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Mehr kreative Freiheiten im TV

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Mehr kreative Freiheiten im TV

Die Berlinale ist nicht nur zum Filme gucken da. Bei ihr werden auch Branchen- und Techniktrends vorgestellt und diskutiert. Durch den Erfolg des 3D-Films „Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“ ist 3D wieder etwas in den Vordergrund gerückt und ein weiteres, im Grunde altes Thema, hat es ebenfalls zur Berlinale geschafft: TV-Serien. Überraschend daran ist, dass es nicht nur auf einem Filmfestival diskutiert wurde, sondern auch noch auf gleich zwei Panels.

Der in Kooperation mit der Filmstiftung NRW auf dem European Film Market (EFM) veranstaltete Industry Talk war mit „TV Series – The New Cinema?“ überschrieben, während die Veranstaltung des Co-Production Markets (CPM) am gleichen Tag „TV Series – the New Promise?“ lautete. Inspiriert waren die Panels offenbar davon, dass mit Jane Campions Mini-Serie „Top of the Lake“ (ab Herbst auf arte) nach Dominik Grafs „Im Angesicht des Verbrechens“ 2010 erneut eine Serie zur Berlinale eingeladen war. Und so saßen Jane Campion und ihr Autor Gerad Lee denn auch auf dem Panel des EFM und erzählten davon wie die Serie entstand, aber auch warum es eine Nachfrage nach Qualitätsserien gibt.

Jane Campion sagte: „Die Menschen lieben Geschichten, die ihnen etwas abverlangen.“ Davon jedoch gibt es im Kino nicht allzu viele – so die vorherrschende Meinung auf beiden Panels. Als positive Beispiele nannte Campion allerdings Nischenproduktionen wie „7 Psychos“, „Killing Me Softly“ und „The Master“. Alle drei sind bereits in Deutschland gestartet.

Durch beide Panels zog sich eine Meinung wie ein roter Faden: Fernsehen erlaubt die größere kreative Freiheit als Kino. Im Fernsehen lässt sich nicht nur eher eine geeignete Form für eine Geschichte finden, als für das Kino; im Fernsehen hat man zudem eine längere Strecke, um Charaktere zu entwickeln und Handlungsbögen zu erzählen. Dieser Schluss begründet sich allerdings auf dem US-Pay-TV-System, dessen Sender daran interessiert sind sich von wem auch immer abzuheben. Und im Gegensatz zu deutschen Serien erlauben, ja, verlangen sie zur Spannungssteigerung sogar horizontale Handlungsbögen. „Kreative suchen sich das Format, in dem sie die größte Freiheit haben“, sagte Peter Nadermann, vormals ZDF jetzt mit der eigenen Firma Nadcom unterwegs, auf dem Panel des CPM. Nadermann plant zur Zeit eine englischsprachigen Serie, die mit Hilfe der Mechanismen von Kino- und Fernsehfinanzierung finanziert werden soll.

Allerdings wird den Kreativen bei HBO, Showtime und so weiter auch mehr vertraut. James Manos Jr., der als Producer und Autor für Serien wie „The Sopranos“, „Dexter“ oder „The Shield“ verantwortlich zeichnete, war der Wortführer des EFM-Panels und er argumentierte in überzeugender und humorvoller Weise für die Kraft der Qualitätsserien: „Wenn man für einen der großen Sender wie ABC oder NBC arbeitet, muss man 24 Folgen pro Jahr schreiben. Dafür hat man keine Freiheiten und keine Freizeit aber einen Haufen Geld. Schreibt man für das Abonnement-Fernsehen hat man es mit gebildeten Menschen zu tun, die Zeitung lesen und wissen, was in der Welt los ist. Mit ihnen führt man sehr kreative Gespräche, in denen es immer darum geht wie man die Geschichte am Besten erzählt und nie ums Geld. In diesen Gesprächen ringen wir immer zusammen um die Geschichte. Es ist nie: ich gegen die!“ Davon abgesehen, verdient man auch bei diesen Serien genügend Geld für ein bequemes Leben und hat überdies noch genug Freizeit um es auch ausgeben zu können. Manos, der einen entspannten, zufriedenen Eindruck machte, erklärte zudem, dass er sich weder Gedanken um das Publikum noch die Branche mache, sondern nur um den Stoff, der dann für sich selbst sprechen müsse. „Wir wissen nicht, was das Publikum will. Niemand kann das voraus sagen“, sagt er zum Publikum und zur Branche merkt er an: „Ich habe vor zehn Jahren aufgehört Variety und The Hollywood Reporter zu lesen. Seitdem ist mein Selbstmordrisiko drastisch gesunken.“

