Das System ist in Netzwerken für bis zu 120 SD-Kanäle ausgelegt und soll künftig bis zu 16 HD Kanäle in MPEG2 oder AVC verarbeiten können. Der Transcoder für On Demand-Dienste ist mit einer verbesserten digitalen Signalkontrolle ausgestattet. Das integrierte Modul sorgt für eine Videokompression auf Frame-by-Frame Basis. Zusammenfassende Aufstellungen zur Kontrolle ermöglichen dem Operator, einzugreifen und schlechte Qualität auszusortieren. Die On-Demand Lösung unterstützt jetzt auch das Dolby Mehrkanal-Tonsystem Dolby Digital Plus. Erweitert wurde zudem die Netzwerkprozessor-Lösung Envivio Halo. In der aktuellen Version werden auch die Adobe Formate Primetime, der HTTP Dynamic Stream und die Rechtemanagementlösung Adobe Primetime DRM unterstützt sowie zusätzliche Verschlüsselungssysteme wie Microsofts PlayReady.

Videotranscoding in der Cloud

Telestream, Anbieter von Video-Transcoding-, Workflow-Automations- und Daten Management-Systemen zeigte auf der NAB neue Lösungen und Erweiterungen für seine Vantage Workflow-Lösungen – insbesondere die mit GPU Prozessoren beschleunigten Transcoder für IPTV- und VoD-Dienstleistungen im Kabel.

Neu hinzu gekommen in die Vantage-Systeme ist die Unterstützung weiterer Videokompressionsformate wie etwa den neuen Standard HEVC (H.265), die Integration von Systemen zur Qualitätskontrolle sowie die Implementierung digitaler Wasserzeichen. „Außerdem sind die Vantage-Broadcast-Systeme jetzt auch für cloud-basierte Workflows vorbereitet“, betonte Barbara DeHart, Marketing-Chefin von Telestream. Sie kündigte neue Vantage-Lösungen für die Bereiche Transcoding bei Multiscreen-Diensten, IPTV und VoD an. Sie werden von GPU-Grafikprozessoren unterstützt sowie von einem Mazanita-Multiplexer für eine maximale Bildqualität bei gleichzeitig niedriger Datenrate.

Mit im Vantage IPTV-Paket ist auch eine Lösung zur Kontrolle der gestreamten Bild-, Audio- und Metadaten. Der Transcoder unterstützt außer dem neuen Kompressionsstandard HVEC auch die Formate AMWA AS-02 und AS-11 sowie DPP AS-11 MXF. Zur Verbesserung der Automatisationsleistungen hat Telestream eine Reihe weiterer Systemlösungen von Drittanbietern integriert wie die Software-Lösung faspex von Aspera, das Transcodingsystem Tachyon von Cinnafilm, die Qualitätskontrolle Aurora von Digimetrics, das Daten Management Programm Baton von interra systems sowie die Videomonitoringlösung von civolution.

„Mit Vantage Cloud bietet Telestream nun auch den kompletten Leistungsumfang der Videotranscoding-Systeme und Workflowsteuerungen in Cloud-Umgebungen einschließlich den Amazon Web Services“, erklärte Telestream-CEO Dan Castles auf der NAB-Pressekonferenz des Unternehmens. Alle Prozesse seien für die Cloud-Anwendungen skalierbar, sodass keine neuen Geräte benötigt würden.

Telestreams Direktor New Products and Strategy, Jim Duval, war mit einen Vortrag im Panel „Postproduktion in der Cloud“ auf der Cloud Computing Conference der NAB 2013 vertreten, ebenso wie Joe Foxton, Präsident Cloud Solutions bei MediaSilo, einem weiteren Anbieter von Cloud-basierten Services für Rundfunksender und Postproduktionshäuser.

