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Mit neuen Workflows in die Medienzukunft

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Mit neuen Workflows in die Medienzukunft

Viele Unternehmen haben zur IBC 2013 eine firmen- und produktstrategische Neuausrichtung bekannt gegeben. Vor dem Hintergrund des sich rasant wandelnden Mediennutzerverhaltens und der damit verbundenen technologischen Herausforderungen ist der Markt mehr denn je im Umbruch. Zentrales Thema auf der IBC 2013 war deshalb weniger „4K und Ultra HD“ als vielmehr „Workflow-Effizienz“. Hierbei standen oft IP- und Cloud-basierte Lösungen im Vordergrund. Das belegte auch der IBC Innovations Award.

›Erfolgreicher denn je präsentierte sich die IBC 2013. Zwar mag für den einen oder anderen Aussteller, wie gelegentlich zu hören war, die Zahl der Messegäste „gefühlt“ weniger gewesen sein als im letzten Jahr, der Veranstalter selbst meldete jedoch mit rund 53.000 registrierten Besuchern einen neuen Rekord. IBC CEO Michael Crimp erklärte auf der Abschlusspressekonferenz: „Im vergangenen Jahr konnten wir bereits mit knapp 51.000 Besuchern eine Rekordzahl verzeichnen. Mit rund zwei Prozent Zuwachs in diesem Jahr sind wir sehr zufrieden.“ Auch die hohe Qualität der Besucher sei beachtenswert, meinte er. Dies habe das Feedback der Aussteller sehr deutlich gemacht. Die IBC-Veranstalter haben auch erkannt, dass sich das Informationsbedürfnis der Besucher mit Blick auf die wachsende Relevanz der Neuen Medien und IP-basierter Workflows und Distributionswege zunehmend verlagert. Das Angebot „Connected World“ in Hall 14 wurde entsprechend gut angenommen und soll weiter ausgebaut werden. Im nächsten Jahr will man gar mit „IBC Content Everywhere“ eine Art Messe in der Messe veranstalten. Zusätzlich soll dieser IBC-Spezialevent in den nächsten zwei Jahren auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Brasilien installiert werden. „Die IBC Content Everywhere wird im kommenden Jahr, hier in Amsterdam, als Teil der IBC 2014 – als eine Art Show in der Show – gestartet. Dann werden wir mit dem Event im November 2014 nach Dubai gehen und dann Anfang 2015 nach Sao Paulo“, berichtet Crimp.

Die IBC setze in diesen Ländern auf ein stärkeres Engagement, weil dort ein starkes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen sei. „Wir sehen dort eine extreme Ausbreitung von Connected Devices und einen enormen Anstieg der Video-Nutzung über IP-basierte Technologien. In einigen Gebieten hat diese schon die klassische Rundfunknutzung überholt“, erklärt Crimp. Zudem erkenne man in den Wachstumsregionen einen großen Bedarf an Informationen über die neue digitale Medienwelt. Crimp machte deutlich, dass die „IBC Content Everywhere“ keine „IBC lite“ oder „Regional-IBC“ sein soll, sondern vielmehr eine ganz neue, vollkommen andere Kongressmesse. Sie soll den Neuen Medien als Kommunikationsplattform dienen und beim Aufbau einer Community innovativer Kräfte helfen. „Auch wenn wir mit dieser Plattform regional auftreten, so bleibt ihr zentraler Platz dennoch hier auf der IBC in Amsterdam“, meint Crimp.

Verstärkte Kollaboration

Dass sich die Broadcast-Welt schnell ändert, wurde zur IBC auch an der Tatsache deutlich, dass die Bereitschaft, mit anderen Unternehmen in technischen Fragen insbesondere mit Blick auf durchgehende Workflows enger zusammen zu arbeiten, deutlich zunimmt. Neben den Meldungen zu neuen Produkten und Lösungen stachen in diesem Jahr besonders viele Kooperationsankündigungen hervor.

