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Mehr Output mit weniger Aufwand

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Mehr Output mit weniger Aufwand

Sky Deutschland hat unlängst in Kooperation mit der Sports Video Group (SVG) Europe in Unterföhring den Sky Sport Summit veranstaltet. Eingeladen waren Entscheidungsträger aus dem Bereich der Sport-TV-Produktion. Diskutiert wurden hier spannende Themen vom Audio- über AR/VR- bis hin zum Einsatz von Big Data und künstlicher Intelligenz in der Sport-Produktion. Tags drauf organisierte SVG Europe in der Münchner Allianz Arena einen interessanten Event zur Fußball-Produktion.

Welches Entwicklungspotenzial hat die Sport-TV-Produktion und welche Technologien sind dabei besonders vielversprechend? Dazu gab es am 21. März bei Sky Deutschland in Unterföhring vor einem ausgewählten Expertenkreis einige spannende Vorträge und Diskussionen. Interessant war, dass, unüblich bei solchen Events, das Thema Audio in den Vordergrund gerückt wurde. „Innovationstreiber Audio – Wie klingt der Live-Sport der Zukunft“ hieß gleich das erste Panel mit Sennheiser COO Peter Claussen, Lawo-CEO Philipp Lawo, Sportcast-Geschäftsführer Alexander Günther und Dolby Deutschland Manager Broadcast Systems, Arnd Paulsen. Deutlich wurde hier, dass immersive Effekte und 3D-Audio hier eine wachsende Rolle spielen werden. Sportcast, das für die Fußball-Bundesliga-Produktion zuständige Tochterunternehmen der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat, laut Günther, 3D-Audio-Systeme seit 2015 über die gesamte Produktionskette hinweg sehr erfolgreich getestet und plant nun die Stadien sukzessive mit den dafür nötigen Mikrofonen auszustatten. In sechs Stadien sind sie schon installiert. Next Generation Audio (NGA) bietet laut Lawo eine Vielzahl an Funktionalitäten bis hin zur Einbindung von Skype-Signalen von Freunden. „Technisch geht alles. Die Frage ist, welche Inhalte sind gefragt“, sagte er, und welche technische Plattform dafür die richtige sei. Dazu seien Use Cases erforderlich. „Es muss nicht unbedingt 3D oder Atmos sein, sondern auch eine binaurale Tonmischung für Kopfhörer. Letztlich kommt es darauf an eine möglichst große, kommerziell interessante Nutzergruppe anzusprechen.“

Die gleiche Meinung vertrat Claussen. Auch das Angebot exklusiver Tonsignale sei möglich, für die der Sender dann ein Extrageld verlangen könnte. „NGA ist eine Riesenchance für den Sportbereich, um hier eine andere Emotionalität rein zu bekommen“, erklärte er. NGA biete viele Möglichkeiten für 3D-Audio, Immersion, Interaktivität, Barrierefreiheit und Personalisierung. Laut Günther ist dafür eine Qualifizierung der Audio-Operator nötig oder auch ein spezieller Audio-Supervisor. „VR/AR – The next big thing in consumer engagement and advertising?“ lautete der Titel eines weiteren Panels mit Thomas Deissenberger, Managing Director vom Sky Vermarkter Sky Media, Bill Browning, Creastive Advisor von Sky Deutschland, Samuel Westberg, EMEA Vertriebsdirektor von Live like VR, Marcus Beisiegel, Senior Manager Audiovisuelle Rechte national von der DFL. Auch hier war man sich darüber einig, dass man mit VR/AR-Technologien bei Sportübertragungen einen deutlichen Zusatznutzen generieren kann. „Multilayer-Funktionalität zum Austausch von Informationen und der Einsatz im Social Media-Bereich sind für den VR-Erfolg sehr wichtig“, meinte Westberg. Laut Browning ist der Markt reif für VR-Angebote. Bei Sky seien sie als Teil des Gesamtangebots zu sehen um den Abonnenten eine neue Betrachtungsweise des Geschehens zu ermöglichen. Beim DFL testet man VR-Angebote ebenfalls schon seit zwei Jahren, im November 2016 unter anderem mit Sky und Live like VR. Wie bei NGA- fehlen auch bei VR/AR-Angeboten noch die Erfolg versprechenden Geschäftsmodelle. Auch bei Werbung und Sponsoring sucht man laut Deissenberger noch nach praktikablen Lösungen, um Werbekunden besser am VR-Angebot antizipieren zu lassen.

