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Neue Realität

Highlight-Themen auf der diesjährigen NAB (14. – 17. April 2012) in Las Vegas waren Workflow-Integration, Multiscreen-/Multiplattform-Distribution und Cloud- und Software-basierte Lösungen. Überall ging es darum, mit weniger Ressourceneinsatz mehr zu erreichen. Das letztjährige Hype-Thema 3D spielte in Las Vegas nur noch am Rande eine Rolle.

Die National Association of Broadcasters (NAB) meldete mit über 92.000 Gästen einen Besucherzuwachs von fast zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. 25.000 davon kamen aus dem Ausland. Über 150 Länder waren auf dem Messegelände in Las Vegas vertreten. Die Zahl der Aussteller lag in diesem Jahr bei 1.600. Das sind 50 mehr als 2011. Auch die belegte Ausstellungsfläche war laut Veranstalter mit 815.000 Quadratmetern deutlich größer.

Die weltgrößte Broadcast-Messe NAB Show in Las Vegas entwickelt sich mehr und mehr zum ultimativen Marktplatz für digitale Medien und Entertainment allgemein. Der klassische Rundfunk ist nur noch ein Teilbereich dessen – wenn auch sicherlich noch der Wichtigste. Getrieben durch die Konvergenz der Medien versucht sich die NAB Show heute als Plattform für alle Medienhäuser zu positionieren. Im Fokus stehen dabei klar Technologien und Lösungen, um Medieninhalte zur produzieren, zu planen, zu verwalten, zu speichern, zu verbreiten und zu vermarkten. „Content is king“, wird hier immer wieder gerne betont. In diesem Jahr befasste sich die NAB auch auf dem Messe begleitenden Kongress intensiv mit dem derzeit stattfindenden rasanten Wandel in der digitalen Medienwelt.

Motto diesmal „The great content shift: defining your evolution“. Damit traf man in der Tat einen ganz zentralen Punkt in der Branchenentwicklung. Die meisten Unternehmen sind dabei, sich neu zu positionieren, um für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein. Die damit verbundenen Konsolidierungsmaßnahmen sind schon länger zu beobachten und wohl noch längst nicht überall abgeschlossen. Es gibt zunehmend Kooperationen, Firmenzusammenschlüsse, Übernahmen, aber auch die Schließung mancher Abteilungen und Entlassungen. Nicht nur die Broadcast-Hersteller sind davon betroffen, sondern auch deren Kunden, egal ob Produktionsdienstleister oder TV-Sender. „Überall geht es um die Frage, wie sich mit geringerem Budget höherer Nutzen erzielen lässt. ´Do more with less’ heißt die neue Realität“, brachte es Tom Lattie, Vice President Products von Harmonic, auf den Punkt. Für die TV-Sender bedeute dies, dass sie heute mit weniger Mittel und weniger Personal mehr Bildschirme bespielen müssten. Und natürlich liefert Harmonic dafür die richtigen Werkzeuge.

Multiplattform und Multiscreen

Der „Second Screen“ war auf der NAB 2012 in den Messehallen und Konferenzräumen ein heiß diskutiertes Thema. Das Schlagwort steht für das Bemühen der Medienunternehmen, Inhalte über verschiedene Ausgabekanäle und Displays verfügbar zu machen – über Fernsehbildschirme, Computermonitore und mobile Endgeräte. Und die Herausforderung für die Produzenten liegt eben darin, ihre Inhalte einfach, schnell und effizient auf unterschiedlichen Plattformen bereitzustellen. Das ist kein Wunder. Schließlich konsumieren schon über 40 Prozent aller Besitzer von mobilen Endgeräten in den USA Fernsehsendungen auf mehreren Bildschirmen. 30 Millionen US-Amerikaner sehen auf dem Handy fern. Das konstatiert zumindest die 2011 von Nielsen durchgeführte Marktstudie „State of the Media: Consumer Usage Report“.