So gab Grass Valley beispielsweise die Kooperation mit dem Open Media 4 Newsroom System von Annova Systems bekannt. Grass Valleys Produktionsplattform und Management System GV Stratus soll in das Redaktionssystem integriert werden. Für das US-Unternehmen bedeutet das einen wichtigen Schritt, um auf dem europäischen Markt eine größere Rolle bei den Newsroom-Systemen zu spielen. Damit erweitert GV Stratus seine Kooperationsbasis, die auch zu den Systemen iNews von Avid, ENEP der Associated Press und Octopus 7 besteht. Journalisten, die mit Open Media arbeiten, partizipieren jetzt voll und ganz vom GV Stratus-System. Annova Sytems-Chef Michael Schüller erklärt: „Mit der Einbindung von GV Stratus von Grass Valley können unsere Kunden einen Produktionsworkflow nutzen, der den gesamten Bereich der Contentproduktion, Distribution und Asset Management-Verwaltung umfasst.“ Der Hauptvorteil der GV Stratus Integration liegt in der Unterstützung des MOS-Protokolls. Das bedeutet, dass über alle Rechner in einem Newsroom Zugriff auf die Produktionsplattform GV Stratus besteht. Darüber eröffnet sich auch der Zugang zum K2 Media Server und dem dort gespeicherten Material sowie zu einem erweiterten Workflow und weiteren Tools. Grass Valley-Marketingchef Mike Cronk bezeichnet die Zusammenarbeit mit Annova System als einen Meilenstein, um sich auf dem europäischen Markt der Newsroom-Systeme weiter zu etablieren: „Für Grass Valley bietet die Integration von GV Stratus in das Newsroom System von Annova System eine großartige Gelegenheit, um in Europa zu demonstrieren, wie hochgradig effizient und zukunftsfähig Grass Valleys Systeme sind.“

Ein anderes Beispiel: Riedel Communications und die Harman-Tochter Studer präsentierten in Amsterdam mit einem gemeinsam entwickelten Audio Routing System, das bis zu 10.000 Ein- und Ausgangskanäle verarbeiten kann, ein Gemeinschaftsprojekt inklusive Vertriebskooperation. Die neue Partnerschaft basiert auf Riedels MediorNet und der digitalen Schnittstelle A-Link von Studer. Diese neue serielle digitale Mehrkanal-Audioschnittstelle funktioniert ähnlich wie MADI (Multi Channel Audio Digital Interface), soll aber laut Hersteller deutlich schneller sein und eine Kapazität von 1.500 Kanälen pro Verbindung haben. Die Verbindung von MediorNet und A-Link soll ein kostengünstiges und leistungsstarkes Routing-System in einem 2-U-Rack ermöglichen. „Wir haben mit Riedel zwei Jahre zusammengearbeitet und eine fantastische Lösung gefunden“, sagt Andy Trott, Vice President und General Manager bei Studer, dessen Konsolen und Mischpulte nun sehr einfach und effizient in die Netzwerke von Riedel integriert werden können. Vor allem die Bestandskunden der beiden Unternehmen sollen von der Kooperation profitieren.

Als besonders begehrter Kooperationspartner erwies sich zur IBC die Firma Adobe. Eine nicht unbeträchtliche Zahl an Unternehmen meldete zur Messe die Integration von Adobe-Schnittstellen zu ihren Systemen. Sony erweitert mit Adobe zum Beispiel die Zusammenarbeit im Bereich 4K-Workflows. Das XAVC-Format von Sony, das für die Produktion von hochauflösendem 4K-Content für Endverbraucher und professionelle Anwender entwickelt wurde, kann jetzt auch mit Premiere Pro CC bearbeitet werden. Adobes Schnittsoftware unterstützt demnach die Dekodierung von XAVC Long GOP sowie die Dekodierung und das Exportieren in das XAVC Intra Format.

