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Reichlich Diskussionsbedarf

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Reichlich Diskussionsbedarf

Neue Rekordzahlen verzeichnete die ANGA COM 2013. Erstmals kamen mehr als 17.000 Besucher, die Hälfte davon aus dem Ausland. 1.700 hatten sich zudem für das Messe begleitende Kongressprogramm registriert. Damit konnte die Fach- messe für Breitband, Kabel & Satellit laut Veranstalter ANGA im Messe- und Kongress-Bereich die Teilnehmerzahlen des Vorjahres jeweils um sechs Prozent steigern. Auch bei den Ausstellern in den zwei Messehallen gab es Zuwachs. Die ANGA COM zeigte, dass es in der Branche derzeit viel Diskussionsbedarf gibt.

450 Aussteller aus 36 Ländern präsentierten auf dem in diesem Jahr von ANGA Cable zu ANGA COM umfirmierten Branchenevent für Breitband-, Kabel- und Satellitentechnik ihre Produkte und Lösungen. Die Themen SmartTV, Second Screen, IPTV und Connected Home spielten in diesem Jahr eine wichtige Rolle. Auch das neue Hype-Thema 4K war präsent. Unter anderem zeigte SES auf einem großen Flatscreen eindrucksvolle Ultra-HDTV-Bilder.

„In diesem Jahr ist die ‚ANGA Cable‘ zur ‚ANGA COM‘ geworden. Breitband und Medien – unsere beiden thematischen Säulen – verdeutlicht der neue Name noch stärker. Gut zu erkennen war dies auch in der Messehalle. Neben der klassischen Kabel- und Satellitentechnologie sind Glasfaserausbau, IPTV, Video on Demand, Softwarelösungen und Consumer Electronics inzwischen fester Bestandteil der Produktpalette unserer Aussteller. Besonders freuen wir uns über den Erfolg des Thementags Connected Home, den wir in Kooperation mit dem BITKOM-Verband veranstaltet haben“, betonte Thomas Braun, Präsident des gastgebenden Verbandes Deutscher Kabelnetzbetreiber (ANGA).

Auch Herbert Strobel, Vorsitzender des Fachverbandes Satellit & Kabel im ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.) zeigte sich mit dem Messeverlauf höchst zufrieden: „Die diesjährige Bilanz ist erneut beeindruckend, dazu hat auch die konsequente thematische Weiterentwicklung zur ANGA COM beigetragen. Als der Marktplatz für Netzbetreiber, Ausrüster und Programmveranstalter bleibt die ANGA COM für unsere Hersteller und Systemlieferanten das Branchen-Highlight des Jahres.“ Und Dr. Peter Charissé, Geschäftsführer der ANGA COM, kommentierte: „Unsere neuen Ideen für 2013, insbesondere die Weiterentwicklung des Veranstaltungsnamens und das neue Schwerpunktthema ‚Connected Media Home‘, haben gezündet. Was unsere 450 Aussteller dazu auf die Beine gestellt haben, war erstklassig. Unsere Besucherstruktur wird von Jahr zu Jahr vielfältiger und hochwertiger.“ Die Meinung der Aussteller über die Kongressmesse war indes differenzierter. Einige Unternehmen zeigten sich deutlich weniger begeistert als die Veranstalter. Sie berichteten von „gefühlt“ weniger Besuchern und kündigten an, ihre ANGA COM-Präsenz für das kommende Jahr zu überdenken. Andere Aussteller wiederum lobten die gute Stimmung und vielfältigen Kontaktmöglichkeiten. „Für uns hat sich die ANGA COM wieder sehr gelohnt, in vielerlei Hinsicht,“ meinte etwa Jürgen Horn, Geschäftsführer bei sky vision Satellitentechnik. „Zum einen können wir hier natürlich Abschlüsse erzielen. Viel wichtiger ist jedoch die Möglichkeit, sich in einem kreativen Umfeld mit bestehenden und potentiellen Geschäftspartnern persönlich auszutauschen. Wir nehmen einige sehr konkrete Ideen aus Köln mit und viele aussichtsreiche Kontakte.“

Auch bei SmartTV-Spezialist smart electronic blickte man zufrieden auf drei erfolgreiche Messetage auf der ANGA COM in Köln zurück. Neben guten Geschäftsabschlüssen, aufschlussreichen Gesprächen mit internationalen Partnern und Neukontakten, führte nicht zuletzt die Premiere der neuen Receiver-Generationen zu einem positiven Gesamtergebnis. Unter dem Motto „Feel the Connected Entertainment“ präsentierte das Unternehmen sowohl Produkte des bestehenden Portfolios als auch neue Geräteklassen für eine einfache und intelligente Heimvernetzung. Die Präsentation der derzeit günstigsten Einstiegslösungen für das Streaming von TV-Content auf portable Endgeräte, wie Tablet oder Smartphone, stieß dabei auf besonders großes Interesse beim Kölner Messepublikum. „Die ANGA COM 2013 war für smart eine Erfolgsmesse. Innovative Geräteklassen, wie zum Beispiel die Merlin IPTV-Serie und die Sat-to-IP Receiver CX02, CX05 und MX Flat Net, entwickelten sich bereits am ersten Messetag zum Besuchermagnet. Mit unserem diesjährigen Produkt-Angebot, insbesondere der erfolgreichen Premiere der günstigen Einstiegsprodukte für IP-Streaming von Fernsehinhalten, ist es uns wieder einmal gelungen, unsere Standbesucher aus Handel und Presse mitzureißen“, so Christoph Hoefler, Geschäftsführer bei smart.