Neben Harmonic hatten auch viele andere NAB-Aussteller neue Lösungen für die „Second Screen“-Bespielung parat. Unter anderem präsentierte Avid seine Multiplattform-Distributionslösung MPD. Sie unterstützt Journalisten, Produzenten und Video-Editoren bei der Optimierung von „Second Screen“-Prozessen. „Die Mediennutzung hat sich stark verändert. Das erhöht den Druck auf unsere Kunden, mehr Inhalte für verschiedene Bildschirmgrößen zu liefern“, erläuterte Chris Gahagan, Senior Vice President of Products and Solutions bei Avid. „Unsere Multiplattform-Distributionslösung unterstützt die Medienproduzenten, indem sie ihnen die Flexibilität bringt, ihre Inhalte wesentlich einfacher und schneller als bislang möglich zu integrieren, zu managen und bereitzustellen.“
In Verbindung mit Avid Interplay und iNEWS gestaltete Avid MPD den Ressourcen- und Metadatenfluss auf intelligente Weise – von der Erstellung über die Transkodierung bis hin zur Bereitstellung in Web-Content-Management-Systemen, Online-Videoplattformen und sozialen Netzwerken, berichtete er auf der Avid-Pressekonferenz in Las Vegas. Die Lösung stützte sich auf vorhandene Funktionen aus Interplay und iNEWS sowie Webservices-APIs, um eine kosteneffiziente Anpassung an diverse Kundenanforderungen und -umgebungen zu gewährleisten.

„Der Markt macht es notwendig, dass Medienunternehmen ihre Netze weiter auswerfen und mit ihren Inhalten möglichst viele Benutzer erreichen – und das in einem Umfeld, in dem Content überall, jederzeit und auf jedem beliebigen Gerät auf Abruf konsumiert wird. Gleichzeitig müssen sie dafür sorgen, dass die Content-Ersteller, beispielsweise Journalisten, bei der Produktion, Verwaltung und Veröffentlichung der Inhalte agil und flexibel agieren können. Lösungen, die all das bieten, sind zurzeit noch rar gesät“, kommentierte Mukul Krishna, Global Director Digital Media bei Frost & Sullivan. „Avids Multiplattform-Distributionslösung stellt einen bedeutenden Schritt in der Erweiterung des Asset-Management-Portfolios des Unternehmens dar, denn sie versetzt die Anwender in die Lage, eine immer größere Vielfalt an Content-Veröffentlichungsoptionen und damit eine größere Anzahl an Kunden zu bedienen.“ „Avids MPD-Lösung ist auf die Gewinnung, Bindung und aktive Einbindung der Konsumenten ausgerichtet. Journalisten und Cutter erhalten damit eine einfach bedienbare, einheitliche Softwareoberfläche, mit der sie Content einmal erstellen und im Anschluss direkt veröffentlichen können – im richtigen Format, mit den richtigen Metadaten, auf der richtigen Plattform“, meinte Gahagan.
Die Veröffentlichung von Medieninhalten für mehrere Ausgabemodi – von Websites über soziale Netzwerke bis hin zu Content-Aggregatoren – setze voraus, dass fehleranfällige manuelle Schritte über mehrere separate Systeme hinweg so weit wie möglich vermieden würden. Gahagan: „Avids Lösung bietet diese Funktionalität und managt die Multiplattform-Veröffentlichung auf effiziente Weise.“

Fantastische Möglichkeiten

Auch Harris Broadcast bedient mit seinen Technologien verstärkt die Produktion für den „Second Screen“. Harris Morris, Präsident von Harris Broadcast, erklärte im MEDIEN BULLETIN-Interview auf der NAB 2012: „Unsere Visionen und Ziele werden sehr stark durch das Konsumentenverhalten bestimmt. In Zukunft werden Inhalte für die Nutzer noch reichhaltiger, vielfältiger, gezielter aber auch viel einfacher zu konsumieren sein. Die Menschen können sich also darauf freuen, hochklassige Inhalte sehen zu können, und das nicht nur zu Hause, sondern wo immer sie möchten.“ Durch diese Entwicklung würden sich natürlich auch „fantastische Möglichkeiten“ für die Broadcastindustrie ergeben. Morris: „Ich kenne nur wenige Branchen, die so viele Chancen haben, sich zu entwickeln. Das setzt natürlich voraus, dass man auch dementsprechend handelt. Wer die Chancen nutzen will, darf sich von der rasanten Entwicklung im Medienmarkt nicht einschüchtern lassen.“