„Sony und Adobe vereinfachen die Workflows für die 4K-Content-Produktion – davon profitieren unsere Kunden“, erklärte Simon Williams für Adobe in Amsterdam. Beide Unternehmen würden zusammen arbeiten, um effizientere Workflows für die Content-Produktion anbieten zu können. Dazu gehöre sowohl die Nachrichtenproduktion als auch Spielfilmproduktionen. Und Fabien Pisano von Sony meinte: „Seit Jahren schon konzentriert sich Sony auf nahtlose Workflow-Lösungen für verschiedene Anwendungen, zum Beispiel Spielfilme, TV-Programme oder Consumer Generated Content. In Zusammenarbeit mit Adobe wird Sony hierfür effiziente und kreative Workflows bereitstellen.“

Seit der Markteinführung der PMW-F55 4K CineAlta Kamera von Sony ist das XAVC-Format als 4K-Produktionsformat in der Branche eingeführt. XAVC wurde als End-to-End-Format für Broadcast-Workflows entwickelt. Es deckt deshalb den gesamten Workflow von der Aufnahme, Bearbeitung und Ausstrahlung bis hin zur Archivierung ab. Außerdem beinhaltet XAVC das Format XAVC S für Endverbraucher, um auch in diesem Bereich die Produktion von 4K-Content zu fördern. Sony hat zudem Sony RAW für die 4K-Content-Produktion entwickelt, das ebenfalls von Adobe Premiere Pro CC unterstützt wird.

Die Integration von Adobes Profianwendungen in den eigenen Workflow war unter anderem auch ein Thema bei Dalet, EditShare, Harmonic und Quantel.

Harmonic verknüpft nun sein Videoserver-System MediaGrid mit Adobe Anywhere, der Plattform für gemeinsame Videobearbeitung. Auf der IBC zeigte Harmonic, wie die Integration der beiden Lösungen den filebasierten Workflow optimiert. MAM-Spezialist Dalet präsentierte wie die jüngste Version des Moduls Dalet Xtend zur Unterstützung von Adobe Premiere Pro Creative Cloud eingesetzt werden kann. EditShare verknüpft nun Adobe Premiere Pro mit der auf seiner kollaborativen Speicherumgebung aufsetzenden Flow Media Asset Management Applikation. Das neue Flow-Panel für Adobe Premiere Pro Creative Cloud erlaubt den Nutzern im EditShare-Speichersystem Inhalten zu browsen und zu suchen sowie Metadaten anzufügen – und zwar über gemeinsame Arbeitsgruppen-Projekte und Plattformen hinweg. Und Quantel demonstrierte die Integration des Adobe-Schnittsystems Premiere Pro in den Workflow des sQ Enterprise Systems.

„Kollaboration“ war auf der IBC 2013 eines der wichtigsten Schlüsselwörter überhaupt. Immer deutlicher wird damit, dass die Zeiten proprietär ausgerichteter Aktivitäten einzelner Player ein für alle Mal vorbei sind. Einen sehr interessanten Ansatz mit weitreichender Vision verfolgt in dieser Hinsicht Avid (siehe weiterer Beitrag in dieser Ausgabe).

IBC Innovation Awards

Auch die Preisträger der begehrten IBC Awards 2013, insbesondere in der Kategorie Innovation Awards, machten mit ihren Projekten deutlich, wohin technologisch der Zug in der Branche fährt. Am 15. September wurden Unternehmen im Big Screen-Kinosaal auf dem RAI-Messegelände ausgezeichnet. Die IBC Innovation Awards gingen an Park Road Post Production aus Neuseeland, an die nationale Rundfunkanstalt RTE in Irland und die Japan Commercial Broadcasters Association. Das Kooperationsprojekt der Europäischen Union, Vision Cloud, das sich mit der praktischen Umsetzung der Steuerung und Verarbeitung von Medien in der Cloud beschäftigt, erhielt einen Sonderpreis.

Park Road Post Production war in Wellington, Neuseeland, mit einer enormen Herausforderung konfrontiert, als sich Sir Peter Jackson entschied, seine Hobbit-Filme in 3D mit hoher Bildrate zu drehen und oft mehrere Kameras gleichzeitig einsetzte. Man musste in der Lage sein, sehr hohe Kreativitätsstandards mit der Verarbeitung einer Vielzahl von Daten zu vereinen. Für ihre Lösung erhielten sie gemeinsam mit dem Technologiepartner SGO den IBC2013 Innovation Award für Content Creation.