Etwas in der Defensive befand sich auf dem EFM-Podium Marcus Ammon von Sky Deutschland. Der Abonnement-Sender will sich im seriellen Fiktionbereich besser positionieren und perspektivisch auch Eigenproduktionen anbieten. Diese jedoch erst in zwei bis drei Jahren. „Wir müssen zuerst noch unsere Hausaufgaben machen“, so Ammon, der sich weder auf Jane Campions Vorschlag eine Berliner Version von „Girls“ zu machen einließ noch auf einen Verkupplungsversuch von James Manos mit einer im Publikum befindlichen Autorin, die einen Sender sucht. Dennoch ist der erste Schritt von Sky sich mit Qualitätsserien zu positionieren, mit Sky Atlantic bereits vollzogen. Dort laufen künftig alle HBO-Serien. „Wir suchen Nischen für Sky, die im Free-TV nicht zu finden sind“, sagte er. „Nischen sind der Schlüssel für einen Abonnement-Sender.“ Auf die Frage, warum man sich im deutschen Fernsehen im Serienbereich nicht mehr traut, beantwortet er mit: „Die Angst in Deutschland Zuschauer zu verlieren, ist sehr hoch. Daher gibt es eine Aversion gegen horizontales Erzählen. Auch hat man mit bestimmten Themen Probleme, wie etwa Politik.“

3D als Stilmittel für Kammerspiele

Mehr noch als „The Hobbit“ hat „Life of Pi“ von Ang Lee 3D zurück in die Aufmerksamkeit gebracht. Der Film hat wie keiner vor ihm gezeigt welche Räumlichkeit eine wohl überlegte 3D-Dramaturgie erzeugen kann und all Jenen Recht gegeben, die 3D als Stilmittel für Kammerspiele erkannt haben. So kam das vom Hollywood Reporter bei den EFM Industry Debates gestaltete Panel „After the Hype – the Future of 3D“ zur rechten Zeit. Natürlich wurde auch hier erst einmal der künstlerische Sinn von 3D beschworen: den Zuschauer mehr in die Geschichte hereinzuziehen und ihm eine neue Erfahrung zu bescheren. Dies gilt insbesondere für die Extremsportdokus aus dem Red Bull Media House, wie Red Bull-Produzent Sophokles Tasioulis betont: „Wir zeigen Dinge, die die meisten Leute nicht selber können und mit 3D kommt man so nah an das wirkliche Ding heran, wie es ohne es selber machen zu müssen geht.“ Doch es war Bob Mayson von RealD, der den Sinn von 3D ehrlich und umfassend zusammen fasste: „3D ist ein kreatives Mittel, um den Zuschauer tiefer in den Film hineinzuziehen. Sogar Regisseure, die 3D immer kategorisch abgelehnt hatten wie Ang Lee oder Martin Scorsese drehen in 3D, weil sie sich mit Anderen im Wettbewerb um das kostbarste Gut der Menschen befinden: ihre Zeit. Da kann man nur mithalten, wenn man die Grenzen dadurch immer weiter ausweitet indem man Bild und Ton kontinuierlich verbessert.“ Bei dem Panel kam auch die Unart des Konvertierens alter 2D-Filme zur Sprache. Auch hier heißt die Antwort – wie vermutet – Geld! Bei einem Einsatz von 17 Millionen US-Dollar hat „Titanic 3D“ einen Umsatz von 400 Millionen US-Dollar gemacht. Da sagt man natürlich nicht Nein! Dennoch sind es die neuen, frischen 3D-Filme, die die Menschen ins Kino ziehen. „Doch dafür muss ein neues visuelles Vokabular für das 3D-Erzählen entwickelt werden“, so „Pina“-Produzent Erwin M. Schmidt, der mit Wim Wenders an dessem 3D-Arthouse-Projekt „Every Thing Will Be Fine“ arbeitet, das in der Postproduktion ist. Allerdings zeigen „Life of Pi“ oder der deutsche Horrorthriller „Lost Place“, der auf dem European Film Market vorgestellt wurde und im Spätsommer in die deutschen Kinos kommt, wohin die Reise hingehen wird.