Keynote und Gipfeltreffen

Die Keynote zur ANGA COM Konferenz hielt Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFL Deutschen Fußball Liga GmbH. Er machte klar, dass die DFL mit den Bundesligarechten eines der wichtigsten Assets im deutschen Medienmarkt besitzt und dabei ist, ihre Umsätze damit auf den unterschiedlichen Vertriebsschienen gewaltig zu steigern. „Die Fußball- und Medienlandschaft in Deutschland ist eine Art Schicksalsgemeinschaft. Die Medien brauchen Fußball für ihre Geschäftsmodelle und wir brauchen das Geld der Medien, um in Spieler und Vereine investieren zu können, um in Europa wettbewerbsfähig zu sein“, erklärte er. Bei der letzten Rechtevergabe im April hat die DFL Abschlüsse für die kommenden vier Spielzeiten für rund 2,5 Milliarden Euro tätigen können. Das sind jährlich 628 Millionen Euro – 52 Prozent mehr als der Durchschnittserlös (jährlich 412 Millionen Euro) in den vergangenen vier Spielzeiten.

Durch die wachsende Konkurrenz im Bieterstreit bei den Fußballbundesligarechten würden sich für die DFL neue Einnahmepotentiale eröffnen, meinte Seifert. Wohin die Entwicklung gehe, zeige der kürzlich erfolgte Lizenzerwerb der British Telecom (BT) an 38 Spielen der Premiere League in Großbritannien 246 Milllionen Pfund. BT trete auf dem UK-Markt nun als „Game Changer“ auf und versuche seit Mai des Jahres durch neue Angebotspakete, die auch das kostenlose Angebot von Premiere League-Spielen und auch Bundesligaspielen – durch eine Kooperation mit ESPN ermöglicht – die Zahl seiner Haus-Anschlüsse zu puschen.

In Deutschland gibt es derweil noch eine freundliche Kooperation zwischen Pay-TV-Anbieter Sky Deutschland und der Deutschen Telekom. Das komplette Sky-Angebot wird ab Juli auch auf der Entertain-Plattform der Telekom verfügbar sein. „Liga Total“-Kunden von Entertain, die bis vor dem 4. Januar gebucht haben, erhalten dann auch das Sky-Bundesliga-Paket zur Saison 2013/2014 (Start ist am 9. August) zu den bisherigen Konditionen. Wenn sie in der darauf folgenden Saison aber weiter Fußball sehen wollen müssen sie zu Sky wechseln. Die Telekom war bei der Rechtevergabe für die kommenden Spielzeiten leer ausgegangen. Sie kann deshalb nicht mehr wie bislang „Liga total“ mit dem IPTV-Angebot Entertain vermarkten. Dafür hat erstmals der Springer-Verlag für bild.de Bundesliga-Rechte für die Highlight-Berichterstattung als Internet-Stream, ab eine Stunde nach Spielende, gewinnen können.

Seifert wies in seiner Rede auch darauf hin, dass die DFL sehr starkes Interesse am Angebot von Premium-Inhalten habe. Deshalb werde man auch weiterhin die technische Infrastruktur für HD-Übertragungen investieren und die Produktionstests bei neuen Technologien wie 4K unterstützen.

Im Kongressbereich war der Fernsehgipfel wieder das Highlight des ersten Tages. In der hochkarätig besetzten Diskussionsrunde „Netze und Inhalte: Wer zahlt an wen?“ ging es neben anderen aktuellen Medienthemen vor allem um die künftige Verteilung der Wertschöpfung zwischen Inhalteanbietern und Netzbetreibern. Teilnehmer der von Stern.de-Chefredakteur Frank Thomsen moderierten Runde waren Michael T. Fries (Präsident und CEO von Liberty Global International), Karola Wille (Intendantin Mitteldeutscher Rundfunk), Conrad Albert (Vorstandsmitglied ProSiebenSat.1 Media AG), Andreas Bereczky (Produktionsdirektor ZDF), Adrian von Hammerstein (Vorstandsvorsitzender Kabel Deutschland), Dietmar Schickel (Geschäftsführer Tele Columbus) und Brian Sullivan (Vorstandsvorsitzender Sky Deutschland).

Fries machte klar, dass Liberty starkes Interesse an einer Konsolidierung des deutschen Kabelmarktes hat und auch nach der Übernahme des britischen Pay-TV-Anbieters Virgin für 24 Mrd. US-Dollar noch genug Geld in seiner Kriegskasse hat. Zwei Wochen nach der ANGA COM wurde bereits bekannt, dass auch Liberty neben Vodafone ein vorläufiges Übernahmeangebot an Kabel Deutschland übermittelt hat. In Köln sprach sich Fries für eine bundesweite Kabelplattform aus. Die Zersplitterung des Kabelmarktes in einzelnen Bundesländern sei aus wettbewerbstechnischer Sicht kontraproduktiv. Investitionen in Infrastruktur mache nur Sinn, wenn Wachstumsmöglichkeiten und Skalierbarkeit gegeben seien.

Weiteres Top-Thema des Fernsehgipfels war die Kabeleinspeisegebühr, deren Zahlung die öffentlich-rechtlichen Sender in diesem Jahr einstellen wollen. Nach wie vor sind hier die Fronten zwischen ARD/ZDF und Kabelnetzbetreibern verhärtet. KDG-Chef von Hammerstein kündigte an, dass sein Unternehmen alle rechtlichen Schritte ausschöpfen werde, um die Weiterzahlung der Kabeleinspeisegebühr zu sichern. Albert bezeichnete es als Diskriminierung der privaten TV-Anbieter, wenn sie die Kabeleinspeisegebühr weiter bezahlen müssten, die öffentlich-rechtlichen Sender jedoch nicht.

Die ANGA COM 2014 (20. bis 22. Mai) findet erneut in Köln statt.
Eckhard Eckstein
(MB 07/08_13)

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