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Keine Bild-Metadaten-Schere

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Keine Bild-Metadaten-Schere

5G-Technologie für Broadcast-Anwendungen wird immer interessanter. Erste Tests, wie beim BMW Berlin-Marathon 2019, liefen verheißungsvoll. Die fünfte Generation des Mobilfunks kann für Produktionen vor allem durch geringe Latenzen und größere Übertragungsraten interessant werden. Zu den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2019 stellte MEDIA BROADCAST eine 5G-Campus-Lösung vor, die getrennt vom öffentlichen Mobilfunknetz aufgesetzt werden kann.

MEDIA BROADCAST hat zu den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2019 ein eigenes Mobilfunk-Testnetz aufgebaut, das ein zukünftiges 5G-Campusnetz für TV-Produzenten simulierte. Der Live-Showcase sollte Sendeanstalten und Produktionsfirmen verdeutlichen, welche Möglichkeiten ein solches Netz für die Produktion bedeuten kann.  

Beim Münchner Showcase kamen bis zu vier unterschiedliche Kameras, von der professionellen TV-Kamera bis zum Smartphone, und ein Übertragungswagen zum Einsatz. Das Smartphone etwa wurde zu Demozwecken samt Gimbal auf einem Segway montiert. Ein weiteres Videosignal wurde von einer ENG-Broadcast-Kamera abgesetzt. Über einen Transcoder mit integrierter SIM-Karte, der via SDI mit der Kamera verbunden war, wurde das H.264 komprimierte Videomaterial über eine kommerzielle 4G/5G Basisstation von Nokia in die Regie übertragen.

„Dazwischen ist eine Art Edge-Cloud-Rechner geschaltet, der alle Signale aufnimmt und weiterverarbeitet. Dort kann das Bildmaterial mit Overlays angereichert werden oder Metadaten können extrahiert werden. Es wäre aber auch möglich, KI-Plugins laufen zu lassen, die Gesichter erkennen“, erklärt Stefan Krüger, Head of Competence Center Headends, die Funktionsweise der Technologie und führt aus: „Um das Netz auf dem Areal der MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2019 nutzen zu können, haben wir eine Funkzelle und zwei Antennen aufgebaut. Wir mussten zwei Antennen nutzen, um sowohl den Außen- als auch den Innenbereich abzudecken. Die Beschichtung der Fenster lässt das Signal nicht durch.”

 

Der MEDIA BROADCAST-Partner für den Showcase, Smart Mobile Labs aus München, ergänzte das Testerlebnis um interessante Live-Metadaten mit eigenen Sensoren und einer Smartphone App mit Realtime-Statistik-Einblendungen. „Wir zeigen hier mit einem Freestyle-Fußballspieler, der den Ball in der Luft hält, wie die Geschwindigkeit des Balles in Echtzeit gemessen und diese Metadaten dann live in eine TV-Grafik übertragen wird. Das ist aber nur ein Beispiel. Theoretisch können das alle möglichen Anwendungen sein”, erklärt Lars Bayer, Leiter der Unternehmenskommunikation bei MEDIA BROADCAST. „Wichtig bei dieser smarten Anwendung ist nur, dass die Übertragungsgeschwindigkeit der Metadaten stimmt, damit keine Bild-Metadaten-Schere entsteht. Und das kann man mit 5G sauber realisieren”, sagt Bayer. 

Da aktuell auf den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2019 noch keine lokalen 5G-Frequenzen im 3,7 bis 3,8 GHz Bereich zu Testzwecken zur Verfügung standen, wurde für die Demo ein 20 MHz-Träger auf einer Testfrequenz von 2,3 GHz mit LTE-Advanced verwendet. „Was wir hier machen ist streng genommen noch 4G. Das liegt aber nur daran, dass es die 5G-Campus-Frequenzen noch nicht gibt. Das eingesetzte Equipment ist jedoch schon in der Lage, 5G zu verarbeiten”, sagt Bayer und führt fort: „Die Campusfrequenzen werden demnächst durch die Bundesnetzagentur vergeben. 3,7-3,8 Gigaherz wird exklusiv für Unternehmen vorgehalten, die lokale Netze aufbauen möchten.”

 

„Für Sendeanstalten, Produzenten und Veranstalter werden sich mit der Verfügbarkeit von 5G-Frequenzen für eigene Campusnetze schon bald relevante Anwendungsbereiche eröffnen. Wir nutzen die MEDIENTAGE MÜNCHEN 2019, um mit der Branche die aktuellen und zukünftigen Kundenbedürfnisse bezüglich des Einsatzes 5G-basierter Lösungen zu diskutieren.” erläutert Arnold Stender, Geschäftsführer der MEDIA BROADCAST.

„Wir glauben, dass es nicht nur für die üblichen verdächtigen Unternehmen wie BASF oder Siemens sinnvoll sein kann, diese Netze aufzubauen. Für uns sind auch Sendeanstalten und Medienunternehmen eine ganz klare Zielgruppe solcher Netze. Und auch der Aufbau von temporären Netzen für Event-Broadcasting Zwecke ist möglich. Der große Vorteil dieser Netze ist die geringe Latenz und die Möglichkeit hohe Datenmengen zu übermitteln”, erklärt Bayer.  

Jedes planbare Event, bei dem ein kleiner Vorlauf möglich ist, sei im Grunde geeignet für ein 5G-Campusnetz. „Bei unplanbaren Events werden mit Sicherheit auch in Zukunft LiveU-Systeme eingesetzt, die mit den öffentlichen Netzen der Netzbetreiber arbeiten”, so Bayer. 

Die neue Technik bietet viel Potential etwa für den Einsatz drahtloser Kameras und Equipments und für die drahtlose Übertragung der TV-Signale in die Regie“, erläutert Stender und fährt fort: „Wir schauen uns als führender Serviceprovider sehr genau das Potential von 5G für die Rundfunkbranche an. 5G Broadcast ist ein spannendes Zukunftsthema, das auf Grund technischer und regulatorischer Hürden und fehlender Geschäftsmodelle voraussichtlich aber noch viele Jahre brauchen wird, bis die Technik für die terrestrische Verbreitung von linearem TV in Betracht kommt. Dagegen sehen wir bereits mittelfristig ein Marktpotential für 5G-Campuslösungen für TV-Sendeanstalten und bei Übertragungen größerer, auch temporärer Events. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, unser bestehendes Glasfaser- und satellitenbasiertes Event Broadcasting Portfolio um 5G-Campuslösungen zu erweitern. Von der Beantragung der Frequenz über die Frequenz- und Netzplanung bis hin zum Betrieb und der Wartung und Instandhaltung können wir unsere Kunden dabei unterstützen.“     

Niklas Eckstein

MB 4/2019

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