3D war auch Thema der Berlin Film Lectures der Media Business Academy. Interessant war hier, dass die Produzenten, die es eigentlich anging nach der Mittagspause verschwanden und die Technikexperten am Nachmittag mit den Studenten mehr oder weniger alleine blieben. Hier berichtete etwa Sebastian Knorr, Managing Director von imcube, über die Konvertierung der Weihnachtsansprache der britischen Königin für den 3D-Kanal von BskyB, die er in China hat machen lassen und über die Konvertierungsstudios, die er im Reich der Mitte aufbaut, weil gerade dort geradezu alle verrückt nach 3D sind, es also – auch im Fernsehbereich – einen Markt gibt. Oder Micha Bauer, dessen DVS Digital Video Systems an Workflows für „The Hobbit 3D“ gearbeitet hat, um das langwierige Rendering effizienter zu gestalten. Immerhin ist der Film mit 48 Bilder die Sekunde gedreht worden – pro Auge! Und Ralf Schäfer vom 3D Innovationszentrum am Fraunhofer Heinrich Hertz Institut berichtete von der Entwicklung von Hybrid-3D, das gerade für die Fernsehproduktion interessant ist. Hierbei wird eine Kamera rechts und links vom Objektiv mit zwei kleinen Satellitenkameras ausgestattet, die eine Tiefenkarte erstellen. Mit ihrer Hilfe wird das Bild dann konvertiert. Durch die Konstruktion werden schwere und unhandliche Spiegelrigs überflüssig.

Sony 4K-Projektor

Wenn 3D fester Bestandteil des Mainstream- wie auch des Arthousekinos ist, müssen auch die Projektoren entsprechend ausgerüstet sein. Während der Berlinale stellt Sony seinen neuen SRX-R515 4K-Projektor vor, der für Leinwandgrößen im 2D-Bereich bis zwölf Meter und im 3D-Bereich bis zehn Meter konzipiert wurde und für den Einsatz in Arthouse-Kinos und kleineren Center-Sälen gedacht ist. Die Präsentation fand geschickterweise in den mit Sony-Projektoren bestückten Kinos in den Hackeschen Höfen statt, wo auch die Screenings der AG Kino/Gilde stattfanden. „Die Kinobetreiber kamen aus den Screening und waren überrascht wie scharf die Projektion war“, erzählt Stefan Zingel, Digital Cinema Solutions Account Manager für die DACH-Region bei Sony Professional Solutions Europe. Das war natürlich eine Steilvorlage für ein anschließendes Gespräch. „Und das Interesse der Betreiber an dem Projektor ist groß“, sagt Stefan Zingel. „80 Prozent wollen vorerst nur 2D, optionieren aber auch 3D, denn einerseits haben viele auch Kindervorführungen und 3D wird perspektivisch auch im Arthouse-Bereich Einzug halten.“ Diese Option sowie die hohe Auflösung und der hohe Kontrast machen die SRX-R515-Projektoren gerade für den Arthouse-Bereich zukunftssicher. Sie verfügen über die gleichen Eigenschaften wie der große Bruder SRX-R320, also eine 4K-Auflösung, darauf angepasste Optiken, 3D sowie das Silicon Crystal Reflective Display (SXRD™), das eine Eigenentwicklung von Sony ist und eine eigene Lichtcharakteristik hat, die sie von den DLP-Chips unterscheidet. Aufgrund der geringeren Lichtleistung werden in dem SRX-R515 keine Xenon-Lampen eingesetzt, sondern sechs 450 Watt Quecksilberhochdrucklampen. Für diese Lichtquelle, die in einem Kassettensystem sitzt und so einfach ausgetauscht werden kann und zudem noch geringere Folgekosten hat, wurde das SXRD-Set optimiert. Als weiterer Effekt führte die neue Lichtquelle zu einer Verbesserung des Kontrastverhältnisses und selbst beim Ausfall einer der Lampen muss die Vorstellung nicht abgebrochen werden. Der SRX-R515 hat ein Kontrastverhältnis von 5000:1 bei gleicher Farbbrillianz. Wie auch der SRX-320 ist der SRX-515 in der Lage Higher Frame Rates (HFR), also 48 oder gar 60 Bilder die Sekunde, abzuspielen. Der Speicher kommt standardmäßig mit 4 TB, soll aber auf 8 TB angehoben werden. Im 3D-Betrieb zeigen alle Sony-Projektoren das jeweilige Auge als eigenen Film und nicht im Triple-Flash-Verfahren wie andere Hersteller. Um Kinobetreibern die Finanzierung der Digitalisierung zu ermöglichen, hat Sony VPF-Verträge mit den sechs großen Major-Verleihern sowie First Party, dem Zusammenschluss von 26 unabhängigen Verleihern, geschlossen. Die Kosten für ein betriebsfertiges System belaufen sich auf ca. 50.000 Euro.
Thomas Steiger
(MB 03/13)

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