Auf der einen Seite habe man zwar fantastische Inhalte und die unterschiedlichsten Plattformen, um sie auszuspielen, auf der anderen Seite sei es aber auch sehr wichtig, dass die Bemühungen der Broadcaster mit den Bedürfnissen und Wünschen der Konsumenten in Einklang stünden. „Es geht darum, sich für den richtigen Bildschirm zu entscheiden, die richtigen Grafiken dafür zu verwenden und alles zu vernünftigen Kosten bereit zu stellen. Hier kommen wir ins Spiel. Wir können den Sendern in vielen Bereichen helfen“, meinte Morris. Das gelte insbesondere für Live-TV-Produktion und softwarebasierte Workflows, um sicherzustellen, dass jede Sekunde Material auch bestmöglich genutzt werden könne. „Gute Asset Management Systeme, makellose Workflows und solide Playout-Lösungen sind dafür nötig“, sagte Morris. Außerdem könne Harris den Broadcastern dabei helfen, Inhalte auf jede Plattform auszuspielen und zwar zu akzeptablen Kosten und in der richtigen Qualität. Morris: „Wenn Konsumenten oder Werbetreibende nicht gewillt sind, genauso viel Geld für einen kleinen Bildschirm oder ein kurzes Format zu zahlen, wie für den großen Fernseher oder Live-Content, dann muss der Broadcaster auch in der Lage sein, kostengünstiger zu arbeiten. Wir von Harris versuchen, den Broadcastern mit unseren flexiblen, softwarebasierten Systemen hierbei zu helfen.“

Grass Valley mit Green House-Konzept

Bei Grass Valley sieht man das ähnlich. „Die Broadcast-Industrie befindet sich ohne Zweifel derzeit im Umbruch. Die Bereiche Digital und Software sind sehr stark im Kommen“, erklärte Grass Valley Präsident Alain Andreoli im MEDIEN BULLETIN-Interview. Der Wandel lasse sich aber auch daran deutlich machen, dass es dieses Jahr auf der NAB weniger um HD oder 3D gehe als vielmehr darum, den Konsumenten einmal produzierte Inhalte auf allen Endgeräten zugänglich machen zu können. Andreoli: „Die Zeiten in denen Rundfunksender nur noch für den Fernseher produzieren ist lange vorbei.“ Das Internet rücke immer stärker ins Zentrum der Medienproduktionen. Und digitale Files müssten auf ihrer Reise durch die Produktionslandschaft möglichst einfach handhabbar gemacht werden. „Es ist jetzt also die Zeit der Workflow Engines und der Media Asset Management Tools. Die sind heute ebenso wichtig wie die Möglichkeit, Inhalte auf verschiedene Endgeräte ausspielen zu können und dabei sehr effizient zu arbeiten“, betonte Andreoli.
Es sei sehr wichtig, gerade in der Produktion günstiger arbeiten zu können, weil hier einfach das meiste Geld ausgegeben würde – vor allem, wenn es sich um Live-Content, dem „Eckpfeiler des Fernsehens“, handele. Aufgezeichnete Inhalte dagegen würden in Zukunft wahrscheinlich eher selten im linearen TV wiederholt. Dafür seien dann andere Plattformen interessant. „Unser Anspruch bei Grass Valley ist also, Live-Inhalte sehr effizient und in höchster Qualität produzierbar zu machen. Außerdem wollen wir, dass Broadcaster zu einem günstigen Preis arbeiten können. Wir sind immerhin das einzige Unternehmen, das von der Aufnahme mit den Kameras bis hin zum Playout alles das leisten kann. Unser Anspruch ist es, für jeden Schritt der Produktion, die besten Lösungen liefern zu können“, betonte der Grass Valley-Präsident.
Auf der NAB 2012 vorgestellt wurde von im das neue „Green House“-Konzept des Unternehmens.

Andreoli erklärte dazu: „Über die Jahre haben viele Rundfunksender ein hohes technisches Verständnis entwickelt, das es ihnen möglich machte, das für ihr Unternehmen richtige Equipment zu beschaffen. Es konnten sehr komplexe Systeme und Standards entstehen. In der Zukunft müssen die Systeme wie aus einem Guss funktionieren. In einigen Fällen geht die jetzige Entwicklung im Markt über das Wissen der Menschen hinaus, die die Broadcast-Welt über so viele Jahre mit aufgebaut und geprägt haben. Heute dreht sich alles um Software, IT und Internet. Grass Valley steht bereit, um Rundfunksender dabei zu beraten. Unser Green House stellt im Grunde ein Gerüst dar, das unsere Kompetenz als vertrauenswürdiger Berater unterstreicht. Ganz oben angesiedelt sind die Consulting-Dienstleistungen, darunter befindet sich die Software, die alles zusammenfügt sowie die Eckpfeiler Produktion, Switching, Playout und so weiter – und unten, als Fundament, sehen wir unseren Service. Beim Green House geht es uns darum, unsere Kunden mit zukunftsorientierten Konzepten zu begeistern. Wir möchten unseren guten Service in Zukunft noch besser machen.“