„Wir wollten eine vollständige Pipeline auf einer Plattform schaffen, die von kurzfristigen Aufnahmen und täglichen Screenings bis hin zu endgültigem Online, Stereo und zur endgültigen Farbabstufung alles bot“, sagte Phil Oatley, Technologieleiter von Park Road. „SGO bot mit Mistika eine Plattform, die nicht nur solide und robust war – sondern so gut, dass die Filmemacher nicht einmal bemerkten, dass wir viermal so viele Daten verarbeiten mussten, wie bei einem normalen Film.“

In der Kategorie Creation wurden BBC News & Sport für die Übertragung des olympischen Fackellaufs im vergangenen Jahr gemeinsam mit den Technologiepartnern Antares, Bradley Engineering, Cobham, LiveU und Mobile Viewpoint sehr lobend erwähnt, ebenso wie ITV und Adobe für einen neuen Ansatz bei Produktionsmanagement von Dramen, und Fox Sports aus Australien, die mit Globecast an der Platzierung von Kameras auf den Helmen der Schlagmänner arbeiteten, um möglichst nahe an das Geschehen bei großen Kricketveranstaltungen zu kommen.

Die irische Rundfunkanstalt RTE erhielt den IBC2013 Innovation Award für Content Management. Auf dem Weg hin zu HD musste man vom Band weg. Man erkannte, dass sich die Umstellung auf FAST – File-Akquisition und Servertechnologie, wie das Projekt genannt wurde – enorm störend auswirken würde und entschloss sich, in ein kleines System der Technologiepartner TMD und Eurotek zu investieren, das die Mitarbeiter, die danach Superuser werden würden, für die Entwicklung verwendeten. Diese wiederum wurden zu den Befürwortern nicht nur den Kollegen, sondern auch dem Vorstand von RTE gegenüber, und zeigten das Potenzial des vollständigen Systems auf.

T-2 aus Slovenien, zusammen mit Vision 247 und Fora, wurde für seine nahtlose IPTV-Plattform bei der Bereitstellung auf sämtliche Geräte, sowie die belgische Rundfunkanstalt RTBF, mit den Technologiepartnern Perfect Memory und Memnon, für ihre semantische Archivsuche Gems, von den Juroren auf die Bühne gebeten. Sie erhielten Anerkennungszertifikate. Die dritte Kategorie ist der IBC 2013 Innovation Award für Content Delivery, der diesmal an die Japan Commercial Broadcasters Association ging. Sie wagte den mutigen Schritt, ein Netzwerk aus unkomprimierten HD-Schaltkreisen im gesamten Land aufzubauen und die Mitgliedsunternehmen zu verbinden. Das Netzwerk baut auf hochmoderner IP-Technologie auf. Von der JBA wurden zwei Finalisten auf die Bühne gebeten, um deren unterschiedliche Arbeit mit Cloud-Technologie zu würdigen: Abertis Telecom arbeitete mit Harmonic und Nagra und verwendete die MPEG-DASH Spezifikation bei der Einführung einer Bereitstellungsplattform für mehrere Bildschirme, und der holländische Kabelnetzbetreiber Ziggo stellte seine interaktiven Dienstleistungen und Benutzeroberflächen in die Cloud, womit der Zugriff darauf mit allen bisherigen Set-Top-Boxen möglich ist.

„Das Umfeld der Branche hat sich verändert und sie entwickelt sich ständig weiter, von der herkömmlichen Übertragung in Richtung des überall verfügbaren Inhalts“, sagte IBC-CEO Crimp. „Diese Preise sind ein wichtiger Aspekt der IBC, da sich diese Veränderungen gut daran nachverfolgen lassen. Die diesjährigen Gewinner stehen für einige der wichtigen Themen – wie fortschrittliche Darstellungsformate über HD hinaus und Inhalte mit großen Datenmengen in der Cloud –, welche die gesamte IBC dominieren.“
Eckhard Eckstein
(MB 10/13)

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