Weiter voraus in die Zukunft schaute Alissia Iljaitsch, Mitbegründerin und Digital Innovation Strategist von IQ Gemini, in ihrem Impulsvortrag zur künstlichen Intelligenz. Mit Hilfe von Daten, Trackinginformationen und selbst lernenden Systemen sei es möglich, die Performance von Athleten oder die Erfolgsaussichten von Spielstrategien voraus zusagen. Allerdings sei  dies bei manchen Sportarten wie American Football oder Rugby einfacher, bei anderen wie Fußball allerdings schwieriger, je nachdem, wie stark strukturiert der Spielaufbau einer Mannschaftssportart sei. Auch gebe es Systeme die automatisiert Live-Kommentare zu Sport-Events, zum Beispiel bei Tennis Matches, schreiben könnten. Um solche Innovationen zum Einsatz zu bringen sei indes eine langfristige Roadmap nötig und die Bereitschaft auch mal etwas auszuprobieren, ohne gleich mit einem Return on Invest zu rechnen. VR/AR und künstliche Intelligenz könnten Entwicklungen wie die im E-Sport-Bereich weiter beflügeln und „Socializing Data“ dabei die Emotionalität eines Erlebnisses beziehungsweise Ereignisses steigern. Iljaitsch sieht auch, dass „Replay und Rewatch“ eine wichtige Rolle in der TV-Zukunft spielen werden und die künstliche Intelligenz dazu einen wesentlichen Beitrag leisten wird.

Informationen zu Skys neue SNGs und einen Ausblick auf das neue Sky Sendezentrum Sky Sport HQ, das zum 1. Juli on air gehen soll, lieferten Alessandro Reitano, VP Sports Production von Sky Deutschland, und Daniel Url, Managing Director von Qvest Media. Das Kölner Systemhaus unterstützt Sky maßgeblich bei Planung und Installation. Bei der neuen Technik setze man auf „maximale Skalierbarkeit“ und sei bestrebt, neu Dinge wie Remote-Produktionen auszuprobieren, meinte Reitano. „Sky hat sich mit dem Bau von Sky Sport HQ ein Denkmal gesetzt“, lobte Url.

Das Thema „Chancen und Risiken der digitalen Transformation im Live-Sport“ diskutierten Roman Steuer, EVP Sky Sport bei Sky Deutschland, Alexander Rösner, SVP Sport/ran Sportchef ProSiebenSat.1 und ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. „Top-Inhalte finden auf jedem Weg ihre Zuschauer. Was im Netzt funktioniert, das funktioniert auch im TV“, meinte Balkausky. Vor dem Hintergrund sei nicht zu akzeptieren, dass einige Marktkräfte ARD und ZDF am liebsten auf die lineare Programmverbreitung beschränken würden und ihnen Apps und OTT-Angebote verwehren wollten. Rösner und Steuer betonten beide die hohe Relevanz der 360°-Verbreitung von Sportinhalten, um damit auch alle Nutzer überall und jederzeit erreichen zu können. „Wir wollen alle Sportinhalte, die wir haben, allen Abonnenten aber auch anderen auf allen Wegen zur Verfügung stellen“, betonte Steuer. Rösner wies darauf hin, dass man auch Randsportarten in der digitalen Welt erfolgreich aus dem Internet holen und im TV platzieren könnte, wenn man für mehr Interaktivität und Nutzerbeteiligung sorge. Das zeige das Beispiel der NFL-Übertragung bei Sat.1. Allerdings sei das Angebot neuer Sportarten im TV zunächst einmal als Investition in die Zukunft zu sehen. Balkausky sagte dazu: „Es lohnt sich aber nicht, nur eine Stunde über eine Randsportart zu berichten. Um erfolgreich zu sein, muss man da schon deutlich mehr Sendefläche zur Verfügung haben.“ Deutsche Meisterschaften solcher Sportarten müsste man an einem oder an zwei Tagen übertragen können. „Da haben wir dann eine Chance, genug Aufmerksamkeit für einen Sport zu generieren.“