Auch Harmonic nutzte die NAB 2013, um sein künftiges Engagement im Bereich des professionellen Video-Transcodings in der Cloud zu verkünden. Angeboten wird die auf Basis der Harmonic Rhozet Technologie arbeitende Transkoding-Maschine ProMedia Carbon MP via Amazon Web Services (AWS). Damit können nach Angaben des Unternehmens Inhalteanbieter, Dienstleister und Medienprofis schnell und kostengünstig Video in Broadcast-Qualität in nahezu jedes Standardformat konvertieren. Der Service wird auf Stundenbasis angeboten. Peter Alexander, Senior Vice President von Harmonic, berichtete gegenüber MEDIEN BULLETIN, dass man auf der IBC 2013 noch mehr Cloud-Aktivitäten von Harmonic erwarten darf. „Die Broadcaster denken noch viel über ihre Cloud-Strategien nach. Sie überlegen, inwieweit sie Software-Services der Hersteller in der Cloud einsetzen wollen und ob sie womöglich auch den technischen Betrieb einzelner Bereiche, den Support und die Systempflege über die Cloud abwickeln lassen sollen“, meinte er.

EVS gab zur NAB 2013 die Kooperation mit Forbidden Technologies zur Realisierung von Cloud-basierten Sport- und Nachrichten-Workflows auf Basis der FORscene Cloud Video-Plattform bekannt. FORscene wird dazu mit Schnittstellen zum IP Director von EVS ausgestattet, um so entferntes, browserbasiertes Editing zu ermöglichen. FORscene soll zudem mit dem Xedio Dispatcher von EVS arbeiten, um Remote-Aufnahmen und -Editing von News-Beiträgen zu ermöglichen.

Das starke Interesse der Besucher der diesjährigen NAB Show am Thema Cloud bestätigte auch Lewis Kirkaldie,Produktmanager bei Cinegy. „Alle fragen hier nach der Cloud, auch wenn sie im Grunde keine Ahnung davon haben, was sich eigentlich dahinter verbirgt. Cloud ist jedenfalls das Zauberwort. Wir haben uns deshalb auch beeilt, dass alle unsere Kernprodukte für Ingest und Playout genauso mit IP wie mit SDI arbeiten können“, sagte er. Das gelte auch für den Cinegy Multiviewer, der jetzt in einer frisch besiegelten Cloud-Playout-Partnerschaft mit Deluxe zum Einsatz kommt.

Erst einmal abwarten

Die Liste der Cloud-Aktivitäten zur NAB 2013 ließe sich beliebig fortsetzen. Das vielfältige Angebot registrierten viele Besucher auch mit gewisser Gelassenheit. Sie sehen keinen Anlass darin, jetzt in Euphorie zu verfallen. „Da muss man erst einmal schauen, wie der Broadcast-Markt die Cloud-Applikationen annimmt und ob das wirklich zutrifft, was sich die einzelnen Hersteller und Dienstleister da so vorstellen“, brachte es zum Beispiel Wellen+Nöthen-Chef Peter Nöthen auf den Punkt. Der Einsatz von Cloud-Services bedeute schließlich für die Sender noch mal einen Umstellungsprozess in ihren Arbeitsabläufen und in ihrem gesamten Change Management. „Ich glaube, da haben die Sender in der ersten Phase der aktuellen Umstellung auf mehr IT-gestützte Broadcast-Systeme durch die Bank alle ihre Schwierigkeiten.“ Viel wichtiger sei es für die Sender heute, erfolgversprechende Business Cases für das Fernsehen der Zukunft zu entwickeln, die dem sich ändernden Mediennutzerverhalten Rechnung tragen würden. „Technologisch ist heute vieles machbar. Aber die Gedankenspiele für die Geschäftsmodelle, die dahinter stehen sollten, sind noch längst nicht abgeschlossen“, betonte Nöthen.

Bei Harris sieht man das ähnlich. „Die Themen Cloud und System-Virtualisierung sind derzeit sehr populär. Wir diskutieren darüber heute mittlerweile in fast jedem zweiten Meeting. Die große Frage an die Kunden ist dann immer: Was soll wirklich in die Cloud auslagert werden? Die Antwort darauf fällt vielen nicht leicht“, meinte Stefan Weidner, Head of Central & Nordic Europe von Harris Broadcast. Harris selbst experimentiere schon seit Jahren mit Cloud-Lösungen. „Wir arbeiten stark darauf hin, die Virtualisierung der Prozesse auf der reinen Softwareseite zu optimieren und sind hier deshalb gut positioniert“, erklärte er.
Eckhard Eckstein
(MB 05/13)

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