Paradigmenwechsel in der Produktion

Für den statfindenden Paradigmenwechsel in der Broadcast-Produktion hat Quantel in Las Vegas mit RevolutionQ eine neue Software-Architektur vorgestellt. Sie setzt auf offene Standards und ermöglicht das reibungslose Zusammenspiel unterschiedlicher Komponenten verschiedener Hersteller. RevolutionQ-Anwender sollen selbst entscheiden, welche Hardware sie verwenden möchten. Mit RevolutionQ und preiswerter Standard-Storage-Komponenten lassen sich Medieninhalte und Programme langfristig speichern und verfügbar machen. Mit dem Ingest des Materials erfolgt zugleich seine Archivierung. Das hierarchische Speichermanagement, bei dem nicht aktuelle Programm-Materialien auf externe Speichermedien ausgelagert werden, wird damit hinfällig. RevolutionQ lässt sich komplett in die Produktionsplattform Enterprise sQ integrieren. „Damit bleibt Quantel seiner Tradition treu, dass sich die Investitionen der Kunden auch langfristig auszahlen", erklärte Quantel CEO Ray Cross auf der NAB-Pressekonferenz des Unternehmens.

„Wir möchten, dass unsere Kunden voll und ganz von den wirtschaftlichen Vorteilen profitieren, die aus dem Einsatz von Standard-Hardware resultieren“, betonte er. „Zu diesem Zweck haben wir eine neue, komplett offene Software-Architektur entwickelt. RevolutionQ verarbeitet sämtliche Formate und Metadaten und ist für sämtliche Produktionsstrukturen einsetzbar, um eine einheitliche, offene und zukunftsfähige Produktionsumgebung zu schaffen. Diese neue Art von Broadcast-Systemen revolutioniert unsere Branche und ist durch die Innovationen von Quantels entscheidend vorangetrieben worden.“ Ein führender US-Sender habe bereits mehrere Millionen Dollar in die RevolutionQ-Technologie investiert.
Roger Thornton, Quantels Leiter Öffentlichkeitsarbeit, wies in Las Vegas darauf hin, dass die erhebliche Senkung der Speicherkosten das Gleichgewicht in der Produktionsökonomie verändere. Medienunternehmen müssten nicht mehr länger darüber nachdenken, ob Material gelöscht oder im Archiv gespeichert werden solle. „Mit dem Ingest des Materials erfolgt automatisch die Archivierung, was die Systeme extrem vereinfacht, den Zugang zum Material erleichtert und die Kosten reduziert. Das Speichervolumen kann sich auf mehrere Petabytes belaufen. Die Vision, Inhalte aus mehreren Jahrzehnten online verfügbar zu haben und jederzeit abrufen zu können, ist damit Wirklichkeit geworden", betonte er. RevolutionQ sorge für eine wesentlich höhere Flexibilität hinsichtlich der unterschiedlichen Medienformate und der Interoperabilität. Auf der NAB präsentierte Quantel, wie native i-Frame-Formate mit Material in Long-GOP-Codierung zusammen geschnitten werden klönnen. Steht Material aus mehreren Jahren online, wird es immer schwieriger, die richtigen Sequenzen zu finden.

RevolutionQ legt Schema-freie Metadaten an und bietet dafür Browserfunktionen. Dadurch ist es möglich, sowohl aktuelle Metadaten-Formate zu handhaben als auch künftige Anforderungen zu erfüllen. RevolutionQ kann laut Quantel hunderte von Livestreams simultan einlesen, wodurch hunderte Anwender sofort auf das eingehende Material zugreifen können, ohne dazu in einem separaten Archiv suchen zu müssen. Was bisher ein eigenes Archivsystem erfordert hat, ist heute nur noch eine Frage der Systemlösung, durch die Kosten und Aufwand gespart werden können. „RevolutionQ ist nicht nur für große Fernsehstationen interessant, sondern von dieser kosteneffizienten, skalierbaren Softwarearchitektur profitieren alle Medienunternehmen, weil ihnen dadurch neue Wachstumsstrategien eröffnet werden", sagte Thornton.

Den Schlüssel für die Online-Speicherlösung bildet nach seinen Angaben Quantels Virtual File System (QVFS), das alle eingehenden Bildinhalte in Echtzeit analysiert und jedem Einzelbild eine Identität zuordnet. Dies erlaubt es den Nutzern, bereits mit dem Material zu arbeiten, während dieses noch eingespielt wird. RevolutionQ verwendet als Speicherstruktur den Standard AS-O2 Bundles, wodurch sich viele native Bildformate und Metadaten-Schemata speichern lassen.