Vor dem Hintergrund der rasant steigenden Kosten bei Sportübertragungsrechten würde auch der gemeinsame Rechteerwerb und die gemeinsame Rechteverwertung immer wichtiger. Erfolgsmodelle seien beispielsweise die Handball-Übertragungssrechte bei ARD und Sky oder die Rechte an der 3. Fußball-Liga bei ARD und Deutscher Telekom. Unisono verurteilte man die gescheiterte TV-Übertragung der Handball-Weltmeisterschaft 2017. Das Großevent wurde live nur auf einem Internet-Portal des Handball-WM-Sponsors Deutsche Kreditbank (DKB) gezeigt, obwohl dazu gar keine rundfunkrechtliche Genehmigung vorlag. Rechtehalter BeIN Sport aus Katar hatte deutschen TV-Sendern kurzfristig erlaubt, nur kurze Zusammenfassungen von der WM zu zeigen. Rösner forderte: „Wir dürfen es uns nicht bieten lassen, dass Sponsoren uns da in das Geschäft rein grätschen.“ Steuer meinte: „Auch uns gefällt das überhaupt nicht.“ Er kritisierte auch den Trend, dass Sender künftig auch die Konkurrenz zu den TV-Stationen von Fußballclubs stärker zu spüren bekäme. Bei Bayern München TV zum Beispiel könnten nach einem Champions League Spiel die Spieler vor die Kamera treten. Sky Deutschland und andere Sender aber dürften nur mit dem Trainer sprechen. Die Konkurrenz neuer, großer Player wie Amazon, die in den TV-Markt hinein drängen, betrachtet er indes als wenig beängstigend. „Wir können Content besser“, zeigte er sich zuversichtlich.

„All about Data? Daten als Differenzierungsmerkmal für die redaktionelle Aufbereitung von Inhalten“ hieß ein weiteres interessantes Panel mit Dirk Ifsen, Geschäftsführer Perform Media Deutschland, Deltatre Managing Director Christian Holzer und Norman Schindler, Teamleader 2. Bundesliga National Football bei Sky Deutschland. Letzterer sagte: „Die Redaktionen brauchen Daten. Sie helfen uns Geschichten zu erzählen.“ Die Crux sei, immer die richtigen Daten raus zu filtern  und damit auch in der Nachbereitung ein interessantes Storytelling zu realisieren. Deltatre ist seit sechs Jahren in der Fußball-Bundesliga in Sachen Datenerfassung aktiv. Bei jedem Spiel ist man dazu mit sechs Leuten vor Ort. Das Unternehmen kooperiert dabei auch mit Opta, einem zur Perform Sportmedien Gruppe gehörenden Unternehmen, das Live-Sportdaten sammelt, bündelt und analysiert und weltweit in 50 Ligen aktiv ist. Im B-to-B-Bereich arbeitet Opta laut Ifsen für 900 Unternehmen und seit acht Jahren auch für Sky. „In Sachen Datenerfassung wird im Sport künftig noch viel passieren“, versprach Holzer. Neue Technologie sei dafür verantwortlich, mit denen man mehr Daten mit höherer Datentiefe generieren könnte.

 

Football Production Summit

Am Tag nach dem Sky Sport Summit ging der Football Production Summit von SVG in der Münchner Allianz Arena mit zahlreichen Themen-Highlights zur Produktion und Vermarktung von Fußball und mit hochrangigen Vertretern aus der Welt der Sport-TV-Produktion über die Bühne. Auch einige wichtige Hersteller von Produkten und Lösungen für die Fußballproduktion waren hier vertreten, unter anderem Axon, VIZRT, Panasonic, Quantum, Blackmagic Design und AJA. Panasonic stellte hier unter anderem erstmals seine Kooperation mit dem französischen Robotic-Kamerasystem-Hersteller AR+ vor. Das System ist derzeit auch als Demoprojekt bei KST Moschkau zu sehen und wurde auch auf der NAB 2017 in Las Vegas gezeigt. Axon stellt beim Football Production Summit ebenfalls ein Highlight vor, das auf der NAB 2017 gezeigt und dort mit einem IABM Game Changer Award ausgezeichnet wurde. Dabei handelte es sich um das 360-Grad-Kamerasystem Studio.One von AZilPix, einer Ausgründung der Hasselt University in Belgien und iMinds, gegründet von Jan Looijmans (CEO), Philippe Bekaert, Michel Dewolf, Axon und Carrosserie Akkermans. Die 15-jährige Entwicklung von Studio.One wurde unter anderem von der EU-Kommission gefördert.

Besonders interessant waren die Nachmittagsvorträge mit Präsentationen von Fallstudien zur Kostenreduktion von Sportproduktionen. Unter anderem zeigte hier Francois-Charles Bideaux, Sportproduktionsdirektor von Canal+, wie sein Sender mit neuen Technologien und Ideen, die Kosten der Fußballproduktion um die Hälfe reduzieren konnte und wie die hierbei gewonnenen Erfahrungen auch bei anderen Sportproduktionen eingesetzt werden können. „Ziel war es, die Produktionsmenge zu erhöhen und gleichzeitig die Kosten zu senken, ohne dabei Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen“, erklärte er. Das neue Produktionskonzept hatte man zusammen mit Produktionsdienstleister AMP entwickelt. Eine Vereinfachung war nötig geworden, nachdem Canal+ die kompletten Übertragungsrechte an der 1. französischen Fußballliga, Ligue 1, verloren hatte, nur noch drei Spiele pro Saison zeigen darf und sich und sich für eine kostengünstige Produktion beim Amateur-Fußball aufstellen wollte. „Wir arbeiten jetzt nur noch mit sechs Kameras, alle mit Replay-Option, und nur noch mit zwölf statt zuvor mit 29 Leuten je Produktionsteam. Jeder von denen macht jetzt zwei bis drei Jobs“, erzählte Bideaux. Nach nur vier Monaten Testphase  laufe der neue Workflow seit Januar 2017 gut. 

Vorgestellt wurde beim Football Production Summit auch eine weitere Case Study zum Thema IP Remote Production beim Belgischen Fußball: Hier präsentierten Stef Lambrechts, Projekt Manager von Videohouse Media Facilities, Dirk Sykora  Technical Sales Manager von Lawo, Rodrigo Sternberg, Skynet iMotion Activities, Manager Media Handling & Facilities und Geert Thoelen,  Technischer Projektmanager von NEP Broadcast Service eine erfolgreiche Lösung. Telekom-Anbieter Proximus hat die Rechte für die zweite belgische Fußball-Liga erworben und setzt bei der Produktion seit August 2016 auf eine innovative Remote-IP-Technik-Lösung. Das Set-up besteht aus drei Flight Cases, die im Land herum geschickt werden, um alle Kameras, Mikrofone und Kommentator-Einheiten in den Stadien mit der Remote IP-Infrastruktur in zwei MCRs in Brüssel zu verbinden. Damit ist man in der Lage, zwei Spiele gleichzeitig in zwei Landessprachen zu übertragen. Bei der IP Remote-Produktion sind die Firmen Skynet iMotion Activities (SiA), die Produktionsfirma der Proximus Gruppe, involviert sowie Lawo, NEP Belgien und das zur Euro Media Group gehörende Unternehmen Videohouse. „Ohne Lawo hätte das Projekt nicht geklappt“, erklärte Lambrechts. Kernelemente der Shared Network Infrastruktur bilden Lawos V_Remote4 Systeme, eine One-Box-Lösung für alle Anforderungen an den Transport und das Processing von Video- und Audiodaten bei WAN-basierten Remote-Produktionen. Und Sternberg erklärte: „Uns ging es ähnlich wie Canal+. Wir haben die Rechte an der 1. Liga verloren, mußten uns auf die 2. Liga konzentrieren und 50 Prozent der Produktionskosten einsparen“. 

Auch NGA stand beim Football Production Summit auf dem Programm, wenn auch diesmal nicht an erster Stelle. „Making the Beautiful Game Sound Even Better“ war der Titel eines Panels mit Lawo-Direktor Business Development Felix Krückels, Bob France Senior Product Marketing Manager von Dolby und Rob Oldfield, Acustic Research Consultant der Universität von Salford. Auch hier wurde der Einsatz objektorientierter, immersiver Audio-Technologien in der Fußball-Übertragung diskutiert. Einig war man sich, dass der Fußball am meisten von NGA profitieren wird und zwar sowohl in Bezug auf Surround-Mischungen als auch auf interaktive Nutzungsmöglichkeiten durch die Konsumenten.                                       

Eckhard Eckstein

MB 2/2017

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