Tolle Zeit für Broadcaster

„Es ist eine tolle Zeit für alle Broadcaster. Die Industrie bekommt gerade eine neue Dynamik“, erklärte Carl J. Dempsey, Präsident und CEO von Wohler, auf der NAB gegenüber MEDIEN BULLETIN.
Entsprechend dem Motto der diesjährigen NAB „The great content shift: defining your evolution“ habe Wohler seine Evolution bereits neu definiert. Im Zuge dessen habe das Unternehmen erst kürzlich RadiantGrid Technologies, das laut Dempsey derzeit am schnellsten wachsende Unternehmen für Transcoding-Technologie, übernommen. „Wir sehen ganz klar einen Trend, der weg geht von Baseband- hin zu filebasierten Umgebungen“, sagte er. Der Grund dafür sei sehr einfach. Dempsey: „Die Anforderungen in unserer Industrie haben sich gewandelt.

Es gilt heute sehr viel mehr Arbeit zu verrichten als früher und dennoch Budgets und Arbeitskräfte auf ein Minimum zu reduzieren.“ Heute müsse es möglich sein, Inhalte von professionellen und semiprofessionellen Kameras aber auch von iPhones zu verarbeiten und auf verschiedenen Plattformen auszuspielen. „Um das realisieren zu können muss sehr viel effizienter gearbeitet werden. Dafür müssen sowohl die Businessmodelle als auch die Workflows der Sender geändert werden – und das geht nur mit einem filebasierten Ansatz“, betonte er.

3D spielt eher untergeordete Rolle

Das Thema 3D spielte auf der NAB in diesem Jahr eine eher untergeordnete Rolle. Alec Shapiro, Senior Vice President for Broadcast & Production Systems von Sony, rührte auf der Pressekonferenz des Unternehmens im Las Vegas Hard Rock Hotel dennoch einmal die 3D-Werbetrommel. Gezeigt wurden hier auch Ausschnitte aktueller 3D-Produktionen, unter anderem faszinierende Aufnahmen von „Stormsurfers“ und vom Hip-Hop-Wettbewerb „Battle of the year – The Dream Team in 3D“. Sony kündigte an, sich erneut als Sponsor von ESPNs Summer X Games in 3D zu engagieren und auch 3D-Programme von 3Net und Sky in UK zu unterstützen. Interessant war auch der auf dem Freigelände zwischen South Hall und Central Hall geparkte neue und mit reichlich Sony-Equipment ausgestattete 3D-Ü-Wagen von ESPN. Er bietet eine sehr ungewöhnliche Raumaufteilung für Audiomischung, Kamerakontrolle und Regie aus. So sind hier drei Reihen Arbeitsplätze in der Regie nicht wie üblich in der Längs- sondern in Querachse des Auflegers angeordnet.

Auch Vince Pace und James Cameron von der CAMERON | PACE Group (CPG) nutzten die NAB 2012 wie schon die IBC im vergangenen Jahr, um ihre so genannte 5D-Lösung zu promoten. In der überfüllten Super-Session „The Secrets of Making 3D Profitable“ erklärten sie, wie man damit gleichzeitig 2D- und 3D-Produktionen realisiert werden kann – ohne einen deutlichen höheren Personal- und Kostenaufwand in Kauf nehmen zu müssen. „TV-Sender können mit dem 5D-Verfahren ihr 2D-Business-Modell beibehalten und mit 3D on-top Zusatzeinnahmen generieren“, meinte Cameron. Er berichtete auch über die Produktion der ESPN Winter X Games bei denen 35 3D-Rigs im Einsatz waren, um die größte 5D-Produktion der Geschichte zu bewerkstelligen. Pace lobte CBS Sports für die Nutzung der CPG Technik bei der 3D-Produktion der Golf Masters in Augusta und ESPN für den Start eines eigenen 3D-Kanals. CPG hat laut Pace bereits über 200 Sportproduktionen unterstützt. Cameron ermutigte die TV-Sender sich bei der Live-Sport-Produktion aber auch in anderen Bereichen für den Einsatz von 3D-Technik stark zu machen. „3D ist die Zukunft und wird sich auch im Fernsehen durchsetzen – egal was die Nein-Sager meinen“, erklärte er.

Trotzdem war auffällig, dass selbst bei 3D-Promoter Sony das Thema 3D am NAB-Messestand nur sehr reduziert zur Geltung kam. „3D-Funktionalitäten sind mittlerweile in vielen Lösungen und Technologien Standard. Deswegen wird das Thema auch nicht mehr so hoch gehängt“, meinte Mark Grinyer, Head of Business Developement 3D & Sports Live Production von Sony Europe.
Eckhard Eckstein, Niklas Eckstein
MB 05/12)

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